Archiv für den Monat: November 2019

07.11.2019

Auch ihr Ärzte seid, wie ich, auf die Welt gekommen, um eine Aufgabe zu erfüllen. Aber habt acht, ich spreche zu euch von Pflichten, in einer Zeit, wo alle nur von Rechten sprechen… Eure Aufgabe ist es, die Kranken zu heilen; wenn ihr aber ans Bett des Kranken nicht auch die Liebe bringt, dann glaube ich, wird die Medizin nicht viel helfen… Die Liebe kann nicht ohne Worte auskommen. Wie könntet ihr sie ausdrücken, wenn nicht durch Worte, die den Kranken geistig aufrichten?… Bringt Gott zu den Kranken, das wird mehr helfen als jede andere Behandlung!

Quelle: Worte des hl. P. Pio, CFM.SCJ Archiv Kairo

Tagesevangelium – 07.11.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 15,1-10

Hier zum Nachhören

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Gefeiert am 6. November

Hl. Leonhard – Einsiedler, Abt in Noblac bei Limoges

* 500 in Orléans in Frankreich
† 559 im heutigen St-Léonard-de-Noblac bei Limoges in Frankreich

Die Lebensgeschichte von Leonhard ist in vielem legendär. Demnach ließ die am Hof der Merowinger lebende fränkische Adelsfamilie ihren Sohn durch Erzbischof Remigius von Reims taufen und unterrichten. Als Erwachsener verweigerte er die ihm angebotene Übernahme eines Bistums, blieb einfacher Diakon und zog sich in die Einsamkeit des Waldes Pauvin bei Limoges zurück, predigte von seiner Zelle aus und heilte die zu ihm kommenden Krüppel und Hilfsbedürftigen. Regelmäßig besuchte er Gefangene und erreichte für viele bei König Chlodwig (oder Chlotar I. ?) ihre Freilassung. Viele Gefangene riefen auch den Namen Leonhards, worauf sofort ihre Fesseln abfielen, die sie dann als Freie dem Einsiedler brachten.

König und Königin zogen eines Tages zur Jagd in diesen Wald; Leonhard hörte die Königin klagen und rufen, da sie in Wehen lag. Auf Bitten des Königs betete Leonhard am Lager der Königin, und sie schenkte ihrem Knaben das Leben. Der König wollte Leonhard mit Gold und Silber beschenken; dieser bat aber nur um so viel Waldgelände, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. Leonhard gründete in seinem Waldstück die Gemeinschaft von Noblac – das heutige Dorf St-Léonard-de-Noblac -, wo er ehemalige Gefangene aufnahm und zu Handwerkern ausbildete. Leonhard leitete die Gemeinschaft bis zu seinem Tod und wurde bald schon als heilig verehrt.

Am Sonntag nach dem 6. November wird heute in dem nach ihm benannten Städtchen St-Léonard-de-Noblac zu seinen Ehren ein großes Ritterfest gefeiert. Die zu seinen Ehren angeblich 1358 gegründete Bruderschaft erstellt aus Holz den Nachbau einer Burg, die dann auf einen Pfahl gestellt und von Reitern mit Stöcken geschlagen wird, bis sie in Stücke zerfällt, die dann von den Leuten als Glückbringer mit nach Hause genommen werden. Die Kirche über seinem Grab hat einen der mächtigsten Glockentürme in Frankreich, sie war Station der Pilger auf der Wallfahrt zu Jakobus in Santiago de Compostela; Richard Löwenherz, Pippin der Kleine oder Karl VII. machten hier Station.

Leonhard wurde seit dem 11. Jahrhundert besonders auch in Bayern verehrt, über 150 Wallfahrten fanden unter seinem Namen statt, auch heute gibt es noch über 50 Leonhardi-Wallfahrten, meist mit Pferde-Ritten. Er galt ursprünglich als Schutzpatron derer, die in Ketten liegen, also der Gefangenen – aber auch der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. Die Leonhard geweihten Kirchen sind mit Ketten umspannt, so in Bad Tölz.

Im 19. Jahrhundert erreichte die Verehrung in Bayern ihren Höhepunkt; man nannte ihn den bayerischen Herrgott oder Bauernherrgott; in Bayern gehört Leonhard auch zu den 14 Nothelfern. Am Leonhardstag werden Tiersegnungen vorgenommen. In Inchenhofen befindet sich der 125 kg schwere Leonhards-Nagel, den man ab dem 15. Jahrhundert zum Zeichen der Buße rund um die Kirche trug. Seit 1718 wird im bayerischen Bad Tölz der Leonhardsritt begangen, seit 1994 auch wieder der traditionelle, grenzüberschreitende Leonhardi-Ritt von Neukirchen im Oberpfälzer Wald nach Uhlište in Tschechien.

 

Hl. Christina von Stommeln – Mystikerin

* 1242 in Stommeln bei Köln in Nordrhein-Westfalen
† 6. November 1312 daselbst

Die Bauerntochter Christina hatte schon als Kind Visionen von Christus, im Alter von 10 Jahren erlebte sie die ekstatische Verlobung. 1255 ging sie zu den Beginen nach Köln, wurde von diesen aber wegen ihrer dämonischen Versuchungen 1259 zurückgeschickt. In Stommeln lebte sie nun bei ihren Eltern, auch beim Pfarrer und den dortigen Beginen, immer wieder von Erscheinungen und Angriffe von Teufeln gequält und versucht, andererseits von himmlischen Tröstungen und Gesichten begnadet. Zuverlässig berichtet ist ihre Stigmatisation mit den Wundmalen Christi. Nach einer schweren Blutung 1288 wurden keine übersinnlichen Erlebnisse mehr berichtet.

Ihr Seelenführer, der schwedische Dominikaner Petrus de Dacia, verfasste Christinas Lebensgeschichte, die auch den umfangreichen Briefwechsel enthält. Ihre Gebeine wurden im 16. Jahrhundert nach Jülich überführt; im 2. Weltkrieg wurde 1944 die Propsteikirche durch Bomben fast völlig zerstört, der Schrein mit den Reliquien aber blieb unversehrt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

06.11.2019

Hl. Makarius der Ägypter (†390) Mönch

Wie ist es darum möglich, dass wir angesichts solcher Aufmunterungen und Verheißungen von seiten des Herrn nicht gewillt sind, uns ihm voll und ganz zu nahen, uns ihm ganz und gar zu weihen, dem Evangelium gemäß allem zu entsagen und selbst unser Leben zu verleugnen und einzig und allein ihn zu lieben, [wie ist es denkbar,] dass wir mit ihm zusammen noch etwas anderes [lieben wollen]? Betrachte dies alles! Welch eine Herrlichkeit ist uns beschieden! Welche Heilsveranstaltungen hat der Herr seit den Zeiten der Väter und Propheten getroffen! Welche Verheißungen sind gegeben worden! Welche Ermunterungen! Welch inniges Erbarmen zeigte der Herr von Anfang an gegen uns! Endlich hat er seine unaussprechliche Liebe zu uns durch seine eigene Ankunft und durch seine Kreuzigung bewiesen, um uns zum Leben zu führen, wenn wir uns bekehren. Trotzdem geben wir unseren Eigenwillen und unsere Weltliebe, unsere vorgefassten Meinungen und schlimmen Gewohnheiten nicht auf. Dadurch zeigen wir uns kleingläubig oder auch ungläubig. Und siehe, trotz alledem erzeigt er sich liebreich gegen uns, unsichtbar hütet und pflegt er uns, überlässt uns nicht entsprechend unseren Sünden auf immer der Bosheit und dem Trug der Welt, lässt uns in seiner großen Güte und Langmut nicht zugrunde gehen, vielmehr schaut er von hoher Warte aus, wann wir uns etwa zu ihm bekehren.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Tagesevangelium – 06.11.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 14,25-33

Hier zum Nachhören

In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte:
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

St. Pius X. und der Modernismus

Ein Gespräch mit Pater Matthias Gaudron

Mitteilungsblatt: Einer der großen Kämpfe des hl. Pius X. ging gegen den Modernismus. Was ist Modernismus überhaupt?

Pater Matthias Gaudron: Der Modernismus zur Zeit des hl. Pius X. stellte den Versuch dar, den katholischen Glauben mit den modernen Philosophien und den angeblichen Erkenntnissen der modernen Wissenschaften zu versöhnen. In Wahrheit ist er aber die Zerstörung des Glaubens, dem jedes übernatürliche Element geraubt wird.

Immanuel Kant (1724–1804) hatte in der neuzeitlichen Philosophie einen gewaltigen Umbruch bewirkt, indem er die Objektivität unserer Erkenntnis der Welt leugnete. Nach ihm hat der Mensch es in seiner Erkenntnis immer nur mit den Phänomenen zu tun, also damit, wie ihm die Welt erscheint. Wie die Wirklichkeit an sich selbst ist, bleibt der menschlichen Vernunft verborgen. Der Mensch ist also gewissermaßen in seinem Kopf gefangen und kann nicht mehr zur Wirklichkeit durchbrechen. Darum hat die menschliche Vernunft auch keinen Zugang zu Gott mehr. Sie kann nicht mehr sicher erkennen, dass es Gott als den Urheber der sichtbaren Welt geben muss. Damit hörte Gott für die in der Nachfolge Kants stehenden Denker auf, Gegenstand der Wissenschaft zu sein.

Der Religion wurde damit das vernünftige Fundament entzogen. Bei Kant ist Gott lediglich noch ein Postulat der praktischen Vernunft. Die Protestanten Jacobi und Schleiermacher erhoben dagegen das Gefühl zum Organ der Erfassung religiöser Tatbestände. W. James, Bergson und andere sahen die Wurzel der Religion wieder mehr im praktischen Bedürfnis.

Dazu kam noch die protestantische Bibelkritik, die in der Heiligen Schrift nicht mehr Gottes Wort, sondern nur das Ergebnis menschlicher Schriftsteller und innerkirchlicher Parteienkämpfe sah. Für diese Autoren ist die Bibel natürlich nicht irrtumslos, sondern enthält viele Irrtümer und Legenden. Vor allem sind die Wunderberichte unhistorisch.

Die Kirche hatte den sog. Kulturkampf zwar äußerlich grandios überstanden. Die Katholiken hielten treu zum Papst und zu ihren Bischöfen, so dass Bismarck mit seinen antikatholischen Gesetzen nicht durchkam. Aber es ist wohl nicht zu leugnen, dass der Vorwurf, die katholische Kirche sei ein Hindernis für den Fortschritt und die moderne Kultur, gerade bei manchen gebildeten Katholiken einen Minderwertigkeitskomplex bewirkt hatte. Viele waren vom Glanz des liberalen Protestantismus, der die Staatsreligion des Deutschen Kaiserreichs war, beeindruckt, und dieser Protestantismus gab sich eben den Anschein, auf der Höhe der modernen Zeit und ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse zu stehen, während der Katholizismus etwas Zurückgebliebenes sei.

MB: Was lehrte der Modernismus nun genau?

Pater Matthias Gaudron: Der hl. Pius X. legte die Grundzüge des Modernismus in der Enzyklika Pascendi Dominici gregis vom 8. September 1907 dar, nachdem er schon am 3. Juli im Dekret Lamentabili 65 modernistische Irrtümer verworfen hatte.

Als einen Grundirrtum des Modernismus nennt er den Immanentismus, der behauptet, dass der Glaube sich nicht auf eine äußere Offenbarung stütze, die uns von Gott gegeben, durch die Heilige Schrift und die Tradition überliefert und durch das kirchliche Lehramt vorgelegt wird. Der Glaube sei in Wirklichkeit nur ein aus dem Inneren des Menschen aufsteigendes Gefühl, eine Sehnsucht nach Gott oder eine Erfahrung von ihm. Dies nennt man das „Prinzip der vitalen Immanenz“. Der Glaube wird damit zu einer Sache des Gefühls und eine subjektive Angelegenheit.

Am Anfang des Christentums steht für den Modernisten die religiöse Erfahrung Jesu, der natürlich nicht für den menschgewordenen Sohn Gottes, sondern nur für eine geniale menschliche Persönlichkeit gehalten wird. Jesus habe seine religiösen Erfahrungen an andere weitergegeben, die sie selbst nachvollzogen hätten. Als der Verstand diese Erfahrungen nachträglich verarbeitete, habe man sie in Form von Glaubenssätzen ausgedrückt und dies sei der Ursprung der Dogmen. Diese Dogmen seien aber selbstverständlich nicht unveränderlich, da sie ja nur Ausdruck der Gefühle und Erfahrungen von Menschen seien. Sie müssten im Gegenteil angepasst und verändert werden, wenn die Gläubigen andere Erfahrungen machten oder andere Bedürfnisse hätten.

Das Bedürfnis, die Religion sinnfällig zu bekennen und zu betätigen, sei sodann der Ursprung der Sakramente gewesen. Die Sakramente sind also nicht von Christus eingesetzt, sondern von späteren Christen, die ihrem Glauben in sichtbaren Riten Ausdruck verleihen wollten. Da die Sakramente also höchstens in einer sehr allgemeinen Weise auf Christus zurückzuführen sind, steht grundsätzlich auch hier Veränderungen nichts im Weg. Dabei beruft man sich darauf, dass Veränderung ein Prinzip des Lebens sei. „In einer Religion, die lebt, ist alles veränderlich, darum muss es sich ändern“, gibt Pius X. den Grundsatz der Modernisten wieder. Ewigen, unveränderlichen Wahrheiten ist damit der Abschied gegeben.

Weil die Gläubigen das Bedürfnis hatten, sich äußerlich zusammenzuschließen, sei die Kirche entstanden, und da eine solche Gemeinschaft Leitungspersonen benötigt, entstanden die Ämter des Papstes, des Bischofs und des Priesters. Da diese Ämter aus dem religiösen Bewusst-sein der Gläubigen entsprungen seien, hätten ihre Träger sich diesem aber auch unterzuordnen.

Auch die Heilige Schrift ist für die Modernisten natürlich nicht wirklich vom Heiligen Geist inspiriert, sondern nur eine Sammlung der Erlebnisse und Gedanken gottbegeisteter Menschen.

Auf diese Weise kann man alle äußeren und sichtbaren Einrichtungen der Kirche erklären, ohne dass daran irgendetwas Übernatürliches oder von Gott Kommendes ist. Alles entspringt nur den Gefühlen, Erfahrungen und Bedürfnissen von Menschen.

MB: Man hat Pius X. vorgeworfen, der Modernismus sei nicht ein klares Lehrsystem, wie es die Enzyklika Pascendi vermuten lässt …

Pater Matthias Gaudron: Pius X. weist selbst darauf hin, dass die Modernisten ihre Lehren nicht klar und zusammenhängend darlegten, sondern nur verstreut, um sich den Anschein des Suchens nach der Wahrheit zu geben. Sicherlich waren die damaligen Modernisten auch nicht in allen Punkten einig, wie es ja unsere heutigen Modernisten auch nicht sind. Pius X. ist tatsächlich der Erste, der diese Lehren im Zusammenhang dargelegt hat, wobei auch der deutsche Dominikanerpater Albert Maria Weiß (1844–1925) mitgearbeitet hat. Insofern die Enzyklika Pascendi den Modernismus erstmals als System darstellte, konnte der Modernist George Tyrell sogar schreiben, Pius X. sei der „Schöpfer des Modernismus“. Entscheidend ist nun aber, dass die Modernisten dem Papst nicht vorwarfen, er habe sie falsch dargestellt. Sie erkannten sich in den Darlegungen der Enzyklika tatsächlich wieder. Tyrell schrieb darum, Pius X. habe, indem er den Modernismus verurteilte, diesem Denken den Namen gegeben und die Anhänger fest zusammengeschlossen.

Als Vater des Modernismus gilt übrigens der Priester Alfred Loisy. Wie weit er schließlich kam, kann ein Zitat aus seinen Memoiren belegen: „Ich betrachte die Inkarnation als eine philosophische Mythe. Christus nimmt in meiner Religion sogar einen geringeren Platz ein als bei den liberalen Protestanten; denn ich messe der Offenbarung des Vater-Gottes, mit der sie Jesus beehren, weniger Bedeutung zu als sie. Wenn ich etwas in religiöser Hinsicht bin, dann eher pantheistisch-positivistisch-humanitär als christlich.“1

MB: Welche Maßnahmen ergriff Pius X. gegen den Modernismus?

Pater Matthias Gaudron: Neben den verschiedenen Verurteilungen des Modernismus und modernistischer Thesen war die wichtigste Maßnahme des Papstes sicher der Antimodernisteneid, der mit dem Motu proprio „Sacrorum antistitum“ vom 1. September 1910 eingeführt wurde. Diesen Eid mussten alle Kleriker ablegen, die eine höhere Weihe empfangen oder ein höheres kirchliches Amt, wie z. B. eine Pfarr- oder Professorenstelle, übernehmen wollten.

Hier musste man unter anderem bekennen, dass Gott mit dem natürlichen Licht der Vernunft sicher erkannt werden kann, dass die Kirche von Jesus Christus gewollt und gegründet wurde und „dass der Glaube nicht ein blindes religiöses Gefühl ist, das aus dem Dunkel des Unterbewusstseins im Drang des Herzens und aus der Neigung des sittlich geformten Willens entspringt, sondern dass er eine wahre Zustimmung des Verstandes zu der von außen durch Hören empfangenen Wahrheit ist, durch die wir auf die Autorität Gottes des Allwahrhaftigen hin für wahr halten, was uns vom persönlichen Gott, unserm Schöpfer und Herrn, gesagt, bezeugt und geoffenbart worden ist“.

Verurteilt wird hier auch eine rationalistische Auslegung der Heiligen Schrift, die alles Übernatürliche sowie die von der Kirche gegebenen Normen der Auslegung ignoriert.

Dieser Eid war bis 1967 in Kraft. Die Väter und Theologen des Zweiten Vatikanischen Konzils hatten diesen Eid also alle mehrfach abgelegt!

MB: Man wirft heute Pius X. bisweilen sogar von konservativer Seite vor, er habe die Gefahr des Modernismus „übertrieben“ …

Pater Matthias Gaudron: In der Tat behaupten manche, Pius X. und seine Umgebung hätten sich in eine Art Psychose oder Verfolgungswahn hineingesteigert. Für manche Bischöfe und Theologen kamen die Maßnahmen gegen den Modernismus sicher überraschend, denn in manchen Teilen der Kirche war von ihm noch nichts zu spüren. Wie man aber heute noch diesen Vorwurf aufrechterhalten kann, ist mir ein Rätsel. Die Befürchtungen des hl. Pius X. haben sich ja geradezu übererfüllt. Vom hl. Hieronymus gibt es das Wort: „Der Erdkreis seufzt und wundert sich, dass er arianisch geworden ist“. So wie damals fast alle Bischöfe Arianer waren oder wenigstens zum Arianismus hinneigten, so finden wir heute auf fast allen Bischofs- und theologischen Lehrstühlen Modernisten.

MB: Die Mahnungen des hl. Pius X. sind also noch aktuell? Der Modernismus ist nicht tot?

Pater Matthias Gaudron: Pius X. und seine Nachfolger bis zu Papst Pius XII. unterdrückten den Modernismus mit ihrer Amtsgewalt. Tatsächlich meinten in den 1950er Jahren manche, die Modernismuskrise sei schnell überwunden worden. In Wirklichkeit lebten die Ideen im Untergrund weiter. Besonders die Schulen der Jesuiten spielten hier eine unrühmliche Rolle, da man dort – in Verachtung gegenüber den Anweisungen der Päpste und ihren Verurteilungen – nicht die scholastische Lehre studierte, sondern die Väter der sog. „neuen Theologie“, Blondel, de Lubac etc. Der Jesuit Peter Henrici, später einer der beiden Weihbischöfe, die Rom dem allzu konservativen Churer Bischof Wolfgang Haas an die Seite stellte, beschreibt in seinen Erinnerungen unter dem Titel „Das Heranreifen des Konzils – erlebte Vorkonzilstheologie“, wie die Theologiestudenten die Studienunterlagen im alten (scholastischen) Stil höchstens noch durchblätterten und stattdessen – oft von ihren Professoren dazu ermutigt – kirchlich zensierte Autoren studierten.

Als dann Johannes XXIII. die Zügel locker ließ und die Mahnungen derer, die er als „Unglückspropheten“ abtat, in den Wind schlug, brach der Modernismus im offiziellen kirchlichen Raum voll durch. Heute ist es z. B. auch in der katholischen Exegese gang und gäbe, dass Jesus Christus sich nicht als Sohn Gottes bezeichnet hat, dass er leibliche Geschwister hatte, keine eigentlichen Wunder gewirkt hat, nicht wirklich von den Toten auferstanden ist, sondern nur im Glauben der Jünger, und dass er keine Kirche gründen wollte oder dass sich die Strukturen der heutigen Kirche jedenfalls nicht auf Jesus zurückführen lassen.

Warum sind so viele Priester und Bischöfe für das Frauenpriestertum? Weil das Priestertum für sie nichts Übernatürliches ist, sondern nur ein Amt oder eine Funktion, der Vorsitz bei der Eucharistiefeier usw. Das kann grundsätzlich jeder übernehmen. Die Sakramente sind überhaupt nur Symbole im Gemeinschaftsleben der Christen, sie bewirken aus sich keine Gnade, kein Heil.

Man verlangt auch immer wieder Änderungen in der Morallehre der Kirche mit dem Argument, dass die heutigen Gläubigen mit der alten Morallehre der Kirche nichts mehr anfangen können. Wenn die kirchliche Morallehre nur Ausdruck der von den Gläubigen selbstgemachten moralischen Werte ist, wie der Modernismus lehrt, steht einer Änderung natürlich nichts im Wege. Wenn die katholische Moral aber von Gott kommt, dann müssen die Menschen sich danach richten und dürfen sie nicht nach ihrem Belieben verändern.

Natürlich sind nicht alle solche Modernisten in Reinform. Viele nehmen noch einiges von der katholischen Wahrheit an, die einen mehr, die anderen weniger. Aber es finden sich wirklich nur sehr wenige, die vom Modernismus gar nicht angesteckt sind. Selbst für die meisten sog. Konservativen war vieles in der Lehre der Kirche vor dem Konzil zu eng und zu streng. Wir sollen nach ihnen z. B. hoffen, dass die Hölle leer ist, dass auch die meisten Nichtkatholiken und sogar Nichtchristen in der Gnade Gottes sind, dass der Liberalismus auch seine guten Seiten hat usw.

Manches von dem, was Pius X. von den Modernisten seiner Zeit schreibt, kann man noch heute wortwörtlich auf unsere modernen Theologen anwenden. So weist der hl. Papst auf die Forderung der Modernisten hin, den Formeln, in denen die Tradition den Ausdruck des Glaubens festgelegt hat, nicht über Gebühr anzuhängen. Diese seien nur zur Hilfe, nicht als eine Last geboten. Allerdings solle man diesen Formeln, welche das Lehramt der Kirche gebraucht, den nötigen Respekt erweisen. – Das hat z. B. Karl Rahner genauso gemacht. In seiner Erklärung der Dreifaltigkeit Gottes kritisiert er den Ausdruck „drei Personen in Gott“. Er meint zwar, man könne den Begriff der Person weiterhin verwenden, weil man Respekt vor dem langen Gebrauch dieses Begriffs in der Lehre der Kirche haben müsse, aber eigentlich treffe dieser Begriff die Sache nicht, und Rahners Erklärung der Dreifaltigkeit läuft dann auf drei Offenbarungsweisen Gottes heraus, was eine Neuauflage der alten Häresie des Sabellianismus ist.

Auch hört man in der Nachkonzilszeit häufig, man könne den Glauben nicht in Formeln einsperren und müsse darum immer wieder nach neuen Formulierungen des Glaubens suchen. Das alles ist nur der Versuch, die treuen Gläubigen zu täuschen und den Abfall vom katholischen Glauben zu vertuschen. Deshalb bekommt man von modernen Bischöfen und Theologen auch oft keine klaren Antworten, wenn man sie nach der Existenz von Wundern, der Gottheit Christi, der wirklichen Gegenwart Christi in der Eucharistie usw. fragt. Ein Journalist erzählte mir vor ein paar Jahren, sie hätten für das Radio eine Sendung zum Thema der Wandlung in der Messe gemacht und dafür bei sämtlichen Diözesanbischöfen Deutschlands nachgefragt. Sie hätten aber von keinem einzigen Bischof ein klares Bekenntnis zur Wandlung von Brot und Wein in den Leib Christi bekommen!

Oder fragen wir uns, warum selbst ein Benedikt XVI. nie seine früheren Irrtümer widerrufen hat, sondern seine alten Bücher sogar noch als Papst neu auflegen ließ? Eine Erklärung dafür wäre, dass er dem Prinzip der freien Forschung zuneigt, nach dem der Theologe als Wissenschaftler unabhängig von der Lehre der Kirche arbeiten kann.

MB: Es ist also noch kein Ende des Kampfs gegen den Modernismus in Sicht?

Pater Matthias Gaudron: Nein, es gibt zwar hier und dort positive Ansätze, Priester und Bischöfe, die die Tradition der Kirche neu entdecken, aber unser Widerstand gegen den Modernismus muss weitergehen. Und das umso mehr, als die extremen modernistischen Kräfte unter Papst Franziskus wieder Aufwind haben.

Quelle: FSSPX Bild: ZDF (Screenshot)

Pater Pagliarani über die Amazonien-Synode

Pater Davide Pagliarani, Generaloberer der FSSPX

Kommuniqué von Pater Pagliarani über die Amazonien-Synode

Menzingen, den 28. Oktober 2019

am Fest der hl. Apostel Simon et Judas

Liebe Mitglieder der Bruderschaft,

die jüngste Synode über Amazonien war der Schauplatz abscheulicher Veranstaltungen, bei der der Gräuel götzendienerischer Riten auf nie dagewesene und undenkbare Weise in das Heiligtum Gottes eingedrungen ist. Das Schlussdokument dieser tumultartigen Versammlung seinerseits greift die Heiligkeit des katholischen Priestertums an, indem es auf die Abschaffung des kirchlichen Zölibats und auf den weiblichen Diakonat drängt. Wahrlich, die Keime des Glaubensabfalls, die unser ehrwürdiger Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre, sehr früh als im Konzil am Werk identifiziert hatte, tragen weiterhin alle ihre Früchte, und das mit erneuerter Wirkkraft.

Im Namen der Inkulturation werden heidnische Elemente zunehmend in den Gottesdienst eingebaut, und wir stellen einmal mehr fest, wie sehr sich die Liturgie des Zweiten Vatikanums dafür eignet.

Angesichts dieser Umstände rufen wir alle Mitglieder der Bruderschaft und ihres Dritten Ordens zu einem Tag des Gebets und der sühnenden Buße auf, denn wir können nicht gleichgültig bleiben gegenüber solchen Angriffen auf die Heiligkeit der Kirche, unserer Mutter. Wir ordnen an, dass am Samstag 9. November in allen unseren Häusern ein Fasten einzuhalten ist. Wir laden alle Gläubigen ein, sich diesem anzuschließen, und wir ermutigen auch die Kinder, zu beten und Opfer zu bringen.

Am Sonntag, dem 10. November 2019, soll jeder Priester der Bruderschaft eine Sühnemesse feiern, und in jeder Kapelle soll die Allerheiligenlitanei, wie sie für die Bittgänge vorgesehen ist, mit oder ohne Gesang gebetet werden. Auf diese Weise wollen wir Gott bitten, Er möge seine Kirche beschützen und ihr die Strafen ersparen, die solche Taten unweigerlich nach sich ziehen. Wir ersuchen inständig alle Priesterfreunde sowie alle Katholiken, die die Kirche lieben, dasselbe zu tun.

Es geht um die Ehre der von unserem Herrn Jesus Christus gegründeten römischen Kirche, die kein abgöttischer und pantheistischer Rummelplatz ist.

Don Davide Pagliarani

Generaloberer

Quelle: fsspx.de Bild: fsspx.de (Screenshot)

Aus Psalm 131

Hier zum Nachhören

Herr, mein Herz ist nicht stolz,
nicht hochmütig blicken meine Augen.
Ich gehe nicht um mit Dingen,
die mir zu wunderbar und zu hoch sind.

Ich ließ meine Seele ruhig werden und still;
wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.
Israel, harre auf den Herrn
von nun an bis in Ewigkeit!

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Gefeiert am 5. November

Hl. Elisabeth und Hl. Zacharias

Eltern von Johannes dem Täufer

Hl. Elisabeth – Mutter von Johannes dem Täufer

lebte in Ein Kerem in Israel
† Anfang des 1. Jahrhunderts

Elisabeth stammte aus dem Priestergeschlecht Aarons. Sie war verwandt mit Maria, der Mutter Jesu, und verheiratet mit dem Priester Zacharias, aber diese Ehe war kinderlos geblieben; dies galt als Zeichen, dass Gott sich von einem Menschen abgewandt hatte. Doch dann erschien der Erzengel Gabriel ihrem Mann und prophezeite ihm einen Sohn (Lukasevangelium 1, 5 – 20). Die Geburt dieses Sohnes erlebte Elisabeth wie ein Wunder ähnlich jenem, das Sara, der Frau Abrahams, mehr als tausend Jahre zuvor widerfuhr, als sie in hohem Alter noch einen Sohn gebar. So wurde sie die Mutter von Johannes dem Täufer, der in seiner Bußpredigt auf das Kommen des Messias hingewiesen hat.

Sechs Monate später kam der Engel auch zu Maria, um ihr die Empfängnis von Jesus zu verkünden. Während der Schwangerschaft trafen sich die beiden Frauen, Elisabeth grüßte Maria mit den Worten: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes und nannte sie die Mutter meines Herrn (Lukasevangelium 1, 42 – 43) – dieser Begegnung wird gedacht am Festtag Visitatio – Heimsuchung Mariä. Maria blieb drei Monate bis zur Geburt des Johannes.

Hl. Zacharias – Priester, Vater, Märtyrer

† um 10 in Jerusalem in Israel

Zacharias und seine Frau Elisabeth lebten wohl in Ein Kerem bei Jerusalem. Er war Priester am Tempel in Jerusalem, seine Ehe war kinderlos geblieben. Im hohen Alter erschien ihm eines Tages, als er gerade im Tempel das Opfer darbrachte, der Erzengel Gabriel und verhieß ihm die Geburt eines Sohnes, des neuen Elija. Weil Zacharias mit ungläubigem Erstaunen reagierte und ein Zeichen forderte, wurde er bis zur Geburt mit Stummheit geschlagen (Lukasevangelium, 1, 5 – 25). Nach der Geburt gab er gemäß der Weisung des Engels dem Kind den Namen Johannes – der spätere Täufer – und betete, erfüllt vom Heiligen Geist, den Lobgesang (Lukasevangelium, 1, 68 – 79), in dem er das Kommen des ersehnten Erlösers ansagte.

Eine Überlieferung des 3. Jahrhunderts – inspiriert möglicherweise durch Lukasevangelium 11, 51 – berichtet, Zacharias sei im Tempel in Jerusalem ermordet worden.

Der Gedenktag der Ostkirche ist der Tag der Auffindung der Reliquien, die 415 nach Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul – kamen. Sein Kopf befindet sich in der Basilika S. Giovanni in Laterano in Rom.

 

Hl. Imre (Emmerich, Heinrich) von Ungarn – Prinz von Ungarn

* 1007 in Stuhlweißenburg, dem heutigen Székesfehérvár in Ungarn
† 2. September 1031 in Ungarn

Imre war der Sohn des ungarischen Königs Stephan I., er wurde in asketisch-strengem Geist von Gerhard, dem Bischof von Csanád, erzogen. Sein frommer und tugendhafter Lebenswandel wurde schon früh gerühmt. Sein Vater wollte ihn zum Mitregenten erheben, doch kurz vor seiner Krönung fand Imre durch einen Jagdunfall den Tod.

Imre wurde in der Zisterzienserkirche in Stuhlweißenburg bestattet, an seinem Grab gab es wundersame Bekehrungen und Heilungen. Am 5. November 1083 wurden seine Gebeine erhoben.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria