Der Papst, die Mafia und der Erzbischof von Hamburg

Erzbischof Stefan Heße von Hamburg fordert das Frauenpriestertum

Die kirchliche Autorität, welche die Autorität der Kirche untergräbt

(Rom) Während Papst Franziskus seine Stimme gegen die Mafia erhebt, was in der Sache niemandem wehtut, aber den sicheren Applaus aller verspricht, besonders der wirklich mit dem organisierten Verbrechen liierten Politiker (wer ist schon für die Mafia!?), geht Hamburgs Erzbischof an die Substanz mit seinem veritablen Angriff auf die Konstitution der Kirche. Zwei Seiten desselben Denkens?

Papst Franziskus beauftragte die Internationale Marianische Päpstliche Akademie, eine wissenschaftliche Institution, die sich mit Mariologie befaßt, eine Abteilung für die Analyse und Erforschung krimineller und mafiöser Phänomene zu errichten, „um die Gestalt der Jungfrau Maria vom Einfluß der organisierten Kriminalität zu befreien“.

Anlaß dafür ist ein in Ausmaß und Bedeutung ebenso nebensächliches wie marginales Problem: die „Verneigung“ mit einer Marienstatue im Rahmen einer Patronatsprozession in einer ‚Ndrangheta-Hochburg Kalabriens. Die Prozession, so der Vorwurf, werde mißbraucht, um dem örtlichen „Boß“ eine Reverenz zu erweisen.

Die in Clans organisierte Kriminalität Süditaliens und Siziliens (Mafia, im deutschen Sprachraum für das Gesamtphänomen gebraucht, nennt sich nur jene Siziliens) ist ein vielschichtiges Problem, allerdings mit Sicherheit keines der Mariologie. Sie verschafft Sensationsjournalisten Verkaufsbestseller und Karrieren und dient auch als „Phantom“, mit dem bei Bedarf alles (und nichts) erklärt werden kann.

Mariologie reimt sich auf Kriminologie?

Franziskus schafft es, mit bemerkenswerter Phantasie immer mehr kirchliche Institutionen „neu auszurichten“. Manche würden sagen, sie ihrem eigentlichen Zweck zu entfremden.

Der entsprechende Auftrag an die Internationale Marianische Päpstliche Akademie erging am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt. Der Papst übermittelte ihn in einem Schreiben an P. Stefano Cecchin OFM, den er 2017 zum Vorsitzenden der Akademie ernannt hatte. Der Franziskaner ist Gründer der 2018 errichteten Internationalen Beobachtungsstelle über Erscheinungen und mystische Phänomene (OISA) sowie Mitbegründer und Vorsitzender der 2019 errichteten Christlich-Muslimischen Marianischen Kommission.

P. Cecchin begeisterte sich für den päpstlichen Auftrag und kündigte an, daß „eine große Anzahl von Richtern, Kriminologen, Militärs, von Staat und Kirche“ in die neue Abteilung eingebunden werden, um „gemeinsam für das Wohl der menschlichen Person, der Gesellschaft und das ‚gemeinsame Haus‘ zu arbeiten, wie Franziskus sagt“.

Am kommenden 18. September werde das Projekt näher vorgestellt werden. „Die Idee ist“, so P. Cecchin, „jedes Jahr, jeweils am 13. Mai, eine Konferenz abzuhalten, auf der die Ergebnisse der Arbeit vorgestellt werden“. Der 13. Mai ist der Tag, an dem die Kirche das Fest Unserer Lieben Frau von Fatima begeht. Neben der Neuausrichtung der Marianischen Akademie von einer mariologischen zu einer kriminologischen Einrichtung wird es somit eine weitere Umdeutung geben: die des Fatimatages.

Nach dem 2016/2017 erfolgten Umbau der Päpstlichen Akademie für das Leben vom Lebensrecht zur „Humanökologie“ sowie der Verwendung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften seit 2015 für den institutionalisierten Brückenschlag zur UNO und den Globalisten (und ihrer Agenda) durch die Ernennung entsprechender Akademiemitglieder wie Jeffrey Sachs, Hans Joachim John Schellnhuber oder jüngst von Mario Draghi, wird mit der jüngsten Achsenverschiebung bei der Marianischen Akademie bereits die vierte päpstliche Akademie einer Neuausrichtung unterworfen.

Errichtung der Abteilung für Analyse, Erforschung und Beobachtung krimineller und mafiöser Phänomene

Deutsche Bischöfe wie unreife Jugendliche?

Was in Rom von bissigen Zeitgenossen als „päpstliche Demontage-Show“ bezeichnet wird, steht ständigen Frontalangriffen aus dem deutschen Sprachraum gegenüber. Als besonders unduldsam erweisen sich dabei einige bundesdeutsche Bischöfe, die sich durch heterodoxe Vorschläge gegenseitig übertrumpfen wollen. Das Phänomen ist bereits ein halbes Jahrhundert alt, wobei Art und Weise immer dreister werden. Jüngstes Beispiel ist Hamburgs Erzbischof Stefan Heße.

Msgr. Heße fordert die Diskussion über das Frauenpriestertum wiederaufzunehmen. Die Diskussion, schon damals vor allem von deutscher Seite ständig am Köcheln gehalten, wurde 1994 von Papst Johannes Paul II. „definitiv“ für beendet erklärt, weil die Frage selbst erschöpfend geklärt ist. Johannes Paul II. stellte mit seinem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis ein für allemal fest, daß Frauen aus theologischen Gründen nicht zum Weihesakrament zugelassen sind. Erzbischof Heße, den Franziskus 2015 auf den Bischofsstuhl des heiligen Ansgar nach Hamburg berief, will das mit antiautoritärem Impetus nicht akzeptieren. Im Rückblick verwundert es, daß Heße unter Joachim Kardinal Meisner einst Generalvikar des Erzbistums Köln und sogar dessen Apostolischer Administrator war. Spätestens seit dem kometenhaften Aufstieg von Reinhard Kardinal Marx sind die Gläubigen über die chamäleonhafte Anpassungsfähigkeit mancher deutscher Prälaten im Bilde.

Heße forderte in der US-amerikanischen Jesuitenzeitschrift America, daß „über die Frage soll nachgedacht und diskutiert werden dürfen“.

Selbst Papst Franziskus hatte im Mai 2019 gegenüber den Ordensoberinnen der katholischen Frauenorden in Beantwortung der Frage einer deutschen Ordensfrau gesagt: „Wer eine andere Kirche will, ist frei, sie sich zu machen“. Allerdings wäre Franziskus nicht Franziskus, wenn es nicht doch ein „aber“ gäbe.

Die Bereitschaft zur fortschreitenden Delegitimierung der Autorität läßt sich auch ohne das „aber“ davon nicht beeindrucken, findet allerdings im „aber“ ein Zuzwinkern. Die Autorität der Kirche wird in erster Linie nicht von den Beinen, sondern vom Kopf her untergraben. Der Vorstoß von Erzbischof Heße ist ein bezeichnendes Beispiel dafür. Und er ist damit keineswegs alleine. Still und leise, aber unübersehbar, hat sich in deutschen Landen ein Episkopat etabliert, wohlgemerkt durch päpstliche Ernennung, für den in zentralen Fragen von Lehre und Ordnung abweichende Positionen nicht mehr anstößig sind. Damit ist in Deutschland die kirchliche Autorität, die uneingeschränkt lehrt und verteidigt, was die Kirche lehrt und konstitutiv ausmacht, in der Substanz in Frage gestellt.

Erzbischof Stefan Heße von Hamburg

Dialektik der Beliebigkeit

Progressive Dialektik findet immer Wege: Msgr. Heße lobte Ordinatio sacerdotalis. Eine solche Vorgehensweise ist deutschen Katholiken leidlich bekannt. Entscheidend ist an Aussagen erst, was nach einem unschwer vorhersehbaren „aber“ folgt. „Aber“, sagt Erzbischof Heße, seit 1994 seien „neue Argumente“ hinzugekommen, die Johannes Paul II. nicht berücksichtigt habe. Mit den Worten Heßes gesprochen:

„Die historische Perspektive habe ihr Gewicht, ist aber nicht alles“.

Und was hätte Johannes Paul II. „nicht berücksichtigt“? Die „Notwendigkeiten der Zeit“, sagt der Erzbischof.

Es ist allerdings Franziskus selbst, der Gewißheit und Klarheit untergräbt. Das geschieht durch die permanente Berufung auf den „Dialog“, als sei dieser bereits eine Antwort. Das geschieht ebenso durch die Weigerung, klare Antworten zu geben, selbst dann, wenn er ausdrücklich darum gebeten wird, wie durch die Dubia (Zweifel) der Kardinäle Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner im Jahr 2016. Doch zu jenem Zeitpunkt hatte Msgr. Heße, dank Franziskus, Köln bereits hinter sich gelassen und war Erzbischof von Hamburg geworden.

Heße fordert natürlich auch „nur“ Dialog, zumindest vorerst. Nicht alle reden gleich vom Frauenpriestertum, vom Frauendiakonat schon mehr. Papst Franziskus ernannte im vergangenen April bereits die dritte Kommission im 21. Jahrhundert, um die Frage „zu studieren“ und weckt damit neue Begehrlichkeiten. Das Hauptanliegen ist derzeit aber die Zölibatsbeseitigung.

Eine Reihe von Bischöfen, vordringlich des deutschen Sprachraums, erweisen sich statt als Verteidiger der immerwährenden Glaubenslehre mehr als Kinder ihrer Zeit, indem diese Bischöfe selbst in Frage stellen, was sie verteidigen und das Volk lehren sollten. Sie orientieren sich dabei mehr am vorherrschenden Denken der Welt, in der Lehrer nicht mehr anerkannt und Gewißheiten nicht mehr akzeptiert werden.

Quelle: katholisches, G. Nardi (auszugsweise) Bild: InfoVaticana/InfoCatolica

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