Piusbruderschaft beharrt auf Bischofsweihen am 1. Juli, bittet Vatikan um „Nächstenliebe“

Priesterseminar der Piusbruderschaft in Écône (Schweiz) DICI CC BY SA 4.0 (Screenshot)

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. beharrt auf Bischofsweihen – auch ohne päpstlichen Auftrag – am 1. Juli. Die Bedingungen für einen Dialog mit dem Vatikan lehnt die Bruderschaft ab, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben hervorgeht.

Pater Davide Pagliarani FSSPX, der Generalobere der Piusbruderschaft, erklärte, er könne „aus intellektueller Ehrlichkeit und priesterlicher Treue vor Gott und vor den Seelen […] weder die Perspektive noch die Ziele akzeptieren, in deren Namen das Dikasterium in der aktuellen Situation eine Wiederaufnahme des Dialogs vorschlägt, ebenso wenig im Übrigen die Verschiebung des Datums vom 1. Juli.“

Erst in dem Moment, als die Bruderschaft am 2. Februar die Bischofsweihen angekündigt hatte, habe Rom „die Wiederaufnahme eines Dialogs vorgeschlagen, der daher als verzögernd und bedingt erscheint. Tatsächlich begleitet die ausgestreckte Hand der Dialogbereitschaft leider eine andere Hand, die schon bereit ist, Sanktionen zu verhängen.“

Der Vatikan hatte gefordert, die geplanten Bischofsweihen auszusetzen, um überhaupt einen Dialog zu führen. Pagliarani betonte grundsätzlich: „Ich kann die Öffnung für eine lehrmäßige Diskussion, die der Heilige Stuhl heute bekundet hat, nur begrüßen – aus dem einfachen Grund, dass ich selbst diese vor genau sieben Jahren in einem Schreiben vom 17. Januar 2019 vorgeschlagen hatte. Damals hatte das Dikasterium kein echtes Interesse an einer solchen Diskussion gezeigt, mit der – mündlich dargelegten – Begründung, dass eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. unmöglich sei.“

Nun, im Jahr 2026, schrieb Pagliarani seinerseits an Kardinal Víctor Manuel Fernández, den Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre: „Wir beide wissen im Voraus, dass wir uns auf lehrmäßiger Ebene nicht einigen können, insbesondere bezüglich der grundlegenden Orientierungen, die seit dem II. Vatikanischen Konzil eingeschlagen wurden. Dieser Dissens von Seiten der Bruderschaft ergibt sich nicht aus einer einfachen Meinungsverschiedenheit, sondern aus einem echten Gewissenskonflikt, der aus dem erwächst, was sich als Bruch mit der Tradition der Kirche erweist. Dieser komplexe Knoten ist leider durch die lehrmäßigen und pastoralen Entwicklungen im Laufe der jüngsten Pontifikate noch unlösbarer geworden.“

Er sehe nicht, „wie ein gemeinsamer Dialogprozess dazu führen könnte, gemeinsam zu bestimmen, was die ‚Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche‘ ausmachen würden, da – wie Sie selbst in aller Offenheit zum Ausdruck gebracht haben – die Texte des Konzils nicht korrigiert werden können, noch die Legitimität der liturgischen Reform in Frage gestellt werden kann“.

Tatsächlich sei das Zweite Vatikanische Konzil in den letzten 60 Jahren von den Päpsten interpretiert worden, etwa in Enzykliken und anderen Apostolischen Schreiben: „Alle diese Dokumente zeigen, dass der lehrmäßige und pastorale Rahmen, in den der Heilige Stuhl jede Diskussion stellen möchte, bereits festgelegt ist.“

Pagliarani verwies auf den Dialog zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan, der von 2009 an „zwei Jahre lang besonders intensiv war und bis zum 6. Juni 2017 sporadisch fortgesetzt wurde“. Damals habe man „versucht, das zu erreichen, was das Dikasterium jetzt vorschlägt“.

„Doch alles endete schließlich auf drastische Weise durch eine einseitige Entscheidung des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Müller, der im Juni 2017 auf seine Weise feierlich die ‚notwendigen Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche‘ festlegte, in die er explizit das gesamte Konzil und das ‚Nachkonzil‘ einschloss“, so der Generalobere der FSSPX in seinem Schreiben an Fernández. Das Schreiben von Kardinal Müller veröffentlichte die Bruderschaft ebenfalls am Donnerstag.

Bald nach ihrer Gründung durch Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1970 geriet die Piusbruderschaft in Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie, weil sie an der überlieferten Liturgie festhielt und verschiedene Aspekte des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnte, etwa eine falsch verstandene Religionsfreiheit oder Ökumene. Lefebvre war unter Papst Pius XII. der wichtigste Bischof in ganz Afrika und danach Generaloberer der Spiritaner, einer der wichtigsten Missionsgesellschaften in der Kirchengeschichte.

1988 hatte Erzbischof Lefebvre ohne Erlaubnis aus Rom die Bischöfe Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson geweiht – der Präzedenzfall für die nun angekündigten Bischofsweihen. 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikationen der beteiligten Personen offiziell auf. Williamson wurde später aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen und ist 2025 gestorben. Tissier starb bereits 2024.

Pagliarani hatte am 2. Februar angekündigt, man wolle am 1. Juli neue Bischöfe weihen, um weiterhin alle Sakramente in ihrer traditionellen Form spenden zu können, wie es bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Kirche üblich war.

Diese Weihen sollen auch ohne päpstliches Mandat erfolgen. Um dies zu verhindern, appellierte der Generalobere der FSSPX in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben an den Vatikan an das Prinzip der „Nächstenliebe gegenüber den Seelen und gegenüber der Kirche“.

Die Piusbruderschaft „bittet Sie lediglich, weiterhin jenes Gute für die Seelen tun zu können, denen sie die heiligen Sakramente spendet. Sie bittet um nichts anderes, kein Privileg, nicht einmal eine kanonische Regularisierung, die im aktuellen Zustand der Dinge aufgrund der lehrmäßigen Divergenzen undurchführbar erscheint. Die Bruderschaft kann die Seelen nicht im Stich lassen. Das Bedürfnis von Weihen ist ein konkretes kurzfristiges Bedürfnis für das Überleben der Tradition, im Dienst der heiligen katholischen Kirche.“

„Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben Papst Franziskus und Sie selbst reichlich das ‚Zuhören‘ und das Verständnis für besondere, komplexe und außergewöhnliche Situationen hervorgehoben, die außerhalb der gewöhnlichen Schemata liegen“, führte Pagliarani aus. „Sie haben auch eine Anwendung des Rechts gewünscht, die immer pastoral, flexibel und vernünftig ist, ohne vorzugeben, alles durch juristische Automatismen und vorgefertigte Schemata lösen zu können. Die Bruderschaft bittet Sie in diesem Augenblick um nichts anderes – und vor allem bittet sie nicht für sich selbst: Sie bittet darum für diese Seelen, die sie, wie bereits dem Heiligen Vater versprochen, zu wahren Kindern der römischen Kirche machen will.“

Die Piusbruderschaft sieht sich weiterhin als Teil der katholischen Kirche und betet in der Messe für den amtierenden Papst, wodurch sie sich vom Sedisvakantismus abgrenzt. Gleichzeitig weigert sie sich, verschiedene Neuerungen – wie sie es sieht – zu akzeptieren, was immer wieder zu Spannungen mit dem Vatikan führt.

Quelle: catholicnewsagency

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