Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wehrt sich gegen jede Anklage des Schismas und betrachtet, gestützt auf die gesamte traditionelle Theologie und die konstante Lehre der Kirche, dass eine vom Heiligen Stuhl nicht autorisierte Bischofsweihe, wenn sie weder von einer schismatischen Absicht noch von der Zuteilung der Jurisdiktion begleitet wird, keinen Bruch mit der Gemeinschaft der Kirche darstellt.
Die Konstitution Lumen gentium über die Kirche legt im Kapitel III, Nr. 21, dar, dass durch die Bischofsweihe die Jurisdiktionsgewalt zusammen mit der Weihegewalt verliehen wird. Das Dekret Christus Dominus über die pastorale Aufgabe der Bischöfe in der Kirche legt dasselbe in seiner Präambel, Nr. 3, dar. Und diese Aussage wird vom Codex Iuris Canonici von 1983 in Kanon 375 § 2 aufgegriffen. Nun hängt in der Kirche der Empfang der bischöflichen Jurisdiktionsgewalt nach göttlichem Recht vom Willen des Papstes ab, und das Schisma wird genau als jener Akt, durch den sich jemand eine Jurisdiktion autonom aneignet, ohne Rücksicht auf den Willen des Papstes. Deshalb wäre nach diesen Dokumenten eine Bischofsweihe, die gegen den Willen des Papstes vollzogen wird, notwendigerweise ein schismatischer Akt.
Diese Argumentation mit der Schlussfolgerung, die zukünftigen Bischofsweihen innerhalb der Bruderschaft seien schismatisch, beruht vollständig auf dem Postulat des II. Vatikanischen Konzils, wonach die Bischofsweihe zugleich die Weihegewalt und die Jurisdiktionsgewalt verleiht.
Nach Ansicht von Hirten und Theologen, deren Autorität zur Zeit des II. Vatikanischen Konzils anerkannt war, ist dieses Postulat jedoch nicht traditionell und entbehrt einer soliden Grundlage. Während des Konzils haben Kardinal Browne, Mgr. Luigi Carli das in ihren schriftlichen Bemerkungen zum Schema der zukünftigen Konstitution Lumen gentium demonstriert. Ebenso Mgr. Dino Staffa, der sich dabei auf die gesichertsten Daten der Tradition stützte.
Pius XII. hat bei drei Gelegenheiten – 1943 in Mystici corporis, 1954 in Ad Sinarum gentem und 1958 in Ad apostolorum principis – erklärt, dass die ordentliche bischöfliche Regierungsgewalt, die die Bischöfe innehaben und unter der Autorität des Obersten Hirten ausüben, ihnen unmittelbar – das heißt ohne Vermittlung durch die Bischofsweihe – durch denselben Obersten Hirten verliehen wird: „immediate sibi ab eodem Pontifice Summo impertita“. Wenn diese Vollmacht ihnen unmittelbar durch den alleinigen Akt des Willens des Papstes verliehen wird, ist nicht zu sehen, wie sie aus dem Sakrament hervorgehen könnte.
Dies gilt umso mehr, als die Mehrheit der Theologen und Kanonisten absolut bestreitet, dass die Bischofsweihe die Jurisdiktionsgewalt verleiht.
Und die Disziplin der Kirche steht im Widerspruch zu dieser These. In der Tat: Wenn die Jurisdiktionsgewalt durch die Weihe verliehen würde, wie könnte es dann sein, dass ein gewählter Papst, der noch nicht zum Bischof geweiht wurde, bereits im Augenblick der Annahme seiner Wahl nach göttlichem Recht die Fülle der Jurisdiktionsgewalt sowie die Unfehlbarkeit besitzt? Derselben Logik folgend: Wenn es die Weihe wäre, die die Jurisdiktion verleiht, so hätten residierende Bischöfe, die zwar ernannt, aber noch nicht geweiht sind, keinerlei Jurisdiktionsgewaltund kein Recht, in einem Konzil zu sitzen – obwohl sie doch bereits als wahre Hirten an der Spitze ihrer Diözese stehen. Tatsächlich besitzen sie beide Vorrechte bereits vor ihrer Bischofsweihe. Was wiederum die Titularbischöfe betrifft, die über keine Autorität in einer Diözese verfügen, so wären sie über Jahrhunderte hinweg der Ausübung einer Jurisdiktionsgewalt beraubt gewesen, die sie laut Lumen Gentium kraft ihrer Weihe empfangen hätten.
Auf den Einwand, dass die Weihe bereits eine Jurisdiktionsgewalt im eigentlichen Sinne verleihe, die jedoch des Eingreifens des Papstes bedürfe, um konkret ausgeübt werden zu können, antworten wir, dass diese Unterscheidung künstlich ist. Denn Pius XII. sagt ausdrücklich, dass es die Jurisdiktionsgewalt in ihrem Wesen ist, die unmittelbar durch den Papst mitgeteilt wird; dieser begnügt sich also nicht damit, lediglich eine erforderliche Bedingung für die rechte Ausübung dieser Gewalt zu schaffen.
Die Bischöfe, die am 1. Juli dieses Jahres als Weihbischöfe der Bruderschaft geweiht werden, maßen sich daher keinerlei Jurisdiktion gegen den Willen des Papstes an und sind keineswegs Schismatiker.
Mit Blick auf die islamistische Gewalt und Unsicherheit im Land drängen die nigerianischen Bischöfe auf mehr Schutz für die Bevölkerung.
„Wir unterstützen die Maßnahmen von Präsident Bola Ahmed Tinubu zur Bewältigung der Sicherheitskrise, aber es muss noch mehr getan werden“, erklärten die nigerianischen Bischöfe zum Ende ihrer Plenarversammlung am Donnerstag in Abuja. Es müsse mehr Sicherheitspersonal zum Schutz der Bevölkerung eingesetzt werden und ein nationaler Sicherheitsnotstand ausgerufen werden, gibt Fides Inhalte einer Erklärung der Bischöfe wieder.
Anhaltende islamistisch motivierte Massenmorde
Die Bischöfe erinnern an die anhaltenden „Massenmorde in verschiedenen Gemeinden, insbesondere in den Dörfern Woro und Nuku im Bundesstaat Kwara, wo über 200 Christen von Dutzenden islamistischer Dschihadisten brutal ermordet wurden, weil sie sich weigerten, zum Islam zu konvertieren.“ Insbesondere in Nord- und Zentralnigeria sei es zu Angriffen und Massenmorden an zahlreichen Studenten, Schülern und Gläubigen gekommen, Bauern könnten nicht mehr arbeiten, viele Menschen seien geflohen.
Zügige Strafverfolgung nötig
Neben der Verbesserung der Geheimdienststrukturen und der technischen Ausrüstung der Sicherheitskräfte fordern die Bischöfe ein zügiges Vorgehen, um die Täter und ihre Komplizen vor Gericht zu bringen. „Die Regierung macht sich mitschuldig, wenn es zu Verzögerungen bei der Strafverfolgung verhafteter Terroristen kommt oder wenn sogenannte Reumütige, die mit Boko Haram und anderen Kriminellen in Verbindung stehen, begnadigt und wieder in die Sicherheitskräfte aufgenommen werden.“
Mit Blick auf „externe Hilfe“ äußern sich die Bischöfe besorgt. „Obwohl externe Hilfe lobenswert und willkommen ist, liegen die Sicherheit und das Schicksal unserer Nation in unseren Händen, und wir haben die Mittel, sie mit Gottes Hilfe zu erreichen“, erklären sie, ohne die Trump-Administration explizit zu nennen. Die USA haben etwa 200 „Militärberater“ zur Bekämpfung dschihadistischer islamistischer Gruppen nach Nigeria entsandt.
Jesuit vor 80 Jahren nach Schauprozess hingerichtet
Märtyrer des Monats für März 2026
Giovanni Fausti wurde am 19. Oktober 1899 in dem lombardischen Ort Brozzo nahe Brescia als Ältester von zwölf Geschwistern geboren. Schon früh zeichnete er sich durch Glaubenstiefe aus und fiel durch seine Begabungen auf; ein Onkel, der selbst Priester war, unterstützte seine Berufung.
Während seiner Schulzeit freundete sich Fausti mit dem nur zwei Jahre älteren Giovanni Battista Montini an, dem späteren Papst Paul VI. (1897 bis 1978). Nachdem Fausti das Priesterseminar in Brescia besucht, im Ersten Weltkrieg Militärdienst geleistet und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom ein Studium der Theologie absolviert hatte, empfing er bereits im Alter von 22 Jahren aufgrund einer besonderen Erlaubnis am 9. Juli 1922 die Priesterweihe; zwei Jahre darauf trat er in das Noviziat der Jesuiten ein.
Im Jahr 1929 entsandte ihn sein Orden nach Albanien, das seit den beiden Tirana-Pakten 1926 und 1927 eng mit Italien verflochten war. Dort durfte Fausti im Norden in der Stadt Shkodra (auf Albanisch Shkodër) als Dozent das Fach Philosophie am Priesterseminar lehren.
Er kehrte jedoch 1932 nach Italien zurück, wo er sich ärztlicher Behandlungen unterziehen musste und wiederum zu einer Lehrtätigkeit berufen wurde. Im lombardischen Mantua übertrug ihm sein Orden die Leitung der örtlichen Jesuitenkommunität.
Im Jahr 1942 ging Fausti zurück nach Albanien. In Shkodra wirkte er als Rektor des Seminars.
Es ist überliefert, dass dem Priester auch besonders die Hilfe für Notleidende am Herzen lag, ungeachtet ihrer religiösen oder nationalen Zugehörigkeit. Albanien war von 1939 bis September 1943 unter italienischer Okkupation; danach besetzten Einheiten der deutschen Wehrmacht bis Herbst 1944 das Balkanland.
Am 11. Januar 1946 rief Enver Hoxha, Vorsitzender der Kommunistischen Partei, die Sozialistische Volksrepublik Albanien aus und blieb deren Staats- und Parteichef bis zu seinem Tod im April 1985.
Aufgrund seines Engagements aus dem Glauben heraus geriet der Jesuit schließlich ins Fadenkreuz der kommunistisch-atheistischen Diktatur. Am 31. Dezember 1945 wurde er aufgrund von Vorwürfen wie „Spionagetätigkeit für den Vatikan“ und „Verrat Albaniens“ festgenommen.
In einem Schauprozess wurden er und weitere Angeklagte am 22. Februar 1946 zum Tode verurteilt.
Die Bestätigung des Urteils durch Enver Hoxha traf am 2. März 1946 vor Ort ein. Zwei Tage darauf wurde Pater Giovanni Fausti um sechs Uhr morgens zusammen mit sechs weiteren Gläubigen – mit Pater Daniel Dajani, einem weiteren Priester, einem Seminaristen und drei katholischen Laien – bei einem Friedhof in der Nähe von Shkodra durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Die Beisetzung erfolgte in einem Massengrab.
Die letzten Worte Pater Faustis, der seine Mitverurteilten mit der Hoffnung, die er aus seinem Glauben schöpfte, zu trösten versuchte, sind wie folgt überliefert: „Ich bin darüber glücklich, in der Ausübung meiner Pflicht zu sterben. Grüßt die Jesuiten, die Diakone, Priester und den Erzbischof von mir.“
Ein letzter Ausruf erschallte von allen Verurteilten zusammen an der Hinrichtungsstätte: „Es lebe Christus, der König, es lebe Albanien!“
Am 5. November 2016 wurde Pater Fausti zusammen mit 37 weiteren Märtyrern Albaniens von Kardinal Angelo Amato in der Kathedrale von Shkodra seliggesprochen.
Quellen: Erzbistum Shkodra-Pult / Gesellschaft Jesu (Porträtfoto)
Seine Exzellenz Bischof Athanasius Schneider (Screenshot)
Seine Exzellenz Bischof Athanasius Schneider, Weihbischof des Erzbistums Santa Maria in Astana (Kasachstan), hat einen Appell an Papst Leo XIV. gerichtet, nachdem die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) angekündigt hat, dass sie mit neuen Bischofsweihen fortfahren wird, trotz der vatikanischen Warnung, dass dies einen „entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma)“ bedeuten würde.
In dem Exklusivbeitrag von Diane Montagna auf Substack bittet der Prälat, der Visitator des Vatikans für die Seminare der Bruderschaft war, den Heiligen Vater um eine Geste der pastoralen Weite und Einheit. Er warnt davor, dass das Versäumen dieses „wahrlich providentiellen Moments“ eine „unnötige und schmerzhafte“ Spaltung zwischen Rom und der FSSPX festigen könnte.
Im Folgenden bringen wir den vollständigen Text des Appells von Mons. Athanasius Schneider an Papst Leo XIV:
Ein brüderlicher Appell an Papst Leo XIV., eine Brücke zur FSSPX zu bauen
Die aktuelle Situation um die Bischofsweihen in der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) hat plötzlich die gesamte Kirche aufgeschreckt. In einer außergewöhnlich kurzen Frist nach der Ankündigung vom 2. Februar, dass die FSSPX mit diesen Weihen fortfahren wird, hat sich ein intensives und oft emotional aufgeladenes Debattieren in weiten Kreisen der katholischen Welt entzündet. Das Spektrum der Stimmen in dieser Debatte reicht von Verständnis, Wohlwollen, neutraler Beobachtung und gesundem Menschenverstand bis hin zu irrationaler Ablehnung, kategorischer Verurteilung und sogar offener Feindschaft. Obwohl es Grund zur Hoffnung gibt und es keineswegs unrealistisch ist, dass Papst Leo XIV. die Bischofsweihen tatsächlich genehmigen könnte, werden bereits im Internet Entwürfe einer Exkommunikationsbulle gegen die FSSPX vorgeschlagen.
Die negativen Reaktionen, obwohl oft gut gemeint, offenbaren, dass der Kern des Problems noch nicht mit ausreichender Ehrlichkeit und Klarheit erkannt wurde. Es besteht die Tendenz, an der Oberfläche zu bleiben. Die Prioritäten im Leben der Kirche werden umgekehrt, indem die kanonische und juristische Dimension, also ein gewisser juristischer Positivismus, zum obersten Kriterium erhoben wird. Zudem fehlt manchmal das historische Bewusstsein hinsichtlich der Praxis der Kirche bezüglich bischöflicher Ordinationen. So wird „Ungehorsam“ allzu leicht mit Schisma gleichgesetzt. Die Kriterien der bischöflichen Gemeinschaft mit dem Papst und damit das Verständnis dessen, was wirklich ein Schisma ausmacht, werden übermäßig einseitig betrachtet, wenn man sie mit der Praxis und dem Selbstverständnis der Kirche in der patristischen Ära, der Zeit der Kirchenväter, vergleicht.
In dieser Debatte werden neue Quasi-Dogmen etabliert, die im Depositum fidei nicht existieren. Diese Quasi-Dogmen behaupten, dass die Zustimmung des Papstes zur Weihe eines Bischofs von göttlichem Recht ist und dass eine Weihe ohne diese Zustimmung, oder sogar gegen ein päpstliches Verbot, an sich ein schismatischer Akt ist. Die Praxis und das Verständnis der Kirche in der Zeit der Väter und über einen langen Zeitraum danach sprechen jedoch gegen diese Sichtweise. Zudem gibt es unter den anerkannten Theologen der zweitausendjährigen Tradition der Kirche keine Einstimmigkeit zu dieser Frage. Jahrhunderte kirchlicher Praxis sowie das traditionelle Kirchenrecht widersprechen ebenfalls solchen absolutierenden Behauptungen. Nach dem Codex des Kirchenrechts von 1917 wurde eine bischöfliche Weihe gegen den Willen des Papstes nicht mit Exkommunikation, sondern lediglich mit Suspension bestraft. Damit machte die Kirche deutlich, dass sie einen solchen Akt nicht als schismatisch ansah.
Die Annahme des päpstlichen Primats als offenbarte Wahrheit wird oft mit den konkreten Formen, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben, verwechselt, durch die ein Bischof seine hierarchische Einheit mit dem Papst ausdrückt. An den Primat des Papstes zu glauben, den legitimen Papst anzuerkennen, sich mit ihm an alles zu halten, was die Kirche unfehlbar und definitiv gelehrt hat, und die Gültigkeit der sakramentalen Liturgie zu wahren, ist von göttlichem Recht. Eine reduktionistische Sicht jedoch, die Gehorsamslosigkeit gegenüber einem päpstlichen Befehl mit Schisma gleichsetzt, sogar im Fall einer bischöflichen Weihe gegen seinen Willen, war den Kirchenvätern und dem traditionellen Kirchenrecht fremd. Zum Beispiel gehorchte der heilige Athanasius im Jahr 357 dem Befehl von Papst Liberius nicht, der ihm auftrug, in hierarchische Gemeinschaft mit der überwältigenden Mehrheit des Episkopats einzutreten, die in Wirklichkeit arianisch oder semi-arianisch war. Als Folge wurde er exkommuniziert. In diesem Fall gehorchte der heilige Athanasius aus Liebe zur Kirche und zur Ehre des Apostolischen Stuhls nicht, um gerade die Reinheit der Lehre vor jeder Vermutung von Mehrdeutigkeit zu wahren.
Im ersten Jahrtausend des Kirchenlebens wurden bischöfliche Weihen in der Regel ohne formelle Erlaubnis des Papstes vorgenommen, und es wurde nicht verlangt, dass die Kandidaten von ihm genehmigt wurden. Die erste kanonische Regelung über bischöfliche Weihen, erlassen von einem Ökumenischen Konzil, war die von Nicäa im Jahr 325, die verlangte, dass ein neuer Bischof mit der Zustimmung der Mehrheit der Bischöfe der Provinz geweiht werde. Kurz vor seinem Tod, in einer Zeit doktrinaler Verwirrung, wählte und weihte der heilige Athanasius persönlich seinen Nachfolger, den heiligen Petrus von Alexandria, um sicherzustellen, dass kein ungeeigneter oder schwacher Kandidat das Bischofsamt übernahm. Ähnlich weihte der Diener Gottes Kardinal Iosif Slipyj im Jahr 1977 heimlich drei Bischöfe in Rom ohne die Genehmigung von Papst Paul VI., in vollem Bewusstsein, dass der Papst es aufgrund der vatikanischen Ostpolitik jener Zeit nicht erlauben würde. Dennoch, als Rom von diesen geheimen Weihen erfuhr, wurde keine Exkommunikationsstrafe verhängt.
Um Missverständnisse zu vermeiden, in normalen Umständen – wenn es weder doktrinale Verwirrung noch eine Zeit außergewöhnlicher Verfolgung gibt -, sollte man natürlich alles tun, um die kanonischen Normen der Kirche zu befolgen und dem Papst in seinen gerechten Verfügungen zu gehorchen, um die kirchliche Einheit effektiver und sichtbarer zu wahren.
Aber die Situation im Leben der Kirche heute kann mit folgender Parabel illustriert werden: In einem großen Haus bricht ein Feuer aus. Der Feuerwehrchef erlaubt nur die Nutzung einer neuen Feuerlösch-Ausrüstung, obwohl sich gezeigt hat, dass sie weniger wirksam ist als die alten und bewährten Werkzeuge. Eine Gruppe von Feuerwehrleuten gehorcht diesem Befehl nicht und setzt weiterhin die bewährte und erprobte Ausrüstung ein – und tatsächlich wird das Feuer an vielen Stellen eingedämmt -. Diese Feuerwehrleute werden jedoch als Gehorsamslose und Schismatiker bezeichnet und bestraft.
Um die Metapher weiter auszudehnen: Der Feuerwehrchef erlaubt nur denen zu handeln, die die neue Ausrüstung anerkennen, den neuen Feuerwehrregeln folgen und den neuen Vorschriften der Wache gehorchen. Aber angesichts der offensichtlichen Größe des Feuers, des verzweifelten Kampfes dagegen und der Unzulänglichkeit der offiziellen Ausrüstung greifen andere Helfer – trotz des Verbots des Chefs – selbstlos mit Geschick, Wissen und guter Absicht ein und tragen letztlich zum Erfolg der Bemühungen des Feuerwehrchefs selbst bei.
Vor einem so rigiden und unverständlichen Verhalten ergeben sich zwei mögliche Erklärungen: Entweder leugnet der Feuerwehrchef die Schwere des Feuers, wie in der französischen Komödie Tout va très bien, Madame la Marquise!; oder er wünscht sich in Wirklichkeit, dass große Teile des Hauses abbrennen, um es danach nach einem neuen Entwurf wieder aufzubauen.
Die aktuelle Krise um die angekündigten – aber noch nicht genehmigten – bischöflichen Weihen in der FSSPX legt vor den Augen der gesamten Kirche eine Wunde offen, die seit mehr als sechzig Jahren schlummert. Diese Wunde kann bildlich als kirchlicher Krebs beschrieben werden – konkret als der kirchliche Krebs der doktrinalen und liturgischen Mehrdeutigkeiten -.
Kürzlich erschien ein ausgezeichneter Artikel im Blog Rorate Caeli, geschrieben mit seltener theologischer Klarheit und intellektueller Ehrlichkeit, unter dem Titel: „Der lange Schatten des Vaticanum II: Die Mehrdeutigkeit als kirchlicher Krebs“ (Canon of Shaftesbury: Rorate Caeli, 10. Februar 2026). Das fundamentale Problem einiger mehrdeutiger Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils besteht darin, dass das Konzil einen pastoralen Ton der doktrinalen Präzision vorzog. Man kann dem Autor zustimmen, wenn er sagt:
„Das Problem ist nicht, dass das Vaticanum II häretisch war. Das Problem ist, dass es mehrdeutig war. Und in dieser Mehrdeutigkeit haben wir die Samen der Verwirrung gesehen, die in einigen der besorgniserregendsten theologischen Entwicklungen in der modernen Geschichte der Kirche aufgeblüht sind. Wenn die Kirche in vagen Begriffen spricht, auch wenn es unwillkürlich ist, stehen Seelen auf dem Spiel“.
Der Autor fährt fort:
„Wenn eine ‚Entwicklung‘ der Lehre das Vorherige zu widersprechen scheint oder Jahrzehnte theologischer Gymnastik erfordert, um mit der vorherigen magistrialen Lehre versöhnt zu werden, müssen wir uns fragen: Ist das Entwicklung oder Bruch, der als Entwicklung getarnt ist?“ (Canon of Shaftesbury: Rorate Caeli, 10. Februar 2026).
Es ist vernünftig anzunehmen, dass die FSSPX nichts anderes wünscht, als der Kirche zu helfen, aus dieser Mehrdeutigkeit in Lehre und Liturgie herauszukommen und ihre ewige Klarheit wiederzuentdecken, wie das Magisterium der Kirche unter der Führung der Päpste es durch die Geschichte hindurch unzweideutig getan hat, nach jeder Krise, die von Verwirrung und doktrinaler Mehrdeutigkeit geprägt war.
Tatsächlich sollte der Heilige Stuhl der FSSPX dankbar sein, denn sie ist derzeit fast die einzige große kirchliche Realität, die offen und öffentlich auf die Existenz ambiger und täuschender Elemente in bestimmten Aussagen des Konzils und des Novus Ordo Missae hinweist. In diesem Bemühen wird die FSSPX von einer aufrichtigen Liebe zur Kirche geleitet: Wenn sie die Kirche, den Papst und die Seelen nicht lieben würde, würde sie diese Arbeit nicht auf sich nehmen, noch mit den römischen Autoritäten dialogisieren und zweifellos ein einfacheres Leben haben.
Die folgenden Worte des Erzbischofs Marcel Lefebvre sind tief bewegend und spiegeln die Haltung der aktuellen Führung und der Mehrheit der Mitglieder der FSSPX wider:
„Wir glauben an Petrus, wir glauben an den Nachfolger Petri! Aber wie Papst Pius IX in seiner dogmatischen Konstitution richtig sagt, hat der Papst den Heiligen Geist nicht empfangen, um neue Wahrheiten zu machen, sondern um uns in dem Glauben aller Zeiten zu erhalten. Das ist die Definition des Papstes, die im Moment des Ersten Vatikanischen Konzils von Papst Pius IX gemacht wurde. Und deshalb sind wir überzeugt, dass wir durch das Bewahren dieser Traditionen unsere Liebe, unsere Gehorsamkeit, unseren Gehorsam gegenüber dem Nachfolger Petri zum Ausdruck bringen. Wir können nicht gleichgültig bleiben gegenüber der Degradation des Glaubens, der Moral und der Liturgie. Das ist ausgeschlossen! Wir wollen uns nicht von der Kirche trennen; im Gegenteil, wir wollen, dass die Kirche weiterbesteht!“
Wenn jemand Schwierigkeiten mit dem Papst als eines seiner größten geistlichen Leiden empfindet, ist das an sich ein beredter Beweis dafür, dass keine schismatische Absicht besteht. Wahre Schismatiker prahlen sogar mit ihrer Trennung vom Apostolischen Stuhl. Wahre Schismatiker würden den Papst nie demütig bitten, ihre Bischöfe anzuerkennen.
Wie tief katholisch sind dann die folgenden Worte des Erzbischofs Marcel Lefebvre:
„Es tut uns unendlich leid, es ist ein immenser Schmerz für uns, zu denken, dass wir in Schwierigkeiten mit Rom stehen wegen unseres Glaubens. Wie ist das möglich? Es ist etwas, das die Vorstellungskraft übersteigt, etwas, das wir nie hätten vorstellen oder glauben können, besonders in unserer Kindheit —als alles einheitlich war, als die gesamte Kirche an ihre allgemeine Einheit glaubte und den gleichen Glauben, die gleichen Sakramente, das gleiche Messopfer, den gleichen Katechismus aufrechterhielt—.“
Wir müssen ehrlich die offensichtlichen Mehrdeutigkeiten in Bezug auf religiöse Freiheit, Ökumenismus und Kollegialität sowie die doktrinalen Ungenauigkeiten des Novus Ordo Missae untersuchen. In dieser Hinsicht ist es ratsam, das kürzlich veröffentlichte Buch des Archimandriten Bonifacio Luykx zu lesen, eines konziliaren Experten und anerkannten Liturgie-Wissenschaftlers, mit seinem beredten Titel Eine breitere Sicht auf das Vaticanum II. Erinnerungen und Analysen eines Konzilsberaters.
Wie G. K. Chesterton einmal sagte: „Beim Betreten der Kirche wird von uns verlangt, den Hut abzunehmen, nicht den Kopf.“ Es wäre eine Tragödie, wenn die FSSPX vollständig isoliert würde, und die Verantwortung für eine solche Spaltung läge hauptsächlich beim Heiligen Stuhl. Der Heilige Stuhl sollte die FSSPX aufnehmen, ihr mindestens einen minimalen Grad kirchlicher Integration bieten und dann den doktrinalen Dialog fortsetzen. Der Heilige Stuhl hat eine bemerkenswerte Großzügigkeit gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas gezeigt, indem er ihr die Auswahl von Bischofskandidaten erlaubt; jedoch werden seine eigenen Kinder, die Tausende und Abertausende Gläubigen der FSSPX, wie Bürger zweiter Klasse behandelt.
Der FSSPX sollte es erlaubt werden, einen theologischen Beitrag zu leisten, um jene Aussagen in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils zu klären, zu ergänzen und, falls nötig, zu korrigieren, die doktrinale Zweifel und Schwierigkeiten hervorrufen. Es muss auch berücksichtigt werden, dass in diesen Texten das Magisterium der Kirche nicht beabsichtigte, dogmatische Definitionen mit dem Charakter der Unfehlbarkeit zu verkünden (vgl. Paul VI., Generalaudienz, 12. Januar 1966).
Die FSSPX leistet genau dieselbe Professio fidei, die die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils leisteten, bekannt als die Professio fidei tridentino-vatikanische. Wenn, nach den expliziten Worten von Papst Paul VI., das Zweite Vatikanische Konzil keine definitive Lehre vorlegte, noch die Absicht hatte, dies zu tun, und wenn der Glaube der Kirche vor, während und nach dem Konzil derselbe bleibt, warum sollte dann die Glaubensprofession, die in der Kirche bis 1967 gültig war, plötzlich nicht mehr als gültiges Zeichen authentischen katholischen Glaubens gelten?
Dennoch wird die Professio fidei tridentino-vatikanische vom Heiligen Stuhl als unzureichend für die FSSPX betrachtet. Würde die Professio fidei tridentino-vatikanische nicht tatsächlich das „Minimum“ für die kirchliche Gemeinschaft darstellen? Wenn das kein Minimum ist, was dann, ehrlich gesagt, als „Minimum“ qualifiziert? Der FSSPX wird als conditio sine qua non auferlegt, eine Professio fidei zu leisten, durch die die pastoralen —und nicht definitiven— Lehren des letzten Konzils und des nachfolgenden Magisteriums akzeptiert werden müssen. Wenn dies wirklich das sogenannte „minimale Erfordernis“ ist, scheint Kardinal Víctor Fernández mit Worten zu spielen.
Papst Leo XIV erklärte bei den ökumenischen Vespern am 25. Januar 2026, zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen, dass bereits Einheit zwischen Katholiken und nicht-katholischen Christen besteht, weil sie das Minimum des christlichen Glaubens teilen: „Wir teilen denselben Glauben an den einen wahren Gott, Vater aller; wir bekennen gemeinsam den einen Herrn und wahren Sohn Gottes, Jesus Christus, und den einen Heiligen Geist, der uns inspiriert und uns zur vollen Einheit und zum gemeinsamen Zeugnis des Evangeliums antreibt“ (Apostolisches Schreiben In Unitate Fidei, 23. November 2025, 12). Er erklärte ferner: „Wir sind eins! Wir sind es bereits! Lasst uns es anerkennen, erleben und sichtbar machen!“
Weitere provisorische pastorale Maßnahmen für die FSSPX zum geistlichen Wohl so vieler vorbildlicher katholischer Gläubiger würden ein tiefes Zeugnis der pastoralen Nächstenliebe des Nachfolgers Petri darstellen. Auf diese Weise würde Papst Leo XIV sein väterliches Herz für jene Katholiken öffnen, die in gewisser Weise am Rande der Kirche leben, und ihnen ermöglichen, zu erfahren, dass der Apostolische Stuhl wahrhaftig auch Mutter für die FSSPX ist.
Die Worte von Papst Benedikt XVI. sollten das Gewissen jener im Vatikan wecken, die über die Genehmigung für die bischöflichen Weihen der FSSPX entscheiden werden. Er erinnert uns:
„Wenn man auf die Spaltungen zurückblickt, die im Laufe der Jahrhunderte den Leib Christi zerrissen haben, hat man fortwährend den Eindruck, dass in den kritischen Momenten, in denen die Spaltungen geschahen, von seiten der Verantwortlichen in der Kirche nicht genug getan wurde, um die Versöhnung und Einheit zu bewahren oder wiederherzustellen. Man hat den Eindruck, dass Versäumnisse seitens der Kirche ihren Anteil an der Schuld daran haben, dass diese Spaltungen sich festigen konnten. Dieser Rückblick in die Vergangenheit legt uns heute eine Verpflichtung auf: Alles zu tun, damit alle, die wirklich die Einheit wollen, in ihr bleiben oder sie wiedererlangen können“ (Brief an die Bischöfe zum Anlass der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens motu proprio data Summorum Pontificum über die Verwendung der römischen Liturgie vor der Reform von 1970, 7. Juli 2007).
„Können wir einer Gemeinschaft gegenüber, die 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Hochschulinstitute, 117 religiöse Brüder, 164 religiöse Schwestern und Tausende von Laienmitgliedern zählt, völlig gleichgültig sein? Sollen wir sie einfach immer weiter von der Kirche wegdriften lassen? Und sollte nicht die große Kirche sich auch großzügig erlauben, bewusst ihrer großen Weite, bewusst des Versprechens, das ihr gemacht wurde?“ (Brief an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Aufhebung der Exkommunikation der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe, 10. März 2009).[1]
Provisorische und minimale pastorale Maßnahmen für die FSSPX, ergriffen zum geistlichen Wohl der Tausende und Abertausende ihrer Gläubigen weltweit —einschließlich eines päpstlichen Mandats für die bischöflichen Weihen—, würden die notwendigen Bedingungen schaffen, um mit Gelassenheit die Missverständnisse, Fragen und doktrinalen Zweifel zu klären, die aus bestimmten Aussagen in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils und des nachfolgenden päpstlichen Magisteriums entstanden sind. Gleichzeitig würden solche Maßnahmen der FSSPX die Gelegenheit bieten, einen konstruktiven Beitrag zum Wohl der gesamten Kirche zu leisten, indem eine klare Unterscheidung zwischen dem, was zum göttlich offenbarten Glauben und zur definitiv vom Magisterium vorgeschlagenen Lehre gehört, und dem, was primär pastoralen Charakter in konkreten historischen Umständen hat und daher einem sorgfältigen theologischen Studium offensteht, gewahrt wird, wie es immer die Praxis im Leben der Kirche war.
Mit aufrichtiger Sorge um die Einheit der Kirche und das geistliche Wohl so vieler Seelen appelliere ich mit ehrfürchtiger und brüderlicher Nächstenliebe an unseren Heiligen Vater Papst Leo XIV:
Heiligster Vater, erteilen Sie das Apostolische Mandat für die bischöflichen Weihen der FSSPX. Sie sind auch der Vater ihrer zahlreichen Söhne und Töchter —zwei Generationen von Gläubigen, die bislang von der FSSPX versorgt wurden, die den Papst lieben und wahre Söhne und Töchter der Römischen Kirche sein wollen—. Deshalb legen Sie die Voreingenommenheiten anderer beiseite und zeigen Sie mit einem großen väterlichen und wahrhaft augustinischen Geist, dass Sie Brücken bauen, wie Sie es der ganzen Welt versprochen haben, als Sie Ihren ersten Segen nach Ihrer Wahl spendeten. Gehen Sie nicht als der in die Geschichte der Kirche ein, der diese Brücke nicht bauen konnte —eine Brücke, die in diesem wahrlich providentiellen Moment mit großzügigem Willen errichtet werden könnte— und die stattdessen eine wirklich unnötige und schmerzhafte neue Spaltung in der Kirche zuließ, während gleichzeitig synodale Prozesse abliefen, die mit der größten pastoralen Weite und der maximalen kirchlichen Inklusion prahlen. Wie Eure Heiligkeit kürzlich betonte: „Lassen Sie uns uns verpflichten, ökumenische synodale Praktiken weiterzuentwickeln und einander mitzuteilen, wer wir sind, was wir tun und was wir lehren (vgl. Franziskus, Für eine synodale Kirche, 24. November 2024)“ (Homilie von Papst Leo XIV, ökumenische Vespern zur Gebetswoche für die Einheit der Christen, 25. Januar 2026).
Heiligster Vater, wenn Sie das Apostolische Mandat für die bischöflichen Weihen der FSSPX erteilen, verliert die Kirche unserer Zeit nichts. Sie werden ein wahrer Brückenbauer sein, und noch mehr, ein vorbildlicher Brückenbauer, denn Sie sind der Oberste Pontifex, Summus Pontifex.
+ Athanasius Schneider, Weihbischof des Erzbistums Santa Maria in Astana
24. Februar 2026
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[1] Jährliche Statistiken 2026 der FSSPX: Gesamtzahl der Mitglieder: 1.482; Bischöfe: 2; Priester (ohne Bischöfe): 733; Seminaristen (einschließlich derer, die noch kein endgültiges Engagement eingegangen sind): 264; Religiöse Brüder: 145; Oblaten: 88; Religiöse Schwestern: 250; Durchschnittsalter der Mitglieder: 47 Jahre; Bediente Länder: 77; Distrikte und autonome Häuser: 17; Seminare: 5; Schulen: 94 (davon 54 in Frankreich).
Quelle: dianemontagna, Übersetzung: Pater Andreas Endl CFM.SCJ
Priesterseminar der Piusbruderschaft in Écône (Schweiz) DICI CC BY SA 4.0 (Screenshot)
Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. beharrt auf Bischofsweihen – auch ohne päpstlichen Auftrag – am 1. Juli. Die Bedingungen für einen Dialog mit dem Vatikan lehnt die Bruderschaft ab, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben hervorgeht.
Pater Davide Pagliarani FSSPX, der Generalobere der Piusbruderschaft, erklärte, er könne „aus intellektueller Ehrlichkeit und priesterlicher Treue vor Gott und vor den Seelen […] weder die Perspektive noch die Ziele akzeptieren, in deren Namen das Dikasterium in der aktuellen Situation eine Wiederaufnahme des Dialogs vorschlägt, ebenso wenig im Übrigen die Verschiebung des Datums vom 1. Juli.“
Erst in dem Moment, als die Bruderschaft am 2. Februar die Bischofsweihen angekündigt hatte, habe Rom „die Wiederaufnahme eines Dialogs vorgeschlagen, der daher als verzögernd und bedingt erscheint. Tatsächlich begleitet die ausgestreckte Hand der Dialogbereitschaft leider eine andere Hand, die schon bereit ist, Sanktionen zu verhängen.“
Der Vatikan hatte gefordert, die geplanten Bischofsweihen auszusetzen, um überhaupt einen Dialog zu führen. Pagliarani betonte grundsätzlich: „Ich kann die Öffnung für eine lehrmäßige Diskussion, die der Heilige Stuhl heute bekundet hat, nur begrüßen – aus dem einfachen Grund, dass ich selbst diese vor genau sieben Jahren in einem Schreiben vom 17. Januar 2019 vorgeschlagen hatte. Damals hatte das Dikasterium kein echtes Interesse an einer solchen Diskussion gezeigt, mit der – mündlich dargelegten – Begründung, dass eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. unmöglich sei.“
Nun, im Jahr 2026, schrieb Pagliarani seinerseits an Kardinal Víctor Manuel Fernández, den Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre: „Wir beide wissen im Voraus, dass wir uns auf lehrmäßiger Ebene nicht einigen können, insbesondere bezüglich der grundlegenden Orientierungen, die seit dem II. Vatikanischen Konzil eingeschlagen wurden. Dieser Dissens von Seiten der Bruderschaft ergibt sich nicht aus einer einfachen Meinungsverschiedenheit, sondern aus einem echten Gewissenskonflikt, der aus dem erwächst, was sich als Bruch mit der Tradition der Kirche erweist. Dieser komplexe Knoten ist leider durch die lehrmäßigen und pastoralen Entwicklungen im Laufe der jüngsten Pontifikate noch unlösbarer geworden.“
Er sehe nicht, „wie ein gemeinsamer Dialogprozess dazu führen könnte, gemeinsam zu bestimmen, was die ‚Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche‘ ausmachen würden, da – wie Sie selbst in aller Offenheit zum Ausdruck gebracht haben – die Texte des Konzils nicht korrigiert werden können, noch die Legitimität der liturgischen Reform in Frage gestellt werden kann“.
Tatsächlich sei das Zweite Vatikanische Konzil in den letzten 60 Jahren von den Päpsten interpretiert worden, etwa in Enzykliken und anderen Apostolischen Schreiben: „Alle diese Dokumente zeigen, dass der lehrmäßige und pastorale Rahmen, in den der Heilige Stuhl jede Diskussion stellen möchte, bereits festgelegt ist.“
Pagliarani verwies auf den Dialog zwischen der Piusbruderschaft und dem Vatikan, der von 2009 an „zwei Jahre lang besonders intensiv war und bis zum 6. Juni 2017 sporadisch fortgesetzt wurde“. Damals habe man „versucht, das zu erreichen, was das Dikasterium jetzt vorschlägt“.
„Doch alles endete schließlich auf drastische Weise durch eine einseitige Entscheidung des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Müller, der im Juni 2017 auf seine Weise feierlich die ‚notwendigen Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche‘ festlegte, in die er explizit das gesamte Konzil und das ‚Nachkonzil‘ einschloss“, so der Generalobere der FSSPX in seinem Schreiben an Fernández. Das Schreiben von Kardinal Müller veröffentlichte die Bruderschaft ebenfalls am Donnerstag.
Bald nach ihrer Gründung durch Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1970 geriet die Piusbruderschaft in Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie, weil sie an der überlieferten Liturgie festhielt und verschiedene Aspekte des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnte, etwa eine falsch verstandene Religionsfreiheit oder Ökumene. Lefebvre war unter Papst Pius XII. der wichtigste Bischof in ganz Afrika und danach Generaloberer der Spiritaner, einer der wichtigsten Missionsgesellschaften in der Kirchengeschichte.
1988 hatte Erzbischof Lefebvre ohne Erlaubnis aus Rom die Bischöfe Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson geweiht – der Präzedenzfall für die nun angekündigten Bischofsweihen. 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikationen der beteiligten Personen offiziell auf. Williamson wurde später aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen und ist 2025 gestorben. Tissier starb bereits 2024.
Pagliarani hatte am 2. Februar angekündigt, man wolle am 1. Juli neue Bischöfe weihen, um weiterhin alle Sakramente in ihrer traditionellen Form spenden zu können, wie es bis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Kirche üblich war.
Diese Weihen sollen auch ohne päpstliches Mandat erfolgen. Um dies zu verhindern, appellierte der Generalobere der FSSPX in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben an den Vatikan an das Prinzip der „Nächstenliebe gegenüber den Seelen und gegenüber der Kirche“.
Die Piusbruderschaft „bittet Sie lediglich, weiterhin jenes Gute für die Seelen tun zu können, denen sie die heiligen Sakramente spendet. Sie bittet um nichts anderes, kein Privileg, nicht einmal eine kanonische Regularisierung, die im aktuellen Zustand der Dinge aufgrund der lehrmäßigen Divergenzen undurchführbar erscheint. Die Bruderschaft kann die Seelen nicht im Stich lassen. Das Bedürfnis von Weihen ist ein konkretes kurzfristiges Bedürfnis für das Überleben der Tradition, im Dienst der heiligen katholischen Kirche.“
„Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben Papst Franziskus und Sie selbst reichlich das ‚Zuhören‘ und das Verständnis für besondere, komplexe und außergewöhnliche Situationen hervorgehoben, die außerhalb der gewöhnlichen Schemata liegen“, führte Pagliarani aus. „Sie haben auch eine Anwendung des Rechts gewünscht, die immer pastoral, flexibel und vernünftig ist, ohne vorzugeben, alles durch juristische Automatismen und vorgefertigte Schemata lösen zu können. Die Bruderschaft bittet Sie in diesem Augenblick um nichts anderes – und vor allem bittet sie nicht für sich selbst: Sie bittet darum für diese Seelen, die sie, wie bereits dem Heiligen Vater versprochen, zu wahren Kindern der römischen Kirche machen will.“
Die Piusbruderschaft sieht sich weiterhin als Teil der katholischen Kirche und betet in der Messe für den amtierenden Papst, wodurch sie sich vom Sedisvakantismus abgrenzt. Gleichzeitig weigert sie sich, verschiedene Neuerungen – wie sie es sieht – zu akzeptieren, was immer wieder zu Spannungen mit dem Vatikan führt.
Antwort des Generalrats der Priesterbruderschaft St. Pius X an den Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre.
Menzingen, den 18. Februar 2026 Aschermittwoch
Hochwürdigste Eminenz,
zunächst einmal danke ich Ihnen, dass Sie mich am 12. Februar empfangen haben, sowie dafür, dass Sie den Inhalt unseres Treffens öffentlich gemacht haben, was eine vollständige Transparenz in der Kommunikation fördert.
Ich kann die Öffnung für eine lehrmäßige Diskussion, die der Heiligen Stuhl heute bekundet hat, nur begrüßen – aus dem einfachen Grund, dass ich selbst diese vor genau sieben Jahren in einem Schreiben vom 17. Januar 2019 vorgeschlagen hatte.1 Damals hatte das Dikasterium kein echtes Interesse an einer solchen Diskussion gezeigt mit der – mündlich dargelegten – Begründung, dass eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. unmöglich sei.
Von Seiten der Bruderschaft war – und bleibt weiterhin – eine lehrmäßige Diskussion wünschenswert und nützlich. Denn auch wenn man nicht zu einer Übereinkunft gelangt, ermöglicht der brüderliche Austausch, einander besser kennenzulernen, die eigenen Argumente zu präzisieren und zu vertiefen sowie den Geist und die Absichten besser zu erfassen, die hinter den Positionen des Gesprächspartners stehen, insbesondere seine echte Liebe zur Wahrheit, zu den Seelen und zur Kirche. Das gilt zu jeder Zeit für beide Seiten.
Genau das war meine Absicht im Jahr 2019, als ich eine Diskussion in einem ruhigen und friedlichen Moment vorschlug, ohne den Druck oder die Drohung einer möglichen Exkommunikation, die den Dialog etwas weniger frei gemacht hätte – was leider heute der Fall ist.
Gleichwohl freue ich mich natürlich über eine neue Öffnung zum Dialog und eine positive Antwort auf meinen Vorschlag von 2019. Doch aus intellektueller Ehrlichkeit und priesterlicher Treue vor Gott und vor den Seelen kann ich weder die Perspektive noch die Ziele akzeptieren, in deren Namen das Dikasterium in der aktuellen Situation eine Wiederaufnahme des Dialogs vorschlägt, ebenso wenig im Übrigen die Verschiebung des Datums vom 1. Juli.
Ich lege Ihnen respektvoll die Gründe dafür dar, denen ich einige ergänzende Überlegungen hinzufügen werde.
Wir beide wissen im Voraus, dass wir uns auf lehrmäßiger Ebene nicht einigen können, insbesondere bezüglich der grundlegenden Orientierungen, die seit dem II. Vatikanischen Konzil eingeschlagen wurden. Dieser Dissens von Seiten der Bruderschaft ergibt sich nicht aus einer einfachen Meinungsverschiedenheit, sondern aus einem echten Gewissenskonflikt, der aus dem erwächst, was sich als Bruch mit der Tradition der Kirche erweist. Dieser komplexe Knoten ist leider durch die lehrmäßigen und pastoralen Entwicklungen im Laufe der jüngsten Pontifikate noch unlösbarer geworden. Ich sehe daher nicht, wie ein gemeinsamer Dialogprozess dazu führen könnte, gemeinsam zu bestimmen, was die „Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche“ ausmachen würden, da – wie Sie selbst in aller Offenheit zum Ausdruck gebracht haben – die Texte des Konzils nicht korrigiert werden können, noch die Legitimität der liturgischen Reform in Frage gestellt werden kann.
Dieser Dialog soll die Interpretation des II. Vatikanischen Konzils klären. Aber diese ist bereits klar im Anschluss an das Konzil und in den nachfolgenden Dokumenten des Heiligen Stuhls gegeben. Das II. Vatikanische Konzil stellt kein Ensemble von frei interpretierbaren Texten dar: Es wurde seit sechzig Jahren von den aufeinanderfolgenden Päpsten nach präzisen lehrmäßigen und pastoralen Orientierungen aufgenommen, entwickelt und angewandt.Diese offizielle Lesart drückt sich zum Beispiel in herausragenden Texten wie Redemptor hominis, Ut unum sint, Evangelii gaudium oder Amoris lætitia aus. Sie manifestiert sich auch in der liturgischen Reform, verstanden im Licht der in Traditionis custodes bekräftigten Prinzipien. Alle diese Dokumente zeigen, dass der lehrmäßige und pastorale Rahmen, in den der Heilige Stuhl jede Diskussion stellen möchte, bereits festgelegt ist.
Der vorgeschlagene Dialog stellt sich heute unter Umständen dar, die nicht außer Acht gelassen werden können. Tatsächlich haben wir seit sieben Jahren auf eine positive Aufnahme unseres Vorschlags aus dem Jahr 2019 einer lehrmäßigen Diskussion gewartet. Kürzlich haben wir zweimal an den Heiligen Vater geschrieben: Zuerst, um eine Audienz zu erbitten, dann um mit Klarheit und Respekt unsere Bedürfnisse und die konkrete Situation der Bruderschaft darzulegen. Doch nach einem langen Schweigen wird erst in dem Moment, in dem von Bischofsweihen die Rede ist, die Wiederaufnahme eines Dialogs vorgeschlagen, der daher als verzögernd und bedingt erscheint. Tatsächlich begleitet die ausgestreckte Hand der Dialogbereitschaft leider eine andere Hand, die schon bereit ist, Sanktionen zu verhängen. Es ist die Rede vom Bruch der Gemeinschaft, von Schisma2 und von „schwerwiegenden Konsequenzen“. Zudem ist diese Drohung nun öffentlich, was einen Druck erzeugt, der schwer mit einem echten Wunsch nach brüderlichem Austausch und konstruktivem Dialog vereinbar ist.
Zudem erscheint es uns nicht möglich, einen Dialog zu führen, um zu definieren, was die notwendigen Mindestanforderungen für die kirchliche Gemeinschaft wären – ganz einfach deshalb, weil diese Aufgabe uns nicht zusteht. Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Kriterien der Zugehörigkeit zur Kirche vom Lehramt festgelegt und definiert. Was verpflichtend geglaubt werden musste, um katholisch zu sein, wurde immer mit Autorität gelehrt, in beständiger Treue zur Tradition.Daher sieht man nicht, wie diese Kriterien Gegenstand eines gemeinsamen Diskurses sein könnten, noch wie sie heute bis hin zu dem Punkt neu bewertet werden könnten, dass sie nicht mehr dem entsprechen würden, was die Tradition der Kirche immer gelehrt hat und was wir an unserem Platz treu befolgen möchten.
Wenn schließlich ein Dialog angestrebt wird, um bezüglich des II. Vatikanischen Konzils zu einer lehrmäßigen Erklärung zu gelangen, welche die Bruderschaft akzeptieren könnte, dann können wir die historischen Präzedenzfälle der in diesem Sinne unternommenen Bemühungen nicht außer Acht lassen. Ich lenke Ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf den jüngsten: Seit 2009 gab es einen langen Weg des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft, der zwei Jahre lang besonders intensiv war und bis zum 6. Juni 2017 sporadisch fortgesetzt wurde. Während all dieser Jahre hat man versucht, das zu erreichen, was das Dikasterium jetzt vorschlägt. Doch alles endete schließlich auf drastische Weise durch eine einseitige Entscheidung des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Müller, der im Juni 2017 auf seine Weise feierlich die „notwendigen Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche“ festlegte, in die er explizit das gesamte Konzil und das „Nachkonzil“ einschloss.3 Das zeigt, dass ein zu erzwungener Dialog ohne ausreichende Gelassenheit die Situation langfristig eher verschlimmern kann.
Angesichts der gemeinsamen Feststellung, dass wir keine Übereinkunft in der Glaubenslehre finden können, scheint es mir, dass der einzige Punkt, an dem wir zusammenkommen können, jener der Nächstenliebe gegenüber den Seelen und gegenüber der Kirche ist.
Als Kardinal und Bischof sind Sie vor allem ein Hirte: Erlauben Sie mir, mich an Sie in dieser Eigenschaft zu wenden. Die Bruderschaft ist eine objektive Realität: Sie existiert. Deshalb haben die Obersten Hirten im Laufe der Jahre diese Existenz zur Kenntnis genommen und durch konkrete und bedeutsame Akte den Wert des Guten anerkannt, welches sie trotz ihrer kanonischen Situation vollbringen kann. Das ist auch der Grund, warum wir heute miteinander sprechen.
Diese Bruderschaft bittet Sie lediglich, weiterhin jenes Gute für die Seelen tun zu können, denen sie die heiligen Sakramente spendet. Sie bittet um nichts anderes, kein Privileg, nicht einmal eine kanonische Regularisierung, die im aktuellen Zustand der Dinge aufgrund der lehrmäßigen Divergenzen undurchführbar erscheint. Die Bruderschaft kann die Seelen nicht im Stich lassen. Das Bedürfnis von Weihen ist ein konkretes kurzfristiges Bedürfnis für das Überleben der Tradition, im Dienst der heiligen katholischen Kirche.
Wir können in einem Punkt uns einig sein: Keiner von uns wünscht, Wunden wieder aufzureißen. Ich werde hier nicht alles wiederholen, was wir bereits in dem Schreiben an Papst Leo XIV. ausgedrückt haben, von dem Sie direkt Kenntnis haben. Ich betone nur, dass in der gegenwärtigen Situation der einzige wirklich gangbare Weg derjenige der Nächstenliebe ist.
Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben Papst Franziskus und Sie selbst reichlich das „Zuhören“ und das Verständnis für besondere, komplexe und außergewöhnliche Situationen hervorgehoben, die außerhalb der gewöhnlichen Schemata liegen. Sie haben auch eine Anwendung des Rechts gewünscht, die immer pastoral, flexibel und vernünftig ist, ohne vorzugeben, alles durch juristische Automatismen und vorgefertigte Schemata lösen zu können. Die Bruderschaft bittet Sie in diesem Augenblick um nichts anderes – und vor allem bittet sie nicht für sich selbst: Sie bittet darum für diese Seelen, die sie, wie bereits dem Heiligen Vater versprochen, zu wahren Kindern der römischen Kirche machen will.
Schließlich gibt es einen weiteren Punkt, in dem wir ebenfalls übereinstimmen und der uns ermutigen muss: Die Zeit, die uns vom 1. Juli trennt, ist eine Zeit des Gebets. Es ist ein Augenblick, in dem wir vom Himmel eine besondere Gnade und vom Heiligen Stuhl Verständnis erflehen. Ich erbitte besonders für Sie den Heiligen Geist und – fassen Sie es nicht als Provokation auf – die Fürsprache seiner heiligsten Braut, der Mittlerin aller Gnaden.
Ich danke Ihnen aufrichtig für die Aufmerksamkeit, die Sie mir geschenkt haben, und für das Interesse, das Sie dieser Angelegenheit entgegenbringen werden.
Nehmen Sie bitte, hochwürdigste Eminenz, den Ausdruck meiner vorzüglichsten Grüße und meiner Ergebenheit im Herrn entgegen.
Davide Pagliarani, Generaloberer + Alfonso de Galarreta, Erster Generalassistent Christian Bouchacourt, Zweiter Generalassistent + Bernard Fellay, Erster Generalrat, Ehemaliger Generaloberer Franz Schmidberger, Zweiter Generalrat, Ehemaliger Generaloberer
Die jüngsten Terrorangriffe in Nigeria erschüttern Papst Leo XIV.: „Mit Schmerz und Sorge habe ich von den jüngsten Angriffen auf verschiedene Gemeinden in Nigeria erfahren, die schwere Verluste an Menschenleben verursacht haben“, erklärte er bei seinem sonntäglichen Mittagsgebet und sagte weiter:.„Ich versichere alle Opfer von Gewalt und Terrorismus meiner Verbundenheit im Gebet. Ich hoffe, dass die zuständigen Behörden sich weiterhin entschlossen dafür einsetzen, die Sicherheit und den Schutz des Lebens jedes Bürgers zu gewährleisten“, unterstrich der Pontifex mit Blick auf die jüngsten Nachrichten von Entführungen und Massakern in Nigeria. An diesem Wochenende wurde gemeldet, dass im Norden Nigerias bei verschiedenen Attacken erneut mindestens 51 Menschen entführt und sechs Menschen ermordet wurden. Schauplatz der Gewalttaten war der Bundesstaate Kaduna im Norden des Landes mit christlicher Bevölkerungsmehrheit, in der bereits im Januar mehr als 180 Menschen entführt worden waren. Am 3. Februar 2026 hatten hunderte islamistische Extremisten zwei Dörfer im Kwara-Bundesstaat überfallen und etwa 170 Bewohner wahllos dahingemetzelt. Der Angriff folgte auf die Weigerung der Dorfgemeinschaft, die islamische Scharia-Gesetzgebung einzuführen.
„Das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen. Von diesem übergeordneten Grundsatz hängt letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates ab.“
FSSPX. Aktuell: Hochwürdigster
Herr Generaloberer, Sie haben soeben öffentlich Ihre Absicht angekündigt, am
kommenden 1. Juli Bischofsweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X.
vornehmen zu lassen. Warum haben Sie diese Ankündigung heute, am 2. Februar,
gemacht?
Don Davide
Pagliarani: Das Fest der Reinigung der allerseligsten Jungfrau Maria besitzt in
der Bruderschaft eine große Bedeutung. Es ist der Tag, an dem die Kandidaten
für das Priestertum die Soutane empfangen. Die Darstellung unseres Herrn im
Tempel, die wir heute feiern, erinnert sie daran, dass der Schlüssel ihrer
Ausbildung und ihrer Vorbereitung auf die Weihen in ihrer Selbsthingabe liegt,
die durch die Hände Mariens geht. Es ist ein außerordentlich wichtiges
Marienfest, denn indem Simeon der Gottesmutter ein Schwert des Schmerzes
ankündigt, zeigt er deutlich ihre Rolle als Miterlöserin an der Seite ihres
göttlichen Sohnes. Man sieht sie mit unserem Herrn vereint, vom Beginn seines
irdischen Lebens an bis zur Vollendung seines Opfers auf Golgotha. Ebenso
begleitet die Gottesmutter den zukünftigen Priester in seiner Ausbildung und
während seines ganzen Lebens: Sie ist es, die weiterhin unseren Herrn in seiner
Seele formt.
FSSPX. Aktuell: Diese
Ankündigung war in den vergangenen Monaten ein hartnäckiges Gerücht,
insbesondere seit dem Tod von Bischof Tissier de Mallerais im Oktober 2024.
Warum haben Sie bis jetzt gewartet?
Wie
Erzbischof Lefebvre seinerzeit ist auch die Bruderschaft stets darum bemüht,
der Vorsehung nicht zuvorzukommen, sondern ihr zu folgen, indem sie sich von
ihren Hinweisen leiten lässt. Eine so bedeutende Entscheidung kann nicht
leichtfertig oder überstürzt getroffen werden. Es handelt sich um ein äußerstes
Mittel, das einer Notwendigkeit entsprechen muss, die ihrerseits real und
ebenfalls von äußerster Natur ist. Die bloße Existenz einer Notwendigkeit zum
Wohl der Seelen bedeutet noch nicht, dass jede beliebige Initiative zu ihrer
Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre.
Insbesondere,
da es sich um eine Angelegenheit handelt, die offensichtlich die höchste
Autorität der Kirche betrifft, war es notwendig, zunächst einen Schritt an den
Heiligen Stuhl zu unternehmen – was wir getan haben – und eine angemessene
Frist abzuwarten, um ihm eine Antwort zu ermöglichen. Es handelt sich um eine
Entscheidung, die wir nicht hätten treffen können, ohne konkret unsere
Anerkennung der Autorität des Heiligen Vaters zum Ausdruck zu bringen.
FSSPX. Aktuell: In
Ihrer Predigt sagten Sie, Sie hätten tatsächlich an den Papst geschrieben.
Können Sie uns dazu Näheres sagen?
Im
vergangenen Sommer habe ich dem Heiligen Vater geschrieben, um eine Audienz zu
erbitten. Da ich keine Antwort erhielt, schrieb ich ihm einige Monate später
einen weiteren Brief – in einfacher und kindlicher Weise, ohne ihm irgendetwas
von unseren Bedürfnissen zu verbergen. Ich schilderte unsere lehrmäßigen
Divergenzen, aber auch unseren aufrichtigen Wunsch, der katholischen Kirche
unermüdlich zu dienen, denn wir sind Diener der Kirche trotz unseres nicht
anerkannten kirchenrechtlichen Status.
Auf dieses
zweite Schreiben erhielten wir vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom, von
Kardinal Fernández. Leider berücksichtigt diese in keiner Weise den von uns
unterbreiteten Vorschlag und bietet keine Lösung an, die unseren Anliegen
entspricht.
Dieser
Vorschlag besteht angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die
Bruderschaft befindet, konkret in der Bitte an den Heiligen Stuhl, uns
vorübergehend den Verbleib in unserer Ausnahmesituation zu gestatten – zum Wohl
der Seelen, die sich an uns wenden. Wir haben dem Papst versprochen, all unsere
Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu
wahren Söhnen der Kirche zu machen. Mir scheint, dass ein solcher Vorschlag
sowohl realistisch als auch vernünftig ist und an sich die Zustimmung des
Heiligen Vaters finden könnte.
FSSPX. Aktuell: Wenn
Sie diese Zustimmung also noch nicht erhalten haben, warum halten Sie es
dennoch für notwendig, zu Bischofsweihen zu schreiten?
Es handelt
sich um ein äußerstes Mittel, das einer realen und ebenso äußersten
Notwendigkeit entspricht. Gewiss bedeutet das bloße Bestehen einer
Notwendigkeit zum Wohl der Seelen nicht, dass jede Initiative zu ihrer Behebung
von vornherein gerechtfertigt wäre. Doch in unserem Fall glauben wir nach einer
langen Zeit des Wartens, der Beobachtung und des Gebetes heute sagen zu können,
dass der objektive Zustand schwerer Not, in dem sich die Seelen, die
Bruderschaft und die Kirche befinden, eine solche Entscheidung erfordert.
Mit dem
Erbe, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat, bestehen die grundsätzlichen
Erwägungen, die bereits die Weihen von 1988 gerechtfertigt haben, weiterhin in
vollem Umfang fort und treten in vielerlei Hinsicht sogar mit erneuerter
Dringlichkeit hervor. Das Zweite Vatikanische Konzil bleibt mehr denn je der
Kompass, gemäß dem sich die Kirchenmänner orientieren, und es ist kaum zu
erwarten, dass sie in absehbarer Zeit eine andere Richtung einschlagen. Die
großen Leitlinien, die sich bereits für das neue Pontifikat abzeichnen,
insbesondere durch das letzte Konsistorium, bestätigen dies nur: Man erkennt
darin den ausdrücklichen Willen, die Linie von Papst Franziskus als einen
unumkehrbaren Weg für die ganze Kirche beizubehalten.
„Wir haben
dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition
einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen.“
Es ist
traurig, dies feststellen zu müssen, aber es ist eine Tatsache: In einer
gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um
ihr ewiges Heil zu sichern. Dies betrifft insbesondere die vollständige
Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der
Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand.
In diesem kritischen Kontext werden unsere Bischöfe älter und angesichts des
stetigen Wachstums des Apostolates reichen sie nicht mehr aus, um den
Bedürfnissen der Gläubigen in der ganzen Welt gerecht zu werden.
FSSPX. Aktuell: Inwiefern,
meinen Sie, bestätigt das Konsistorium des vergangenen Monats die von Papst
Franziskus eingeschlagene Richtung?
Kardinal
Fernández hat im Namen von Papst Leo die Kirche dazu eingeladen, zur
grundlegenden Intuition von Franziskus zurückzukehren, wie sie in Evangelii
gaudium, seiner Schlüssel-Enzyklika, zum Ausdruck kommt: Ein wenig vereinfacht
geht es darum, die Verkündigung des Evangeliums auf ihren ursprünglichen,
wesentlichen Kern zu reduzieren – in sehr knappen und prägnanten Formeln, dem
„Kerygma“. Dies geschieht im Hinblick auf eine „Erfahrung“, eine unmittelbare
Begegnung mit Christus, wobei alles Übrige, so kostbar es auch sein mag,
beiseitegelassen wird – konkret die Gesamtheit der Elemente der Tradition, die
als nebensächlich und sekundär eingestuft werden.
Gerade diese
Methode der Neuevangelisierung hat die für das Pontifikat von Franziskus
charakteristische lehrmäßige Leere hervorgebracht, die ein ganzer Teil der
Kirche stark empfunden hat. Gewiss muss man sich in dieser Perspektive stets
bemühen, neue und angemessene Antworten auf aufkommende Fragen zu geben; diese
Aufgabe soll jedoch durch die synodale Reform verwirklicht werden und nicht
durch die Wiederentdeckung der klassischen und immer gültigen Antworten der
Tradition der Kirche. Auf diese Weise, im angeblichen „Wehen des Geistes“
dieser synodalen Reform, konnte Franziskus der ganzen Kirche katastrophale
Entscheidungen auferlegen, wie etwa die Zulassung der Kommunion für
wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Zusammengefasst:
Durch das „Kerygma“ wird die Verkündigung des Evangeliums vom gesamten Korpus
der traditionellen Lehre und Moral abgekapselt. Durch die Synodalität werden
die traditionellen Antworten durch willkürliche Entscheidungen ersetzt, die
leicht absurd und lehrmäßig nicht zu rechtfertigen sind. Kardinal Zen selbst
hält diese Methode für manipulativ und die Zuschreibung an den Heiligen Geist
für blasphemisch. Ich fürchte leider, dass er recht hat.
FSSPX. Aktuell: Sie
sprechen vom Dienst an der Kirche, doch in der Praxis kann die Bruderschaft den
Eindruck erwecken, die Kirche herauszufordern, insbesondere wenn Bischofsweihen
in Betracht gezogen werden. Wie erklären Sie dies dem Papst?
Wir dienen
der Kirche zunächst dadurch, dass wir den Seelen dienen. Dies ist eine
objektive Tatsache, unabhängig von jeder anderen Erwägung. Die Kirche existiert
ihrem Wesen nach für die Seelen: Ihr Ziel ist ihre Heiligung und ihre Rettung.
Alle schönen Reden, die verschiedenartigen Debatten, die großen Themen, über
die man diskutiert oder diskutieren könnte, haben keinen Sinn, wenn sie nicht
auf das Heil der Seelen ausgerichtet sind. Es ist wichtig, daran zu erinnern,
denn heute besteht die Gefahr, dass sich die Kirche mit allem Möglichen
beschäftigt und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert. Die Sorge um die
Ökologie etwa oder das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, von Frauen
oder von Migranten laufen Gefahr, die wesentliche Sendung der Kirche aus dem
Auge zu verlieren. Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung
der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein
deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind,
und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des
Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.
„In einer
gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um
ihr ewiges Heil zu sichern. Darin besteht der Notstand.“
Indem wir so
handeln, stellen wir das, was wir bewahren, in den Dienst der Kirche selbst.
Wir bieten der Kirche nicht ein Museum alter und verstaubter Dinge dar, sondern
die Tradition in ihrer Fülle und Fruchtbarkeit, die Tradition, welche die
Seelen heiligt und verwandelt, Berufungen und wahrhaft katholische Familien
hervorbringt. Anders gesagt: Gerade für den Papst als solchen bewahren wir
diesen Schatz bis zu dem Tag, an dem man seinen Wert wieder verstehen wird und
an dem ein Papst sich seiner zum Wohl der ganzen Kirche bedienen will. Denn die
Tradition gehört der Kirche.
FSSPX. Aktuell: Sie
sprechen vom Wohl der Seelen, doch die Bruderschaft hat keine Sendung für die
Seelen. Im Gegenteil, sie wurde vor über fünfzig Jahren kanonisch aufgehoben.
Auf welcher Grundlage lässt sich eine Mission der Bruderschaft gegenüber den
Seelen rechtfertigen?
Es handelt
sich schlicht und einfach um eine Frage der Nächstenliebe. Wir wollen uns keine
Sendung anmaßen, die wir nicht haben. Zugleich können wir uns aber nicht
weigern, auf die geistliche Not der Seelen zu antworten, die sich zunehmend
verwirrt, orientierungslos und verloren fühlen. Sie rufen um Hilfe. Und nachdem
sie lange gesucht haben, finden sie ganz natürlich in den Reichtümern der
vollständig gelebten Tradition der Kirche mit tiefer Freude Licht und Trost.
Gegenüber diesen Seelen tragen wir eine wirkliche Verantwortung, auch wenn wir
keine offizielle Sendung haben: Wenn jemand auf der Straße eine Person in
Gefahr sieht, ist er verpflichtet, ihr nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen,
auch wenn er weder Feuerwehrmann noch Polizist ist.
Die Zahl der
Seelen, die sich auf diese Weise an uns gewandt haben, ist im Laufe der Jahre
stetig gewachsen und hat in den letzten zehn Jahren sogar erheblich zugenommen.
Ihre Bedürfnisse zu ignorieren und sie im Stich zu lassen, würde bedeuten, sie
zu verraten und damit auch die Kirche selbst zu verraten; denn noch einmal: Die
Kirche existiert für die Seelen und nicht, um eitle und fruchtlose Diskussionen
zu nähren.
Diese
Nächstenliebe ist eine Pflicht, die alle anderen überragt. Das Recht der Kirche
selbst sieht dies so vor. Im Geist des Kirchenrechts, das der juristische
Ausdruck dieser Nächstenliebe ist, steht das Wohl der Seelen über allem. Es
stellt wahrhaft das Gesetz der Gesetze dar, dem alle anderen untergeordnet sind
und dem keine kirchliche Gesetzgebung entgegenstehen kann. Das Axiom suprema
lex, salus animarum – das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen – ist
eine klassische Maxime der kanonischen Tradition, die ausdrücklich im letzten
Kanon des Kodex von 1983 aufgegriffen wird. Im gegenwärtigen Notstand hängt von
diesem übergeordneten Grundsatz letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres
Apostolates und unserer Sendung gegenüber den Seelen ab, die sich an uns
wenden. Für uns handelt es sich um eine stellvertretende Rolle im Namen eben
dieser Nächstenliebe.
FSSPX. Aktuell: Sind
Sie sich bewusst, dass die Erwägung von Bischofsweihen die Gläubigen, die sich
an die Bruderschaft wenden, vor ein Dilemma stellen könnte: entweder die Wahl
der integralen Tradition mit allem, was sie bedeutet, oder die „volle“
Gemeinschaft mit der Hierarchie der Kirche?
Dieses
Dilemma ist in Wirklichkeit nur scheinbar. Es ist offensichtlich, dass ein
Katholik zugleich die integrale Tradition und die Gemeinschaft mit der
Hierarchie bewahren muss. Er kann nicht zwischen diesen beiden Gütern wählen,
die beide notwendig sind.
Allzu oft
wird jedoch vergessen, dass die Gemeinschaft wesentlich auf dem katholischen
Glauben gründet, mit allem, was dies einschließt: angefangen bei einem
wirklichen sakramentalen Leben und der Ausübung einer Leitungsgewalt, die
denselben Glauben verkündet und zu seiner Verwirklichung anhält, indem sie ihre
Autorität nicht willkürlich, sondern wirklich im Hinblick auf das geistliche
Wohl der ihr anvertrauten Seelen ausübt.
Gerade um
diese Grundlagen, diese für das Bestehen der Gemeinschaft in der Kirche
notwendigen Bedingungen zu gewährleisten, kann die Bruderschaft nicht
akzeptieren, was dieser Gemeinschaft entgegensteht und sie verfälscht, selbst
wenn dies – paradoxerweise – von jenen ausgeht, die in der Kirche die Autorität
ausüben.
FSSPX. Aktuell: Können
Sie ein konkretes Beispiel dessen nennen, was die Bruderschaft nicht
akzeptieren kann?
Das erste
Beispiel, das mir in den Sinn kommt, stammt aus dem Jahr 2019, als Papst
Franziskus anlässlich seines Besuches auf der Arabischen Halbinsel gemeinsam
mit einem Imam die bekannte Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnete. Darin
erklärte er zusammen mit dem muslimischen Würdenträger, die Vielfalt der
Religionen sei als solche von der göttlichen Weisheit gewollt.
Es ist
offensichtlich, dass eine Gemeinschaft, die sich auf die Annahme einer solchen
Aussage gründen oder sie einschließen würde, schlichtweg nicht katholisch wäre,
denn sie würde eine Sünde gegen das erste Gebot und die Leugnung des ersten
Artikels des Glaubensbekenntnisses beinhalten. Ich halte eine solche Aussage
für mehr als einen bloßen Irrtum. Sie ist schlicht unvorstellbar. Sie kann
nicht das Fundament einer katholischen Gemeinschaft sein, sondern vielmehr die
Ursache für deren Auflösung. Ich denke, ein Katholik sollte eher das Martyrium
vorziehen, als eine solche Aussage zu akzeptieren.
FSSPX. Aktuell: Weltweit
nimmt das Bewusstsein für die von der Bruderschaft seit Langem angeprangerten
Irrtümer zu, insbesondere im Internet. Wäre es nicht angebracht, dieses Wirken
im Vertrauen auf die Vorsehung sich entfalten zu lassen, anstatt durch einen
starken öffentlichen Akt wie Bischofsweihen einzugreifen?
Dieses
Wirken ist sicherlich positiv, und man kann sich darüber nur freuen. Es
veranschaulicht zweifellos die Berechtigung dessen, was die Bruderschaft
verteidigt, und es ist angezeigt, diese Verbreitung der Wahrheit mit allen
verfügbaren Mitteln zu fördern. Gleichwohl ist es ein Wirken mit Grenzen, denn
der Glaubenskampf kann sich nicht auf Diskussionen und Stellungnahmen
beschränken oder in ihnen erschöpfen, deren Schauplatz das Internet oder die
sozialen Netzwerke sind.
Die
Heiligung einer Seele hängt gewiss vom Bekenntnis des authentischen Glaubens
ab, dieses muss jedoch in ein wirklich christliches Leben münden. Am Sonntag
brauchen die Seelen keine Internetplattform. Sie brauchen einen Priester, der
ihnen die Beichte abnimmt und sie unterweist, der für sie die heilige Messe
feiert, der sie wahrhaft heiligt und zu Gott führt. Die Seelen brauchen
Priester. Und um Priester zu haben, braucht es Bischöfe. Keine „Influencer“.
Anders gesagt: Man muss zur Wirklichkeit zurückkehren, das heißt zur
Wirklichkeit der Seelen und ihrer konkreten objektiven Not. Die Bischofsweihen
haben keinen anderen Zweck: für die an der Tradition festhaltenden Gläubigen
die Spendung des Sakramentes der Firmung, der Weihe und alles dessen, was
daraus folgt, zu gewährleisten.
FSSPX. Aktuell: Besteht
nicht die Gefahr, dass die Bruderschaft trotz guter Absichten in gewisser Weise
dazu kommt, sich selbst mit der Kirche gleichzusetzen oder sich eine
unersetzliche Rolle zuzuschreiben?
In keiner
Weise beansprucht die Bruderschaft, sich an die Stelle der Kirche zu setzen
oder ihre Sendung zu übernehmen; vielmehr bewahrt sie das tiefe Bewusstsein,
nur zu bestehen, um der Kirche zu dienen. Dabei stützt sie sich ausschließlich
auf das, was die Kirche selbst immer und überall gelehrt, geglaubt und getan
hat.
Die
Bruderschaft ist sich ebenso zutiefst bewusst, dass nicht sie es ist, die die
Kirche rettet, denn allein unser Herr bewahrt und rettet seine Braut – Er, der
niemals aufhört, über sie zu wachen.
Die
Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht selbst
gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben. Aufmerksam
gegenüber der Sendung ihrer Mutter, die während zwanzig Jahrhunderten ihre
Kinder durch die Lehre und die Sakramente genährt hat, widmet sich die
Bruderschaft kindlich der Bewahrung und Verteidigung der integralen Tradition,
indem sie die Mittel ergreift für eine unvergleichliche Freiheit, um diesem
Erbe treu zu bleiben. Nach dem Wort von Erzbischof Lefebvre ist die
Bruderschaft lediglich ein Werk „der katholischen Kirche, die weiterhin die
Lehre überliefert“; ihre Rolle ist die eines „Briefträgers, der einen Brief
überbringt“. Und sie wünscht nichts mehr, als alle katholischen Hirten vereint
in der Erfüllung dieser Pflicht zu sehen.
FSSPX. Aktuell: Kommen
wir auf den Papst zurück. Halten Sie es für realistisch, dass der Heilige Vater
akzeptieren oder zumindest dulden könnte, dass die Bruderschaft Bischöfe ohne
päpstliches Mandat weiht?
Ein Papst
ist vor allem ein Vater. Als solcher ist er fähig, eine aufrechte Absicht,
einen ehrlichen Willen, der Kirche zu dienen, und vor allem einen echten
Gewissenskonflikt in einer außergewöhnlichen Situation zu erkennen. Diese
Elemente sind objektiv, und alle, die die Bruderschaft kennen, können dies
anerkennen, selbst ohne notwendigerweise ihre Positionen zu teilen.
FSSPX. Aktuell: Das
ist in der Theorie verständlich. Glauben Sie aber, dass Rom konkret eine solche
Entscheidung der Bruderschaft dulden könnte?
Die Zukunft
liegt in den Händen des Heiligen Vaters und selbstverständlich der Vorsehung.
Dennoch ist anzuerkennen, dass der Heilige Stuhl mitunter zu einem gewissen
Pragmatismus, ja sogar zu einer überraschenden Flexibilität fähig ist, wenn er
überzeugt ist, zum Wohl der Seelen zu handeln.
Man nehme
den sehr aktuellen Fall der Beziehungen zur chinesischen Regierung. Trotz eines
wirklichen Schismas der chinesischen patriotischen Kirche; trotz einer
ununterbrochenen Verfolgung der sogenannten Untergrundkirche, die Rom treu
geblieben ist; trotz regelmäßig erneuerter und vom chinesischen Staat
gebrochener Abkommen – im Jahr 2023 hat Papst Franziskus nachträglich die
Ernennung des Bischofs von Shanghai durch die chinesischen Behörden gebilligt.
In jüngerer Zeit hat auch Papst Leo XIV. nachträglich die Ernennung des
Bischofs von Xinxiang akzeptiert, der während der Vakanz des Apostolischen
Stuhles in gleicher Weise ernannt worden war, obwohl der Rom treu gebliebene
Bischof, der mehrfach inhaftiert worden war, noch im Amt war. In beiden Fällen
handelt es sich offenkundig um regierungsfreundliche Prälaten, die von Peking
einseitig eingesetzt wurden, um die katholische Kirche in China zu
kontrollieren. Man beachte, dass es sich hierbei nicht um bloße Weihbischöfe
handelt, sondern um Ortsbischöfe, das heißt um ordentliche Hirten ihrer
jeweiligen Diözese (oder Präfektur) mit Jurisdiktion über die örtlichen
Priester und Gläubigen. In Rom weiß man sehr genau, zu welchem Zweck diese
Hirten ausgewählt und einseitig eingesetzt worden sind.
„Die
Priesterbruderschaft St. Pius X. erstrebt nichts anderes als dies: das Wohl der
Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.“
Der Fall der
Bruderschaft ist grundverschieden: Es geht für uns keineswegs darum, eine
kommunistische oder antichristliche Macht zu begünstigen, sondern einzig darum,
in einer Zeit allgemeiner Krise und Verwirrung die Rechte des Christkönigs und
die Tradition der Kirche zu bewahren, die schwer beeinträchtigt sind. Die
Absichten und Zielsetzungen sind offensichtlich nicht dieselben. Der Papst weiß
das. Zudem weiß der Heilige Vater sehr wohl, dass die Bruderschaft in keiner
Weise beabsichtigt, ihren Bischöfen irgendeine Jurisdiktion zu verleihen, was
der Errichtung einer Parallelkirche gleichkäme.
Ehrlich
gesagt sehe ich nicht, wie der Papst von Seiten der Bruderschaft eine größere
Gefahr für die Seelen befürchten könnte als von Seiten der Regierung von
Peking.
FSSPX. Aktuell: Halten
Sie es für möglich, dass hinsichtlich der traditionellen Messe die
Notwendigkeit für die Seelen heute ebenso schwerwiegend ist wie 1988? Nach dem
bekannten Auf und Ab des Ritus des heiligen Papstes Pius V. – seiner Freigabe
durch Benedikt XVI. im Jahr 2007 und den von Franziskus im Jahr 2021 verhängten
Einschränkungen – in welche Richtung geht es mit dem neuen Papst?
Soweit mir
bekannt ist, hat Papst Leo XIV. in dieser Frage eine gewisse Zurückhaltung
bewahrt, die in der konservativen Welt große Erwartungen geweckt hat. Vor
Kurzem jedoch wurde ein Text von Kardinal Roche zur Liturgie veröffentlicht,
der ursprünglich für die Kardinäle bestimmt war, die am Konsistorium des
vergangenen Monats teilgenommen haben. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln,
dass dieser Text in seinen Grundlinien der vom Papst gewünschten Ausrichtung
entspricht. Es handelt sich um einen sehr klaren und vor allem logischen und
kohärenten Text. Leider stützt er sich auf eine falsche Prämisse.
Konkret
verurteilt dieser Text in vollkommener Kontinuität mit Traditionis
custodes das liturgische Projekt von Papst Benedikt XVI. Nach dessen
Auffassung sollten der alte und der neue Ritus zwei ungefähr gleichwertige
Formen sein, die jedenfalls denselben Glauben und dieselbe Ekklesiologie zum
Ausdruck bringen und sich folglich gegenseitig bereichern könnten. Um die
Einheit der Kirche besorgt, lag es Benedikt XVI. daher am Herzen, das
Nebeneinanderbestehen beider Riten zu fördern, und er veröffentlichte 2007 Summorum
Pontificum. Für viele erwies sich dies providentiell als eine Wiederentdeckung
der Messe aller Zeiten; auf längere Sicht jedoch rief es auch eine Bewegung
hervor, die den neuen Ritus in Frage stellte – eine Bewegung, die als
problematisch erachtet wurde und die Traditionis custodes im Jahr
2021 einzudämmen suchte.
Papst
Franziskus treu verbunden, tritt Kardinal Roche seinerseits für die Einheit der
Kirche ein, jedoch nach einer Vorstellung und mit Mitteln, die denen Benedikts
XVI. diametral entgegengesetzt sind: Während er an der Behauptung einer
Kontinuität von einem Ritus zum anderen durch die Reform festhält, lehnt er
deren Koexistenz entschieden ab. Er sieht darin eine Quelle der Spaltung, eine
Bedrohung für die Einheit, die durch eine Rückkehr zu einer authentischen
liturgischen Gemeinschaft überwunden werden müsse: „Das vorrangige Gut der
Einheit der Kirche wird nicht durch das Einfrieren von Spaltungen erreicht,
sondern indem wir uns im Teilen dessen wiederfinden, was nur geteilt werden
kann.“ In der Kirche, so fügt er hinzu, „soll es nur einen einzigen Ritus
geben“, in voller Übereinstimmung mit dem wahren Sinn der Tradition.
Dies ist ein
gerechter und kohärenter Grundsatz, denn da die Kirche nur einen Glauben und
nur eine Ekklesiologie besitzt, kann sie auch nur eine Liturgie haben, die
diese angemessen zum Ausdruck bringt… Doch es ist ein falsch angewandter
Grundsatz. Denn in Übereinstimmung mit der neuen nachkonziliaren Ekklesiologie
begreift Kardinal Roche die Tradition als etwas Evolutives und den neuen Ritus
als ihre einzige lebendige Ausdrucksform für unsere Zeit. Der Wert des
tridentinischen Ritus kann daher nur als überholt angesehen werden, und seine
Verwendung ist höchstens ein „Zugeständnis“, „keineswegs eine Förderung“.
Dass es also
eine „Spaltung“ und eine gegenwärtige Unvereinbarkeit zwischen den beiden Riten
gibt, das wird damit immer deutlicher. Doch man täusche sich nicht: Die einzige
Liturgie, welche die traditionelle Auffassung von Kirche, christlichem Leben
und katholischem Priestertum in angemessener, unveränderlicher und nicht
evolutiver Weise zum Ausdruck bringt, ist die Liturgie aller Zeiten. In diesem
Punkt erscheint der Widerstand des Heiligen Stuhles mehr denn je endgültig.
FSSPX. Aktuell: Kardinal
Roche räumt immerhin ein, dass es bei der Umsetzung der Liturgiereform noch
gewisse Probleme gibt. Glauben Sie, dass dies zu einem Bewusstsein für die
Grenzen dieser Reform führen könnte?
Es ist
bemerkenswert, dass man nach sechzig Jahren noch immer eine wirkliche
Schwierigkeit bei der Umsetzung der Liturgiereform eingesteht, deren Reichtum
es erst noch zu entdecken gelte. Dies ist ein Refrain, den man seit jeher hört,
sobald dieses Thema zur Sprache kommt, und den auch der Text von Kardinal Roche
nicht ausspart. Doch anstatt sich ehrlich über die inneren Mängel der neuen
Messe und damit über das generelle Scheitern dieser Reform Gedanken zu machen;
anstatt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass sich die Kirchen leeren und die
Berufungen zurückgehen; anstatt sich zu fragen, warum der tridentinische Ritus
weiterhin so viele Seelen anzieht, sieht Kardinal Roche als einzige Lösung
lediglich eine dringende vorherige Ausbildung der Gläubigen und der
Seminaristen.
Ohne es zu
bemerken, gerät er damit in einen Teufelskreis: Denn die Liturgie selbst ist
dazu bestimmt, die Seelen zu formen. Fast zwei Jahrtausende lang sind die
Seelen, oft Analphabeten, durch die Liturgie selbst erbaut und geheiligt
worden, ohne dass es irgendeiner vorherigen Ausbildung bedurft hätte. Die
intrinsische Unfähigkeit des Novus Ordo, die Seelen zu erbauen, nicht
anzuerkennen und stattdessen eine noch bessere Ausbildung zu fordern, erscheint
mir als Zeichen einer unheilbaren Blindheit. So gelangt man zu erschütternden
Paradoxien: Die Reform wurde gewollt, um die Teilnahme der Gläubigen zu
fördern, nun aber haben diese die Kirche in Scharen verlassen, weil diese fade
Liturgie sie nicht zu nähren vermochte. Und das soll nichts mit der Reform selbst
zu tun haben!
FSSPX. Aktuell: Heute
profitieren in vielen Ländern Gruppen außerhalb der Bruderschaft weiterhin vom
Gebrauch des Messbuches von 1962. Solche Möglichkeiten bestanden 1988 kaum.
Wäre dies nicht vorerst eine ausreichende Alternative, die neue Bischofsweihen
verfrüht erscheinen ließe?
Die Frage,
die wir uns stellen müssen, lautet: Entsprechen diese Möglichkeiten dem, was
die Kirche und die Seelen brauchen? Sind sie eine ausreichende Antwort auf die
Not der Seelen?
Es ist
unbestreitbar, dass überall dort, wo die traditionelle Messe gefeiert wird, der
wahre Ritus der Kirche ausstrahlt – mit jenem tiefen Sinn für das Sakrale, der
im neuen Ritus nicht zu finden ist. Doch man kann von dem Rahmen, in dem diese
Messfeiern stattfinden, nicht abstrahieren. Unabhängig vom guten Willen der
einen oder der anderen scheint der Rahmen klar zu sein, insbesondere seit Traditionis
custodes, bestätigt durch Kardinal Roche: Es handelt sich um den Rahmen einer
Kirche, in der der einzige offizielle „normale“ Ritus derjenige Pauls VI. ist.
Die Feier des Ritus aller Zeiten unterliegt folglich einer Ausnahmeregelung:
Den Anhängern dieses Ritus werden aus reinem Wohlwollen Ausnahmegenehmigungen
gewährt, die ihnen seine Feier erlauben. Diese fügen sich jedoch in eine Logik
ein, die der neuen Ekklesiologie entspricht. Sie setzen daher voraus, dass die
neue Liturgie weiterhin das Kriterium der Frömmigkeit der Gläubigen und der
authentische Ausdruck des kirchlichen Lebens bleibt.
FSSPX. Aktuell: Warum
sagen Sie, dass man von diesem Ausnahmerahmen nicht abstrahieren kann? Wird
nicht dennoch Gutes gewirkt? Welche konkreten Folgen wären zu beklagen?
Aus dieser
Situation ergeben sich mindestens drei unheilvolle Konsequenzen. Die
unmittelbarste ist eine tiefe strukturelle Instabilität. Priester und Gläubige,
denen durch gewisse Privilegien der Gebrauch der tridentinischen Liturgie
erlaubt ist, leben in der Angst vor dem folgenden Tag: Ein Privileg ist kein
Recht. Solange die Autorität sie duldet, können sie ihre religiöse Praxis ohne
Behelligung ausüben. Sobald jedoch die Autorität bestimmte Anforderungen
stellt, Bedingungen auferlegt oder aus dem einen oder anderen Grund plötzlich
die erteilten Erlaubnisse widerruft, finden sich Priester und Gläubige in einer
Konfliktsituation wieder, ohne irgendein Mittel, sich zu verteidigen, um
wirksam die traditionellen Heilsmittel sicherzustellen, auf die die Seelen ein
Recht haben. Wie lassen sich solche Gewissenskonflikte auf Dauer vermeiden,
wenn von zwei unvereinbaren Auffassungen vom kirchlichen Leben, verkörpert in
zwei unvereinbaren Liturgien, die eine volle Anerkennung genießt, während die
andere lediglich geduldet wird?
Zweitens –
und das ist zweifellos schwerwiegender – wird der eigentliche Grund für die
Verbundenheit dieser Gruppen mit der tridentinischen Liturgie nicht mehr
verstanden, was die öffentlichen Rechte der Tradition der Kirche und damit das
Wohl der Seelen ernsthaft gefährdet. Wenn nämlich die Messe aller Zeiten
akzeptieren kann, dass die moderne Messe in der ganzen Kirche gefeiert wird,
und wenn sie für sich selbst lediglich ein besonderes Privileg beansprucht, das
an eine Vorliebe oder an ein eigenes Charisma gebunden ist – wie soll man dann
noch verstehen, dass die Messe aller Zeiten der neuen Messe unversöhnlich
gegenübersteht, dass sie die einzige wahre Liturgie der ganzen Kirche bleibt
und dass niemand daran gehindert werden darf, sie zu feiern? Wie kann man
erkennen, dass die Messe Pauls VI. nicht angenommen werden kann, weil sie eine
erhebliche Abweichung von der katholischen Theologie der heiligen Messe
darstellt, und dass niemand gezwungen werden kann, sie zu feiern? Und wie
sollen die Seelen wirksam von dieser vergifteten Liturgie weggeführt werden, um
aus den reinen Quellen der katholischen Liturgie zu schöpfen?
„Die
Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht gewählt
hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben.“
Schließlich
ergibt sich als weitergehende Folge aus den beiden vorhergehenden die
Notwendigkeit, eine fragile Stabilität nicht durch als störend empfundenes
Verhalten zu gefährden, was viele Hirten zu einem erzwungenen Schweigen
verurteilt, wenn sie eigentlich gegen diese oder jene skandalöse Lehre
aufstehen müssten, die Glauben oder Moral verdirbt. Die notwendige Anprangerung
der die Kirche zerstörenden Irrtümer – sie ist zum Wohl der von dieser
vergifteten Nahrung bedrohten Seelen geboten – wird so gelähmt. Man klärt den
einen oder anderen im Privaten auf, sofern man die Schädlichkeit dieses oder
jenes Irrtums überhaupt noch zu erkennen vermag, doch es bleibt ein zaghaftes
Flüstern, in dem die Wahrheit kaum noch mit der erforderlichen Freiheit zum
Ausdruck kommt – vor allem, wenn es den Kampf gegen Prinzipien geht, die man
stillschweigend akzeptiert hat. Auch hier sind es wieder die Seelen, die nicht
mehr erleuchtet werden und denen das Brot der Lehre entzogen wird, nach dem sie
doch hungern. Mit der Zeit verändert dies allmählich die Mentalität und führt
nach und nach zur allgemeinen und unbewussten Annahme der verschiedenen
Reformen, die das kirchliche Leben betreffen. Auch gegenüber diesen Seelen
empfindet die Bruderschaft die Verantwortung, sie zu erleuchten und nicht im
Stich zu lassen.
Es geht
nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen oder über irgendwen zu urteilen,
sondern darum, die Augen zu öffnen und die Tatsachen festzustellen. Nun aber
müssen wir anerkennen, dass die Gruppen, die in den Genuss der traditionellen
Liturgie kommen, keine angemessene Antwort auf die tiefgreifenden Nöte der
Kirche und der Seelen darstellen können, solange deren Gebrauch an die
zumindest implizite Akzeptanz der Konzilsreformen gebunden bleibt. Umgekehrt
muss man – um einen bereits geäußerten Gedanken aufzugreifen – den Katholiken
unserer Zeit eine Wahrheit ohne Abstriche anbieten können, dargeboten ohne
Vorbehalte und mit den Mitteln, sie vollständig zu leben, zum Heil der Seelen
und zum Dienst an der ganzen Kirche.
FSSPX. Aktuell: Glauben
Sie dennoch, dass Rom sich in Zukunft gegenüber der traditionellen Messe
großzügiger zeigen könnte?
Es ist nicht
ausgeschlossen, dass Rom in Zukunft eine offenere Haltung einnehmen könnte, wie
dies bereits 1988 unter ähnlichen Umständen geschah, als das alte Messbuch
bestimmten Gruppen gewährt wurde, um die Gläubigen von der Bruderschaft
abzuziehen. Sollte dies erneut geschehen, wäre es sehr politisch und sehr wenig
der Lehre entsprechend: Das tridentinische Messbuch ist ausschließlich dazu
bestimmt, die göttliche Majestät anzubeten und den Glauben zu nähren; es darf
nicht als Instrument pastoraler Feinjustierung oder als Ventil zur
Beschwichtigung instrumentalisiert werden.
Doch ein
größeres oder geringeres Entgegenkommen würde nichts an der Schädlichkeit des
oben beschriebenen Rahmens ändern und somit die Situation nicht wesentlich
verändern.
Darüber
hinaus ist das Szenario in Wirklichkeit komplexer: In Rom haben Papst
Franziskus und Kardinal Roche sehr wohl erkannt, dass eine Ausweitung des
Gebrauchs des Messbuches des heiligen Pius V. zwangsläufig eine Infragestellung
der Liturgiereform und des Konzils auslöst, und zwar in einem unerquicklichen
und vor allem unkontrollierbaren Ausmaß. Es ist daher schwer vorherzusehen, was
geschehen wird, doch die Gefahr einer Verstrickung in Logiken, die eher
politisch als lehrmäßig sind, ist real.
FSSPX. Aktuell: Was
möchten Sie den Gläubigen und den Mitgliedern der Bruderschaft besonders sagen?
Ich möchte
ihnen sagen, dass die gegenwärtige Stunde vor allem eine Zeit des Gebetes ist,
der Vorbereitung der Herzen, der Seelen und auch der Geister, um uns der Gnade
zu öffnen, die diese Weihen für die ganze Kirche darstellen. Dies alles in
Sammlung, in Frieden und im Vertrauen auf die Vorsehung, die die Bruderschaft
niemals verlassen hat und sie auch jetzt nicht verlassen wird.
FSSPX. Aktuell: Hoffen
Sie weiterhin, dem Papst begegnen zu können?
Ja, gewiss.
Es erscheint mir äußerst wichtig, mich mit dem Heiligen Vater unterhalten zu
können, und es gibt vieles, was ich ihm gern mitteilen würde, ihm aber nicht
schreiben konnte. Leider sieht die von Kardinal Fernández erhaltene
Antwort keine Audienz beim Papst vor. Stattdessen stellt sie die Androhung
neuer Sanktionen in den Raum.
FSSPX. Aktuell: Was
wird die Bruderschaft tun, wenn der Heilige Stuhl beschließt, sie zu
verurteilen?
Zunächst sei
daran erinnert, dass etwaige kanonische Strafen unter solchen Umständen
keinerlei reale Wirkung hätten.
Sollten sie
dennoch verhängt werden, ist es gewiss, dass die Bruderschaft dieses neue
Leiden ohne Bitterkeit annehmen würde, wie sie die vergangenen Leiden
angenommen hat, und es aufrichtig für das Wohl der Kirche aufopfern würde. Die
Bruderschaft arbeitet für die Kirche. Und sie zweifelt nicht daran, dass eine
solche Situation, sollte sie eintreten, nur vorübergehend sein kann; denn die
Kirche ist göttlich und unser Herr verlässt sie nicht.
Die
Bruderschaft wird daher weiterhin nach Kräften in Treue zur katholischen
Tradition wirken und der Kirche demütig dienen, indem sie auf die Not der
Seelen antwortet. Und sie wird weiterhin kindlich für den Papst beten, wie sie
es immer getan hat – in der Erwartung, eines Tages von diesen möglichen
ungerechten Sanktionen befreit zu werden, wie dies 2009 der Fall war. Wir sind
überzeugt, dass die römischen Autoritäten eines Tages dankbar anerkennen
werden, dass diese Bischofsweihen providentiell dazu beigetragen haben werden,
den Glauben zu bewahren, zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.
Interview, gegeben in Flavigny-sur-Ozerain am 2. Februar 2026, dem Fest Mariä Lichtmess
Am Hauptsitz des Pontifex im Vatikan, in unmittelbarer Nähe zum Apostolischen Palast, befindet sich das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR), gemeinhin bekannt als Vatikanbank. Das „Institut für religiöse Werke“ ist die einzige Einrichtung des Vatikans, die zur Erbringung professioneller Finanzdienstleistungen befugt ist. Nach Eigenangaben verwaltet sie Vermögenswerte im Einklang mit der katholischen Lehre und betreut mehr als 12.000 Kunden aus über 110 Ländern. Zuletzt erwirtschaftete die Vatikanbank einen jährlichen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, der an den Heiligen Stuhl ausgeschüttet wird.
Bis diese Woche leitete der österreichische Kardinal Christoph Schönborn die Kardinalskommission, das oberste Aufsichtsgremium der IOR, das den Aufsichtsrat bestellt und den Generaldirektor der Bank bestätigen muss. Zwölf Jahre lang prägte Schönborn damit die Geschicke des vatikanischen Geldinstituts maßgeblich mit.
Skandalbank
Schönborns Bestellung in die Kardinalskommission kam nicht von ungefähr – er sollte Reformen vorantreiben. Denn seit Jahrzehnten sieht sich der Vatikan mit Skandalen rund um seine Bank konfrontiert, die oft für Schlagzeilen sorgten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bezeichnete das Institut einst als vatikanisches „Offshoreparadies für dunkle Finanzgeschäfte“.
In den 1980er Jahren war die IOR in ein mutmaßliches Mafiageschäft mit dem Mailänder Bankier Roberto Calvi verwickelt. Nachdem dessen Banco Ambrosiano Pleite ging, wurde Calvi unter einer Londoner Brücke an einem Strick hängend aufgefunden.
2009 veröffentlichte der italienische Investigativjournalist Gianluigi Nuzzi Recherchen, die scheinheilige Geschäfte der Vatikanbank belegen sollten: intransparente Bilanzen, anonyme Nummernkonten sowie mutmaßliche Verbindungen zur Geldwäsche für die Mafia.
Die Vatikanbank bemühte sich zeitgleich um Reformen, trotzdem rissen die Vorwürfe nicht ab. 2010 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei 23 Millionen Euro und leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen ranghohe Funktionäre der Einrichtung ein. „Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen“, sagte Schönborn gegenüber der Nachrichtenagentur „Kathpress“ am Dienstag. Bereits Papst Benedikt XVI. habe laut Kirchenbeobachtern versucht, das Institut zu reformieren, letztlich aber nicht die innerkirchliche Unterstützung dafür aufgebracht.
Reformbank
Die Bilanz des scheidenden Präsidenten fällt entsprechend positiv aus. Als Schönborn 2014 von Papst Franziskus in die Kardinalskommission berufen wurde, stand der vatikanische Zahlungsverkehr vor erheblichen Problemen. Die italienische Zentralbank hatte ein Jahr zuvor begonnen, Kartenzahlungen und Bargeldbehebungen in Vatikanstadt zeitweise auszusetzen, da geltende Anti-Geldwäsche-Vorschriften nicht ausreichend umgesetzt wurden. Keine einzige italienische Bank habe damals mit der IOR zusammenarbeiten wollen, schildert Schönborn rückblickend die damalige Lage.
Ob der Vatikan überhaupt eine eigene Bank benötigt, habe sich auch Papst Franziskus zu Beginn seiner Amtszeit gefragt, so Schönborn. Letztlich sei man jedoch zu der Einsicht gelangt, dass ein eigenes Finanzinstitut für die vielfältigen Aufgaben des Vatikans sinnvoll sei. Die Vatikanbank sei zwar klein, „aber sie liegt halt im Vatikan – und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß“.
Auf Christoph Schönborn folgt der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi als neuer Präsident der Kommission. Als neues Mitglied des Gremiums berief Papst Leo XIV. zu Jahresanfang den spanischen Kardinal Ángel Fernández Artime.