
Worte von Pater Klaus Maria em. Pfarrer Jakob i.R. – Nr. 108


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In den vergangenen Jahren ist ein zunehmendes Misstrauen vieler gläubiger und praktizierender Katholiken gegenüber dem Klerus festzustellen. Dieses Misstrauen, das durchaus berechtigt ist, betrifft auch Bischöfe und Kardinäle, Diözesan- und Kurienämter und sogar den Papst selbst.
Wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, müssen wir zugeben: Die Mitglieder des Klerus sind, von einigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen, nicht mehr die Guten – die Kleriker in ihrer Gesamtheit sind inzwischen die Schlechten! Der Klerus steht beharrlich auf der falschen Seite: Der klassische Priester (und auch Bischof) von heute ist sinister (auch politisch gesehen), begünstigt bewusst oder unbewusst freimaurerisches Gedankengut, das ihm bereits während seiner Ausbildung vermittelt wurde, gibt wenig oder gar keinen Glauben weiter, ist lau und ängstlich, scheint mehr ein Politiker als ein Diener Gottes, folgt der Meinung des Augenblicks, scheint nicht sehr überzeugt vom katholischen Glauben und verkauft sich bereitwillig für ein Butterbrot. Buchstäblich. Er handhabt seine Arbeit wie ein Konkursverwalter, und die Heilige Liturgie scheint jene lästige Unannehmlichkeit zu sein, die es eben in jeder beruflichen Tätigkeit zu ertragen gilt. Viele, wenn auch nicht alle, scheinen Priester geworden zu sein, um ein Gehalt und ein kostenloses Pfarrhaus zu erhalten. Die Zustimmung der Öffentlichkeit, einschließlich der Medien, ist wichtiger für den durchschnittlichen Priester von heute als die Wahrheit Christi und die Rettung der Seelen, über die er nicht einmal spricht. Denn schon im Seminar lernt man: Das Schlimmste, was man tun kann, ist es, Ärgernis zu geben, Zwietracht zu säen oder aufzufallen – vor allem den Zeitungen. Letztlich: Gott spricht nicht – Klatschtanten und Journalisten schon.
Es sind nicht nur Einzelfälle, die viele Laien und auch viele Priester veranlassen, sich die Frage zu stellen, inwieweit der Klerus noch glaubwürdig ist, sondern es ist vielmehr die Summe vieler Entwicklungen, Erklärungen und Aktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Sie beobachten eine immer deutlicher werdende Veränderung, die sich auch auf die Substanz des katholischen Glaubens in einem solchen Maße auswirkt, dass sich viele Priester und Laien fragen: Lehrt, lebt und gibt die katholische Kirche den katholischen Glauben noch weiter? Ist sie wirklich noch katholisch in der Tat und im Glauben, und nicht nur dem Namen nach? Viele Katholiken empfinden eine reale und persönliche Bedrohung, die vom Klerus ausgeht und auf ihre Vernichtung abzielt: Menschen wie sie, d. h. Gläubige, die denselben Glauben wie ihre Großeltern und Urgroßeltern haben, darf es nicht mehr geben. Sie haben endgültig zu verschwinden. Sie werden nicht mehr akzeptiert und auch nicht mehr geduldet und spüren einen wachsenden Druck, ihrem Glauben abzuschwören. Sie sind dazu bestimmt, von der Kirche selbst ausgelöscht zu werden. Wer sich bemüht, katholisch zu sein und Christus treu zu sein, fragt sich zunehmend, ob dies innerhalb der katholischen Kirche noch möglich ist. Eine alarmierende Situation, die dringend Antworten vom Klerus verlangt!
Was den Klerus betrifft, so fragen sich viele (wenn auch „hinter vorgehaltener Hand“), ob sie nicht getäuscht worden sind, denn sie haben das Gefühl, sich in einer Situation zu befinden, in der sie allmählich, und ohne es zu merken, an der Zerstörung der Kirche Christi und des katholischen Glaubens mitwirken, anstatt sie aufzubauen. Sie fühlen sich wie ein Polizist, der einst dieser Einheit beitrat, um zum Guten und zur Gerechtigkeit beizutragen, und der eines Tages aufwacht und feststellt, dass er in Wirklichkeit viele Jahre lang für die Unterwelt gearbeitet hat, ohne es zu merken.
Immer mehr Priester und Gläubige haben das beunruhigende Gefühl, dass die Kirchenführung sie in Wirklichkeit von Christus abbringt, anstatt sie ihm näher zu bringen. In diesem Zusammenhang stellen sich viele Fragen: Zu wem können wir noch gehen? Wo können wir noch ein katholisches Umfeld finden, das den Glauben fördert und uns Christus näher bringt? Warum scheinen Diözesen und andere kirchliche Strukturen für jene, die Christus an die erste Stelle setzen, nicht mehr verlässlich zu sein? Seit Jahrzehnten leben wir täglich mit Kompromissen und geben in einer Frage nach der anderen nach, immer nur das berühmte „ein bisschen“, bis der katholische Glaube unserer Vorväter bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Manchmal ist es schwer, die Lehren Christi in den Lehren des Klerus, ob Priester, Bischöfe, Kardinäle und Päpste, und in den verschiedenen kirchlichen Dokumenten aller Ränge und Herkünfte, zu erkennen. Als Diözesanpriester bin ich immer wieder mit solchen Fragen der Gläubigen konfrontiert worden.
Die Antwort ist nicht einfach, aber sie ist notwendig, und wir sind sie den Gläubigen schuldig, die uns richtigerweise und zu Recht darum bitten. Natürlich gibt es in der Kirche weder einen perfekten Ort noch eine perfekte Gemeinschaft ohne mehr oder weniger gravierende Mängel. Und selbst wenn es sie gäbe: Jedes Paradies hat seine Schlange.
Wenn man die verschiedenen Möglichkeiten abwägt, landet man immer wieder bei der Empfehlung, den Laien die Priesterbruderschaft St. Pius X. zu empfehlen. Die Piusbrüder haben den großen Vorteil, von allem und jedem unabhängig zu sein: Eine Freiheit, die es ihnen erlaubt, sich nicht den Entscheidungen und Veränderungen zu beugen, die von einem unheiligen Geist inspiriert sind und auf die Auslöschung des katholischen Glaubens abzielen. Kein „synodaler Prozess“ und keine kirchliche Entscheidung, die dem katholischen Glauben zuwiderläuft, wird den Glauben der Piusbruderschaft ändern können, die gerade deshalb gegründet wurde, um bestimmten verheerenden Prozessen zu widerstehen, die während des letzten Konzils ausgelöst wurden, auch wenn sie schon lange vorher vorbereitet worden sind. Der rechte Glaube ist viel wichtiger als eine juristische Form, so wünschenswert diese auch sein mag. Sie ist aber sicherlich kein entscheidendes Kriterium und im Vergleich zur Bedeutung des Glaubens bleibt sie eine bloße Formalität. Es ist nicht eine Plakette, ein Stempel oder ein Titel, der eine Gemeinschaft katholisch macht, sondern der Glauben und die Taten.
Und es sind genau diese Taten, die unwiderlegbar gezeigt haben, dass die FSSPX in jeder Hinsicht eine wirklich katholische Gemeinschaft ist. Sie zeichnet sich durch ihren Eifer für die Rettung der Seelen aus, betreut mit Sorgfalt und Hingabe die Gläubigen, die es wünschen, hat hervorragende Schulen geschaffen, ihre Unterweisung ist nicht durch modernistische und freimaurerische Tendenzen kontaminiert, sondern unterschieden durch die Klarheit des Denkens, das in der Regel sehr ausgewogen und tiefgründig ist. Ihr Engagement für den katholischen Glauben ist bewundernswert, sie sind wirklich auf Christus ausgerichtet und vermitteln nicht die übliche Mittelmäßigkeit des „modernen Klerus“.
Natürlich wird man, wenn man sich auf die Suche begibt, zweifellos auch Schwächen finden, sowohl bei den Mitgliedern der Bruderschaft als auch bei ihren Gläubigen. Es gibt einige persönliche Macken, einige unausgewogene Kommentare oder fragwürdiges persönliches Verhalten, wie es in jeder Gemeinschaft und Person vorkommt. Aber das ist, statistisch gesehen, in einer Gemeinschaft dieser Größe normal und unvermeidlich. Auch die Übertreibung in der persönlichen Strenge mag unangenehm scheinen und manche Menschen sogar erschrecken, aber letztlich sehr akzeptabel sein angesichts der Fülle der Katholizität, die in der Bruderschaft zu finden ist. Alles in allem sind die Piusbrüder überzeugend für das, was seit dem letzten Konzil in fast allen anderen Bereichen der Kirche fehlt: Sie sind im besten Sinne des Wortes normal und katholisch geblieben.
Deshalb sollten wir die Gläubigen an die Piusbruderschaft oder an Priester verweisen, die wie sie denken und handeln, und sich wie sie verhalten, und wir haben den Gläubigen jeden Zweifel zu nehmen, dass sie nicht katholisch, sondern schismatisch seien – ein altbekanntes Märchen, das man auch heute noch lesen und hören kann. Es geht nicht darum, dass es unbedingt oder ausschließlich die Piusbruderschaft sein muß, an die wir die Gläubigen verweisen. Es kann auch ein guter Priester sein, der den Vetus Ordo zelebriert und klare Vorstellungen hat. Aber bei ihnen sind wir zumindest sicher, dass die Gläubigen bei ihnen, trotz der Fehler, die immer und unvermeidlich vorhanden sein werden, den authentischen katholischen Glauben und die Liturgie finden, die diesem Glauben entspricht und Gott wohlgefällig ist.
Welcher Priester würde sich heute zum Beispiel so frei fühlen, (ohne Furcht) zu sagen, dass das Zweite Vatikanische Konzil gescheitert ist? Oder dass die Liturgiereform die Kirchen entleert und die Menschen vom Glauben entfernt hat? Wer könnte es wagen – ohne Angst vor Konsequenzen –, die Politik des Heiligen Stuhls in den Bereichen Migration und Impfung zu kritisieren? Warum scheint es erlaubt, alle Päpste bis zu Pius XII. zu kritisieren, während ein Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. oder Franziskus unantastbar scheinen? Barmherzigkeit und Freiheit gelten nur sehr selektiv. Wenn man frei ist, die Vergangenheit der Kirche zu kritisieren, ob Doktrin, Liturgie oder Bräuche, warum kann man nicht auch die Gegenwart kritisieren? Auch unsere Gegenwart wird bald Vergangenheit sein, und wer weiß, vielleicht nur eine schlechte Erinnerung an Zeiten, die überhaupt nicht gut waren. Genau so, wie manche heute die Zeiten von gestern sehen.
Es gibt Priester, die sich an die Zeiten des Kommunismus erinnert fühlen, weil sie ein diktatorisches Klima in der Kirche wahrnehmen, in dem sich jeder dem Einheitsdenken des Regimes unterwerfen muss. Der Mensch zählt nichts, die Institution ist alles. Der Einzelne darf niemals herausragen, darf nie aus dem Einheitschor herauszuhören sein oder sich in einer Sache hervortun. Jedenfalls scheint das heute die vorherrschende Situation zu sein.
Diese Entwicklung ist gefährlich, weil sie von Christus losgelöst ist und zu einem totalitären politischen Regime im Dienste einer neuen Weltordnung mit einer einzigen vereinheitlichten Religion führt, an deren Ende eine politische Philosophie ohne Gott stehen wird. Auch die Kirche läuft Gefahr, zu einer bloßen politischen Gesellschaft zu werden, die des Glaubens beraubt ist! Wir müssen das rechtzeitig erkennen und uns diesen gefährlichen Trends für die katholische Kirche widersetzen, die Gefahr läuft, sich in eine säkulare gesellschaftspolitische Organisation linker Ausrichtung zu verwandeln.
Wir befinden uns derzeit in einer Art Kampf: Es ist ein Kampf, der alle verschiedenen Aspekte der sichtbaren Schöpfung betrifft. Dies gilt auch für die sichtbare und institutionelle Kirche. Es ist derselbe Kampf, den auch die zivile Welt führt, denn ein großer Teil der Kirche ist inzwischen selbst „Welt“ geworden. Manchmal scheint sie wie eine Mutter, die einst gut und fürsorglich war, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt damit begonnen hat, sich regelmäßig zu betrinken, und so befindet sie sich zur Zeit in einem Delirium, mit berauschtem Verstand. Sie ist immer dieselbe Mutter geblieben, mit all ihren Vorzügen, aber derzeit „außer Betrieb“, weil außer sich. Wir müssen uns ihrer annehmen und sie vor sich selbst schützen, denn trotz aller Fehler, die sie derzeit auch aufweist, ist sie immer die einzige Kirche Jesu Christi und von Ihm geliebt. Wenn eine betrunkene Mutter ihren Kindern etwas befiehlt, das gefährlich oder schädlich ist, dann sollen sie diesen Befehlen nicht gehorchen, sondern sich an das erinnern, was sie in ihren nüchternen Momenten sagte und tat, als sie noch die gute Mutter war. Manchmal darf man die Befehle des Augenblicks nicht beachten – zum Wohle aller. Seine Exzellenz, Msgr. Marcel Lefebvre, der sich als treuer Diener der heiligen Mutter Kirche erwiesen hat, ist uns ein großes Vorbild darin.
Und so muss sich auch der Klerus an der sicheren Vergangenheit orientieren und nicht an den vergänglichen Moden oder dem Geschwätz des Augenblicks, denn nur so kann er hoffen, nicht mehr in seiner Gesamtheit der Schlechte zu sein, wie er es jetzt ist.
Auf lange Sicht werden nur die Wahrheit Christi, die Heiligkeit, der wahre Glaube und der kohärente Kult überleben wie der überlieferte römische Ritus von Pius V. Es wird diese Liturgie der Kirche sein, die am Ende übrig sein wird, während alles andere untergehen wird und bereits jetzt, direkt vor unseren Augen, zusammenbricht.
Quelle: katholisches / Don Michael Bild: New Liturgical Movement
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Dr. Schüler erschließt das revolutionäre antikatholische Grundprinzip des II. Vatikanums, das hinter der Aufgabe des Absolutheitsanspruchs der katholischen Kirche und dem Abrücken von ihrer Heilsnotwendigkeit steht.
– Die Kirche als mystischer Leib Christi
– Die der katholischen Kirche „zugrunde liegende“ Kirche Gottes
– Das Heil in anderen Religionen
– Beabsichtigte Zweideutigkeiten in den Konzilstexten
– Das nicht verwirklichte Konzil
– Der Bruch mit der Tradition
– Das universelle Minuszeichen vor wahren Konzilsaussagen

Nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie und Vertuschungsvorwürfen gegen ehemalige Bischöfe im Bistum Münster nennt sich die Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Stiftung um. Derzeit finden Überlegungen bezüglich eines neuen Namens statt.
Das teilte die Diözese am Dienstag mit. Beschlüsse sollen in der kommenden Vorstandssitzung fallen. Die im Jahr 2000 gegründete Stiftung unterstützt Schwangere und Familien in Not.
Forschende der Universität Münster werfen früheren Bischöfen des Bistums Münster in einer Aufarbeitungsstudie große Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen vor. Michael Keller (Amtszeit 1947-1961), Joseph Höffner (1962-1969), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1980-2008) hätten verurteilte Geistliche immer wieder in der Seelsorge eingesetzt und damit weitere Taten ermöglicht.
Die Bischöfe seien für eine „klerikale Vertuschungsgeschichte“ verantwortlich. Der aktuelle Amtsinhaber Felix Genn (72) räumte nach Vorlage der Untersuchung eigene Fehler ein und kündigte einen Maßnahmenkatalog an.
Schon vor einem Jahr gab es laut Bistum Überlegungen, die Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Stiftung umzubenennen. Die Stiftungsvorsitzende Sigrun Schnieders sehe sich durch die Studie in dieser Absicht bestätigt. Die Informationen „über das Versagen des Bischofs in der Ahndung priesterlicher Übergriffe und insbesondere in einem zugewandten, angemessenen Umgang mit den davon Betroffenen schließe eine Beibehaltung des Stiftungsnamens aus“, hieß es.
Als weitere Reaktion auf die Studie war kürzlich bereits der Zugang zu den Bischofsgräbern im Münsteraner Dom gesperrt worden. Dort liegt auch Tenhumberg begraben. Das Bistum will gemeinsam mit Betroffenen einen Weg erarbeiten, wie künftig der Bischöfe gedacht werden kann.
Die Zahl der beschuldigten Priester und Missbrauchsopfer im Bistum Münster ist nach einer Studie der Universität Münster deutlich höher als bekannt. Laut der über zwei Jahre dauernden Forschungsarbeit eines fünfköpfigen Teams gab es von 1945 bis 2020 fast 200 Kleriker und bekannte 610 minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch. Damit sind 4,17 Prozent der Priester betroffen. Die Dunkelziffer ist erheblich höher. Die Forscher gehen von 5000 bis 6000 Opfern aus.

Der Historiker Thomas Großbölting widersprach bei der Vorstellung der Studie am Montag der Schilderung des 2008 verstorbenen Bischofs Reinhard Lettmann, der von Einzelfällen gesprochen hatte. Missbrauchsfälle habe es flächendeckend in allen Dekanaten des Bistums gegeben und viele hätten davon gewusst, sagte Großbölting und sprach von Vertuschung.
Nachweisen konnten die Forscher jahrzehntelanges Versagen in der Bistumsleitung und Strafvereitelung in verschiedenen Fällen. Dem aktuellen Bischof Felix Genn werfen die Forscher vor, in den vergangenen Jahren gegenüber Tätern nicht die nötige Strenge als Vorgesetzter gezeigt zu haben, wenn diese Reue geäußert hätten.
Quelle: domradio.de
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Bischof Athanasius Schneider

Der einzige Überlebende des Terrorkommandos, der Hauptangeklagte Salah Abdeslam, wurde des Terrorismus und des Mordes schuldig gesprochen. Er erhielt lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung.
Paris. Im Prozess um die islamistische Anschlagsserie vom November 2015 in Paris sind am Mittwochabend die Urteile gesprochen worden. Der einzige Überlebende des Terrorkommandos, der Hauptangeklagte Salah Abdeslam, wurde des Terrorismus und des Mordes schuldig gesprochen. Er erhielt lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung.
Bei den Terroranschlägen hatten Extremisten am 13. November 2015 insgesamt 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal „Bataclan“ an und beschossen Bars und Restaurants im Osten der französischen Hauptstadt. Außerdem sprengten sich drei Selbstmordattentäter an dem Abend während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte die Anschläge für sich.
Mit dem Urteil geht ein gut neun Monate langes Mammutverfahren zu Ende. Die Verkündung begann am Mittwoch mehr als drei Stunden später als ursprünglich angekündigt.
Die meiste Aufmerksamkeit richtete sich im Prozess auf Abdeslam. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem 32-jährigen Franzosen eine Schlüsselfigur der Anschläge. Die Verteidigung forderte mit Blick auf mögliche spätere Haftverkürzungen, Abdeslam keine „langsame Todesstrafe“ zu geben. Er wurde bereits in Belgien zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt und sitzt derzeit in Frankreich unter besonderen Auflagen in Haft.
Von den weiteren 19 angeklagten Männern wurde sechs der Prozess in Abwesenheit gemacht. Ein Beschuldigter sitzt in der Türkei in Haft, fünf sollen in Syrien gestorben sein. Die Angeklagten sollen unter anderem Papiere besorgt haben, Abdeslam außer Landes gefahren haben oder verhinderte Attentäter sein. Manchen wird auch vorgeworfen, nur gelegentlich Aufträge erledigt zu haben.
Die Anschläge haben die französische Gesellschaft nachhaltig verändert. Vielen galten sie als Angriff auf die französische Lebensart. Nach der Terrornacht schien niemand mehr sicher. Auch die Staatsanwaltschaft zeigte sich im Prozess überzeugt, dass es den Extremisten egal gewesen sei, wen sie töteten.
Neben persönlichen Einschnitten bei Gesundheit, Arbeit, Familie und Sozialleben von Betroffenen wirkt die Terrorserie auch im öffentlichen Leben nach: Auf den Straßen sind mehr Polizisten und Soldaten zu sehen. Weil Terror nicht mehr nur aus dem Ausland organisiert wird, sondern sich auch auf interne Kräfte stützt, sehen Experten die Gefahr einer weiteren Spaltung der ohnehin auseinander driftenden Gesellschaft.
Quelle: oe24