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Ganzes Interview: Vatikan fördert Verrat am Evangelium

Bischof Athanasius Schneider über eine vom Vatikan unterstützte Initiative
zur Förderung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“

Exzellenz, war aus Ihrer Sicht die Klarstellung zum Abu Dhabi-Dokument durch Papst Franziskus bei der Mittwoch Generalaudienz vom 3. April 2019 ausreichend? Und was denken Sie über seine Bemerkungen?

Bei der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019 sagte Papst Franziskus: „Warum lässt Gott viele Religionen zu? Gott wollte das zulassen: Scholastische Theologen sprachen von Gottes zulassendem Willen (voluntas permissiva). Er wollte diese Realität zulassen: Es gibt viele Religionen“.

Der Papst bezog sich hier leider nicht auf den objektiv falschen Satz aus dem Abu Dhabi-Dokument, der besagt: „Der Pluralismus und die Vielfalt der Religionen, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Rasse und der Sprache werden von Gott in seiner Weisheit gewollt.“ Dieser Satz ist in sich selbst falsch und widerspricht der Göttlichen Offenbarung, weil Gott uns geoffenbart hat, dass Er keine verschiedenen Religionen will, sondern nur die eine Religion, die er im ersten Gebot des Dekalogs befohlen hat: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Sklaverei. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein geschnitztes Bild oder eine Abbildung von irgendetwas machen, das sich im Himmel oder auf der Erde oder im Wasser oder unter der Erde befindet. Du sollst dich nicht vor ihnen verneigen und ihnen nicht dienen“ (Ex. 20, 2-5).

Unser Herr Jesus Christus bestätigte die beständige Gültigkeit dieses Gebotes und sagte: „Es steht geschrieben:“ Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen“ (Mt. 4,10). Die Worte „Herr“ und „Gott“, ausgedrückt im ersten Gebot, bedeuten die Allerheiligste Dreifaltigkeit, die der eine Herr und der eine Gott ist.

Was Gott also positiv will, ist, dass alle Menschen nur Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, den einen Herrn und Gott, verehren und anbeten sollen. Der Katechismus der katholischen Kirche lehrt: „Weil die zehn Gebote die Grundpflichten des Menschen gegenüber Gott und dem Nächsten zum Ausdruck bringen, sind sie ihrem Wesen nach schwerwiegende Verpflichtungen. Sie sind unveränderlich, sie gelten immer und überall. Niemand kann von ihnen dispensieren“ (Nr. 2072).

Die vorgenannten Äußerungen von Papst Franziskus bei der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019 sind ein kleiner Schritt in Richtung einer Klärung der falschen Formulierung im Dokument von Abu Dhabi. Dennoch bleiben sie unzureichend, weil sie sich nicht direkt auf das Dokument beziehen und weil der Durchschnittskatholik und fast alle Nichtkatholiken die Bedeutung des theologisch technischen Ausdrucks „zulassender Wille Gottes“ weder kennen noch verstehen.

Aus pastoraler Sicht ist es höchst unverantwortlich, die Gläubigen der gesamten Kirche in der Unsicherheit zu lassen in einer so entscheidenden Frage wie der Gültigkeit des ersten Gebotes des Dekalogs und der göttlichen Verpflichtung aller Menschen, aus freiem Willen an Jesus Christus als den einzigen Retter der Menschheit zu glauben und Ihn anzubeten. Als Gott allen Menschen befahl: „Dies ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Mein Wohlgefallen habe. Hört auf ihn! “(Mt. 17, 5), und wenn Gott infolgedessen in Seinem Gericht „Vergeltung an denen üben wird, die nicht dem Evangelium unseres Herrn Jesus gehorchen “(2 Thess. 1, 8), wie kann Er dann gleichzeitig die Vielfalt der Religionen positiv wollen? Die geoffenbarten eindeutigen Worte Gottes sind mit der Formulierung im Abu Dhabi-Dokument unvereinbar. Das Gegenteil zu behaupten würde der Quadratur des Kreises gleichen oder die Annahme der Denkweise des Gnostizismus oder Hegelianismus bedeuten.

Man kann die Theorie, dass die Verschiedenartigkeit der Religionen von Gott positiv gewollt sei, nicht dadurch rechtfertigen, dass man hierfür die Wahrheit des Glaubensdepositums vom freien Willen als Geschenk Gottes, des Schöpfers, anführt. Gott hat dem Menschen den freien Willen geschenkt, damit er allein Gott, und zwar den Dreieinigen Gott anbetet. Gott hat dem Menschen den freien Willen nicht dazu gegeben, um Götzen anzubeten oder seinen Menschgewordenen Sohn Jesus Christus zu verleugnen oder zu lästern, Der sagte: „Wer nicht glaubt, wird schon verurteilt, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat“ (Joh. 3,18).

Hatten Sie nach Ihrem Austausch mit Papst Franziskus am 1. März während des Ad-limina-Besuchs in Rom weitere Gespräche mit ihm bezüglich Ihrer Bedenken? Wenn ja, war es vor oder nach der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019?

Während der Audienz am 1. März 2019 anlässlich des Ad-limina-Besuchs sprach ich in Anwesenheit der Bischöfe unserer Gruppe mit folgenden Worten zu Papst Franziskus:

„Heiligster Vater, in der Gegenwart Gottes flehe ich Sie im Namen Jesu Christi, der uns richten wird, an, dass Sie jene Aussage des interreligiösen Dokuments von Abu Dhabi zurücknehmen, die die Einzigartigkeit des Glaubens an Jesus Christus relativiert. Andernfalls wird die Kirche in unserer Zeit nicht gemäß der Wahrheit des Evangeliums wandeln, wie der Apostel Paulus es Petrus in Antiochia sagte (vgl. Gal. 2,14)“.

Der Heilige Vater antwortete sofort und sagte, man müsse die Redewendung im Abu Dhabi-Dokument über die Verschiedenartigkeit der Religionen im Sinne des „zulassenden Willens Gottes“ erklären. Darauf wand ich ein: „Da diese Redewendung die Gegenstände des weisen Willens Gottes unterschiedslos aufzählt, indem sie sie logisch alle auf die gleiche Stufe stellt, muss dann die Verschiedenheit des männlichen und weiblichen Geschlechts von Gott ebenfalls mit seinem zulassenden Willen gewollt sein, was aber bedeuten würde, dass Er diese Verschiedenheit tolerieren würde, so wie Er die Verschiedenheit der Religionen tolerieren würde“.

Papst Franziskus gab dann zu, dass der Satz missverstanden werden könnte und sagte: „Aber Sie können den Menschen sagen, dass die Verschiedenheit der Religionen dem zulassenden Willen Gottes entspricht.“ Darauf antwortete ich: „Heiliger Vater, sagen Sie das bitte der ganzen Kirche“. Ich habe meine mündliche Bitte beim Papst auch schriftlich hinterlassen.

Papst Franziskus antwortete mir freundlicherweise mit einem Brief vom 5. März 2019, in dem er seine Worte aus der Audienz vom 1. März 2019 wiederholte. Er sagte, dass man den betreffenden Satz verstehen muss, indem man dabei den Grundsatz des zulassenden Willens Gottes anwendet. Er fügte hinzu, dass das Dokument von Abu Dhabi nicht die Absicht habe, den Willen Gottes bei der Erschaffung der Verschiedenheit von in Farbe und Geschlecht, mit der Verschiedenheit der Religionen gleichzusetzen.

Mit einem Brief vom 25. März 2019 beantwortete ich den Brief von Papst Franziskus vom 5. März 2019, indem ich ihm für seine Freundlichkeit dankte, dabei bat ich ihn mit brüderlichem Freimut, dass er entweder persönlich oder durch ein Dikasterium des Heiligen Stuhls eine erklärenden Note veröffentlichen möge, in welcher er den Inhalt dessen wiederholen möge, was er bei der Audienz vom 1. März 2019 und in seinem Brief vom 5. März 2019 sagte. Ich fügte noch hinzu: „Durch die Veröffentlichung solcher Worte wird Eure Heiligkeit die günstige und gesegnete Gelegenheit haben, in einer schwierigen geschichtlichen Zeit der Menschheit und der Kirche, Christus, den Sohn Gottes, zu bekennen“.

Ich muss auch sagen, dass Papst Franziskus mir dann noch eine vom 7. April 2019 datierte Karte geschickt hat. Dieser fügte er eine Kopie seiner Ansprache von der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019 bei und unterstrich dabei den Abschnitt über den zulassenden Willen Gottes. Natürlich danke ich dem Heiligen Vater für diese freundliche Aufmerksamkeit.

Das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ wurde weder offiziell verbessert noch berichtigt, und dennoch wurde ein «Hohes Komitee» zur Verwirklichung der im Dokument enthaltenen Ziele eingesetzt. Am Montag, dem 26. August 2019, veröffentlichte das Presseamt des Heiligen Stuhls eine Erklärung, in der berichtet wurde, dass Papst Franziskus erfreut war, von der Bildung eines „Hohen Komitees“ zur Erreichung der in dem Dokument enthaltenen Ziele zu erfahren. In seiner Erklärung sagte Papst Franziskus: „Obwohl es traurig und schlecht ist, dass in den Nachrichten oft von Hass und Spaltung berichtet wird, wächst dennoch ein verborgenes Meer von Güte, das uns auf Dialog, gegenseitiges Wissen und die Möglichkeit des Aufbaus einer Welt der Brüderlichkeit und des Friedens zusammen mit den Anhängern anderer Religionen und allen Männern und Frauen guten Willens hoffen lässt“. Exzellenz, wie ernst ist dieses Problem?

Das Problem ist von äußerster Ernsthaftigkeit, denn unter der rhetorisch schönen und intellektuell verführerischen Formulierung „Menschliche Brüderlichkeit“ fördern heute Kirchenmänner tatsächlich die Vernachlässigung des ersten Gebotes des Dekalogs und den Verrat am Kern des Evangeliums. So edel solche Ziele wie „menschliche Brüderlichkeit“ und „Weltfrieden“ auch sein mögen, sie können nicht auf Kosten der Relativierung der Wahrheit der Einzigartigkeit Jesu Christi und seiner Kirche und der Untergrabung des ersten Gebotes des Dekalogs gefördert werden.

Das Abu Dhabi-Dokument über „die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ und das mit seiner Umsetzung beauftragte „Hohe Komitee“ ähneln einer schön dekorierten Torte, die einen Schadstoff enthält. Fast unbemerkt wird das dann früher oder später das körpereigene Immunsystem schwächen.

Die Einrichtung des oben genannten „Hohen Komitees “, das unter anderem die Umsetzung des angeblich göttlich gewollten Grundsatzes der „Verschiedenheit der Religionen“ auf allen Ebenen zum Auftrag hat, lähmt die kirchliche Mission ad gentes. Es erstickt ihren brennenden Eifer, alle Menschen zu evangelisieren – natürlich mit Liebe und Respekt. Es hinterlässt den Eindruck, als ob die Kirche von heute sagen würde: „Ich schäme mich des Evangeliums“; „Ich schäme mich zu evangelisieren“; „Ich schäme mich, allen, die noch nicht an Christus glauben, das Licht des Evangeliums zu bringen.“ Dies ist das Gegenteil von dem, was der Apostel Paulus zu den Heiden sagte. Stattdessen erklärte er: „Ich schäme mich nicht des Evangeliums“ (Röm. 1,16) und „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige!“ (1 Kor. 9,16).

Das Abu Dhabi-Dokument und die Ziele des „Hohen Komitees“ schwächen auch erheblich eine der wesentlichen Eigenschaften und Aufgaben der Kirche, d. h. missionarisch zu sein und sich in erster Linie um die ewige Errettung der Menschen zu kümmern. Es reduziert die Hauptbestrebungen der Menschheit auf die zeitlichen und immanenten Werte von Brüderlichkeit, Frieden und Zusammenleben. In der Tat sind Friedensversuche zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht im Namen Jesu Christi vorgeschlagen werden. Diese Wahrheit erinnert prophetisch an Papst Pius XI., der sagte, dass die Hauptursachen für die Schwierigkeiten, unter denen die Menschheit heute leidet, „in der Tatsache liegen, dass die Mehrheit der Menschen Jesus Christus und sein heiliges Gesetz aus ihrem Leben verbannt hatte; dass Jesus Christus weder in privaten Angelegenheiten noch in der Politik einen Platz hat“. Pius XI. fuhr fort:„ Solange sich Einzelpersonen und Staaten weigern, sich der Herrschaft unseres Erlösers zu unterwerfen, wird es keine wirklich hoffnungsvolle Aussicht auf einen dauerhaften Frieden unter Völkern geben“ (Enzyklika Quas Primas, 1). Derselbe Papst lehrte, dass Katholiken „ein großer Faktor für die Herbeiführung des Weltfriedens werden, weil sie für die Wiederherstellung und Verbreitung des Reiches Christi eintreten“ (Enzyklika Ubi arcano, 58).

Ein Friede, der eine innerweltliche und rein menschliche Realität ist, wird scheitern. Denn nach Pius XI. „nährt sich der Friede Christi nicht von den Dingen der Erde, sondern von denen des Himmels. Es kann auch nicht anders sein, denn Jesus Christus hat der Welt die Existenz geistiger Werte offenbart und für sie die gebührende Wertschätzung erlangt. Er hat gesagt: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei seiner eigenen Seele schadet?“ (Mt. 16,26). Er gab uns auch eine göttliche Lehre über den Mut und die Beständigkeit: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper töten, die Seele aber nicht töten können; sondern fürchtet euch vor Dem, Der sowohl die Seele als auch den Körper in die Hölle stürzen kann“ (Mt. 10,28; Luk. 12,14)“ (Enzyklika Ubi arcano, 36).

Gott schuf die Menschen für den Himmel. Gott schuf alle Menschen, um Jesus Christus zu erkennen, übernatürliches Leben in Ihm zu haben und das ewige Leben zu erlangen. Alle Menschen zu Jesus Christus und zum ewigen Leben zu führen, ist daher die wichtigste Sendung der Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns eine treffende und schöne Erklärung dieser Mission gegeben: „Der Grund dieser missionarischen Tätigkeit ergibt sich aus dem Plan Gottes, der “will, dass alle Menschen heil werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat” (1 Tim. 2,4-6), “und in keinem andern ist Heil” (Apg. 4,12). So ist es nötig, dass sich alle zu ihm, der durch die Verkündigung der Kirche erkannt wird, bekehren sowie ihm und seinem Leib, der Kirche, durch die Taufe eingegliedert werden. Christus selbst hat nämlich “mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont und damit zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten” (Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, 14). Wenngleich Gott Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die er weiß, zum Glauben führen kann, ohne den es unmöglich ist, ihm zu gefallen (vgl. Hebr. 11,6), so liegt also doch auf der Kirche die Notwendigkeit (vgl. 1 Kor 9,16) und zugleich das heilige Recht der Evangeliumsverkündigung. Deshalb behält heute und immer die missionarische Tätigkeit ihre ungeschmälerte Bedeutung und Notwendigkeit“ (Ad Gentes, 7).

Ich möchte diese letzten Worte betonen: „Die missionarische Tätigkeit der Kirche von heute behält ihre Notwendigkeit!“

Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

In seiner Mittwoch-Generalaudienz vom dem 3. April 2019 sagte Papst Franziskus noch Folgendes zur Vielfalt der Religionen: „Es gibt viele Religionen. Einige sind aus der Kultur geboren, aber sie schauen immer in den Himmel; Sie sehen zu Gott. “

Diese Worte widersprechen in gewisser Weise der folgenden lichtvollen und klaren Aussage von Papst Paul VI.: „Unsere christliche Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken“ (Enzyklika Evangelii Nuntiandi, 52). Wie aktuell sind auch die Worte von Papst Leo XIII.: “Die Auffassung, dass alle Religionen gleich sind, hat den Ruin aller Religionsformen und insbesondere der katholischen Religion zur Folge, die, da sie die einzige wahre ist, nicht ohne große Ungerechtigkeit als bloß gleichwertig mit anderen Religionen angesehen werden kann” (Enzyklika Humanum genus, 16).

Treffend sind auch die folgenden Worte von Papst Paul VI.: „Am Ende der großen Versammlung im Oktober hörten Wir zu Unserer Freude und Unserem Trost das klare Wort: „Wir wollen erneut bekräftigen, dass die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, die wesentliche Sendung der Kirche ist“, eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren, d.h. um zu predigen und zu unterweisen, Mittlerin des Geschenkes der Gnade zu sein, die Sünder mit Gott zu versöhnen, das Opfer Christi in der heiligen Messe immer gegenwärtig zu setzen, welche die Gedächtnisfeier seines Todes und seiner glorreichen Auferstehung ist“ (Enzyklika Evangelii Nuntiandi, 14).

Deshalb lehrt auch der Katechismus der katholischen Kirche: “Das letzte Ziel der Mission ist es, die Menschen an der Gemeinschaft teilhaben zu lassen, die zwischen dem Vater und dem Sohn im Geist der Liebe besteht” (Nr. 850).

Durch eine direkte oder indirekte Anerkennung der Gleichheit aller Religionen mittels der Verbreitung und Umsetzung des Dokuments von Abu Dhabi (vom 4. Februar 2019) ohne seine falsche Behauptung über die Vielfalt der Religionen zu korrigieren, verraten heute Kirchenmänner nicht nur Jesus Christus als den einzigen Retter der Menschheit und die Notwendigkeit seiner Kirche für das ewige Heil, sondern begehen auch eine große Ungerechtigkeit und eine Sünde gegen die Nächstenliebe. Im Jahre 1542 schrieb der heilige Franz Xaver aus Indien an seinen geistlichen Vater, den heiligen Ignatius von Loyola: „Viele Menschen an diesen Orten sind keine Christen, nur weil es niemanden gibt, der sie so macht. Oft habe ich den Wunsch, zu den Universitäten Europas zu reisen, besonders nach Paris, und von überall her wie ein Verrückter zu rufen, um diejenigen, die mehr Wissen als Nächstenliebe haben, mit diesen Worten anzutreiben: „Wie viele Seelen sind aufgrund eurer Trägheit des Himmels beraubt und enden in der Hölle!“.

Mögen diese flammenden Worte des himmlischen Patrons der Missionen und des ersten großen Jesuitenmissionars den Verstand und das Herz aller Katholiken und insbesondere des ersten Jesuitenpapstes berühren, damit er mit evangelischem und apostolischem Mut die m Abu Dhabi-Dokument enthaltene falsche Aussage über die Vielfalt der Religionen widerrufe. Durch eine solche Tat könnte er die Freundschaft und die Wertschätzung der Mächtigen dieser Welt verlieren, aber sicherlich nicht die Freundschaft und die Wertschätzung Jesu Christi, eingedenk Seiner Worten: „Jeden, der mich vor den Menschen bekennen wird, werde Ich auch vor meinem himmlischen Vater bekennen“(Mt. 10,32).

26. August 2019

+ Athanasius Schneider

Quelle: Interview mit Diane Montagna, LifeSiteNews am 26. August 2019 Bild: CFM.SCJ Archiv

Gefeiert am 3. September

Hl. Gregor der Grosse – Papst und Kirchenlehrer

* um 540 in Rom
† 12. März 604 daselbst

Gregor, aus einer römischen Patrizierfamilie stammend, wurde um 540 geboren. Er trat in den Staatsdienst und war 572/573 Stadtpräfekt von Rom. Nach dem Tod seines Vaters stiftete er in seinem Elternhaus das Andreaskloster und auf Besitzungen der Familie in Sizilien sechs weitere Klöster. Er selbst wurde Mönch im Andreaskloster. Aber bald musste er als päpstlicher Gesandter nach Konstantinopel gehen (579-585). 590 wurde er zum Papst gewählt (Bischofsweihe am 3. Sep­tember). Er ordnete die kirchlichen Verhältnisse in Rom und in den Di­özesen Italiens sowie in den übrigen Kirchenprovinzen; er entsandte Augustinus von Canterbury mit etwa vierzig Mönchen zur Mission nach England, war um die kirchliche Einheit zwischen Westen und Osten besorgt, nahm Beziehungen zu den aufsteigenden germanischen Völkern auf, ord­nete und reformierte die Liturgie und fand noch Zeit, um zu predigen und Bücher zu schreiben. Es sind von ihm außerdem 854 Briefe erhal­ten. In seinen theologischen und kirchenpolitischen Auffassungen ist Gregor vom hl. Kirchenvater Augustinus beeinflusst: er hat viel von dem geistigen Gut der Kirchenväter an das anbrechende Zeitalter weitergegeben, das wir Mittelalter nennen. Gregor starb am 12. März 604.

Im Licht des Schöpfers

„Wenn eine Seele den Schöpfer sieht, erscheint ihr die ganze Schöpfung klein. Auch wenn es nur ganz wenig ist, was sie vom Licht des Schöpfers erblickt hat, so wird ihr davon doch alles Geschaffene zu eng.“ (Gregor, Dialoge II)

 

Hl. Basilissa – Märtyrerin

† um 300 in Nikomedia, dem heutigen Ízmit

Basilissa erlitt den Martyrertod im Alter von erst neun Jahren. Sie habe allen Foltern so tapfer stand gehalten, dass der römische Statthalter deshalb selbst Christ wurde.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

03.09.2019 – Dienstag der 22. Woche im Jahreskreis

Katechismus der Katholischen Kirche § 311–314

„Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“

Die Engel und die Menschen, intelligente und freie Geschöpfe, müssen ihrer letzten Bestimmung aus freier Wahl entgegengehen und ihr aus Liebe den Vorzug geben. Sie können darum auch vom Weg abirren und sie haben auch tatsächlich gesündigt. So ist das moralische Übel in die Welt gekommen, das unvergleichlich schlimmer ist als das physische Übel. Gott ist auf keine Weise, weder direkt noch indirekt, die Ursache des moralischen Übels (vgl. Augustinus, lib. 1,1,1; Thomas v. A., s. th. 1–2,79,1). Er lässt es jedoch zu, da er die Freiheit seines Geschöpfes achtet, und er weiß auf geheimnisvolle Weise Gutes daraus zu ziehen […] Aus dem schlimmsten moralischen Übel, das je begangen worden ist, aus der durch die Sünden aller Menschen verschuldeten Verwerfung und Ermordung des Sohnes Gottes, hat Gott im Übermaß seiner Gnade (vgl. Röm 5,20) das größte aller Güter gemacht: die Verherrlichung Christi und unsere Erlösung. Freilich wird deswegen das Böse nicht zu etwas Gutem. „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28). Das bezeugen die Heiligen immer wieder: Die heilige Katharina von Siena sagt deshalb „zu denen, die an dem, was ihnen zustößt, Ärgernis nehmen und sich dagegen auflehnen“: „Alles geht aus Liebe hervor, alles ist auf das Heil des Menschen hingeordnet. Gott tut nichts außer mit diesem Ziel“ (dial. 138) […] Und Juliana von Norwich sagt: „Durch die Gnade Gottes wurde ich inne, dass ich mich fest an den Glauben halten und nicht weniger fest sehen muss, dass alles, wie es auch sein mag, gut sein wird. … Und du wirst sehen, dass alles, alles gut sein wird“ (rev. 13,32). Wir glauben fest, dass Gott der Herr der Welt und der Geschichte ist. Die Wege seiner Vorsehung sind uns jedoch oft unbekannt. Erst am Schluss, wenn unsere Teilerkenntnis zu Ende ist und wir Gott „von Angesicht zu Angesicht“ schauen werden (1 Kor 13,12), werden wir voll und ganz die Wege erkennen, auf denen Gott sogar durch das Drama des Bösen und der Sünde hindurch seine Schöpfung zur endgültigen Sabbatruhe (vgl. Gen 2,2) führt, auf die hin er Himmel und Erde erschaffen hat.

Tagesevangelium – 03.09.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 4,31-37

Hier zum Nachhören

In jener Zeit ging Jesus hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte die Menschen am Sabbat. Sie waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er redete mit göttlicher Vollmacht.
In der Synagoge saß ein Mann, der von einem Dämon, einem unreinen Geist, besessen war. Der begann laut zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der Dämon warf den Mann mitten in der Synagoge zu Boden und verließ ihn, ohne ihn jedoch zu verletzen. Da waren alle erstaunt und erschrocken, und einer fragte den anderen: Was ist das für ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen. Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Gefeiert am 2. September

Seliger Apollinaris Morel – Ordensmann, Priester und Märtyrer

* 12. Juni 1739 in Prez-vers-Noréaz im Kanton Fribourg in der Schweiz
† 2. September 1792 in Paris in Frankreich

Apollinaris Morel wurde 1762 Kapuzinermönch und 1764 zum Priester geweiht. Er war dann als Lehrer und Seelsorger tätig, wurde 1774 Lektor für Philosophie und Theologie in Fribourg und Leiter des Gymnasiums in Stans. Als Missionar ging er 1788 nach Paris, wo er als Seelsorger der 5.000 Deutschen und von Gefangenen wirkte. Weil er nach der französischen Revolution den Eid auf die Zivilkonstitution verweigerte, wurde er zusammen mit Franz Urban Salins de Niart und anderen bekennenden Priestern getötet.

 

Selige Ingrid Elovsdotter – Klostergründerin und Priorin

* 1220 in Skenninge in Östergötland in Schweden
† 2. September 1282 daselbst

Ingrid gründete zusammen mit ihren Geschwistern in Skenninge das erste Dominikanerinnenkloster in Schweden und war dessen erste Priorin.

Ingrid wurde im Mittelalter in Schweden sehr verehrt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

02.09.2019 – Montag der 22. Woche im Jahreskreis

Hl. Ambrosius (340-397) Bischof von Mailand und Kirchenlehrer

Durch den Glauben Heilung erfahren und in das wahre Leben eintreten

Naaman war ein Syrer und litt am Aussatz und vermochte von niemand gereinigt zu werden […] Er kam zu Elisäus und dieser befahl ihm, siebenmal im Jordanfluss unterzutauchen. Da begann jener bei sich zu denken, dass doch seine heimatlichen Gewässer besser seien, in die er so oft getaucht, ohne jemals vom Aussatz geheilt worden zu sein […] Doch gab er dem Mahnen und Zureden seiner Diener nach und tauchte unter. Da ward er auf der Stelle rein und sah ein, dass die Reinigung eines Menschen nicht vom Wasser, sondern von der Gnade ausgeht […] Deshalb wurde dir [bei deiner Taufe] gesagt: Glaube nicht nur das, was du siehst, denn auch du könntest sonst wie Naaman sagen: Das nun soll jenes große Geheimnis sein, „das kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in kein Menschenherz gekommen ist?“ (1 Kor 2,9). Wasser nur sehe ich, wie ich es alle Tage gesehen: Das soll mich reinigen? So oft stieg ich hinein und nimmer ward ich rein? Lerne daraus, dass das Wasser ohne den Geist nicht reinigt! Eben darum hast du gelesen, dass die drei Zeugen bei der Taufe eins sind: Wasser, Blut und Geist (1 Joh 5,8); denn, wenn du sie auf einen derselben einschränkst, besteht das Sakrament der Taufe nicht zu recht. Was ist denn das Wasser ohne das Kreuz Christi? Ein gewöhnliches Element ohne irgendwelche sakramentale Wirkung. Und umgekehrt: Ohne Wasser kein Geheimnis der Wiedergeburt; denn „wer nicht wiedergeboren ist aus dem Wasser und dem Geiste, kann in das Reich Gottes nicht eingehen“ (Joh 3,5). Es glaubt aber auch der Katechumene an das Kreuz des Herrn Jesus, mit dem auch er bezeichnet wird; doch, wenn er nicht getauft wird im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, kann er den Nachlass der Sünden nicht empfangen und das Geschenk der geistigen Gnade nicht aufnehmen. Jener Syrer tauchte siebenmal kraft des Gesetzes unter; du aber bist getauft worden im Namen des dreieinigen Gottes: Du hast den Vater bekannt – sei dessen eingedenk, was du getan! – hast den Sohn bekannt, hast den Heiligen Geist bekannt. Halte Punkt für Punkt fest an diesem Glauben! Der Welt bist du abgestorben und bist auferstanden für Gott.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Tagesevangelium – 02.09.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 4,16-30

Hier zum Nachhören

In jener Zeit kam Jesus nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Liturgischer Kalender – September 2019

Congregatio Fratrum Minorum a Sacratissimo Corde Jesu

 

01.09. Sonntag 12. Sonntag nach Pfingsten (2. Kl.)

02.09. Montag Hl. König Stephan (3. Kl.)

03.09. Dienstag Hl. Pius X. (3. Kl.)

04.09. Mittwoch Wochentag (4. Kl.)

05.09. Donnerstag Hl. Laurentius Justiniani (3. Kl.)

06.09. Freitag Wochentag (4. Kl.)

07.09. Samstag Hl. Maria am Samstag (4. Kl.)

08.09 Sonntag 13. Sonntag nach Pfingsten (2. Kl.)

09.09 Montag Wochentag (4. Kl.)

10.09. Dienstag Nikolaus von Tolentino (3. Kl.)

11.09. Mittwoch Wochentag (4. Kl.)

12.09. Donnerstag Fest Mariä Namen (3. Kl.)

13.09. Freitag Wochentag (4. Kl.)

14.09. Samstag Fest Kreuzerhöhung (2. Kl.)

15.09. Sonntag 14. Sonntag nach Pfingsten (2. Kl.)

16.09. Montag Hll. Kornelius und Cyprian (3. Kl.)

17.09. Dienstag Wochentag. In deutschen Diözesen: Hl. Hildegard (3. Kl.)

18.09. Mittwoch Quatembermittwoch im September (2. Kl.)

19.09. Donnerstag Hll. Januarius und Gefährten (3. Kl.)

20.09. Freitag Quatemberfreitag im September (2. Kl.)

21.09. Samstag Hl. Matthäus (2. Kl.)

22.09. Sonntag 15. Sonntag nach Pfingsten (2. Kl.)

23.09. Montag Hl. Linus (3. Kl.)

24.09. Dienstag Wochentag (4. Kl.)

25.09. Mittwoch Wochentag (4. Kl.). Schweiz: Hl. Nikolaus v. Flüe (1. Kl.)

26.09. Donnerstag Wochentag (4. Kl.)

27.09. Freitag Hll. Cosmas und Damian (3. Kl.)

28.09. Samstag Hl. Herzog Wenzeslaus (3. Kl.)

29.09. Sonntag Weihefest des Hl. Erzengels Michael (1. Kl.)

30.09. Montag Hl. Hieronymus (3. Kl.)

Gefeiert am 1. September

Hl. Ägidius – Einsiedler, Gründer des Klosters St-Gilles, Nothelfer

* 640 in Athen in Griechenland
† 1. September 720 in St-Gilles in der Camargue in Frankreich

In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts soll Ägidius, ein vornehmer Athener, in die heutige Provence gekommen sein, wo er zunächst als Einsiedler lebte; der Legende zufolge nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Ägidius wurde bei einer Jagd vom Pfeil des Westgotenkönigs Wamba getroffen als dieser versuchte, das Tier zu erlegen. Um seine Schuld zu tilgen, gestattete der Monarch dem Verletzten, nach seiner Genesung ein Kloster zu gründen. 680 schuf Ägidius die Benediktiner-Abtei St.-Gilles, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand.

Die Legende ließ ihn den Sohn des Fürsten von Nîmes zum Leben erwecken. In Rom warf er unter Gebeten die ihm vom Papst für sein Kloster geschenkten Türen aus geschnitztem Zypressenholz in den Tiber, er fand sie tatsächlich nach seiner Rückkehr im Hafen seines Klosters wieder. Als ein Klosterbruder an der Jungfräulichkeit Mariä zweifelte und drei Fragen in den Sand schrieb, erblühten als Antwort des Ägidius drei weiße Lilien aus dem dürren Boden.

Nach anderen Legenden bemühte sich Karl, der Große, – er lebte fast 100 Jahre später – um die Fürbitten Ägidius‘: Ein Engel brachte danach einen Zettel mit der bestätigten Sündenvergebung auf den Altar, an dem Ägidius sein Amt versah. Seitdem gilt Ägidius als Beistand einer guten Beichte und Vergebung und zählt als solcher zu den 14 Nothelfern. Sein Tod wurde ihm im voraus verkündet, bei der Bestattung des Entschlafenen hörten Anwesende die Chöre der Engel, die seine Seele gen Himmel trugen.

Schon im 11. Jahrhundert waren Wallfahrten zu seinem Grabe berühmt wie die nach Rom oder Santiago de Compostela. Das Kloster wurde in den Hugenottenkriegen des 16. Jahrhunderts zerstört. Die Gebeine von Ägidius liegen heute in Toulouse. Der Ägidiustag ist noch heute vielerorts ein Tag der Volksfeste.

 

Hl. Pelagius – Märtyrer

† 283 in Aemona, heute Novigrad in Kroatien

Pelagius war nach der Legende ein frommer Edelmann, der das Martyrium während der Verfolgungen unter Kaiser Numerian erlitt.

Pelagius‘ Gebeine wurden 904 von Bischof Salomon III. nach Konstanz gebracht, andere übergab er dem Stift in Bischofszell im Schweizer Kanton Thurgau, das dann nach Pelagius benannt wurde; in den folgenden zwei Jahrhunderten gehörte Pelagius zu den meistverehrten Heiligen im alemannischen Raum.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria