Bruder Johannes Paul CFM.SCJ, Herz Jesu FranziskanerHier zum Nachhören – Bruder Johannes Paul CFM.SCJ, Herz Jesu Franziskaner,Ⓒ CFM.SCJ
Mein Name ist Bruder Johannes Paul von der Kongregation der Herz Jesu Franziskaner. Die katholische Tradition ist grundlegend wichtig und nicht nur die kontinuierliche Weitergabe des katholischen Glaubens, sondern die Garantie, dass die unversehrte Glaubenswahrheit der katholischen Kirche für nachkommende Generationen bewahrt bleibt. Deshalb sind die Herz Jesu Franziskaner der überlieferten Tradition der katholischen Kirche verbunden. Wir verstehen unter dem Namen Tradition die Weitergabe der unverfälschten katholischen Glaubenslehre und die Abwehr aller Irrlehren. Der heilige Papst Pius X warnte bereits in seiner Enzyklika „PASCENDI DOMINICI GREGIS“ vom 8. September 1907 vor den Gefahren des Modernismus. Der Modernismus ist das Sammelbecken aller Irrtümer, so der heilige Papst Pius X. Indem die Herz Jesu Franziskaner den katholischen Glauben verteidigen und die Häresie bekämpfen, sind wir dadurch Missionare des Heiligsten Herzens Jesu. Gott segne Euch !
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 10,26-33
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In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 2,41-51
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Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 11,25-30
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In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 6,7-15
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In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Azad G. kämpfte für den IS in Syrien. Die Stadt Wien wollte ihm die österreichische Staatsbürgerschaft aberkennen, doch das Verwaltungsgericht Wien hat das nun abgelehnt.
Wien. Der Fall des mutmaßlichen Terroristen hatte im März 2019 bereits für Schlagzeilen gesorgt. Azad G. kehrte 2013 ein Jahr nach seiner Ausreise nach Syrien wieder in seine Heimatstadt Wien zurück, um sich aufgrund einer Schussverletzung behandeln zu lassen. Während dieses Fronturlaubes kassierte er 14-mal 885,47 Euro Mindestsicherung. Dann reiste er wieder nach Syrien aus.
Azad G. wäre sonst staatenlos
Die MA35 wollte ihm daraufhin die österreichische Staatsbürgerschaft aberkennen, doch das Verwaltungsgericht Wien hat diesen Beschluss nun aufgehoben. Der Grund: Die Aberkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft wäre nur möglich, wenn eine Doppelstaatsbürgerschaft vorliegt. Man sei davon ausgegangen, dass Azad G. österreichisch-türkischer Doppelstaatsbürger ist, so die MA35. „Wir haben unser Wissen aus den damaligen Einbürgerungsakten“, hieß es noch im Februar zu den laufenden Aberkennungsverfahren gegen mehrere mutmaßliche IS-Kämpfer. Laut Außenministerium ist der derzeitige „Aufenthaltsort von Azad G. nicht bekannt“. Er soll von kurdischen Soldaten gefangen genommen worden sein. Im Vorjahr war ein Video aufgetaucht, in dem er sagte: „Ich hoffe, Sie erkennen, dass ich reumütig bin.“ Im Fall einer Einreise droht Azad G. die Festnahme. Die Staatsanwaltschaft hat zahlreiche Festnahmeanordnungen gegen mutmaßliche IS-Kämpfer erlassen, hieß es aus dem Innenministerium. Aus dem Justizministerium heißt es dazu nur, dass „der Fall den österreichischen Strafverfolgungsbehörden seit Langem bekannt ist. Weitere Informationen können im derzeitigen Verfahrensstadium leider nicht erteilt werden.“
Die Skandal-Akte des Wiener IS-Kämpfers
2010 absolvierte er in der Steiermark seinen Grundwehrdienst und wurde Milizsoldat. Aber das Heer setzte den späteren IS-Kämpfer auf eine „Gefährderliste“. Er wurde nicht mehr zu Übungen eingeladen. Das Innenministerium wurde aber nicht informiert. 2013 ging Azad G. nach Syrien und schloss sich der Terrormiliz IS an, kämpfte.Er wurde angeschossen, kehrte über die Türkei nach Österreich zurück und wurde hier im Spital gesund gepflegt. 14 Monate blieb er auf „Heimaturlaub“ in Wien, kassierte in dieser Zeit 885,47 Euro Mindestsicherung pro Monat, in Summe ergibt das 12.400 Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelte ab 2015 gegen den Jihadisten, seine Eltern zeigten ihn an. Die Ermittlungen wurden aber eingestellt. An die MA 40 der Stadt Wien wurden die Ermittlungen gegen Azad G. aber nicht weitergeleitet. Deshalb die Mindestsicherung. Letztlich kehrte G. zum IS zurück.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 6,1-6.16-18
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In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
McCarrick und das Versagen der brüderlichen Zurechtweisung
Der Fall Theodore McCarrick zeigt das Versagen der brüderlichen Zurechtweisung.
(New York) Immer mehr katholische Priester melden sich zu Wort, vor allem in den USA, um gegen den sexuellen Mißbrauch durch klerikale Mitbrüder zu protestieren. Ihre Stimme ist eine Anklage gegen Tat und Täter, aber auch eine Ehrenrettung des Priesterstandes, der durch den Mißbrauchsskandal in Mißkredit gebracht wurde. Die National Review setzte Papst Franziskus auf ungewohnte Weise auf die Titelseite der aktuellen Ausgabe. Nach seiner Wahl überschlugen sich die Wochen- und Monatsmagazine das Konterfei des argentinischen Papstes positiv auf die Titelseiten zu setzen.
Priesterseminare überprüfen
Am Vorabend zu Allerheiligen gab das Erzbistum New York einen neuen Fall von sexuellem Mißbrauch bekannt. Der Fall aus dem Jahr 1978 sei „glaubwürdig“ und betrifft nicht irgendeinen Priester, sondern Weihbischof John Jenik. Der Fall habe sich in einer Pfarrei des Erzbistums ereignet, in der der heutige Weihbischof damals als Seelsorger wirkte. Kardinal Timothy Dolan, der amtierende Erzbischof von New York, wandte sich in einem Video an die Gläubigen seines Erzbistums.
In der Washington Post schrieb am vergangenen 20. Oktober der Priester Thomas V. Berg eine Kolumne. Um den sexuellen Mißbrauch in Angriff zu nehmen und abzustellen, seien – so seine Empfehlung – „die katholischen Seminare zu studieren“.
Father Berg betont, daß sexueller Mißbrauch an sich zwar nichts Neues in der Kirchengeschichte sei. Neu sei aber eine bestimmte Gruppe, die im aktuellen Mißbrauchsskandal in Mitleidenschaft gezogen werde: die Seminaristen.
Die Priesterseminare und deren Seminaristen stehen im Mittelpunkt des Skandals um den Ex-Kardinal Theodore McCarrick. Sein Fall werfe ein Schlaglicht auf einen bisher kaum beachteten Bereich. Es gehe vor allem um die Antwort, die nun auf den Skandal gegeben werde.
Bereits andere kritische Stimmen machten im Zusammenhang mit dem McCarrick-Skandal darauf aufmerksam, daß über die Priesterseminare ganze Homo-Netzwerke aufgebaut wurden. Durch die sexuelle Korrumpierung des Priesternachwuchses verschaffte sich der homosexuelle Klerus nicht nur „Nachschub“ an Lustknaben, sondern sicherte seine Position und „Unantastbarkeit“ innerhalb eines Bistums ab. Das do ut des lautete: gegenseitige Karriereförderung für gegenseitigen Schutz vor Aufdeckung und Strafverfolgung.
„Viele Katholiken sind sehr besorgt um das Wohlergehen der katholischen Seminaristen“, so Father Berg in der Washington Post.
Sie fragen sich nicht nur, ob die Seminaristen in den Seminaren sicher sind vor sexuellen Triebtätern. Sie sind auch besorgt, ob die Priesterausbildung in einem möglichen Homo-Milieu die nötige Reifung der Persönlichkeit fördere, selbst jener Seminaristen, die von den Homo-Cliquen in Ruhe gelassen werden.
Es sei daher dringend geboten, einen Blick auf die Priesterseminare in den USA zu werfen und über Reformen in der Ausbildung zu sprechen, so Father Berg. Dabei gehe es um Zulassungskriterien und die Ausbildung selbst.
Über die Vorschläge Bergs zur Lösung der Probleme (z.B. Reduzierung der Anzahl der Priesterseminare in den USA, Ausbildungsbeginn erst ab dem 22. Geburtstag und nach einem ersten akademischen Abschluß, noch längere Ausbildungszeit) werden die Meinungen auseinandergehen. Gedanken werden sich alle Beteiligten machen müssen.
Der Fall Foxhoven
Die gebotene Dringlichkeit zeigte sich am Hochfest Allerheiligen. Ein Priester aus dem Staat Ohio gestand, ein sexuelles Verhältnis zu einer 17-Jährigen zu haben. Der 45 Jahre alte Priester Henry Christopher Foxhoven des Bistums Steubenville war ein Freund des Vaters des Mädchens. Der Fall unterscheidet sich zwar von der großen Mehrheit der Fälle von homosexuellem Mißbrauch, fällt aber in die Gesamtkategorie des sexuellen Fehlverhaltens.
Sexuelles Verhältnis mit 17-Jähriger gestanden.
Gegen den Priester wurde Anzeige wegen sexueller Gewalt in acht Fällen erstattet. Wie die Polizei bekanntgab, hätten sich die Fälle in der Zeit zwischen dem 17. August und dem 25. Oktober zugetragen.
Das Mädchen habe er als „Ministrantin“ ausgebildet, so der Priester. Von der Polizei einvernommen, gestand er das Verhältnis. Ihm wurde von Bischof Jeffrey M. Monforton die Ausübung seines Amtes und das Betreten seiner bisherigen Pfarrei einstweilen untersagt. Foxhoven war 2004 zum Priester geweiht worden. Sein Lebenswandel war bisher tadellos, wie das Bistum betont.
Aus Rom ist unterdessen noch immer nichts zum Mißbrauchsskandal um Ex-Kardinal McCarrick zu hören. Erst recht nicht zu den Anschuldigungen, die der ehemalige Apostolische Nuntius für die USA, Msgr. Carlo Maria Viganò, Ende August gegen Papst Franziskus erhob. Dafür nahm ein US-Dominikaner zum Fall McCarrick Stellung, der Mann, der als einer der ersten 2000 den Mut hatte, McCarricks sexuelles Fehlverhalten zu melden.
P. Boniface Ramsey: „Er forderte regelmäßig fünf Seminaristen an“
Zwei Tage vor Bekanntwerden des Falles Foxhoven veröffentlichte der Dominikanerpater Bonifcae Ramsey im progressiven Commonweal Magazine einen ausführlichen Artikel zum Fall McCarrick: „Der Fall von Theodore McCarrick. Das Scheitern der brüderlichen Zurechtweisung“.
Ramsey lehrte von Ende der 80er Jahre bis 1996 am Priesterseminar des Erzbistums Newark Patristik. Das war die Zeit, in der McCarrick dort Erzbischof war. Das Seminar, an dem Ramsey lehrte, war McCarricks Priesterseminar. Der Priester schildert, daß es damals „Gerüchte“ über ein Fehlverhalten des Erzbischofs gegeben habe. Heute sei ihm bewußt, daß der Begriff „Gerüchte“ unangemessen war. „Worüber die Seminaristen damals untereinander und mit anderen Mitgliedern der Fakultät sprachen, waren Erfahrungen, die sie gemacht hatten, oder von denen sie gehört hatten, daß andere sie gemacht hatten.“
Ramsey bestätigte, daß McCarrick über ein Haus in Jersey Shore verfügte, wohin er „regelmäßig“ Seminaristen einlud. Der Priester schilderte vor wenigen Tagen, wie das ablief:
„Er oder sein Sekretär nahm direkt Kontakt mit dem Seminar auf und ersuchte um fünf bestimmte Seminaristen, oder sie nahmen einfach direkt Kontakt mit den Seminaristen auf. Verständlicherweise konnte eine Aufforderung des Erzbischofs nicht so einfach zurückgewiesen werden. Als McCarrick und die fünf Seminaristen in das Strandhaus kamen, waren es sechs Männer, aber nur fünf Zimmer. McCarrick wies vier seiner Gäste in vier der verfügbaren Zimmer und zog sich mit dem fünften Seminaristen in einen getrennten Wohnbereich zurück. Als es Zeit zur Nachtruhe war, zog sich McCarrick nackt aus, meist direkt vor dem Seminaristen. Die Erwartung war, daß der Seminarist es ebenso machen würde, wenngleich einige es zu vermeiden versuchten, indem sie sich in das Bad oder sonstwo zurückzogen. Manchmal, wie sie mir erzählten, liefen die fünf Seminaristen, sobald sie mit dem Auto angekommen waren, schnell ins Haus, um eines der vier Zimmer zu ergattern. Der langsamste endete beim Erzbischof.“
Damals habe man noch nicht mit einer solchen Situation umzugehen gewußt, so Ramsey, nämlich mit einem Erzbischof, der sich seinen eigenen Seminaristen näherte. Es sei ihm und anderen Fakultätsmitgliedern, die von den Seminaristen kontaktiert wurden, kein irgendwie vergleichbarer Fall bekannt gewesen. An sexuellen Mißbrauch habe wohl jeder gedacht, aber niemand hatte es ausgesprochen. Die Seminaristen, die sich anvertrauten, hätten es auch nicht gewagt, Anklage zu erheben. Einer, der sich Ramsey anvertraute, berichtete über das „Unbehagen“, das er empfunden habe, und schilderten bis dorthin, wo der Erzbischof sich im selben Zimmer nackt vor ihm auszog.
„Warum waren einige Seminaristen Gegenstand der erzbischöflichen Aufmerksamkeit und andere nicht?“ Das sei eine der Fragen gewesen, die man sich wegen der Ausflüge ins Strandhaus gestellt habe, so Ramsey. Die Seminaristen, die seine größte Aufmerksamkeit fanden, nannte McCarrick „Neffen“. Und sie nannten ihn „Onkel Ted“. Auch das habe man als „unangemessen“ zu Kenntnis genommen. Aus Gehorsam sei aber das „unübliche“ Verhalten des Erzbischofs gegenüber den Seminaristen hingenommen worden. Zur Entschuldigung nannte Ramsey, daß der Mißbrauch Minderjähriger erst im vergangenen Juni von der New York Times enthüllt worden sei.
Die Entlassung eines Seminaristen
Der Dominikaner bestätigt damit einen Grunddefekt: Der Mißbrauch Minderjähriger gilt als Problem, weil die Öffentlichkeit sensibilisiert ist und der Staat ihn strafrechtlich verfolgt. Das homosexuelle Milieu, das McCarrick um sich schuf, wurde hingegen stillschweigend akzeptiert, obwohl es vom Kirchenrecht bestraft wird. Der strafende Arm des Staates wird gefürchtet, nicht aber jener der Kirche.
Ex-Kardinal Theodore McCarrick
Der damalige Regens des Priesterseminars, so Ramsey, habe genau Bescheid gewußt. Als es um den konkreten Fall eines Seminaristen ging, versicherte er, zu tun, was ihm möglich sei, um dem Erzbischof Einhalt zu gebieten. Der Regens betonte aber auch, hin und her gerissen zu sein, zwischen seiner Loyalität gegenüber dem Erzbischof und dem Wissen, daß dessen Handeln nicht richtig war. Geschehen sei dann aber nichts, so der Dominikaner, und die Besuche McCarricks in Seminaristenbegleitung im Strandhaus gingen weiter.
In den 90er Jahren befaßte sich der Fakultätsrat mit einzelnen Studenten und deren Zulassung zu den Prüfungen. Ramsey plädierte „aus verschiedenen Gründen“ für die Entlassung eines Seminaristen. Die anderen Ratsmitglieder waren derselben Meinung, und so wurde der Seminarist entlassen. Als Ramsey am Beginn des nächsten Studienjahres an die Fakultät zurückkehrte, erwartete ihn ein neuer Regens. Der teilte ihm mit, daß Erzbischof McCarrick wisse, daß er, Ramsey, für die Entlassung jenes Seminaristen verantwortlich sei und ihm deshalb das Stimmrecht im Fakultätsrat entzogen hatte.
Als er dem damaligen Erzbischof von Louisville, ebenfalls ein Dominikaner, den ungewöhnlichen Vorfall berichtete, zeigte sich dieser gar nicht überrascht. „Alle“ hätten gewußt, daß McCarrick den Seminaristen auf einem Flughafen kennengelernt und in sein Seminar geholt hatte. Es sei nicht die einzige „spontane Einladung“ dieser Art gewesen. Ramsey wurde bewußt, daß er McCarrick durch seine Intervention nicht einen Seminaristen, sondern einen dort geparkten Lustknaben entzogen hatte.
Ramsey wurde durch die Aussage des Erzbischofs von Louisville („Das haben wir alle gewußt“) auch klar, daß einige von McCarricks Mitbrüdern im Bischofsamt über die homosexuellen Eskapaden des damaligen Erzbischofs von Newark Bescheid wußten. Das sei für ihn auch der „erste Hinweis“ gewesen, daß sich dieses sexuelle Fehlverhalten nicht nur auf Erzbischof McCarrick, nicht nur auf das Priesterseminar und nicht nur auf das Erzbistum Newark beschränkte, „sondern sich unter den US-Bischöfe ausbreitete“.
Über Beförderung McCarricks „irritiert“
Wegen Verpflichtungen in seiner Ordensprovinz habe er 1996 seine Lehrtätigkeit am Priesterseminar in Newark aufgeben müssen. Als er 2000 von der Beförderung McCarricks auf den prestigeträchtigen Erzbischofsstuhl von Washington und damit zum Kardinal hörte, sei er „sehr irritiert“ gewesen. „Wußten die Leute nichts von McCarricks Reputation?“ Ramsey wandte sich nun schriftlich an den damaligen Apostolischen Nuntius in den USA, Erzbischof Gabriel Montalvo, und kündigte das Schreiben auch telefonisch an. Als ihn ein befreundeter Priester aus Newark, dem er sich anvertraute, vor einem solchen Schritt warnte, zögerte er und wollte die Sache wieder abblasen. Seine Angst war, McCarrick habe überall seine homosexuellen Gefolgsleute und würde die Sache abfangen. Ramsey rief den Nuntius ein zweites Mal an, um die Aktion abzusagen. Der aber forderte ihn aber mit Nachdruck auf, doch zu schreiben. So schickte er sein Schreiben am 24. November 2000 ab und erhielt dafür weder eine Antwort noch eine Eingangsbestätigung.
Anfrage von Erzbischof Sandri an Ramsey (2006)
Erst sechs Jahre später erfuhr Ramsey, daß sein Schreiben das Ziel wirklich erreicht hatte. 2006 wurde er vom damaligen Kurienerzbischof Leonardo Sandri kontaktiert, einem hohen Funktionär des vatikanischen Staatssekretariats, der heute Kardinal und Präfekt der Kongregation für die Ostkirchen ist. Es ging um die Ernennung eines jungen Priesters für eine Stelle im Vatikan. Msgr. Sandri wollte wissen, ob dieser Priester in die „Aktivitäten“ am Priesterseminar von Newark verwickelt war, die Ramsey in seinem Schreiben geschildert hatte. „Laut dem was ich wußte, war er nicht verwickelt“, so Ramsey. Durch diese Anfrage hatte er aber endlich die Bestätigung erhalten, daß der Nuntius sein Schreiben an den Vatikan weitergeleitet hatte.
2004 hatte Ramsey ein Gespräch mit Kardinal Edward Egan, dem damaligen Erzbischof von New York, der ihn als Priester im Erzbistum aufgenommen hatte. Bei dieser Gelegenheit brachte Ramsey auch das Verhalten von McCarrick zur Sprache. Kardinal Egan wollte aber nicht darüber sprechen und wechselte das Thema.
„Wegen seiner sofortigen Reaktion war für mich jedoch klar, daß er von McCarrick wußte.“
Für viele Jahre verschwand McCarrick aus Ramseys Blickfeld. Erst 2015 sah er ihn bei der Beerdigung von Kardinal Egan im Kreis der Konzelebranten wieder.
„Ich war verärgert und fassungslos. Was hatte er dort zu suchen? Wußten nicht alle von ihm? Wußte nicht auch Kardinal Egan?“
„Kein Wort fand sich, das Schreiben den zuständigen Stellen zukommen zu lassen“
Ramsey schrieb deshalb im Juni 2015 an Kardinal Sean Patrick O’Malley. Als Vorsitzender der Päpstlichen Kinderschutzkommission müsse er am besten wissen, wie mit einem solchen Fall umzugehen sei. Er bat den Kardinal, seine Sorgen den zuständigen Stellen zur Kenntnis zur bringen. Bereits wenige Tage später antwortete ein Sekretär des Kardinals, der mitteilte, daß die Informationen über McCarrick nicht in die Zuständigkeit O’Malleys fallen.
„Kein Wort fand sich darüber, das Schreiben den zuständigen Stellen zukommen zu lassen.“
Ramsey vermutete, daß Kardinal O’Malley sein Schreiben gar nicht gelesen habe.
Er begegnete wieder jenem Freund und Priester, der ihm bereits Ende der 80er Jahre geraten hatte, sich nicht mit McCarrick anzulegen. Er sei schon alt und werde sich vor seinem Gewissen und vor Gott verantworten müssen. „Ich ließ es also bleiben.“
Um so erstaunter war Ramsey, als er gegen Ende Juni 2018 den ersten Artikel der New York Times über McCarricks Mißbrauch von Minderjährigen lesen mußte. „Wir alle dachten, er sei nur an jungen Männern interessiert.“
Er nahm Kontakt mit dem Journalisten der Tageszeitung auf und berichtete über seine Bemühungen, das Fehlverhalten des Kardinals mit Seminaristen den zuständigen kirchlichen Stellen zu melden. „Nun kamen viele Dinge, die vertuscht worden waren, ans Licht, wenn auch sicher nicht alle.“
Für Ramseys Aussagen interessierte sich auch die Staatsanwaltschaft von Pennsylvania:
„Die zweite Phase der sexuellen Mißbrauchskrise in der US-Kirche hatte begonnen“.
Ramsey kritisiert in seinen weiteren Ausführungen das Versagen der „brüderlichen Zurechtweisung“ gemäß dem Matthäusevangelium 18,15. Da andere Bischöfe von McCarricks Lastern wußten, hätten sie ihn zurechtweisen müssen, zunächst privat, dann aber – als klar war, daß er seinen Lebenswandel nicht gebessert hatte – auch öffentlich. Die Anklage brachte aber die New York Times ins Rollen, nicht die zuständige kirchliche Hierarchie.
„Alle wußten“, wie der damalige Erzbischof von Louisville zu Ramsey gesagt hatte, aber niemand unternahm etwas.