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Kritik am „Synodalen Weg“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller Foto: CNA / D. I.

ROM, 02. August 2022

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat scharfe Kritik am „Synodalen Weg“ in Deutschland geübt. In einem Interview mit EWTN Vatican / CNA Deutsch erklärte der 74-jährige Kurienkardinal, der von seinen Initiatoren als „Reformprozess“ deklarierte „Synodale Weg“ sei „am Ende“ und befinde sich auf einem „anti-katholischen Holzweg“.

Wie CNA berichtete, hatte der Heilige Stuhl am 21. Juni 2022 eine Erklärung veröffentlicht, in der festgehalten wird, dass der „Synodale Weg“ in Deutschland „nicht befugt“ sei, „die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten“. Es sei „notwendig“, dies zur „Wahrung der Freiheit des Volkes Gottes und der Ausübung des bischöflichen Amtes“ klarzustellen.

Das Synodalpräsidium – bestehend aus der deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomittee der deutschen Katholiken (ZdK) – hatte daraufhin ein Statement veröffentlicht, worin dem Vatikan ein Mangel an Kommunikationsbereitschaft vorgeworfen wurde.

Kardinal: Gremium des „Synodalen Weges“ hält sich für „Avantgarde der Weltkirche“

Im Interview mit CNA Deutsch, das in Kooperation mit EWTN Vatican letzte Woche in Rom geführt wurde, erneuerte Kardinal Gerhard Ludwig Müller seine Bedenken, die er bereits vor einer Woche in einem weiteren Gespräch zum Ausdruck gebracht hatte. Müller sagte, der „Synodale Weg“ in Deutschland habe weder etwas mit „Synodalität“ noch mit „Weg“ zu tun. Vielmehr erinnere das Konstrukt an eine „politische Organisation“, die sich selbst für die „Avantgarde der Weltkirche“ halte.

Die kürzlich veröffentlichte Erklärung des Heiligen Stuhls bringe daher nichts anderes zum Ausdruck als den „einfachen Grundsatz der katholischen Ekklesiologie“, so der Kardinal wörtlich:

Die Offenbarung ist der Kirche anvertraut, zur treuen Bewahrung, und nicht, wie der „Synodale Weg“ am Anfang gemeint hat, dieses praktisch zufällig zusammengestellte Gremium hätte irgendwie das Recht und die Vollmacht, die sakramentale Verfassung der Kirche außer Kraft zu setzen und die Offenbarung nach ihrem Sinn umzuinterpretieren.

Es sei bereits der „Geburtsfehler dieses Gremiums“ gewesen, sich als die „Avantgarde der Weltkirche“ aufzuspielen. „Was hier betrieben wird, ist nichts anderes als Spaltung“, klagte Kardinal Müller. „Es ist eine sogenannte Reform mit der Brechstange.“

„Untragbare“ Äußerungen des Synodalpräsidiums

Momentan befinde sich der von seinen Initiatoren als „Reformprozess“ deklarierte „Synodale Weg“ in Wahrheit auf einem „anti-katholischen Holzweg“, so Müller wörtlich. Verärgert zeigte er sich daher auch vom Statement des Synodalpräsidiums, das als Reaktion auf die römische Erklärung dem Vatikan schlechte Kommunikation vorwarf.

In der von Bischof Georg Bätzing (Bistum Limburg) und ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp unterschriebenen Mitteilung heißt es unter anderem:

Leider ist das Synodalpräsidium bis heute nicht zu einem Gespräch eingeladen worden. Dass diese direkte Kommunikation bislang nicht stattfindet, bedauern wir irritiert. Synodale Kirche geht nach unserem Verständnis anders! Das gilt auch für die Art der heutigen Kommunikation, die bei uns Verwunderung auslöst. Es zeugt von keinem guten Stil der Kommunikation innerhalb der Kirche, wenn nicht namentlich gezeichnete Erklärungen veröffentlicht werden.

Diese Äußerungen bezeichnete Kardinal Müller als „untragbar“ und fügte an, das habe „wirklich nichts mit Synodalität und Kollegialität zu tun, auch nicht mit Respekt gegenüber dem bischöflichen Amt“.

Müller: „Der ‚Synodale Weg‘ war von Anfang an am Ende“

Die Reaktionen hätten gezeigt, dass unter den Unterstützern des „Synodalen Weges“ vor allem „Uneinsichtigkeit“ herrsche, die eine „Folge der mangelnden Kenntnis der katholischen Ekklesiologie“ sei.

Auf die Frage, ob der „Synodale Weg“ in Deutschland nach der Erklärung aus Rom nun am Ende sei, wie unter anderem der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller auf Twitter schrieb („In der Tat: das Spiel ist aus und verloren.“), antwortete Kardinal Müller wörtlich:

Ich glaube, der „Synodale Weg“ war von Anfang an am Ende, nur haben es seine Betreiber noch nicht gemerkt.

Kritik an ZdK-Präsidentin Stetter-Karp

Auch die Präsidentin des ZdK, Irme Stetter-Karp, geriet in den Fokus. Wie CNA Deutsch berichtete, hatte die Kirchenfunktionärin in einem Beitrag für „Christ & Welt“ in der Wochenzeitung „Die Zeit“ betont, es sei „sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächendeckend ermöglicht wird“. Gleichzeitig trete das ZdK dafür ein, „dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht als reguläre medizinische Dienstleistung betrachtet wird“.

„Wer diese Verbrechen garantieren will, flächendeckend für die ganze Bevölkerung, der kann sich nicht als Reformer der Kirche aufspielen“, sagte Kardinal Müller gegenüber CNA Deutsch. Er fügte an:

Die Kirche ist ja nicht Objekt unserer Reform. Die Kirche ist von Christus begründet, kann nicht reformiert werden, ist unüberbietbar; nur wir können den Weg und müssen den Weg der Buße und der Erneuerung gehen. Wir müssen uns reformieren und uns erneuern in Jesus Christus und so die Antwort geben auf die Herausforderungen der heutigen Zeit.

Quelle: CNA

Fünfzehn geheime Leiden und Schmerzen

Der Gegeißelte Heiland

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FÜNFZEHN GEHEIME LEIDEN UND SCHMERZEN

Herr, verzeihe uns und der ganzen Menschheit, was wir Dir angetan!
(nach jedem Leiden zu beten)

Christus erfüllte den Wunsch der Sr. Maria Magdalena aus dem Orden der hl. Klara in Rom, die etwas von Seinem heimlichen Leiden zu wissen begehrte, indem Er ihr erschien und ihr fünfzehn Schmerzen, die Er in der Nacht vor Seinem Tode ausgestanden hatte, offenbarte. Christus sprach zu ihr:

* Die Juden hielten mich für den schlimmsten Menschen, der damals auf Erden war. Darum banden sie Mir mit einem Seil meine Füße und rissen Mich über die Stiege hinab in einen unsauberen, stinkenden Keller;

entblößten sie Mich Meiner Kleider und zerstachen Meinen Leib, mit der eisernen Spitze;

* banden sie Mir ein Seil um den Leib und schleiften Mich im Keller auf den Boden hin und her;

hefteten sie Mich an ein Stück Holz und ließen Mich hängen, bis Ich ausschlüpfte und herabfiel; über diesen Schmerz weinte ich blutige Tränen;

* banden Sie Mich an einen Pfahl und durchstachen Meinen Leib mit verschiedenen Waffen, bewarfen Mich mit Steinen und brannten Mich mit Glut und Fackeln;

durchstachen sie Mich mit Ahlen und Spießen und rissen Mir Haut und Fleisch von meinem Leibe und von meinen Adern;

* banden sie Mich an eine Säule und stellten Mich auf ein glühendes Blech;

krönten sie Mich mit einer eisernen Krone und verbanden Mir die Augen mit den unreinsten Tüchern;

* setzten sie Mich auf einen Stuhl, der voll von spitzen Nägeln war, die tiefe Löcher in Meinem Leib bohrten.

begossen sie Mir die Wunden mit fließendem Blei und Pech und stießen Mich in den Stuhl hinab;

* steckten sie Mir zur Schmach und Pein Nadeln und Nägel in die Löcher Meines ausgerissenen Bartes;

warfen sie Mich auf ein Kreuz, an das sie Mich so stark und hart banden, dass ich kaum mehr Atem holen konnte;

* traten sie Mir auf das Haupt, einer stand mit dem Fuß auf Meiner Brust und stach Mir einen Dorn von meiner Krone durch die Zunge;

gossen sie Mir den abscheulichsten Unflat in Meinem Mund;

* gebrauchten sie die schändlichsten Worte und Ausdrücke über Mich, banden Mir die Hände auf den Rücken, führten Mich mit vielen Schlägen und Streichen aus dem Gefängnis und schlugen Mich sehr oft mit Ruten.

Dann sprach Christus: „Meine liebe Tochter! Ich begehre, dass du diese fünfzehn geheimen Leiden und Schmerzen anderen offenbarst, damit sie betrachtet und verehrt werden. Wer mir täglich eines von diesen unbekannten Leiden aus Liebe aufopfert und das nachfolgende Gebet andächtig verrichtet, den will ich am Tage des Gerichtes mit der ewigen Seligkeit belohnen.“

DAS GEBET !

Mein HERR und mein GOTT, es ist mein unveränderlicher Wille, Dich durch die fünfzehn geheimen Leiden und Blutvergießungen zu verehren, zu loben und anzubeten. So viele Sandkörner am Meere, so viele Körner in den Äckern, so viele Gräser auf Erden, so viele Früchte an den Bäumen, so viele Blätter an den Zweigen, so viele Blumen in den Wiesen , so viele Sterne am Firmament, so viele Engel im Himmel und so viele Kreaturen auf Erden sind, so viele tausendmal sei angebetet, gelobt und gepriesen unser Herr Jesus Christus, Sein heiligstes Herz, Sein kostbares Blut, das göttliche Opfer der hl. Messe, das hochwürdigste Sakrament des Altars, durch die allerseligste Jungfrau Maria, die glorwürdigen Chöre der hl. Engel und die gebenedeite Schar der Heiligen und von mir und allen Menschen, von nun an bis in Ewigkeit. Ebenso viele male begehre ich, Dir mein liebster Jesus, zu danken und genugzutun, Dir alle Schmach zu vergelten und mit Leib und Seele anzugehören. So viele male bereue ich auch meine Sünden und bitte Dich , mein HERR und GOTT, um Verzeihung, opfere ich alle Deine Verdienste für meine Sünden, Schulden und Strafen dem himmlischen Vater auf, fasse  ich einen festen Vorsatz zur Besserung meines Lebens und bitte um eine glückselige Sterbestunde und rufe Dich um die Erlösung der Armen Seelen an. Diese Andacht möchte ich jeden Tag erneuern und bis zu meinem Tode darin verharren. Ich bitte Dich, o guter und liebenswürdiger Jesus, dass Du diese Bitte bekräftigst und nicht gestattest, dass sie von einem Menschen, viel weniger vom bösen Feind, je könnte vernichtet werden. Amen !

Diese Andacht ist von der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom und von Papst Clemens XII (1730-40) gutgeheißen und anempfohlen worden.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria Bild: © CFM.SCJ Kongregation der Herz Jesu Franziskaner

McCarrick-Boys zertrümmern den überlieferten Ritus

Kardinal Wilton Gregory, Erzbischof von Washington: Bestimmungen, mit denen er Traditionis custodes umsetzt.

(New York) Während der Erzbischof von Chicago, Blase Kardinal Cupich, einen Feldzug gegen altrituelle Gemeinschaften führt, verbietet der Erzbischof von Washington, Wilton Kardinal Gregory den Pfarreien seiner Erzdiözese im überlieferten Ritus zu zelebrieren. Beide Purpurträger berufen sich auf das Motu proprio Traditionis custodes von Papst Franziskus. Beide wurden vom derzeitigen Papst in Amt und Würden gehoben. Beide gehören zu den McCarrick-Boys.

Gestern, dem 22. Juli, erließ Kardinal Gregory – seit 2019 Erzbischof der Erzdiözese Washington, zu der die US-Bundeshauptstadt gehört – Bestimmungen, mit denen er das Motu proprio Traditionis custodes umsetzt. Die neuen Richtlinien verbieten die Zelebration des überlieferten Ritus in den Pfarrkirchen des Erzbistums.

Zur Herbsttaggleiche werden die Bestimmungen in Kraft treten. Ab diesem Datum ist es nicht mehr erlaubt, in einer Pfarrkirche der Erzdiözese die heilige Messe im überlieferten Ritus zu zelebrieren. Damit setzt Kardinal Gregory um, was von Franziskus in Traditionis custodes für die Weltkirche bestimmt wurde.

Ab dem 21. September darf die tridentinische Messe, die von 2007 bis 2016 gemäß dem Motu proprio Summorum Pontificum von Papst Benedikt XVI. als „außerordentliche Form des Römischen Ritus“ bezeichnet wurde, nur mehr in drei Kirchen des Erzbistums zelebriert werden, die von Kardinal Gregory bestimmt wurden. Keiner dieser Meßorte ist eine Pfarrkirche. Zwei befinden sich im Staat Maryland, einer in der Bundeshauptstadt Washington. 

Jeder Priester, der im überlieferten Ritus zelebrieren will, muß schriftlich eine Erlaubnis beantragen und die Gültigkeit, „der während des Zweiten Vatikanischen Konzils, das 1965 endete, eingeführten Änderungen bestätigen“, wie die Washington Post schreibt. Gemeint ist die Anerkennung von Bugninis Liturgiereform, die 1969 von Papst Paul VI. promulgiert wurde und allein zeitlich – anders als von der Washington Post behauptet – in keinem unmittelbaren Zusammenhang zum Zweiten Vaticanum stand, sondern ein nachkonziliares Produkt des „Konzilsgeistes“ war.

Auch in diesem Punkt kann sich Kardinal Gregory auf Papst Franziskus berufen, der Bugninis Novus Ordo in Traditionis custodes (Artikel 1) zur „einzigen Ausdrucksform der lex orandi des Römischen Ritus“ erklärte. Die von Papst Benedikt XVI. jedem Priester erlaubte Zelebration des überlieferten Ritus wurde von Papst Franziskus im Juli 2021 annulliert. Der überlieferte Ritus steht laut Artikel 1 von Traditionis custodes außerhalb der lex orandi des Römischen Ritus. Er wurde von Franziskus zum toten Relikt einer überwundenen Zeit erklärt, das in seltenen Fällen und unter eng gefaßten Bedingungen geduldet wird – wie eben auch mit einer Nostalgiebahn gelegentlich eine Fahrt unternommen wird.

„Wir entsagen dem modernistischen Establishment“

Erzbischof Héctor Aguer, der Gegenspieler Bergoglios in der Argentinischen Bischofskonferenz in dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires, bezeichnete Traditionis custodes vor wenigen Tagen als „echtes Unglück“. Das Motu proprio von Papst Franziskus zwinge Priester und Gläubige zum Ungehorsam. „Gute Bischöfe“, so Aguer, reagieren auf diesen Ungehorsam mit Verständnis und Nachsicht. Der emeritierte Erzbischof von La Plata nennt diese den Bischöfen empfohlene Haltung, einen unausgesprochenen, faktischen „Indult“.

Die McCarrick-Boys in den USA sehen das anders. Theodore McCarrick, bis 2018 Kardinal und bis 2019 Priester, war unter Franziskus zum mächtigsten Kirchenmann in den USA aufgestiegen, bis er bei der New York Times in Ungnade fiel und in der Versenkung verschwand. Sein vergiftetes Erbe wirkt jedoch weiter. Seine Protegés gelangten durch Franziskus zu höchsten Würden. Sie danken es dem regierenden Papst durch treue Umsetzung von Traditionis custodes und anderer päpstlichen Dokumente.

Die Washingtoner Internetseite DC Latin Mass, die Meßorte des überlieferten Ritus veröffentlichte, stellte faktisch den Betrieb ein. Als Reaktion auf die neuen Richtlinien von Kardinal Gregory veröffentlichte die Redaktion eine kurze, aber dramatische Stellungnahme:

„Wir entsagen dem modernistischen Establishment des Zweiten Vaticanum und all seinen Werken und leeren Versprechungen, und wir fordern unsere Leser auf, dies ebenfalls zu tun.

Beten Sie. Verrichten Sie die Werke der Barmherzigkeit. Tun Sie Buße, wie es die Muttergottes wiederholt von einer tauben Welt erbeten hat. Pflegen Sie die Demut (ohne sie kommen Sie nicht in den Himmel).

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung von DC Latin Mass.“

McCarrick Boys werden nach Wink von Franziskus aktiv

Das zertrümmernde Motu proprio wurde von Franziskus am 16. Juli 2021 erlassen. Von manchen Bischöfen wurde es repressiv umgesetzt, von anderen ignoriert. Im vergangenen Mai sandte Franziskus ein Signal aus, als er im Gespräch mit den Schriftleitern der europäischen Jesuitenzeitschriften erwähnte, daß es vor allem in den USA „viele“ Gruppen von „rückwärtsgewandten Restauratoren“ gebe, wie der argentinische Papst diskreditierend meinte. Das war ein Wink an die Bergoglianer im US-Episkopat wie Cupich und Gregory, Traditionis custodes härter durchzusetzen.

Davon schwer betroffen ist das Institut Christus König und Hohepriester (ICRSS), dessen US-Hauptsitz sich seit fast 20 Jahren in Chicago befindet. Dort investierte das Institut aus eigener Kraft sehr große Summen, um das ihr anvertraute Christkönig-Heiligtum wiederzubeleben und dann nach einem verheerenden Brand wiederaufzubauen. Mit 1. August müssen die Priester des Instituts die Erzdiözese Chicago verlassen, weil sie die repressiven Auflagen, die ihnen Kardinal Cupich macht, nicht erfüllen können. Sie werden sich unter einem freundlicher gesinnten Bischof ein neues Zentrum aufbauen müssen (wo sie bleiben können, solange dort ein freundlich gesinnert Bischof regiert). Die Gläubigen aber bleiben verwaist zurück und die investierten Summen, Spenden der Gläubigen, sind verloren, denn wer sollte ihnen das Heiligtum ablösen. Kardinal Cupich fährt mit einem Federstrich über Priester und Gläubige drüber. 

Gleiches macht Kardinal Gregory in Washington. Das synchrone Vorgehen der McCarrick Boys läßt erkennen, daß der Wink aus Santa Marta verstanden und Absprachen getroffen wurden. Der Kampf gegen „religiöse Rechte“ – denn um einen politischen Machtkampf geht es Franziskus, dem „Politiker auf dem Papstthron“ – nimmt neue Fahrt auf. Anfang November finden in den USA die Zwischenwahlen statt, und es steht ziemlich schlecht um die Linksdemokraten.

Einseitig geführter politischer Kampf

Viele gläubige Katholiken in den USA leiden unter dem politischen Kontext, den Franziskus seinem Handeln zugrundelegt – und dem daraus folgenden politischen Kampf, den er ihnen aufzwingt, indem er ihn gegen sie führt. Sie verstehen das nicht, weil sie selbst dem politischen Denken nicht jene Priorität beimessen, die Franziskus ihm beimißt. Es nützt ihnen aber nichts, da Franziskus nunmal so denkt und seine Sicht der Welt in politischen Kategorien erfolgt und von linken Maximen wie Macht (Machtkampf/Machterhalt) und Herrschaft (Herrschaftsdiskurs) bestimmt ist.

Diese Dychotomie des Denkens läßt beide Seiten sich fremd sein, ohne daß der Zusammenhang immer genau verstanden wird. Die gläubigen Katholiken, von Franziskus als „Indietristen“ und „Restauratoren“ verunglimpft, verstehen nicht, warum sie der Papst bekämpft, obwohl sie die natürliche und göttliche Ordnung in einem Meer der Unordnung leben und verteidigen. Franziskus wiederum sieht in ihnen einen gefährlichen Feind – und der steht immer rechts –, den es mit allen gebotenen Mitteln zu bekämpfen gilt, mit direkten Hieben und mit List.

Die Gläubigen und Priester der Tradition fühlen sich bedrängt und verfolgt. Allerdings herrscht auch auf der Gegenseite Nervosität. 

Die McCarrick Boys, die McCarrick gerne vergessen machen würden und auch als Bergoglio Boys bezeichnet werden könnten, zertrümmern auf päpstliches Geheiß die Tradition. Sie greifen wie Kardinal Cupich deren Vertreter in ihren Strukturen an mit dem Ziel, sie zu schwächen. Ebenso ungerührt desavouiert Franziskus führende Bischöfe, die nicht dieser Clique angehören wie Erzbischof Salvatore Cordileone von San Francisco. 

Nachdem Franziskus durch massive Interventionen seine politischen Freunde, die Abtreibungspolitiker der Demokratischen Partei, im November 2021 vor einer Verurteilung durch die Bischofskonferenz der USA gerettet hatte, setzte Erzbischof Cordileone eigenständig einen Schritt und schloß Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, führende Vertreterin der Demokraten und Abtreibungspolitikerin, vom Kommunionempfang aus. Pelosi reiste nach Rom, nahm an einer Papstmesse im Petersdom teil und ging dort zur Kommunion. Das war ein Dolchstoß gegen Erzbischof Cordileone, ein typisch bergoglianischer Dolchstoß, denn formal tat Franziskus nämlich gar nichts, sondern war bei der genannten Messe „nur“ im Petersdom anwesend. Die Kommunion spendet er Gläubigen grundsätzlich nie.

Erzbischof Cordileone reagierte auf seine Weise. Das Kommunionverbot für Pelosi in der Erzdiözese San Francisco gilt weiterhin und am 1. Juli, zwei Tage nach dem römischen Dolchstoß, zelebrierte Cordileone in der vom heiligen Juniperio Serra gegründeten Missionsstation San Francisco de Asis ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus. An diesem nahmen auch die Kardinäle George Pell und Robert Sarah teil, die beide von Franziskus kaltgestellt wurden. 

Erzbischof Cordileone setzte damit gleich eine ganze Reihe von Handlungen, die jenen von Franziskus entgegenstehen. Am 29. Juni in Rom und am 1. Juli in San Francisco prallten zwei Welten aufeinander, die nur mehr wenig gemeinsam zu haben scheinen.

Erzbischof Cordileone zelebrierte als Bischof im überlieferten Ritus, was Franziskus nicht einmal den Priestern mehr zugestehen will, geschweigedenn durch Bischöfe wünscht. Die Zelebration fand in einer Pfarrkirche statt, aus denen Franziskus den überlieferten Ritus mit Traditionis custodes aussperrte. Anlaß der Zelebration war das Gedenken an den heiligen Junipero Serra, den Apostel Kaliforniens, gegen den antichristliche Kräfte, die wiederum den Linksdemokraten, den politischen Freuden von Franziskus, nahestehen, seit einigen Jahren einen teils gewalttätigen Kampf führen. Dieser Kampf will – ein irrational irrwitziges Paradox – die Entdeckung Amerikas, die europäische Besiedlung und Christianisierung des Kontinents, rückgängig machen.

Im Gegensatz zu Westeuropa sind die gesunden Kräfte in den USA stark und selbstbewußt, weshalb sich der Kulturkampf dort mit besonderer Wucht konzentriert, um diese Kräfte zu zerschlagen, wie dies zuvor weitgehend in Westeuropa bereits geschehen ist. Je vitaler sich die gesunden, christlichen Kräfte erweisen, desto zorniger und radikaler tritt die Gegenseite auf – und findet auch in Teilen der Kirche Unterstützung, bis nach Rom.

Quelle: katholisches, G. N., Bild: Adw (Screenshot), Archivar: Pater Andreas Endl

„Traditionis custodes ist ein echtes Unglück“

Erzbischof Hector Aguer übt harte Kritik an Papst Franziskus wegen Traditionis custodes.

Erzbischof Aguer: „Traditionis custodes ist ein echtes Unglück, das Priester und Gläubige zum Ungehorsam zwingt“

Santa Marta ist der Ort des „offiziellen Progressismus“

Msgr. Héctor Aguer, der emeritierte Erzbischof von La Plata, schweigt auch im von Papst Franziskus verordneten Ruhestand nicht. Erzbischof Aguer war Bergoglios Gegenspieler im argentinischen Episkopat. Beide waren in den 90er Jahren unter Kardinal Antonio Quarrancino Weihbischöfe von Buenos Aires. Zwischen beiden entschied sich Kardinal Quarrancino für Bergoglio als seinen Nachfolger. Eine fatale Weichenstellung. In seiner jüngsten Stellungnahme erhebt der argentinische Erzbischof Anklage gegen Papst Franziskus wegen des Motu Proprio Traditionis custodes und tadelt die päpstliche Linie als „offiziellen Progressismus“.

Der Nachfolger von Msgr. Aguer als Erzbischof von La Plata, Msgr. Victor Manuel Fernández, ein engerer Vertrauter von Papst Franziskus, eliminierte das Motu proprio Summorum Pontificum in seinem Bistum bereits 19 Monate vor Traditionis custodes. Rückblickend erscheint das Vorgehen des päpstlichen Protegés wie ein Probelauf.

„Der Papst ist nicht der Herr der Liturgie, der mit ihr machen kann, was er will, sondern ihr Diener und Bewahrer“, warnt nun Erzbischof Aguer.

Die von Erzbischof Aguer zitierten Papstworte entstammen dem Motu proprio Traditionis custodes, dem Gespräch mit den Schriftleitern der europäischen Jesuitenzeitschriften vom 19. Mai 2022 und einer Ansprache an die Teilnehmer der Konferenz „Entwicklungslinien des globalen Bildungspakts“ vom 1. Juni 2022.

Das Motu proprio Traditionis custodes ist eine echte Katastrophe

Der Progressismus, der sich vor einem Jahrzehnt in Rom etabliert hat, kritisiert eine Art umgekehrten Populismus. Dem Handbuch des Populismus ist zu entnehmen, daß es notwendig ist, das Vertrauen und die Unterstützung der jungen Menschen zu gewinnen. Es ist aber nun einmal so, daß diese Abweichungen und fortschrittlichen Abenteuern gegenüber mißtrauisch sind und die Tradition bevorzugen und lieben. Rom geißelt sie, indem es sie auf verächtliche Weise mit dem Neologismus „Indietrismus“ brandmarkt. Gemeint sollen jene sein, die „zurückschauen“ und sich danach sehnen würden, „zurückzugehen“ – was allemal besser wäre als die Gegenwart und der „Fortschritt“ der Progressiven. „Zurück“ liegen die Wurzeln, der Abendmahlssaal und das Kreuz, aus denen die große kirchliche Tradition entspringt. Es ist interessant festzustellen, daß junge Menschen im allgemeinen von der Möglichkeit begeistert sind, an der überlieferten Messe teilzunehmen, die Benedikt XVI. mit großer Weisheit und pastoralem Eifer ermöglicht hat, als er sie 2007 mit seinem Motu proprio Summorum Pontificum als außerordentliche Form des Römischen Ritus etablierte. Natürlich waren es nicht nur die jungen Leute, die seither an der jahrhundertealten Zelebration festhielten, in der sie den Sinn des Geheimnisses entdeckten. Vor allem aber waren die neuen Generationen angezogen von einer Genauigkeit, Feierlichkeit und Schönheit, die sie nicht kannten und die sie in der von dem Freimaurer Annibale Bugnini und seinem Expertenrat erfundenen ‚Eucharistiefeier‘ nicht fanden.

Das Motu proprio Traditionis custodes ist ein echtes Unglück, das viele Priester und Gläubige zum Ungehorsam zwingt, der von den guten Bischöfen mit Verständnis (einer Art von Indult) gesehen wird. Dieser päpstliche Ukas, der im Gegensatz zur viel verkündeten Synodalität steht, hat die Arbeit der großen Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. desavouiert. „Zurückkehren“ ist paradoxerweise in diesem Fall gleichbedeutend mit „Vorwärtsgehen“, da es darin besteht, an der Tradition festzuhalten, die immer dieselbe ist, immer neu, kein Museumsstück, sondern wie eine lebendige Pflanze, wie der heilige Vinzenz von Lerins im 5. Jahrhundert erkannte und sagte: In eodem scilicet dogmate, eodem sensu, eademque sententia [nämlich in derselben Lehre, in demselben Sinne und in derselben Bedeutung]. Der Papst ist nicht der Herr der Liturgie, der mit ihr machen kann, was er will, sondern ihr Diener und Bewahrer. Joseph Ratzinger erklärt dies sehr gut in seiner Theologie der Liturgie.

Rom verunglimpft nicht nur den „Indietrismus“, sondern kritisiert auch immer wieder jene, die „stark veraltete Muster“ verwenden – eine weitere Karikatur der Tradition! „Wir müssen unsere Art, die Realität zu sehen und zu bewerten, erneuern.“ Es wird auch bekräftigt, daß „das einzige Konzil, an das sich manche Hirten am besten erinnern, das Konzil von Trient“ sei mit dem Zusatz, daß das „kein Unsinn ist“. Nein, es ist schlimmer: Es ist ein Trugschluß, eine Verhöhnung.

Eine weitere Parole des offiziellen Progressismus ist „Restauration“, den er vielen in den Vereinigten Staaten zuschreibt. Er scheint sich darüber zu ärgern, daß die große kirchliche Tradition in diesem Land blüht. Der Vorwurf lautet auf eine „Restauration“, die das Zweite Vaticanum „nicht akzeptiert“ hätte. Es ist merkwürdig, daß Rom das Konzil mit dem „Geist des Konzils“ verwechselt, der seine willkürliche Verzerrung war. Progressive Manie betrachtet Gruppen, „die der Kirche durch soziale oder pastorale Hilfe ein neues Gesicht geben“, als „Zeichen der Erneuerung“. Ein neues Gesicht, in dem Christus das seiner Braut nicht mehr erkennt.

Die „Indietristen“ und die „Restauratoren“ sind jene, die sich in ihrem Handeln von der Konstitution Sacrosanctum Concilium leiten lassen, einem Text, in dem der Wille der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils festgeschrieben ist: „Niemand, auch kein Priester, darf der Liturgie aus eigenem Antrieb etwas hinzufügen, wegnehmen oder verändern“ (Nr. 22). Dieser Hinweis impliziert, daß die Liturgie durch die Genauigkeit des Ritus gekennzeichnet sein soll. In jedem religiösen System finden wir das, was der römische Jurist Pomponius Festus (der ein Heide war) als mos comprobatus in administrandis sacrificiis [die anerkannte Weise, Opfer darzubringen] bezeichnete. Joseph Ratzinger hat dieses Ziel interpretiert als „Suche nach einer richtigen Form der Gottesverehrung, nach einer Form des Gebets und des gemeinschaftlichen Gottesdienstes, die Gott gefällt und seinem Wesen entspricht. Wie kann man Ihn so verherrlichen, daß diese Anbetung der richtige Weg ist, Ihm zu begegnen? Mos bedeutet Sitte, Brauch, Gewohnheit, Praxis und bezeichnet auch das Gesetz. In der christlichen Sprache ist es der Ritus, die ‚Orthodoxie‘, die rechtmäßige Verherrlichung Gottes, die vom Volk Gottes, das die Kirche ist, gebilligt und aufrechterhalten wird.“ Der Römische Ritus wurde in den ersten christlichen Jahrhunderten geformt und unverändert weitergegeben. Viele Heilige haben ihn zelebriert. Im Jahr 2007 rettete Benedikt XVI. ihn als „außerordentliche Form“, und eine Vielzahl junger Menschen entdeckte ihn als eine vollkommene Form der Anbetung Gottes, die das Kreuzesopfer auf sakramentale Weise vergegenwärtigt. Die Genauigkeit – ohne subjektivistische Strenge – ist im Römischen Ritus ein objektiver Wert, sie schützt die Anbetung des Mysteriums und ermöglicht die Vereinigung des Zelebranten und der Gläubigen mit der übernatürlichen Wirklichkeit, die unter dem Schleier der sakramentalen Zeichen gegenwärtig wird. In der Eucharistie wird Gott wahrhaft verherrlicht, und man nimmt teil am Opfer Jesu Christi, des fleischgewordenen Wortes und auferstandenen Erlösers. In der neuen Messe Pauls VI. (in Wirklichkeit von Bugnini) ist der Altar verschwunden und durch einen Tisch ohne Kreuz ersetzt; die Kniebeugung und die Ehrerbietung entfallen; der Zelebrant schaut die Gläubigen an und bezieht sich auf sie in einer brüderlichen Begegnung, anstatt sie zu führen, mit ihnen nach Osten zu schauen, zum Anatolé [Sonnenaufgang], der kommt, damit die Gemeinschaft der Kirche durch das Wirken des Heiligen Geistes den Vater verherrlicht: Mit Christus, durch Ihn und in Ihm wird dem Vater alle Ehre und Herrlichkeit gegeben.

Zwei weitere Werte werden dem Ritus zugeschrieben, die von den „Indietristen“ und „Restauratoren“ gepflegt werden: Feierlichkeit und Schönheit. Ersteres wurde in der Praxis der neuen Messe durch Trivialisieren abgelöst; es ist eine lächelnde und freundliche Begegnung, bei der der Priester als Animator fungiert. Es wird besonders darauf geachtet, daß die Atmosphäre, die geschaffen wird, ohne rituelle Genauigkeit, „heimelig“, alltäglich und gewöhnlich ist. Auf diese Weise will man die Massen anlocken, ohne sich bewußt zu machen, daß die Feierlichkeit die Hüterin des Glaubens ist, ein unschätzbares Geschenk Gottes, und daß die Eucharistie ein Fest des Glaubens ist.

Unter Schönheit verstehen wir nicht nur den Rahmen, der kunstvoll gestaltet sein muß, sondern das Ganze, die Gesamtheit und ihre Vollkommenheit. Nur ein Aspekt soll hervorgehoben werden: die Musik. Der Gregorianische Choral, die a capella vorgetragene Polyphonie und die Orgel werden durch die Gitarre ersetzt, die nicht wie eine Laute gespielt (man beachte die Verwandtschaft zwischen Gitarre und Laute), sondern schlecht gespielt und bestraft wird. Der Text und die elementare, perkussive Melodie ergeben ein unbedeutendes Liedchen ohne jeglichen musikalischen oder kulturellen Wert. Der Römische Ritus hat Schöpfungen von hoher Kunst hervorgebracht, die sich auch im weltlichen Bereich verbreiteten und berühmt wurden. Die größten Komponisten des Westens im 17. Jahrhundert haben der Kirche und der Welt einen wunderbaren Schatz geschenkt. Es ist unmöglich, im Rahmen eines Artikels all die berühmten Namen der Komponisten von Messen, Oratorien, Hymnen und Stücken religiöser Inspiration aufzuzählen. Als Beispiele nenne ich nur die h‑Moll-Messe von Johann Sebastian Bach bis Olivier Messiaens Zwanzig Ansichten des Jesuskindes. Dieser Reichtum an Musik im Dienste der Kirche war ausgesprochen populär. In den Städten und sogar in den Dörfern mit bescheidenen Mitteln wurde stets die Schönheit des Gottesdienstes gepflegt. Ein gesunder „indietrismo“ kann heute diesen Schatz wieder in Umlauf bringen, auch außerhalb der liturgischen Feier, indem die Kompositionen in Kirchen im Kontext des Gebets dargeboten werden. Es ist angebracht zu erkennen, daß man nicht nur betet, indem man betet oder singt, sondern auch zuhört, mit den Ohren und dem Herzen. Die Fruchtbarkeit der Kirche hat mit ihrer Ermutigung das musikalische Schaffen gefördert und über Jahrhunderte hinweg ein Mäzenatentum ausgeübt, das anzuerkennen ist (und von den Historikern anerkannt wird) und das zur Ehre Gottes und zur Bildung der Völker wiederentdeckt werden kann. Ich beharre darauf: Die Schönheit des Gottesdienstes kann populär werden, wenn sie offiziell gepflegt wird, wenn sie wieder den notwendigen Platz in der Liturgie bekommt. Es gibt nichts Unpopuläreres als Populismus. Rom bleibt das Zentrum des Westens; es steht ihm nicht an, den Pauperismus einer fernen Bananenrepublik zu übernehmen.

Die Werte der Genauigkeit, der Feierlichkeit und der Schönheit hinterlassen, wenn sie in der Liturgie gepflegt werden, eine kulturelle Prägung, die einen Reichtum der Evangelisierung darstellt. Eine objektive, von ideologischen Vorurteilen freie Lektüre der Konstitution Sacrosanctum Concilium offenbart die Kohärenz des Zweiten Vaticanum mit der großen kirchlichen Tradition. Eine andere Sache ist die Reform der Riten, insbesondere des Meßritus – das Werk von Bugnini und seinen Leuten. Vom Rationalismus geprägte Teile der liturgischen Bewegung haben die Verwurzelung des Volkes in den besten Errungenschaften der jahrhundertealten Übung nicht wahrgenommen, die sich in der überlieferten Messe konkretisiert und immer die Einheit der Kirche zum Ausdruck gebracht hat. Ich füge an dieser Stelle ein langes Zitat von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. – ein, das zum Ausdruck bringt, was ich zu sagen versuche: „Eine Messe, die in einem Dorf in Oberbayern gefeiert wird, wird ganz anders aussehen als eine feierliche Messe in einer französischen Kathedrale, und diese wiederum anders als eine Messe in einer Pfarrei in Süditalien oder in einem Bergdorf in den Anden und so weiter und so fort. Die Ausschmückung und Gestaltung des Altars und der ganzen Kirche, der Gottesdienst, die Art zu singen und zu beten, all das gab der Liturgie einen besonderen Charakter, so daß man sich in ihr ganz ‚zu Hause‘ fühlte. Und doch konnte man sie überall als ein und dieselbe erfahren und so die große Gemeinschaft des Glaubens wahrnehmen. Die Einheit des Ritus ist die eigentliche Erfahrung der Communio; wo diese respektiert und gleichzeitig gefördert wird, gibt es keinen Gegensatz zwischen Vielheit und Einheit.“

Die „Indietristen“ und „Restauratoren“ wünschen nur, sich „zu Hause“ zu fühlen, wenn sie zur Messe gehen. „Tornare indietro“ (zurückkehren) heißt in Wirklichkeit „andare avanti“ (vorwärts gehen), sich vom Fluß der großen Tradition treiben lassen. Wiederherzustellen bedeutet, wiederaufzubauen, zu rekonstruieren, den Weg wiederherzustellen, der immer gültig ist. Es gibt keine tote, stinkende Vergangenheit, wie bei Lazarus nach vier Tagen im Grab; es ist etwas Lebendiges, Gegenwärtiges, Beständiges, das wir in die Zukunft weitergeben müssen. Das ist die Neuheit und Jugendlichkeit des Christentums. Rom lehnt nun in Interventionen, die aufgrund ihrer gewollten Zweideutigkeit große Verwirrung stiften, die Verwendung von – wie es heißt – „stark veralteten Mustern“ ab und schlägt uns vor, „unsere Art, die Realität zu sehen und zu bewerten, zu erneuern“. Das ist ein Vorschlag des elementaren Progressismus, der nur die Zahl der „Indietristen“ und „Restauratoren“ vergrößern wird, da der christliche gesunde Menschenverstand uns auffordert, an den gesunden Positionen festzuhalten.

+ Héctor Rubén Aguer
Emeritierter Erzbischof von La Plata

Buenos Aires, Montag, 18. Juli 2022

Quelle: katholisches, Einleitung/Übersetzung: G. N. Bild: MiL, Archivar: Pater Andreas Endl

Missionarinnen der Nächstenliebe ausgewiesen

Juntachef Daniel Ortega 1986 mit Mutter Teresa von Kalkutta. Das Versprechen, das er damals der Ordensfrau gab, wurde vom nicaraguanischen Machthaber vergessen.

(Managua) Die Missionarinnen der Nächstenliebe von Mutter Teresa von Kalkutta wurden vom sandinistischen Ortega-Regime aus Nicaragua ausgewiesen und nach Costa Rica abgeschoben. Nicaragua steht zusammen mit Venezuela und Bolivien an der Spitze der Länder Lateinamerikas, in denen die Kirche verfolgt wird.

Vergessen sind die Tage, als Mutter Teresa 1986 zum nationalen Eucharistischen Kongreß eingeladen war und vom sozialistischen Diktator Daniel Ortega empfangen wurde, der sich mit ihr ablichten ließ und ihr ein Versprechen gab. Die Begegnung wurde vom Fotoreporter Oscar Cantarero Altamirano festgehalten.

Von 1979 bis 1990 regierte Comandante Ortega, Chef der der marxistischen Guerillaorganisation Sandinistische Befreiungsfront FSLN, Nicaragua ein erstes Mal. Damals machte er das Land zur sozialistischen Diktatur mit engen Kontakten zur Sowjetunion (und zur westeuropäischen Neuen Linken). 2006 gelang Ortega und der FSLN, die er inzwischen in eine Partei umgewandelt hatte, überraschend und diesmal demokratisch die Rückkehr an die Macht. Die bürgerlichen Parteien waren zerstritten und ein aussichtsreicher Kandidat überraschend verstorben. So war es möglich, daß Ortega mit nur 38 Prozent der Stimmen zum Staats- und Regierungschef gewählt wurde. Seither ist er fest entschlossen, die Macht nicht mehr abzugeben. Zu diesem Zweck etablierte er schrittweise ein autoritäres und repressives Regime.

Die Sandinisten arbeiteten eng mit der marxistischen Befreiungstheologie zusammen, während sie zugleich die Kirche unterdrückten. Das geschieht auch heute wieder. Während Papst Franziskus von Diktator Ortega als „Freund“ bezeichnet wird und eine Reihe von Befreiungstheologen rehabilitierte, wird die Kirche des Landes von den „Freunden“ des Papstes verfolgt.

Im März wurde der Apostolische Nuntius Waldemar Sommertag des Landes verwiesen. Nun traf das gleiche Schicksal die Missionarinnen der Nächstenliebe.

Ortega hatte 1986 Mutter Teresa von Kalkutta versprochen, die Arbeit der Missionarinnen der Nächstenliebe für die Armen und Leidenden zu unterstützen, und das Foto mit der inzwischen heiliggesprochenen Ordensfrau gerne herumgezeigt.

Am Mittwoch gab die Costaricanische Bischofskonferenz bekannt, 18 Missionarinnen der Nächstenliebe aufgenommen zu haben, die aus Nicaragua vertrieben wurden.

Das Ortega-Regime hatte zuvor das Werk der Ordensfrauen zusammen mit 100 anderen Nichtregierungsorganisationen aufgelöst und verboten. In einer Dringlichkeitssitzung hatte die Nationalversammlung, das nicaraguanische Parlament, am 29. Juni dem Vorschlag der Regierung ohne Debatte zugestimmt. Seit den nicht wirklich freien Wahlen am 7. November 2021 kontrollieren die Sandinisten 75 von 90 Parlamentssitzen.

Die Missionarinnen der Nächstenliebe unterhielten in Nicaragua einen Kindergarten, ein Heim für mißbrauchte oder verlassene Mädchen und ein Altenheim, das bereits am 15. Juni geschlossen wurde.

Laut einem Bericht der Generaldirektion für die Registrierung und Kontrolle gemeinnütziger Organisationen des nicaraguanischen Innenministeriums seien die Missionarinnen der Nächstenliebe ihren Verpflichtungen aus dem Gesetz über Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Finanzierung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen nicht nachgekommen. Ein fadenscheiniger Vorwand, unter dem auch zahlreiche andere Nichtregierungsorganisationen aufgelöst wurden, die dem Regime nicht genehm waren.

Nachdem die Ordensfrauen 35 Jahre im Land gewirkt hatten, von Ortega selbst ins Land gelassen, behauptete die jetzige Ortega-Regierung zudem, die Missionarinnen hätten nicht über die nötige Erlaubnis verfügt, einen Kindergarten und die anderen Einrichtungen zu führen. Sie hätten nur eine Erlaubnis besessen, „Nachhilfeunterricht“ zu erteilen.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren wurden von den Sandinisten 858 Nichtregierungsorganisationen verboten. Anlaß war der Ausbruch einer Volksrevolte 2018 gegen die Sozialversicherungsreform, die als Putschversuch Ortegas gilt.

Seit April 2018 befindet sich Nicaragua in einer politischen und sozialen Krise. Bei den Protesten wurden Hunderte von Menschen von Polizei, Militär und sandinistischen Milizen getötet. Ortega und den Sandinisten wird Wahlbetrug und die Errichtung einer Diktatur vorgeworfen.

Auch Bischöfe gehören zu den Opfern der Repression. Ein Oberhirte, der die Regierung zu laut kritisierte, wurde von Papst Franziskus emeritiert. Eine besondere Zielscheibe des Regimes ist derzeit Bischof Rolando Álvarez von Matagalpa.

Bischof Manuel Eugenio Salazar Mora von Tilarán-Liberia in Costa Rica empfängt die vertriebenen Ordensfrauen, die in seinem Bistum vorerst Aufnahme fanden.

Quelle: katholisches, G.N. Bild: El 19/Twitter/Diocesis de Tilarán-Liberia (Screenshots)