McCarrick-Boys zertrümmern den überlieferten Ritus

Kardinal Wilton Gregory, Erzbischof von Washington: Bestimmungen, mit denen er Traditionis custodes umsetzt.

(New York) Während der Erzbischof von Chicago, Blase Kardinal Cupich, einen Feldzug gegen altrituelle Gemeinschaften führt, verbietet der Erzbischof von Washington, Wilton Kardinal Gregory den Pfarreien seiner Erzdiözese im überlieferten Ritus zu zelebrieren. Beide Purpurträger berufen sich auf das Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus. Beide wurden vom derzeitigen Papst in Amt und Würden gehoben. Beide gehören zu den McCarrick-Boys.

Gestern, dem 22. Juli, erließ Kardinal Gregory – seit 2019 Erzbischof der Erzdiözese Washington, zu der die US-Bundeshauptstadt gehört – Bestimmungen, mit denen er das Motu proprio Traditionis custodes umsetzt. Die neuen Richtlinien verbieten die Zelebration des überlieferten Ritus in den Pfarrkirchen des Erzbistums.

Zur Herbsttaggleiche werden die Bestimmungen in Kraft treten. Ab diesem Datum ist es nicht mehr erlaubt, in einer Pfarrkirche der Erzdiözese die heilige Messe im überlieferten Ritus zu zelebrieren. Damit setzt Kardinal Gregory um, was von Franziskus in Traditionis custodes für die Weltkirche bestimmt wurde.

Ab dem 21. September darf die tridentinische Messe, die von 2007 bis 2016 gemäß dem Motu proprio Summorum Pontificum von Papst Benedikt XVI. als „außerordentliche Form des Römischen Ritus“ bezeichnet wurde, nur mehr in drei Kirchen des Erzbistums zelebriert werden, die von Kardinal Gregory bestimmt wurden. Keiner dieser Meßorte ist eine Pfarrkirche. Zwei befinden sich im Staat Maryland, einer in der Bundeshauptstadt Washington. 

Jeder Priester, der im überlieferten Ritus zelebrieren will, muß schriftlich eine Erlaubnis beantragen und die Gültigkeit, „der während des Zweiten Vatikanischen Konzils, das 1965 endete, eingeführten Änderungen bestätigen“, wie die Washington Post schreibt. Gemeint ist die Anerkennung von Bugninis Liturgiereform, die 1969 von Papst Paul VI. promulgiert wurde und allein zeitlich – anders als von der Washington Post behauptet – in keinem unmittelbaren Zusammenhang zum Zweiten Vaticanum stand, sondern ein nachkonziliares Produkt des „Konzilsgeistes“ war.

Auch in diesem Punkt kann sich Kardinal Gregory auf Papst Franziskus berufen, der Bugninis Novus Ordo in Traditionis custodes (Artikel 1) zur „einzigen Ausdrucksform der lex orandi des Römischen Ritus“ erklärte. Die von Papst Benedikt XVI. jedem Priester erlaubte Zelebration des überlieferten Ritus wurde von Papst Franziskus im Juli 2021 annulliert. Der überlieferte Ritus steht laut Artikel 1 von Traditionis custodes außerhalb der lex orandi des Römischen Ritus. Er wurde von Franziskus zum toten Relikt einer überwundenen Zeit erklärt, das in seltenen Fällen und unter eng gefaßten Bedingungen geduldet wird – wie eben auch mit einer Nostalgiebahn gelegentlich eine Fahrt unternommen wird.

„Wir entsagen dem modernistischen Establishment“

Erzbischof Héctor Aguer, der Gegenspieler Bergoglios in der Argentinischen Bischofskonferenz in dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires, bezeichnete Traditionis custodes vor wenigen Tagen als „echtes Unglück“. Das Motu proprio von Papst Franziskus zwinge Priester und Gläubige zum Ungehorsam. „Gute Bischöfe“, so Aguer, reagieren auf diesen Ungehorsam mit Verständnis und Nachsicht. Der emeritierte Erzbischof von La Plata nennt diese den Bischöfen empfohlene Haltung, einen unausgesprochenen, faktischen „Indult“.

Die McCarrick-Boys in den USA sehen das anders. Theodore McCarrick, bis 2018 Kardinal und bis 2019 Priester, war unter Franziskus zum mächtigsten Kirchenmann in den USA aufgestiegen, bis er bei der New York Times in Ungnade fiel und in der Versenkung verschwand. Sein vergiftetes Erbe wirkt jedoch weiter. Seine Protegés gelangten durch Franziskus zu höchsten Würden. Sie danken es dem regierenden Papst durch treue Umsetzung von Traditionis custodes und anderer päpstlichen Dokumente.

Die Washingtoner Internetseite DC Latin Mass, die Meßorte des überlieferten Ritus veröffentlichte, stellte faktisch den Betrieb ein. Als Reaktion auf die neuen Richtlinien von Kardinal Gregory veröffentlichte die Redaktion eine kurze, aber dramatische Stellungnahme:

„Wir entsagen dem modernistischen Establishment des Zweiten Vaticanum und all seinen Werken und leeren Versprechungen, und wir fordern unsere Leser auf, dies ebenfalls zu tun.

Beten Sie. Verrichten Sie die Werke der Barmherzigkeit. Tun Sie Buße, wie es die Muttergottes wiederholt von einer tauben Welt erbeten hat. Pflegen Sie die Demut (ohne sie kommen Sie nicht in den Himmel).

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung von DC Latin Mass.“

McCarrick Boys werden nach Wink von Franziskus aktiv

Das zertrümmernde Motu proprio wurde von Franziskus am 16. Juli 2021 erlassen. Von manchen Bischöfen wurde es repressiv umgesetzt, von anderen ignoriert. Im vergangenen Mai sandte Franziskus ein Signal aus, als er im Gespräch mit den Schriftleitern der europäischen Jesuitenzeitschriften erwähnte, daß es vor allem in den USA „viele“ Gruppen von „rückwärtsgewandten Restauratoren“ gebe, wie der argentinische Papst diskreditierend meinte. Das war ein Wink an die Bergoglianer im US-Episkopat wie Cupich und Gregory, Traditionis custodes härter durchzusetzen.

Davon schwer betroffen ist das Institut Christus König und Hohepriester (ICRSS), dessen US-Hauptsitz sich seit fast 20 Jahren in Chicago befindet. Dort investierte das Institut aus eigener Kraft sehr große Summen, um das ihr anvertraute Christkönig-Heiligtum wiederzubeleben und dann nach einem verheerenden Brand wiederaufzubauen. Mit 1. August müssen die Priester des Instituts die Erzdiözese Chicago verlassen, weil sie die repressiven Auflagen, die ihnen Kardinal Cupich macht, nicht erfüllen können. Sie werden sich unter einem freundlicher gesinnten Bischof ein neues Zentrum aufbauen müssen (wo sie bleiben können, solange dort ein freundlich gesinnert Bischof regiert). Die Gläubigen aber bleiben verwaist zurück und die investierten Summen, Spenden der Gläubigen, sind verloren, denn wer sollte ihnen das Heiligtum ablösen. Kardinal Cupich fährt mit einem Federstrich über Priester und Gläubige drüber. 

Gleiches macht Kardinal Gregory in Washington. Das synchrone Vorgehen der McCarrick Boys läßt erkennen, daß der Wink aus Santa Marta verstanden und Absprachen getroffen wurden. Der Kampf gegen „religiöse Rechte“ – denn um einen politischen Machtkampf geht es Franziskus, dem „Politiker auf dem Papstthron“ – nimmt neue Fahrt auf. Anfang November finden in den USA die Zwischenwahlen statt, und es steht ziemlich schlecht um die Linksdemokraten.

Einseitig geführter politischer Kampf

Viele gläubige Katholiken in den USA leiden unter dem politischen Kontext, den Franziskus seinem Handeln zugrundelegt – und dem daraus folgenden politischen Kampf, den er ihnen aufzwingt, indem er ihn gegen sie führt. Sie verstehen das nicht, weil sie selbst dem politischen Denken nicht jene Priorität beimessen, die Franziskus ihm beimißt. Es nützt ihnen aber nichts, da Franziskus nunmal so denkt und seine Sicht der Welt in politischen Kategorien erfolgt und von linken Maximen wie Macht (Machtkampf/Machterhalt) und Herrschaft (Herrschaftsdiskurs) bestimmt ist.

Diese Dychotomie des Denkens läßt beide Seiten sich fremd sein, ohne daß der Zusammenhang immer genau verstanden wird. Die gläubigen Katholiken, von Franziskus als „Indietristen“ und „Restauratoren“ verunglimpft, verstehen nicht, warum sie der Papst bekämpft, obwohl sie die natürliche und göttliche Ordnung in einem Meer der Unordnung leben und verteidigen. Franziskus wiederum sieht in ihnen einen gefährlichen Feind – und der steht immer rechts –, den es mit allen gebotenen Mitteln zu bekämpfen gilt, mit direkten Hieben und mit List.

Die Gläubigen und Priester der Tradition fühlen sich bedrängt und verfolgt. Allerdings herrscht auch auf der Gegenseite Nervosität. 

Die McCarrick Boys, die McCarrick gerne vergessen machen würden und auch als Bergoglio Boys bezeichnet werden könnten, zertrümmern auf päpstliches Geheiß die Tradition. Sie greifen wie Kardinal Cupich deren Vertreter in ihren Strukturen an mit dem Ziel, sie zu schwächen. Ebenso ungerührt desavouiert Franziskus führende Bischöfe, die nicht dieser Clique angehören wie Erzbischof Salvatore Cordileone von San Francisco. 

Nachdem Franziskus durch massive Interventionen seine politischen Freunde, die Abtreibungspolitiker der Demokratischen Partei, im November 2021 vor einer Verurteilung durch die Bischofskonferenz der USA gerettet hatte, setzte Erzbischof Cordileone eigenständig einen Schritt und schloß Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, führende Vertreterin der Demokraten und Abtreibungspolitikerin, vom Kommunionempfang aus. Pelosi reiste nach Rom, nahm an einer Papstmesse im Petersdom teil und ging dort zur Kommunion. Das war ein Dolchstoß gegen Erzbischof Cordileone, ein typisch bergoglianischer Dolchstoß, denn formal tat Franziskus nämlich gar nichts, sondern war bei der genannten Messe „nur“ im Petersdom anwesend. Die Kommunion spendet er Gläubigen grundsätzlich nie.

Erzbischof Cordileone reagierte auf seine Weise. Das Kommunionverbot für Pelosi in der Erzdiözese San Francisco gilt weiterhin und am 1. Juli, zwei Tage nach dem römischen Dolchstoß, zelebrierte Cordileone in der vom heiligen Juniperio Serra gegründeten Missionsstation San Francisco de Asis ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus. An diesem nahmen auch die Kardinäle George Pell und Robert Sarah teil, die beide von Franziskus kaltgestellt wurden. 

Erzbischof Cordileone setzte damit gleich eine ganze Reihe von Handlungen, die jenen von Franziskus entgegenstehen. Am 29. Juni in Rom und am 1. Juli in San Francisco prallten zwei Welten aufeinander, die nur mehr wenig gemeinsam zu haben scheinen.

Erzbischof Cordileone zelebrierte als Bischof im überlieferten Ritus, was Franziskus nicht einmal den Priestern mehr zugestehen will, geschweigedenn durch Bischöfe wünscht. Die Zelebration fand in einer Pfarrkirche statt, aus denen Franziskus den überlieferten Ritus mit Traditionis custodes aussperrte. Anlaß der Zelebration war das Gedenken an den heiligen Junipero Serra, den Apostel Kaliforniens, gegen den antichristliche Kräfte, die wiederum den Linksdemokraten, den politischen Freuden von Franziskus, nahestehen, seit einigen Jahren einen teils gewalttätigen Kampf führen. Dieser Kampf will – ein irrational irrwitziges Paradox – die Entdeckung Amerikas, die europäische Besiedlung und Christianisierung des Kontinents, rückgängig machen.

Im Gegensatz zu Westeuropa sind die gesunden Kräfte in den USA stark und selbstbewußt, weshalb sich der Kulturkampf dort mit besonderer Wucht konzentriert, um diese Kräfte zu zerschlagen, wie dies zuvor weitgehend in Westeuropa bereits geschehen ist. Je vitaler sich die gesunden, christlichen Kräfte erweisen, desto zorniger und radikaler tritt die Gegenseite auf – und findet auch in Teilen der Kirche Unterstützung, bis nach Rom.

Quelle: katholisches, G. N., Bild: Adw (Screenshot), Archivar: Pater Andreas Endl

„Traditionis custodes ist ein echtes Unglück“

Erzbischof Hector Aguer übt harte Kritik an Papst Franziskus wegen Traditionis custodes.

Erzbischof Aguer: „Traditionis custodes ist ein echtes Unglück, das Priester und Gläubige zum Ungehorsam zwingt“

Santa Marta ist der Ort des „offiziellen Progressismus“

Msgr. Héctor Aguer, der emeritierte Erzbischof von La Plata, schweigt auch im von Papst Franziskus verordneten Ruhestand nicht. Erzbischof Aguer war Bergoglios Gegenspieler im argentinischen Episkopat. Beide waren in den 90er Jahren unter Kardinal Antonio Quarrancino Weihbischöfe von Buenos Aires. Zwischen beiden entschied sich Kardinal Quarrancino für Bergoglio als seinen Nachfolger. Eine fatale Weichenstellung. In seiner jüngsten Stellungnahme erhebt der argentinische Erzbischof Anklage gegen Papst Franziskus wegen des Motu Proprio Traditionis custodes und tadelt die päpstliche Linie als „offiziellen Progressismus“.

Der Nachfolger von Msgr. Aguer als Erzbischof von La Plata, Msgr. Victor Manuel Fernández, ein engerer Vertrauter von Papst Franziskus, eliminierte das Motu proprio Summorum Pontificum in seinem Bistum bereits 19 Monate vor Traditionis custodes. Rückblickend erscheint das Vorgehen des päpstlichen Protegés wie ein Probelauf.

„Der Papst ist nicht der Herr der Liturgie, der mit ihr machen kann, was er will, sondern ihr Diener und Bewahrer“, warnt nun Erzbischof Aguer.

Die von Erzbischof Aguer zitierten Papstworte entstammen dem Motu proprio Traditionis custodes, dem Gespräch mit den Schriftleitern der europäischen Jesuitenzeitschriften vom 19. Mai 2022 und einer Ansprache an die Teilnehmer der Konferenz „Entwicklungslinien des globalen Bildungspakts“ vom 1. Juni 2022.

Das Motu proprio Traditionis custodes ist eine echte Katastrophe

Der Progressismus, der sich vor einem Jahrzehnt in Rom etabliert hat, kritisiert eine Art umgekehrten Populismus. Dem Handbuch des Populismus ist zu entnehmen, daß es notwendig ist, das Vertrauen und die Unterstützung der jungen Menschen zu gewinnen. Es ist aber nun einmal so, daß diese Abweichungen und fortschrittlichen Abenteuern gegenüber mißtrauisch sind und die Tradition bevorzugen und lieben. Rom geißelt sie, indem es sie auf verächtliche Weise mit dem Neologismus „Indietrismus“ brandmarkt. Gemeint sollen jene sein, die „zurückschauen“ und sich danach sehnen würden, „zurückzugehen“ – was allemal besser wäre als die Gegenwart und der „Fortschritt“ der Progressiven. „Zurück“ liegen die Wurzeln, der Abendmahlssaal und das Kreuz, aus denen die große kirchliche Tradition entspringt. Es ist interessant festzustellen, daß junge Menschen im allgemeinen von der Möglichkeit begeistert sind, an der überlieferten Messe teilzunehmen, die Benedikt XVI. mit großer Weisheit und pastoralem Eifer ermöglicht hat, als er sie 2007 mit seinem Motu proprio Summorum Pontificum als außerordentliche Form des Römischen Ritus etablierte. Natürlich waren es nicht nur die jungen Leute, die seither an der jahrhundertealten Zelebration festhielten, in der sie den Sinn des Geheimnisses entdeckten. Vor allem aber waren die neuen Generationen angezogen von einer Genauigkeit, Feierlichkeit und Schönheit, die sie nicht kannten und die sie in der von dem Freimaurer Annibale Bugnini und seinem Expertenrat erfundenen ‚Eucharistiefeier‘ nicht fanden.

Das Motu proprio Traditionis custodes ist ein echtes Unglück, das viele Priester und Gläubige zum Ungehorsam zwingt, der von den guten Bischöfen mit Verständnis (einer Art von Indult) gesehen wird. Dieser päpstliche Ukas, der im Gegensatz zur viel verkündeten Synodalität steht, hat die Arbeit der großen Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. desavouiert. „Zurückkehren“ ist paradoxerweise in diesem Fall gleichbedeutend mit „Vorwärtsgehen“, da es darin besteht, an der Tradition festzuhalten, die immer dieselbe ist, immer neu, kein Museumsstück, sondern wie eine lebendige Pflanze, wie der heilige Vinzenz von Lerins im 5. Jahrhundert erkannte und sagte: In eodem scilicet dogmate, eodem sensu, eademque sententia [nämlich in derselben Lehre, in demselben Sinne und in derselben Bedeutung]. Der Papst ist nicht der Herr der Liturgie, der mit ihr machen kann, was er will, sondern ihr Diener und Bewahrer. Joseph Ratzinger erklärt dies sehr gut in seiner Theologie der Liturgie.

Rom verunglimpft nicht nur den „Indietrismus“, sondern kritisiert auch immer wieder jene, die „stark veraltete Muster“ verwenden – eine weitere Karikatur der Tradition! „Wir müssen unsere Art, die Realität zu sehen und zu bewerten, erneuern.“ Es wird auch bekräftigt, daß „das einzige Konzil, an das sich manche Hirten am besten erinnern, das Konzil von Trient“ sei mit dem Zusatz, daß das „kein Unsinn ist“. Nein, es ist schlimmer: Es ist ein Trugschluß, eine Verhöhnung.

Eine weitere Parole des offiziellen Progressismus ist „Restauration“, den er vielen in den Vereinigten Staaten zuschreibt. Er scheint sich darüber zu ärgern, daß die große kirchliche Tradition in diesem Land blüht. Der Vorwurf lautet auf eine „Restauration“, die das Zweite Vaticanum „nicht akzeptiert“ hätte. Es ist merkwürdig, daß Rom das Konzil mit dem „Geist des Konzils“ verwechselt, der seine willkürliche Verzerrung war. Progressive Manie betrachtet Gruppen, „die der Kirche durch soziale oder pastorale Hilfe ein neues Gesicht geben“, als „Zeichen der Erneuerung“. Ein neues Gesicht, in dem Christus das seiner Braut nicht mehr erkennt.

Die „Indietristen“ und die „Restauratoren“ sind jene, die sich in ihrem Handeln von der Konstitution Sacrosanctum Concilium leiten lassen, einem Text, in dem der Wille der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils festgeschrieben ist: „Niemand, auch kein Priester, darf der Liturgie aus eigenem Antrieb etwas hinzufügen, wegnehmen oder verändern“ (Nr. 22). Dieser Hinweis impliziert, daß die Liturgie durch die Genauigkeit des Ritus gekennzeichnet sein soll. In jedem religiösen System finden wir das, was der römische Jurist Pomponius Festus (der ein Heide war) als mos comprobatus in administrandis sacrificiis [die anerkannte Weise, Opfer darzubringen] bezeichnete. Joseph Ratzinger hat dieses Ziel interpretiert als „Suche nach einer richtigen Form der Gottesverehrung, nach einer Form des Gebets und des gemeinschaftlichen Gottesdienstes, die Gott gefällt und seinem Wesen entspricht. Wie kann man Ihn so verherrlichen, daß diese Anbetung der richtige Weg ist, Ihm zu begegnen? Mos bedeutet Sitte, Brauch, Gewohnheit, Praxis und bezeichnet auch das Gesetz. In der christlichen Sprache ist es der Ritus, die ‚Orthodoxie‘, die rechtmäßige Verherrlichung Gottes, die vom Volk Gottes, das die Kirche ist, gebilligt und aufrechterhalten wird.“ Der Römische Ritus wurde in den ersten christlichen Jahrhunderten geformt und unverändert weitergegeben. Viele Heilige haben ihn zelebriert. Im Jahr 2007 rettete Benedikt XVI. ihn als „außerordentliche Form“, und eine Vielzahl junger Menschen entdeckte ihn als eine vollkommene Form der Anbetung Gottes, die das Kreuzesopfer auf sakramentale Weise vergegenwärtigt. Die Genauigkeit – ohne subjektivistische Strenge – ist im Römischen Ritus ein objektiver Wert, sie schützt die Anbetung des Mysteriums und ermöglicht die Vereinigung des Zelebranten und der Gläubigen mit der übernatürlichen Wirklichkeit, die unter dem Schleier der sakramentalen Zeichen gegenwärtig wird. In der Eucharistie wird Gott wahrhaft verherrlicht, und man nimmt teil am Opfer Jesu Christi, des fleischgewordenen Wortes und auferstandenen Erlösers. In der neuen Messe Pauls VI. (in Wirklichkeit von Bugnini) ist der Altar verschwunden und durch einen Tisch ohne Kreuz ersetzt; die Kniebeugung und die Ehrerbietung entfallen; der Zelebrant schaut die Gläubigen an und bezieht sich auf sie in einer brüderlichen Begegnung, anstatt sie zu führen, mit ihnen nach Osten zu schauen, zum Anatolé [Sonnenaufgang], der kommt, damit die Gemeinschaft der Kirche durch das Wirken des Heiligen Geistes den Vater verherrlicht: Mit Christus, durch Ihn und in Ihm wird dem Vater alle Ehre und Herrlichkeit gegeben.

Zwei weitere Werte werden dem Ritus zugeschrieben, die von den „Indietristen“ und „Restauratoren“ gepflegt werden: Feierlichkeit und Schönheit. Ersteres wurde in der Praxis der neuen Messe durch Trivialisieren abgelöst; es ist eine lächelnde und freundliche Begegnung, bei der der Priester als Animator fungiert. Es wird besonders darauf geachtet, daß die Atmosphäre, die geschaffen wird, ohne rituelle Genauigkeit, „heimelig“, alltäglich und gewöhnlich ist. Auf diese Weise will man die Massen anlocken, ohne sich bewußt zu machen, daß die Feierlichkeit die Hüterin des Glaubens ist, ein unschätzbares Geschenk Gottes, und daß die Eucharistie ein Fest des Glaubens ist.

Unter Schönheit verstehen wir nicht nur den Rahmen, der kunstvoll gestaltet sein muß, sondern das Ganze, die Gesamtheit und ihre Vollkommenheit. Nur ein Aspekt soll hervorgehoben werden: die Musik. Der Gregorianische Choral, die a capella vorgetragene Polyphonie und die Orgel werden durch die Gitarre ersetzt, die nicht wie eine Laute gespielt (man beachte die Verwandtschaft zwischen Gitarre und Laute), sondern schlecht gespielt und bestraft wird. Der Text und die elementare, perkussive Melodie ergeben ein unbedeutendes Liedchen ohne jeglichen musikalischen oder kulturellen Wert. Der Römische Ritus hat Schöpfungen von hoher Kunst hervorgebracht, die sich auch im weltlichen Bereich verbreiteten und berühmt wurden. Die größten Komponisten des Westens im 17. Jahrhundert haben der Kirche und der Welt einen wunderbaren Schatz geschenkt. Es ist unmöglich, im Rahmen eines Artikels all die berühmten Namen der Komponisten von Messen, Oratorien, Hymnen und Stücken religiöser Inspiration aufzuzählen. Als Beispiele nenne ich nur die h‑Moll-Messe von Johann Sebastian Bach bis Olivier Messiaens Zwanzig Ansichten des Jesuskindes. Dieser Reichtum an Musik im Dienste der Kirche war ausgesprochen populär. In den Städten und sogar in den Dörfern mit bescheidenen Mitteln wurde stets die Schönheit des Gottesdienstes gepflegt. Ein gesunder „indietrismo“ kann heute diesen Schatz wieder in Umlauf bringen, auch außerhalb der liturgischen Feier, indem die Kompositionen in Kirchen im Kontext des Gebets dargeboten werden. Es ist angebracht zu erkennen, daß man nicht nur betet, indem man betet oder singt, sondern auch zuhört, mit den Ohren und dem Herzen. Die Fruchtbarkeit der Kirche hat mit ihrer Ermutigung das musikalische Schaffen gefördert und über Jahrhunderte hinweg ein Mäzenatentum ausgeübt, das anzuerkennen ist (und von den Historikern anerkannt wird) und das zur Ehre Gottes und zur Bildung der Völker wiederentdeckt werden kann. Ich beharre darauf: Die Schönheit des Gottesdienstes kann populär werden, wenn sie offiziell gepflegt wird, wenn sie wieder den notwendigen Platz in der Liturgie bekommt. Es gibt nichts Unpopuläreres als Populismus. Rom bleibt das Zentrum des Westens; es steht ihm nicht an, den Pauperismus einer fernen Bananenrepublik zu übernehmen.

Die Werte der Genauigkeit, der Feierlichkeit und der Schönheit hinterlassen, wenn sie in der Liturgie gepflegt werden, eine kulturelle Prägung, die einen Reichtum der Evangelisierung darstellt. Eine objektive, von ideologischen Vorurteilen freie Lektüre der Konstitution Sacrosanctum Concilium offenbart die Kohärenz des Zweiten Vaticanum mit der großen kirchlichen Tradition. Eine andere Sache ist die Reform der Riten, insbesondere des Meßritus – das Werk von Bugnini und seinen Leuten. Vom Rationalismus geprägte Teile der liturgischen Bewegung haben die Verwurzelung des Volkes in den besten Errungenschaften der jahrhundertealten Übung nicht wahrgenommen, die sich in der überlieferten Messe konkretisiert und immer die Einheit der Kirche zum Ausdruck gebracht hat. Ich füge an dieser Stelle ein langes Zitat von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. – ein, das zum Ausdruck bringt, was ich zu sagen versuche: „Eine Messe, die in einem Dorf in Oberbayern gefeiert wird, wird ganz anders aussehen als eine feierliche Messe in einer französischen Kathedrale, und diese wiederum anders als eine Messe in einer Pfarrei in Süditalien oder in einem Bergdorf in den Anden und so weiter und so fort. Die Ausschmückung und Gestaltung des Altars und der ganzen Kirche, der Gottesdienst, die Art zu singen und zu beten, all das gab der Liturgie einen besonderen Charakter, so daß man sich in ihr ganz ‚zu Hause‘ fühlte. Und doch konnte man sie überall als ein und dieselbe erfahren und so die große Gemeinschaft des Glaubens wahrnehmen. Die Einheit des Ritus ist die eigentliche Erfahrung der Communio; wo diese respektiert und gleichzeitig gefördert wird, gibt es keinen Gegensatz zwischen Vielheit und Einheit.“

Die „Indietristen“ und „Restauratoren“ wünschen nur, sich „zu Hause“ zu fühlen, wenn sie zur Messe gehen. „Tornare indietro“ (zurückkehren) heißt in Wirklichkeit „andare avanti“ (vorwärts gehen), sich vom Fluß der großen Tradition treiben lassen. Wiederherzustellen bedeutet, wiederaufzubauen, zu rekonstruieren, den Weg wiederherzustellen, der immer gültig ist. Es gibt keine tote, stinkende Vergangenheit, wie bei Lazarus nach vier Tagen im Grab; es ist etwas Lebendiges, Gegenwärtiges, Beständiges, das wir in die Zukunft weitergeben müssen. Das ist die Neuheit und Jugendlichkeit des Christentums. Rom lehnt nun in Interventionen, die aufgrund ihrer gewollten Zweideutigkeit große Verwirrung stiften, die Verwendung von – wie es heißt – „stark veralteten Mustern“ ab und schlägt uns vor, „unsere Art, die Realität zu sehen und zu bewerten, zu erneuern“. Das ist ein Vorschlag des elementaren Progressismus, der nur die Zahl der „Indietristen“ und „Restauratoren“ vergrößern wird, da der christliche gesunde Menschenverstand uns auffordert, an den gesunden Positionen festzuhalten.

+ Héctor Rubén Aguer
Emeritierter Erzbischof von La Plata

Buenos Aires, Montag, 18. Juli 2022

Quelle: katholisches, Einleitung/Übersetzung: G. N. Bild: MiL, Archivar: Pater Andreas Endl

Missionarinnen der Nächstenliebe ausgewiesen

Juntachef Daniel Ortega 1986 mit Mutter Teresa von Kalkutta. Das Versprechen, das er damals der Ordensfrau gab, wurde vom nicaraguanischen Machthaber vergessen.

(Managua) Die Missionarinnen der Nächstenliebe von Mutter Teresa von Kalkutta wurden vom sandinistischen Ortega-Regime aus Nicaragua ausgewiesen und nach Costa Rica abgeschoben. Nicaragua steht zusammen mit Venezuela und Bolivien an der Spitze der Länder Lateinamerikas, in denen die Kirche verfolgt wird.

Vergessen sind die Tage, als Mutter Teresa 1986 zum nationalen Eucharistischen Kongreß eingeladen war und vom sozialistischen Diktator Daniel Ortega empfangen wurde, der sich mit ihr ablichten ließ und ihr ein Versprechen gab. Die Begegnung wurde vom Fotoreporter Oscar Cantarero Altamirano festgehalten.

Von 1979 bis 1990 regierte Comandante Ortega, Chef der der marxistischen Guerillaorganisation Sandinistische Befreiungsfront FSLN, Nicaragua ein erstes Mal. Damals machte er das Land zur sozialistischen Diktatur mit engen Kontakten zur Sowjetunion (und zur westeuropäischen Neuen Linken). 2006 gelang Ortega und der FSLN, die er inzwischen in eine Partei umgewandelt hatte, überraschend und diesmal demokratisch die Rückkehr an die Macht. Die bürgerlichen Parteien waren zerstritten und ein aussichtsreicher Kandidat überraschend verstorben. So war es möglich, daß Ortega mit nur 38 Prozent der Stimmen zum Staats- und Regierungschef gewählt wurde. Seither ist er fest entschlossen, die Macht nicht mehr abzugeben. Zu diesem Zweck etablierte er schrittweise ein autoritäres und repressives Regime.

Die Sandinisten arbeiteten eng mit der marxistischen Befreiungstheologie zusammen, während sie zugleich die Kirche unterdrückten. Das geschieht auch heute wieder. Während Papst Franziskus von Diktator Ortega als „Freund“ bezeichnet wird und eine Reihe von Befreiungstheologen rehabilitierte, wird die Kirche des Landes von den „Freunden“ des Papstes verfolgt.

Im März wurde der Apostolische Nuntius Waldemar Sommertag des Landes verwiesen. Nun traf das gleiche Schicksal die Missionarinnen der Nächstenliebe.

Ortega hatte 1986 Mutter Teresa von Kalkutta versprochen, die Arbeit der Missionarinnen der Nächstenliebe für die Armen und Leidenden zu unterstützen, und das Foto mit der inzwischen heiliggesprochenen Ordensfrau gerne herumgezeigt.

Am Mittwoch gab die Costaricanische Bischofskonferenz bekannt, 18 Missionarinnen der Nächstenliebe aufgenommen zu haben, die aus Nicaragua vertrieben wurden.

Das Ortega-Regime hatte zuvor das Werk der Ordensfrauen zusammen mit 100 anderen Nichtregierungsorganisationen aufgelöst und verboten. In einer Dringlichkeitssitzung hatte die Nationalversammlung, das nicaraguanische Parlament, am 29. Juni dem Vorschlag der Regierung ohne Debatte zugestimmt. Seit den nicht wirklich freien Wahlen am 7. November 2021 kontrollieren die Sandinisten 75 von 90 Parlamentssitzen.

Die Missionarinnen der Nächstenliebe unterhielten in Nicaragua einen Kindergarten, ein Heim für mißbrauchte oder verlassene Mädchen und ein Altenheim, das bereits am 15. Juni geschlossen wurde.

Laut einem Bericht der Generaldirektion für die Registrierung und Kontrolle gemeinnütziger Organisationen des nicaraguanischen Innenministeriums seien die Missionarinnen der Nächstenliebe ihren Verpflichtungen aus dem Gesetz über Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen nicht nachgekommen. Ein fadenscheiniger Vorwand, unter dem auch zahlreiche andere Nichtregierungsorganisationen aufgelöst wurden, die dem Regime nicht genehm waren.

Nachdem die Ordensfrauen 35 Jahre im Land gewirkt hatten, von Ortega selbst ins Land gelassen, behauptete die jetzige Ortega-Regierung zudem, die Missionarinnen hätten nicht über die nötige Erlaubnis verfügt, einen Kindergarten und die anderen Einrichtungen zu führen. Sie hätten nur eine Erlaubnis besessen, „Nachhilfeunterricht“ zu erteilen.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren wurden von den Sandinisten 858 Nichtregierungsorganisationen verboten. Anlaß war der Ausbruch einer Volksrevolte 2018 gegen die Sozialversicherungsreform, die als Putschversuch Ortegas gilt.

Seit April 2018 befindet sich Nicaragua in einer politischen und sozialen Krise. Bei den Protesten wurden Hunderte von Menschen von Polizei, Militär und sandinistischen Milizen getötet. Ortega und den Sandinisten wird Wahlbetrug und die Errichtung einer Diktatur vorgeworfen.

Auch Bischöfe gehören zu den Opfern der Repression. Ein Oberhirte, der die Regierung zu laut kritisierte, wurde von Papst Franziskus emeritiert. Eine besondere Zielscheibe des Regimes ist derzeit Bischof Rolando Álvarez von Matagalpa.

Bischof Manuel Eugenio Salazar Mora von Tilarán-Liberia in Costa Rica empfängt die vertriebenen Ordensfrauen, die in seinem Bistum vorerst Aufnahme fanden.

Quelle: katholisches, G.N. Bild: El 19/Twitter/Diocesis de Tilarán-Liberia (Screenshots)

Gedanken eines Diözesanpriesters

Der Klerus sollte sich von seinen unterschwelligen Ketten befreien und der Richtigkeit und Bedeutung des überlieferten Ritus und der unverkürzten klassischen Glaubenslehre überzeugen.

In den vergangenen Jahren ist ein zunehmendes Misstrauen vieler gläubiger und praktizierender Katholiken gegenüber dem Klerus festzustellen. Dieses Misstrauen, das durchaus berechtigt ist, betrifft auch Bischöfe und Kardinäle, Diözesan- und Kurienämter und sogar den Papst selbst.

Wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, müssen wir zugeben: Die Mitglieder des Klerus sind, von einigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen, nicht mehr die Guten – die Kleriker in ihrer Gesamtheit sind inzwischen die Schlechten! Der Klerus steht beharrlich auf der falschen Seite: Der klassische Priester (und auch Bischof) von heute ist sinister (auch politisch gesehen), begünstigt bewusst oder unbewusst freimaurerisches Gedankengut, das ihm bereits während seiner Ausbildung vermittelt wurde, gibt wenig oder gar keinen Glauben weiter, ist lau und ängstlich, scheint mehr ein Politiker als ein Diener Gottes, folgt der Meinung des Augenblicks, scheint nicht sehr überzeugt vom katholischen Glauben und verkauft sich bereitwillig für ein Butterbrot. Buchstäblich. Er handhabt seine Arbeit wie ein Konkursverwalter, und die Heilige Liturgie scheint jene lästige Unannehmlichkeit zu sein, die es eben in jeder beruflichen Tätigkeit zu ertragen gilt. Viele, wenn auch nicht alle, scheinen Priester geworden zu sein, um ein Gehalt und ein kostenloses Pfarrhaus zu erhalten. Die Zustimmung der Öffentlichkeit, einschließlich der Medien, ist wichtiger für den durchschnittlichen Priester von heute als die Wahrheit Christi und die Rettung der Seelen, über die er nicht einmal spricht. Denn schon im Seminar lernt man: Das Schlimmste, was man tun kann, ist es, Ärgernis zu geben, Zwietracht zu säen oder aufzufallen – vor allem den Zeitungen. Letztlich: Gott spricht nicht – Klatschtanten und Journalisten schon.

Es sind nicht nur Einzelfälle, die viele Laien und auch viele Priester veranlassen, sich die Frage zu stellen, inwieweit der Klerus noch glaubwürdig ist, sondern es ist vielmehr die Summe vieler Entwicklungen, Erklärungen und Aktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Sie beobachten eine immer deutlicher werdende Veränderung, die sich auch auf die Substanz des katholischen Glaubens in einem solchen Maße auswirkt, dass sich viele Priester und Laien fragen: Lehrt, lebt und gibt die katholische Kirche den katholischen Glauben noch weiter? Ist sie wirklich noch katholisch in der Tat und im Glauben, und nicht nur dem Namen nach? Viele Katholiken empfinden eine reale und persönliche Bedrohung, die vom Klerus ausgeht und auf ihre Vernichtung abzielt: Menschen wie sie, d. h. Gläubige, die denselben Glauben wie ihre Großeltern und Urgroßeltern haben, darf es nicht mehr geben. Sie haben endgültig zu verschwinden. Sie werden nicht mehr akzeptiert und auch nicht mehr geduldet und spüren einen wachsenden Druck, ihrem Glauben abzuschwören. Sie sind dazu bestimmt, von der Kirche selbst ausgelöscht zu werden. Wer sich bemüht, katholisch zu sein und Christus treu zu sein, fragt sich zunehmend, ob dies innerhalb der katholischen Kirche noch möglich ist. Eine alarmierende Situation, die dringend Antworten vom Klerus verlangt!

Was den Klerus betrifft, so fragen sich viele (wenn auch „hinter vorgehaltener Hand“), ob sie nicht getäuscht worden sind, denn sie haben das Gefühl, sich in einer Situation zu befinden, in der sie allmählich, und ohne es zu merken, an der Zerstörung der Kirche Christi und des katholischen Glaubens mitwirken, anstatt sie aufzubauen. Sie fühlen sich wie ein Polizist, der einst dieser Einheit beitrat, um zum Guten und zur Gerechtigkeit beizutragen, und der eines Tages aufwacht und feststellt, dass er in Wirklichkeit viele Jahre lang für die Unterwelt gearbeitet hat, ohne es zu merken.

Immer mehr Priester und Gläubige haben das beunruhigende Gefühl, dass die Kirchenführung sie in Wirklichkeit von Christus abbringt, anstatt sie ihm näher zu bringen. In diesem Zusammenhang stellen sich viele Fragen: Zu wem können wir noch gehen? Wo können wir noch ein katholisches Umfeld finden, das den Glauben fördert und uns Christus näher bringt? Warum scheinen Diözesen und andere kirchliche Strukturen für jene, die Christus an die erste Stelle setzen, nicht mehr verlässlich zu sein? Seit Jahrzehnten leben wir täglich mit Kompromissen und geben in einer Frage nach der anderen nach, immer nur das berühmte „ein bisschen“, bis der katholische Glaube unserer Vorväter bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Manchmal ist es schwer, die Lehren Christi in den Lehren des Klerus, ob Priester, Bischöfe, Kardinäle und Päpste, und in den verschiedenen kirchlichen Dokumenten aller Ränge und Herkünfte, zu erkennen. Als Diözesanpriester bin ich immer wieder mit solchen Fragen der Gläubigen konfrontiert worden.

Die Antwort ist nicht einfach, aber sie ist notwendig, und wir sind sie den Gläubigen schuldig, die uns richtigerweise und zu Recht darum bitten. Natürlich gibt es in der Kirche weder einen perfekten Ort noch eine perfekte Gemeinschaft ohne mehr oder weniger gravierende Mängel. Und selbst wenn es sie gäbe: Jedes Paradies hat seine Schlange.

Wenn man die verschiedenen Möglichkeiten abwägt, landet man immer wieder bei der Empfehlung, den Laien die Priesterbruderschaft St. Pius X. zu empfehlen. Die Piusbrüder haben den großen Vorteil, von allem und jedem unabhängig zu sein: Eine Freiheit, die es ihnen erlaubt, sich nicht den Entscheidungen und Veränderungen zu beugen, die von einem unheiligen Geist inspiriert sind und auf die Auslöschung des katholischen Glaubens abzielen. Kein „synodaler Prozess“ und keine kirchliche Entscheidung, die dem katholischen Glauben zuwiderläuft, wird den Glauben der Piusbruderschaft ändern können, die gerade deshalb gegründet wurde, um bestimmten verheerenden Prozessen zu widerstehen, die während des letzten Konzils ausgelöst wurden, auch wenn sie schon lange vorher vorbereitet worden sind. Der rechte Glaube ist viel wichtiger als eine juristische Form, so wünschenswert diese auch sein mag. Sie ist aber sicherlich kein entscheidendes Kriterium und im Vergleich zur Bedeutung des Glaubens bleibt sie eine bloße Formalität. Es ist nicht eine Plakette, ein Stempel oder ein Titel, der eine Gemeinschaft katholisch macht, sondern der Glauben und die Taten.

Und es sind genau diese Taten, die unwiderlegbar gezeigt haben, dass die FSSPX in jeder Hinsicht eine wirklich katholische Gemeinschaft ist. Sie zeichnet sich durch ihren Eifer für die Rettung der Seelen aus, betreut mit Sorgfalt und Hingabe die Gläubigen, die es wünschen, hat hervorragende Schulen geschaffen, ihre Unterweisung ist nicht durch modernistische und freimaurerische Tendenzen kontaminiert, sondern unterschieden durch die Klarheit des Denkens, das in der Regel sehr ausgewogen und tiefgründig ist. Ihr Engagement für den katholischen Glauben ist bewundernswert, sie sind wirklich auf Christus ausgerichtet und vermitteln nicht die übliche Mittelmäßigkeit des „modernen Klerus“.

Natürlich wird man, wenn man sich auf die Suche begibt, zweifellos auch Schwächen finden, sowohl bei den Mitgliedern der Bruderschaft als auch bei ihren Gläubigen. Es gibt einige persönliche Macken, einige unausgewogene Kommentare oder fragwürdiges persönliches Verhalten, wie es in jeder Gemeinschaft und Person vorkommt. Aber das ist, statistisch gesehen, in einer Gemeinschaft dieser Größe normal und unvermeidlich. Auch die Übertreibung in der persönlichen Strenge mag unangenehm scheinen und manche Menschen sogar erschrecken, aber letztlich sehr akzeptabel sein angesichts der Fülle der Katholizität, die in der Bruderschaft zu finden ist. Alles in allem sind die Piusbrüder überzeugend für das, was seit dem letzten Konzil in fast allen anderen Bereichen der Kirche fehlt: Sie sind im besten Sinne des Wortes normal und katholisch geblieben.

Deshalb sollten wir die Gläubigen an die Piusbruderschaft oder an Priester verweisen, die wie sie denken und handeln, und sich wie sie verhalten, und wir haben den Gläubigen jeden Zweifel zu nehmen, dass sie nicht katholisch, sondern schismatisch seien – ein altbekanntes Märchen, das man auch heute noch lesen und hören kann. Es geht nicht darum, dass es unbedingt oder ausschließlich die Piusbruderschaft sein muß, an die wir die Gläubigen verweisen. Es kann auch ein guter Priester sein, der den Vetus Ordo zelebriert und klare Vorstellungen hat. Aber bei ihnen sind wir zumindest sicher, dass die Gläubigen bei ihnen, trotz der Fehler, die immer und unvermeidlich vorhanden sein werden, den authentischen katholischen Glauben und die Liturgie finden, die diesem Glauben entspricht und Gott wohlgefällig ist.

Für Priester

  • Die Priester sollten die Sakramente spenden und so oft wie möglich die Heilige Messe nach dem Vetus Ordo zelebrieren, wenn möglich auch in Pfarrkirchen – trotz der verschiedenen Verbote und ohne Skrupel. Nach Möglichkeit mit den Gläubigen und, wo diese fehlen sollten, auch in deren Abwesenheit. Wir müssen auch in diesem zentralen Aspekt unseres katholischen Glaubens großzügig und hilfsbereit sein und uns auf die Seite derer stellen, die die heilige Liturgie in ihrer vollständigsten und authentischsten Form wünschen, trotz der Hindernisse, die in den Weg gelegt wurden. Gerade weil die Liturgie kein Selbstzweck ist, sondern das Opfer Gottes, die zentrale Handlung der Kirche und ein Mittel, um die menschliche Seele zu dem Einen zu erheben, der sich opfert, können wir nicht zulassen, dass die überlieferte Liturgie abgeschafft wird, denn es ist gerade diese Liturgie, die die verschiedenen Aspekte der heiligen Messe am vollständigsten und unmissverständlichsten verwirklicht. Sie ist nicht gültiger, aber ihre Form entspricht mehr ihrer Substanz als der Novus Ordo Missae. Schließlich: Der Papst selbst ermahnt uns, großzügig und keine „starren Legalisten“ zu sein, sondern die göttlichen Gesetze mit Großherzigkeit und Barmherzigkeit anzuwenden! Es ist also nur anzuwenden, was der Papst uns wiederholt sagt.
  • Die alten Vorurteile und Denkschemata gegenüber Msgr. Lefebvre und der Piusbruderschaft sind zu überwinden, die – oft bewusst – konstruiert wurden, um die Gläubigen und die Priester zu verwirren. Jahrzehntelang wurde die Vorstellung verbreitet, dass schon der bloße Kontakt mit der FSSPX, geschweige denn der Besuch ihrer Messen, eine schwere Sünde und eine Trennung von der katholischen Kirche sei. Das Gegenteil ist der Fall! Diese Manipulation muss aufhören, und den Gläubigen muss klargemacht werden, dass es weder Sünde noch Ungehorsam ist, wenn man zur Piusbruderschaft geht. Die systematische Ausgrenzung jener, die der FSSPX angehören oder jener, die sie besuchen, ist nicht akzeptabel. Die Pfarreien könnten Priester der Bruderschaft zu Vorträgen, Katechesen oder Feierlichkeiten einladen oder Besuche zu bestimmten Anlässen in deren Prioraten organisieren.
  • Die Priester müssen sich endlich von den unterschwelligen Ketten befreien, die sie daran hindern, sich frei auszudrücken. Es stimmt, dass theoretisch jeder seine Gedanken frei äußern kann. Aber in vielen kirchlichen Kontexten ist dies nur eine schöne Theorie. In Wirklichkeit gibt es viele religiöse Häuser, Orden und Diözesen, in denen Angst herrscht, die eigenen Gedanken zu äußern. Auch an der Heiligen Römischen Kurie herrscht Angst, wie oft berichtet wird. Es braucht wenig und die Behörden greifen sofort ein: Ein falsches Wort über das jüngste Konzil, ein Zweifel an den Corona-Maßnahmen, ein geäußertes Wohlwollen für die Piusbruderschaft genügen manchmal, um Briefe, Anrufe, „Einladungen zu einem Gespräch“ oder Strafen auszulösen, während so gut wie jede Form des liturgischen Missbrauchs, jede Häresie, jede liberale Haltung in Politik oder Theologie nicht nur folgenlos bleibt, sondern sogar belohnt und begünstigt wird. Nicht wenige Priester verschiedener Orden oder Diözesen fühlen sich an ein totalitäres oder autoritäres Regime erinnert, wenn sie sich frei äußern.

Welcher Priester würde sich heute zum Beispiel so frei fühlen, (ohne Furcht) zu sagen, dass das Zweite Vatikanische Konzil gescheitert ist? Oder dass die Liturgiereform die Kirchen entleert und die Menschen vom Glauben entfernt hat? Wer könnte es wagen – ohne Angst vor Konsequenzen –, die Politik des Heiligen Stuhls in den Bereichen Migration und Impfung zu kritisieren? Warum scheint es erlaubt, alle Päpste bis zu Pius XII. zu kritisieren, während ein Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. oder Franziskus unantastbar scheinen? Barmherzigkeit und Freiheit gelten nur sehr selektiv. Wenn man frei ist, die Vergangenheit der Kirche zu kritisieren, ob Doktrin, Liturgie oder Bräuche, warum kann man nicht auch die Gegenwart kritisieren? Auch unsere Gegenwart wird bald Vergangenheit sein, und wer weiß, vielleicht nur eine schlechte Erinnerung an Zeiten, die überhaupt nicht gut waren. Genau so, wie manche heute die Zeiten von gestern sehen.

Es gibt Priester, die sich an die Zeiten des Kommunismus erinnert fühlen, weil sie ein diktatorisches Klima in der Kirche wahrnehmen, in dem sich jeder dem Einheitsdenken des Regimes unterwerfen muss. Der Mensch zählt nichts, die Institution ist alles. Der Einzelne darf niemals herausragen, darf nie aus dem Einheitschor herauszuhören sein oder sich in einer Sache hervortun. Jedenfalls scheint das heute die vorherrschende Situation zu sein.

Diese Entwicklung ist gefährlich, weil sie von Christus losgelöst ist und zu einem totalitären politischen Regime im Dienste einer neuen Weltordnung mit einer einzigen vereinheitlichten Religion führt, an deren Ende eine politische Philosophie ohne Gott stehen wird. Auch die Kirche läuft Gefahr, zu einer bloßen politischen Gesellschaft zu werden, die des Glaubens beraubt ist! Wir müssen das rechtzeitig erkennen und uns diesen gefährlichen Trends für die katholische Kirche widersetzen, die Gefahr läuft, sich in eine säkulare gesellschaftspolitische Organisation linker Ausrichtung zu verwandeln.

Für die Gläubigen

  • Was die Gläubigen betrifft: Die Laien müssen darauf bestehen, alle Sakramente  im überlieferten Ritus zu fordern (nicht nur die Heilige Messe!). Zugleich müssen sie aber auch Druck auf die Priester ausüben, damit diese ihnen die klassische katholische Doktrin, den alten Katechismus und die schönen Bräuche derer beibringen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Es wäre falsch, sich von der heute leider vorherrschenden klerikalen Arroganz entmutigen zu lassen, die darauf abzielt, die Gläubigen zu manipulieren, anstatt ihnen zu helfen, sich zu heiligen und zu vergöttlichen (zwei weitere Begriffe, über die heute niemand mehr spricht).
  • Und wenn sie bei den Pfarrern oder anderen Diözesan- oder Ordenspriestern kein Gehör finden? Dann dürfen sie nicht nachgeben, sondern müssen sich ohne Skrupel und Angst dorthin begeben, wo sie unter allen lehrmäßigen und liturgischen Aspekten ein wahrhaft katholisches Umfeld vorfinden, insbesondere zur Piusbruderschaft.

Wir befinden uns derzeit in einer Art Kampf: Es ist ein Kampf, der alle verschiedenen Aspekte der sichtbaren Schöpfung betrifft. Dies gilt auch für die sichtbare und institutionelle Kirche. Es ist derselbe Kampf, den auch die zivile Welt führt, denn ein großer Teil der Kirche ist inzwischen selbst „Welt“ geworden. Manchmal scheint sie wie eine Mutter, die einst gut und fürsorglich war, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt damit begonnen hat, sich regelmäßig zu betrinken, und so befindet sie sich zur Zeit in einem Delirium, mit berauschtem Verstand. Sie ist immer dieselbe Mutter geblieben, mit all ihren Vorzügen, aber derzeit „außer Betrieb“, weil außer sich. Wir müssen uns ihrer annehmen und sie vor sich selbst schützen, denn trotz aller Fehler, die sie derzeit auch aufweist, ist sie immer die einzige Kirche Jesu Christi und von Ihm geliebt. Wenn eine betrunkene Mutter ihren Kindern etwas befiehlt, das gefährlich oder schädlich ist, dann sollen sie diesen Befehlen nicht gehorchen, sondern sich an das erinnern, was sie in ihren nüchternen Momenten sagte und tat, als sie noch die gute Mutter war. Manchmal darf man die Befehle des Augenblicks nicht beachten – zum Wohle aller. Seine Exzellenz, Msgr. Marcel Lefebvre, der sich als treuer Diener der heiligen Mutter Kirche erwiesen hat, ist uns ein großes Vorbild darin.

Und so muss sich auch der Klerus an der sicheren Vergangenheit orientieren und nicht an den vergänglichen Moden oder dem Geschwätz des Augenblicks, denn nur so kann er hoffen, nicht mehr in seiner Gesamtheit der Schlechte zu sein, wie er es jetzt ist.

Auf lange Sicht werden nur die Wahrheit Christi, die Heiligkeit, der wahre Glaube und der kohärente Kult überleben wie der überlieferte römische Ritus von Pius V. Es wird diese Liturgie der Kirche sein, die am Ende übrig sein wird, während alles andere untergehen wird und bereits jetzt, direkt vor unseren Augen, zusammenbricht.

Quelle: katholisches / Don Michael Bild: New Liturgical Movement 

Das antikatholische Grundprinzip des II. Vatikanums

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Dr. Schüler erschließt das revolutionäre antikatholische Grundprinzip des II. Vatikanums, das hinter der Aufgabe des Absolutheitsanspruchs der katholischen Kirche und dem Abrücken von ihrer Heilsnotwendigkeit steht.

– Die Kirche als mystischer Leib Christi

– Die der katholischen Kirche „zugrunde liegende“ Kirche Gottes

– Das Heil in anderen Religionen

– Beabsichtigte Zweideutigkeiten in den Konzilstexten

– Das nicht verwirklichte Konzil

– Der Bruch mit der Tradition

– Das universelle Minuszeichen vor wahren Konzilsaussagen