
Worte von Pater Klaus Maria em. Pfarrer Jakob i.R. – Nr. 66



(San José) Die Bischöfe von Costa Rica haben in einer beschlossenenen gemeinsamen Erklärung zum Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus bekanntgegeben, daß sie dieses unsägliche Dokument gegen den überlieferten Ritus und die Tradition drakonisch anwenden werden.
Was Franziskus in Traditionis custodes nicht ausspricht, aber wünscht, sagen die Bischöfe in ihrer Erklärung:
„Von nun an ist die Verwendung des Missale Romanum von 1962 oder eine andere Ausdrucksform der Liturgie vor 1970 nicht mehr gestattet.“
Der Kommunikationsstil von Papst Franziskus entfaltet seine Wirkung, wie bereits mit Amoris laetitia gegen die kirchliche Ehe- und Morallehre geschehen, nun gegen den überlieferten Ritus. Dieser Kommunikationsstil besteht darin, daß Franziskus die heikelsten und radikalsten Dinge gar nicht aussprechen muß, und doch verstehen alle genau, was er meint, wünscht oder erwartet.
Franziskus hat in Traditionis custodes den überlieferten Ritus nicht verboten. Das gäbe nur unnötige Reibungsflächen, da sein Vorgänger Benedikt XVI. bereits ein eindeutiges Wort zu dieser Frage gesagt hat. Bergoglianische Bischöfe verbieten aber den überlieferten Ritus, denn mit Traditionis custodes hat ihnen Franziskus dazu grünes Licht erteilt.
Die Costaricanische Bischofskonferenz erstaunt noch in einem weiteren Punkt durch Dreistigkeit: In ihrer Erklärung, die vom Vorsitzenden Msgr. José Manuel Gerrita Herrera, Bischof von Ciudad Quesada, seinem Stellvertreter und dem Generalsekretär unterzeichnet ist, behauptet sie, daß „wir noch nie eine Gruppe von Gläubigen gehabt haben“, die dem überlieferten Ritus verpflichtet ist. Wozu dann das Verbot? Ein Blick auf die Internetseite des Bistums Alajuela liefert die Antwort und widerlegt die Bischofskonferenz. Dort findet sich ein Dokument von 2018 über die Umsetzung des Motu proprio Summorum Pontificum, der Gründung einer gleichnamigen Vereinigung und der Zelebration der heiligen Messe im überlieferten Ritus „mit dem Wissen des Diözesanbischofs“. Dies geschah vor dem Hintergrund, die Ausbreitung des Apostolats der Piusbruderschaft in Costa Rica zu bremsen.

Nicht nur das: In diesem Dokument der Diözese Alajuela, unterzeichnet vom Kanzler des Bistums, wird festgehalten, daß die Vereinigung Summorum Pontificum keine Positionen vertritt, die nun – drei Jahre später – Franziskus angeblich veranlaßt haben, Traditionis custodes zu veröffentlichen und gegen den überlieferten Ritus und die Gläubigengruppen der Tradition vorzugehen.
Wußte der Bischof von Alajuela nichts von dieser Vereinigung in seinem Bistum und dem Meßort des überlieferten Ritus im Sinne von Summorum Pontificum? Hatte er es vergessen, um im Kreis der Bischofskonferenz nicht aus dem Rahmen zu fallen? Es gibt Hinweise, daß es auch in anderen Bistümern des zentralamerikanischen Landes ähnliche „Ungereimtheiten“ gibt.
Der Fall Costa Rica zeigt, wie eine Bischofskonferenz mit ihrer Gruppendynamik auf das Motu proprio Traditionis custodes reagiert: drakonisch, hartherzig, starr, willkürlich und unehrlich, um Papst Franziskus zu zitieren.
Dieselbe Bischofskonferenz hatte bei den Präsidentschaftswahlen 2018 statt eines konservativen Evangelikalen, der überraschend in die Stichwahl gekommen war, stillschweigend den Kandidaten der Linksparteien unterstützt und ihm zum Wahlsieg verholfen. Als „Gegenleistung“ setzte er 2019 die Abtreibungsliberalisierung durch.
Quelle: katholisches, G. N. Bild: iglesiacr.org (Screenshots)

„Falls es wirklich das Ziel des Motu proprio Traditionis custodes war, die Einheit der Kirche zu fördern, kann nach drei Tagen festgestellt werden, daß das Ergebnis das genaue Gegenteil ist.“
Mit diesen Worten kommentierte Matteo Matzuzzi, der Vatikanist der italienischen Tageszeitung Il Foglio, den Frontalangriff von Papst Franziskus gegen den überlieferten Ritus und die Gemeinschaften der Tradition. Dieses Ergebnis sei „im übrigen vorhersehbar gewesen“, so Matzuzzi.
Als einen Grund, weshalb das Ergebnis gar kein anderes sein konnte, nennt der Vatikanist:
„Auch weil die Zustimmung zum Zweiten Vatikanischen Konzil, die den Zweiflern per Dekret aufgezwungen wird, nicht funktionieren kann.“
Seit Freitag haben Bischöfe auf der ganzen Welt über Twitter kundgetan, ob sich in ihrer Diözese etwas ändern wird oder nicht. Der Tradition wohlgesonnene Bischöfe ließen wissen, daß bei ihnen das Motu proprio Summorum Pontificum unverändert in Geltung bleibe, während sich „liberale“ Bischöfe mit Verboten überschlagen. Der Bischof von Mayagüez auf Puerto Rico erließ nicht nur umgehend ein Verbot des überlieferten Ritus, sondern auch gleich ein Verbot von Dalmatik, Birett „und die ganze sozusagen alte Ausstattung“. Niemand habe sich bisher aber träumen lassen, sie den Museen abliefern zu müssen, so Matzuzzi.
Kardinal Robert Sarah, bis zum vergangenen Februar Präfekt der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, „twitterte drohend“, daß Papst Benedikt XVI. am 7. Juli 2007 klargestellt habe:
„Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein.“
Was gilt nun also, fragt Matzuzzi:
„Bleibt es heilig oder ist es in die Geschichtsbücher zu verbannen? Was hat der arme Gläubige davon zu halten?“
Tatsache sei, so der Vatikanist, daß aus dem Motu proprio Traditionis custodes, „das nicht durch einen Geist des Dialogs glänzt“, nicht die von Franziskus so „beschworene“ Einheit hervorgehe.
„Ganz im Gegenteil. Wenn man die vorgesehenen Bestimmungen liest, ist die Frage berechtigt: Sucht man wirklich die Einheit?“
„Aus welchem Grund wird die Nutzung der Pfarrkirchen den Gläubigen des von Benedikt XVI. vorgesehenen Ritus untersagt, während dieselben Pfarrkirchen sogar für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, die wenig oder nichts an Liturgischem oder Geistlichem haben, von Konzerten, Lesungen, Tagungen und Diskussionen bis zu Gebeten von Imamen?“
Wie es unschwer vorherzusehen war, befinde sich die „traditionalistische Galaxie in Aufruhr“. Einige würden „zu einer Art heiligem Krieg gegen den Vatikan aufrufen, andere schwören, sich zu den Lefebvrianern von Ecône zu flüchten, wieder andere erklären sich zu Märtyrern und versichern trotzdem, weiterhin für den regierenden Papst zu beten“.
Das „Problem ist wieder einmal das Zweite Vaticanum“. Papst Franziskus hätten sich zwei Wege aufgetan, so Matzuzzi. Er hätte den Dialog wählen, oder „manu militari“ eine Treueerklärung aufzwingen können.
„Im Unterschied zu dem, was früher einmal geschehen ist, wurde der zweite Weg gewählt – mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.“
Die „alternative“ Lesart sei, daß man „vielleicht Klarheit suchte“. Die Zeit der Verhandlungen und des Schwankens sei vorbei: „Man hat zu gehorchen“ und basta.
„Die Gläubigen des überlieferten Ritus werden faktisch ausgegrenzt im Namen einer Flurbereinigung der nicht angepaßten und – in einigen Fällen – gegnerischen Teile der Konzilskirche.“
Es falle schwer, so Matzuzzi, ernsthaft annehmen zu können, daß eine Maßnahme, wie die am vergangenen Freitag veröffentlichte, „Ruhe in eine Kirche bringen wird, die jeden Tag neue Fronten eröffnet: die deutsche Synode, die US-amerikanischen Mauern, China, die Prozesse gegen angeklagte Kardinäle.“
„Da fehlte nur noch die lateinische Messe.“
Quelle: katholisches, G. N. Bild: Vatican.va (Screenshot)


Weihbischof Athanasius Schneider, einer der herausragendsten Bischöfe der katholischen Kirche, nahm in einem Interview mit der US-amerikanischen Zeitung The Remnant ausführlich zum neuen Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus Stellung, mit dem das Kirchenoberhaupt den überlieferten Ritus „erniedrigt“ und eine „Ungerechtigkeit“ gegenüber jenen Katholiken begeht, die diesem Ritus verbunden sind. Vor allem habe Franziskus damit in der Kirche eine „Zweiklassengesellschaft“ geschaffen. Das Interview führte Diane Montagna.
Sein erster Eindruck von Traditionis custodes sei der eines Hirten gewesen, der nicht den „Geruch der Schafe“ habe, sondern „sie wütend mit einem Stock schlägt“.
Durch Traditionis custodes gebe es in der Kirche die „Privilegierten“, die Katholiken „Erster Klasse“, die mit dem Novus Ordo Missae verbunden sind. „Eine große Anzahl katholischer Familien, Kinder, Jugendlicher und Priester“, die mit dem überlieferten Ritus verbunden sind und „mit großem geistlichem Nutzen die Wirklichkeit und das Geheimnis der Kirche erfahren haben“, sind zu Katholiken „zweiter Klasse“ gemacht worden, „die kaum noch geduldet werden“.
Das Motu proprio und der dazugehörende Begleitbrief zeigen, so Weihbischof Schneider, eine „erstaunlich engstirnige Haltung“. Vor allem der „abfällige Ton“ stehe in einem „eklatanten Kontrast“ zu den von diesem Pontifikat verkündeten Leitsätzen. Diese seien das Gegenteil von Uniformität, die Franziskus im liturgischen Bereich anstrebe. Der Gesamteindruck „als Ganzes“ zeige eine „pastorale Intoleranz und sogar spirituelle Starrheit“. In dem von ihm unterzeichneten Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen „begrüßt Papst Franziskus die ‚Vielfalt der Religionen‘, während er in seinem neuen Motu proprio die Vielfalt der liturgischen Formen im römischen Ritus entschieden ablehnt“.
Der Weihbischof lobte seine Mitbrüder im Bischofsamt, die als Reaktion auf Traditionis custodes die Gläubigen unterstützt haben. Darin zeige sich, daß das Motu proprio einen „Bumerang-Effekt“ haben werde. In Anspielung auf das Motu proprio, in dem der Heilige Geist in Anspruch genommen wird, betont Msgr. Schneider, daß das weltweite „kontinuierliche Wachstum“ der Meßorte des überlieferten Ritus „zweifellos das Werk des Heiligen Geistes und ein wahres Zeichen der Zeit“ sei.
Papst Franziskus und jene, die nun mit der Umsetzung des Motu proprio befaßt sind, sollten den Rat des Gamaliel (Apg 5,38f) beherzigen, damit sie nicht zu „Kämpfern gegen Gott“ werden.
„Ein fast tausend Jahre alter gültiger und hoch geschätzter liturgischer Schatz ist nicht das Privateigentum eines Papstes, über das er frei verfügen kann.“
Daß die überlieferte liturgische Form Spaltung schafft und die Einheit der Kirche bedroht, „wird durch die Tatsachen widerlegt“.
„In der Vergangenheit erkannte die römische Kirche die Vielfalt der Ausdrücke in ihrer lex orandi an. In der apostolischen Konstitution, die die tridentinische Liturgie verkündete, Quo Primum (1570), erkannte Papst Pius V., der alle liturgischen Ausdrucksformen der römischen Kirche billigte, die mehr als zweihundert Jahre alt waren, sie als einen ebenso würdigen und legitimen Ausdruck der lex orandi der römischen Kirche an. In dieser Bulle erklärte Papst Pius V., daß er in keiner Weise andere legitime liturgische Ausdrucksformen innerhalb der römischen Kirche aufhebt.“
Der Vergleich, den Franziskus mit Pius V. zog, sei daher nicht angemessen, denn der überlieferte Ritus, der bis zur Liturgiereform von Paul VI. 1969 Gültigkeit hatte, sei nicht durch Pius V. entstanden, sondern „blieb schon Jahrhunderte vor dem Konzil von Trient im wesentlichen unverändert. Die erste gedruckte Ausgabe des Missale Romanum stammt aus dem Jahr 1470, also hundert Jahre vor dem von Pius V. herausgegebenen Meßbuch.“
Das neue Motu proprio von Papst Franziskus sei auch deshalb „zutiefst besorgniserregend“, weil „es eine Haltung der Diskriminierung gegenüber einer fast tausend Jahre alten liturgischen Form der katholischen Kirche zeigt“. Einerseits habe die Kirche „nie“ das abgelehnt, was ihr im Laufe von Jahrhunderten „Ausdruck der Heiligkeit“ gewesen sei. Die Völker Europas und der anderen Kontinente „wurden evangelisiert und doktrinär und geistig durch den überlieferten römischen Ritus geformt“.
Weihbischof Schneider empfiehlt Seminaristen und jungen Priestern, um die Erlaubnis für den überlieferten Ritus anzusuchen und „diesen gemeinsamen Schatz der Kirche zu nutzen“:
„Und sollte ihnen dieses Recht verweigert werden, können sie ihn dennoch nutzen.“
Mit den Normen, die Papst Franziskus in Traditionis custodes festgeschrieben habe, werde versucht, „den Seelen und dem Leben so vieler Katholiken unbarmherzig die überlieferte Liturgie zu entreißen, die heilig ist und die geistliche Heimat dieser Katholiken darstellt“.
Die überlieferte Messe sei „ein Schatz, der der ganzen Kirche gehört, da sie seit mindestens tausend Jahren von Priestern und Heiligen zelebriert und zutiefst geschätzt wird“.
Die Bischöfe, die seit der Veröffentlichung des neuen Motu proprio die überlieferte Liturgie verboten haben, bezeichnete Weihbischof Schneider als neue „Liturgie-Inquisitoren“ mit einem „erstaunlich rigiden Klerikalismus“, also etwas, das Franziskus in der Vergangenheit beklagt habe.
Das gegen die Tradition gerichtete Motu proprio von Papst Franziskus weise „einige Ähnlichkeiten“ mit den „schicksalhaften und äußerst starren liturgischen Entscheidungen“ auf, die unter Patriarch Nikon von Moskau die russisch-orthodoxe Kirche 1652–1666 getroffen hat. Sie führten zu einem dauerhaften Schisma der Altrituellen, welche die liturgischen und rituellen Praktiken der russischen Kirche wie vor den Reformen von Patriarch Nikon beibehielten.“ „Heute bedauert die russisch-orthodoxe Kirche die drastischen Entscheidungen des Patriarchen Nikon, denn wenn die von ihm umgesetzten Normen wirklich pastoral gewesen wären und die Anwendung des alten Ritus erlaubt hätten, hätte es kein jahrhundertelanges Schisma mit vielen unnötigen und grausamen Leiden gegeben.“
Bischöfe, besonders in den USA und Frankreich, die sich trotz Traditionis custodes hinter die Gläubigen der Tradition stellten, lobte Weihbischof Schneider wegen ihrer „wahren apostolischen und pastoralen Haltung“. Das Motu proprio werde „letztlich ein Pyrrhussieg“ sein und einen „Bumerang-Effekt“ zeigen. Wenn es darum gehe, die überlieferte Form des römischen Ritus zu unterdrücken, „verliert ein Aufruf zum Gehorsam seine Kraft“.
Und wie wird die Zukunft aussehen?
„Mit der Zeit wird sicherlich eine weltweite Kette von Katakomben-Messen entstehen, wie es in Zeiten der Not und Verfolgung geschieht. Wir können in der Tat Zeuge einer Ära geheimer überlieferter Messen werden.“
Quelle: katholisches, G. N. Bild: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Am 12. März 2021 hat die Erste Sektion (für die Allgemeinen Angelegenheiten) des Staatssekretariats von Papst Franziskus ein Dokument veröffentlicht, das bestimmte Anordnungen bezüglich der Darbringung der hl. Messe in der päpstlichen Basilika Sankt Peter im Vatikan enthält.
Das Dokument richtet sich an den außerordentlichen Kommissar der Dombauhütte von St. Peter (Commissario Straordinario della Fabbrica di San Pietro), das für die Pflege der päpstlichen Basilika zuständige kanonische Institut, an die Kanoniker des Vatikankapitels (Canonici del Capitolo Vaticano) und an das Amt für liturgische Feiern der Basilika (Servizio Celebrazioni liturgiche della Basilica).
Sowohl die Form als auch der Inhalt des Dokuments berechtigen zu der tiefsten Sorge der Gläubigen und v.a. der Priester. Diese Sorge richtet sich nicht nur auf die päpstliche Basilika St. Peter, sondern auch auf die Weltkirche, da die päpstliche Basilika St. Peter in besonderer Weise die geistliche Heimat aller Katholiken ist und als solche ein Vorbild für die liturgische Disziplin der Teilkirchen sein sollte.
Was die Form des Dokuments betrifft, so gibt es mehrere Bedenken.
1. Es handelt sich um ein nicht unterschriebenes Dokument der Ersten Sektion des Staatssekretariats, ohne Protokollnummer, das den heiligsten Aspekt des kirchlichen Lebens, die Feier der hl. Messe, regeln soll. Es trägt das Siegel der Ersten Sektion mit Initialen.
Obwohl das Dokument authentisch, d.h. nicht gefälscht zu sein scheint, kann man nicht davon ausgehen, dass es ein Dokument ist, das gültige Rechtsvorschriften für die Heilige Liturgie enthält.
2. Das Staatssekretariat ist nicht zuständig für die liturgische Disziplin der Kirche und insbesondere für die liturgische Disziplin an der Basilika St. Peter im Vatikan. Mit Recht fragt man, mit welcher Autorität das Staatssekretariat Richtlinien erlassen hat, die der Disziplin der Weltkirche widersprechen.
Eine weitere Frage betrifft den Prozess, der zur Veröffentlichung eines solchen anomalen Dokuments geführt hat.
3. Angesichts der Inkompetenz des Staatssekretariats in dieser Angelegenheit haben die Gläubigen das Recht zu erfahren, welche zuständige Autorität dem Staatssekretariat das Mandat erteilt hat, die Heilige Liturgie zu regeln, d.h. Richtlinien für die Abhaltung der hl. Messe in der päpstlichen Basilika St. Peter zu erlassen.
4. Die päpstliche Basilika St. Peter im Vatikan hat jetzt einen Kardinal-Erzpriester, aber das betreffende Dokument wird ihm nicht offiziell mitgeteilt. Es wird auch nicht auf seine Verantwortung für die liturgische Disziplin in der ihm anvertrauten Basilika hingewiesen.

Auch der Inhalt des Dokuments gibt Anlass zu tiefster Besorgnis.
1. Das Dokument unterstellt, dass die hl. Messen in der Basilika St. Peter gegenwärtig in einer Atmosphäre angeboten werden, der es in gewissem Maße an innerer Sammlung und liturgischem Dekorum („di raccoglimento e di decoro“) mangelt.
Dies ist sicherlich nicht meine Erfahrung. Ich kenne viele Priester, die in Rom leben und Rom besuchen, die die hl. Messe im Petersdom gefeiert haben oder regelmäßig feiern. Während sie mir gegenüber ihre tiefe Dankbarkeit für die Möglichkeit ausgedrückt haben, die hl. Messe in der Basilika zu feiern, haben sie mit keiner Bemerkung angedeutet, dass die Atmosphäre, in dem sie die hl. Messe in der Basilika gefeiert haben, in irgendeiner Weise die Ehrfurcht, die innere Sammlung und die Würde vermissen ließ, die dem Sakrament der Sakramente gebührt.
2. Das Dokument schreibt den Priestern, die die hl. Messe im Petersdom darbringen wollen, die Konzelebration vor, was dem universalen Kirchenrecht widerspricht und die primäre Pflicht des einzelnen Priesters, täglich die hl. Messe für das Heil der Welt darzubringen, ungerechtfertigt beeinträchtigt (Can. 902).
In welcher Kirche würde ein Priester mehr als in der Basilika St. Peter die hl. Messe darbringen wollen, die die vollkommenste und umfassendste Art und Weise ist, in der er seine priesterliche Sendung ausübt. Wenn ein einzelner Priester die hl. Messe in der Basilika darbringen möchte, wird er, sobald die betreffenden Richtlinien in Kraft sind, gezwungen sein, zu konzelebrieren, was gegen seine Freiheit verstößt, die hl. Messe individuell darzubringen.
3. Was die individuelle Darbringung der heiligen Messe betrifft, so ist zu beachten, dass es sich nicht nur um ein Recht des Priesters handelt, sondern auch um eine große geistliche Frucht für die ganze Kirche, da die unendlichen Verdienste des hl. Messopfers in einer unserer endlichen und zeitlichen Natur angemessenen Weise stärker und umfassender zur Anwendung kommen.
Es ist hilfreich, über die Lehre des Konzils von Trient nachzudenken, die sich auf die Situation eines Priesters bezieht, der die hl. Messe darbringt, ohne dass irgendein Mitglied der Gläubigen die heilige Kommunion empfängt. Bezüglich der Teilnahme der Gläubigen an der hl. Messe lehrt das Konzil: „Das heilige Konzil möchte gewiss, dass die bei jeder Messe anwesenden Gläubigen nicht nur durch geistliche Andacht, sondern auch durch den sakramentalen Empfang der Eucharistie an ihr teilnehmen, damit die Früchte dieses heiligsten Opfers ihnen in vollem Umfang zuteilwerden.“
Weiter heißt es: „Wenn dies aber nicht immer geschieht, so verurteilt das Konzil deshalb nicht als private und unerlaubte Messen [Can. 8], in denen nur der Priester kommuniziert. Vielmehr billigt und lobt es sie, denn auch sie sind als wahrhaft gemeinschaftliche Messen zu betrachten, zum einen, weil das Volk in ihnen geistlich kommuniziert, zum anderen, weil sie von einem offiziellen Diener der Kirche gefeiert werden, nicht für sich allein, sondern für alle Gläubigen, die zum Leib Christi gehören“ (Session XXII, Kapitel 6).
Es ist ferner zu beachten, dass ein Priester die hl. Messe niemals allein darbringt, auch wenn sonst niemand physisch anwesend ist, denn die Engel und die Heiligen assistieren bei jedem heiligen Messopfer(Can. 903).
4. In Bezug auf die Außerordentliche Form des Römischen Ritus, die das Dokument fälschlicherweise den Außerordentlichen Ritus nennt, spricht das Dokument von „autorisierten Priestern“, aber kein Priester mit gutem Ruf braucht eine Autorisierung, um die hl. Messe nach der Außerordentlichen Form des Römischen Ritus zu feiern (Motu Proprio Summorum Pontificum, Art. 2).
Darüber hinaus beschränkt das Dokument die Darbringung der hl. Messe nach der Außerordentlichen Form oder dem Usus Antiquior des Römischen Ritus in der päpstlichen Basilika St. Peter auf die Klementinische Kapelle, und zwar auf vier festgelegte Zeiten. Soll also angenommen werden, dass jeden Tag nur vier Priester die hl. Messe nach dem Usus Antiquior in der päpstlichen Basilika St. Peter feiern dürfen?
Da das universale Kirchenrecht dem einzelnen Priester unter solchen Umständen erlaubt, die hl. Messe entweder nach der Ordentlichen Form (Usus Recentior) oder nach der Außerordentlichen Form (Usus Antiquior) zu feiern, verstößt die fragliche Richtlinie direkt gegen das universale Kirchenrecht.
5. Das Dokument schreibt auch vor, dass die konzelebrierten Messen durch den Dienst von Lektoren und Kantoren liturgisch belebt werden (siano animate liturgicamente).
Die liturgische Disziplin der Kirche sieht zwar den Dienst von Lektoren und Kantoren vor, doch ist es nicht ihre Aufgabe, die Heilige Liturgie zu beleben. Christus allein, in dessen Person der Priester handelt, belebt die Heilige Liturgie. Aus diesem Grund sollte man nicht denken, dass die individuelle Darbringung der hl. Messe irgendwie weniger beseelt sei -im wahren geistlichen Sinn -als die konzelebrierte Messe.
6. Um des katholischen Glaubens und um der rechten Ordnung der Heiligen Liturgie willen, die der höchste und vollkommenste Ausdruck des Lebens der Kirche in Christus ist, sollte das betreffende Dokument sofort, d.h. vor seinem geplanten Inkrafttreten am 22. März dieses Monats, aufgehoben werden.
Darüber hinaus sollte das Denken, das einem solchen Dokument zugrunde liegt, korrigiert und gleichzeitig die Disziplin der Gesamtkirche und die ihr zugrundeliegende liturgische Lehre den Gläubigen dargelegt werden.
Schließlich erkennt die kirchliche Disziplin das Recht, ja die Pflicht der Christgläubigen an, ihren Hirten ihre Besorgnis über Angelegenheiten, die das Wohl der Kirche betreffen, mitzuteilen, und ebenso, diese Besorgnis allen Christgläubigen mitzuteilen (Can. 212 § 3).
In Anbetracht des Ernstes der Situation, die das fragliche Dokument darstellt, hoffe ich, dass viele der Christgläubigen, für die der Petersdom in einem besonderen Sinn ihre Mutterkirche ist, und v.a. viele Priester aus der ganzen Welt Papst Franziskus und seinem Staatssekretariat ihren starken Einspruch gegen das fragliche Dokument kundtun werden.
Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria
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DIESE MESSE, UNSERE MESSE, SOLL FÜR UNS WIRKLICH ZUR PERLE AUS DEM EVANGELIUM WERDEN, FÜR DIE WIR AUF ALLES VERZICHTEN UND ALLES VERKAUFEN WÜRDEN.
Liebe Mitglieder und Freunde der Priesterbruderschaft St. Pius X.,
Das Motu proprio Traditionis custodes und sein Begleitbrief haben in den sogenannten traditionellen Kreisen hohe Wogen aufgeworfen. Man kann in aller Logik bemerken, dass das Zeitalter der Hermeneutik der Kontinuität mit seinen Zweideutigkeiten, Illusionen und unmöglichen Bemühungen sich drastisch überholen ließ, und mit dem Ärmel weggewischt wurde. Diese sehr klaren und eindeutigen Maßnahmen betreffen die Bruderschaft nicht direkt, aber sie sollen uns zu tiefem Nachdenken anregen. Dafür ist es notwendig, die Dinge aus der Distanz zu betrachten und uns gleichzeitig die ewig alte und neue Frage zu stellen: Warum ist die tridentinische Messe nach fünfzig Jahren immer noch ein Stein des Anstoßes?
Zuallererst müssen wir uns ins Gedächtnis rufen, dass die heilige Messe eine Fortsetzung des verbissensten Kampfes aller Zeiten ist: die Schlacht zwischen dem Reich Gottes und dem Reich Satans. Dieser Krieg erreichte seinen Höhepunkt auf Kalvaria durch den Triumph unseres Herrn. Für diesen Kampf und diesen Sieg wurde Christus Mensch. Weil der Sieg unseres Herrn auf dem Kreuz und in seinem Blut stattfand, ist es verständlich, dass er fortwährend ebenfalls durch Kampf und Widerspruch aufrechterhalten wird. Jeder Christ ist zu diesem Kampf aufgerufen: Unser Herr erinnert uns daran, wenn er sagt, er sei gekommen, „das Schwert auf Erden zu bringen“ (Mt, 10,34). Es ist nicht erstaunlich, dass die Messe aller Zeiten, die ein vollkommener Ausdruck des endgültigen Sieges unseres Herrn durch sein Sühneopfer über die Sünde ist, selbst ein Zeichen des Widerspruchs ist.
Aber warum ist diese Messe sogar im Innern der Kirche zum Zeichen des Widerspruchs geworden? Die Antwort ist einfach und zeichnet sich immer klarer ab. Nach fünfzig Jahren leuchten die Elemente dieser Antwort jedem Christen guten Willens ein: die tridentinische Messe äußert und vermittelt eine gewisse Auffassung des christlichen Lebens, und infolgedessen auch der Kirche, die mit der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils völlig unvereinbar ist. Das Problem stellt sich nicht nur auf liturgischer, ästhetischer oder rein formaler Ebene. Das Problem liegt gleichzeitig auf lehrmäßiger, moralischer, geistiger, ekklesiologische und liturgischer Ebene. In einem Wort: das Problem berührt ausnahmslos alle Aspekte des kirchlichen Lebens – es handelt sich um eine Frage des Glaubens.
Auf der einen Seite steht die Messe aller Zeiten, die Standarte einer Kirche, welche die Welt herausfordert und sich ihres Sieges gewiss ist, denn ihre Schlacht ist nichts anderes als die Fortführung des Kampfes, den unser Herr führte, um die Sünde und das Reich Satans zu zerstören. Mit und durch die Messe zieht unser Herr die christlichen Seelen in seinen eigenen Kampf mit ein und lässt sie gleichzeitig an seinem Kreuz als auch an seinem Sieg teilhaben. Daraus ergibt sich eine grundsätzlich militante Auffassung des christlichen Lebens. Zwei Kennzeichen charakterisieren sie: der Opfergeist und eine unerschütterliche Hoffnung.
Auf der andern Seite erhebt sich die Messe eines Paul VI. als authentischer Ausdruck einer Kirche, die mit der Welt in Harmonie leben möchte und ihr Ohr dem Drängen der Welt leiht; eine Kirche, die letzten Endes keinen Kampf mehr zu führen hat gegen die Welt, weil sie ihr nichts mehr vorzuwerfen hat ; eine Kirche, die nichts mehr zu lehren hat, weil sie auf die Mächte der Welt hört ; eine Kirche, die das Opfer unseres Herrn nicht mehr nötig hat, weil sie keinen Begriff mehr von der Sünde und folglich nichts mehr abzubüßen hat; eine Kirche, die keinen Auftrag mehr hat, das allgemeine Königtum unseres Herrn wiederherzustellen, weil sie ihren Teil zur Errichtung einer besseren, freieren, egalitäreren und umweltbewussteren Welt beitragen möchte. Dies alles möchte sie mit rein menschlichen Mitteln erreichen. Dieser humanistischen Sendung, wie sie sich die Männer der Kirche zum Ziel gesetzt haben, muss zwangsläufig auch eine ebenso humanistische wie entsakralisierte Liturgie entsprechen.
Die Schlacht der letzten fünfzig Jahre, welche am vergangenen 16. Juli gewiss einen bedeutungsvollen Moment erlebte, ist nicht ein Krieg zwischen zwei Riten: Es ist definitiv ein Krieg zwischen zwei unterschiedlichen, sich widersprechenden Auffassungen über die Kirche und das christliche Leben; diese Auffassungen sind absolut unüberwindbar und miteinander unvereinbar. Sinngemäß könnte man mit dem heiligen Augustinus sagen: zwei Messen haben zwei Städte errichtet: die Messe aller Zeiten errichtete die christliche Stadt und die neue Messe errichtete eine humanistische und laizistische Stadt.
Wenn der liebe Gott all dies erlaubt, dann gewiss nur, um daraus ein größeres Gut zu ziehen: zuallererst für uns, die wir das unverdiente Glück haben, die tridentinische Messe zu kennen und von ihr Nutzen zu ziehen. Wir besitzen einen Schatz, dessen vollen Wert wir nicht immer richtig ermessen und den wir vielleicht zu oft nur aus Gewohnheit bewahren. Wenn etwas Kostbares angegriffen oder verachtet wird, lässt sich sein ganzer Wert besser ermessen. Möge dieser „Schock“ durch die Härte der offiziellen Texte vom vergangenen 16. Juli dazu dienen, unsere Treue zur tridentinischen Messe zu erneuern, zu vertiefen und wieder neu zu entdecken lassen: Diese Messe – unsere Messe – soll für uns wirklich zur Perle aus dem Evangelium werden, für die wir auf alles verzichten und alles verkaufen würden. Wer nicht bereit ist, sein Blut für diese Messe zu vergießen, ist nicht wert, sie zu feiern. Wer nicht bereit ist, auf alles zu verzichten, um sie zu bewahren, ist nicht wert, ihr beizuwohnen.
Das sollte unsere erste Reaktion angesichts der Ereignisse sein, welche die Kirche soeben erschüttern. Unsere Reaktion als Priester und katholische Gläubige soll durch ihre Tiefe und Breite alle möglichen beunruhigenden und bisweilen hoffnungslosen Kommentare weitaus übertreffen.
Der liebe Gott verfolgt gewiss ein anderes Ziel, dass er diesen neuen Angriff auf die tridentinische Messe zuließ. Niemand kann in Zweifel ziehen, dass während der letzten Jahre zahlreiche Priester und Gläubige diese Messe entdeckten und sich dadurch einem neuen geistigen und moralischen Horizont näherten, der ihnen den Weg zur Heiligung ihrer Seelen eröffnete. Die kürzlich gegen die Messe gerichteten Maßnahmen werden diese Seelen zwingen, alle Konsequenzen aus dem, was sie entdeckt haben, zu ziehen. Es liegt jetzt an ihnen, das zu wählen, was das Gewissen von jedem einsichtigen Katholiken fordert. Dazu stehen ihnen die Elemente der Unterscheidung zur Verfügung. Viele Seelen werden vor einer wichtigen Wahl stehen, welche den Glauben berührt, denn – wir wollen es noch einmal wiederholen – die Messe ist der höchste Ausdruck eines lehrmäßigen und moralischen Universums. Es handelt sich folglich darum, den katholischen Glauben in seiner Vollständigkeit zu erwählen und sich durch ihn für unseren Herrn Jesus Christus, sein Kreuz, sein Opfer und sein Königreich zu entscheiden. Es handelt sich darum, sich für sein Blut zu entscheiden, den Gekreuzigten nachzuahmen und ihm durch eine komplette, radikale und konsequente Treue bis ans Ende zu folgen.
Die Bruderschaft St. Pius X. hat sich zur Pflicht gemacht, all diesen Seelen, die sich gegenwärtig in einer Situation der Bestürzung und Verwirrung befinden, zu helfen. Zuerst ist es unsere Pflicht, ihnen durch Fakten die Gewissheit zu geben, dass die tridentinische Messe nie vom Angesicht der Erde verschwinden wird: es handelt sich hier um ein äußerst notwendiges Zeichen der Hoffnung. Zusätzlich muss jeder von uns, ob Priester oder Gläubige, ihnen eine helfende Hand entgegenstrecken, denn wer kein Verlangen hat, die Güter, von denen er profitiert, mit anderen zu teilen, der ist solcher Güter nicht wert. Nur so beweisen wir in Wahrheit unsere Liebe zu den Seelen und zur Kirche. Denn jede Seele, die wir für das Kreuz unseres Herrn und seine unermessliche Liebe, die er uns durch sein Opfer bewiesen hat, gewinnen, ist in Wahrheit für die Kirche und die Liebe, welche sie beseelt, – und von welcher auch wir vor allem in diesem Augenblick beseelt sein sollten –, gewonnen.
Der Schmerzensmutter vertrauen wir all diese Anliegen an, an sie richten wir unsere Gebete, denn niemand außer ihr ist besser in das Geheimnis des Opfers unseres Herrn und seines Sieges am Kreuz eingedrungen. Niemand außer ihr hat so innig am Leiden und Triumpf unseres Herrn teilgenommen. In ihre Hände legte der Herr die gesamte Kirche. Darum wurde ihr auch das Kostbarste der Kirche anvertraut: das Testament unseres Herrn – das heilige Messopfer.
Menzingen, den 22. Juli 2021
am Fest der hl. Maria Magdalena
Don Davide Pagliarani, Generaloberer
Quelle: fsspx.org Bild: fsspx.org (Screenshot)
