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Bischof Schneider verteidigt die marianischen Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“

Bischof Athanasius Schneider

Bischof Athanasius Schneider veröffentlichte auf DianeMontagna.substack.com einen Artikel über die Miterlöserin. Autorisierte deutsche Übersetzung.

Sie konnten sich nicht irren: Die Stimme der Heiligen, Kirchenlehrer und des ordentlichen Lehramtes der Kirche hat Maria als „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ bestätigt.

Im Laufe eines längeren Zeitraums hat das ordentliche Lehramt zusammen mit zahlreichen Heiligen und Kirchenlehrern die marianische Lehre von der Miterlösung und Mittlerschaft Mariens gelehrt und dabei unter anderem die Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ verwendet. Folglich kann nicht behauptet werden, dass das ordentliche Lehramt zusammen mit Heiligen und Kirchenlehrern habe über so viele Jahrhunderte hinweg die Gläubigen durch einen durchweg unangemessenen Gebrauch dieser marianischen Titel in die Irre führen können.

Darüber hinaus haben diese marianische Lehre und der Gebrauch dieser Titel im Laufe der Jahrhunderte auch den sensus fidei – den Glaubenssinn der Gläubigen – zum Ausdruck gebracht.

Indem die Gläubigen also an der traditionellen Lehre des ordentlichen Lehramtes hinsichtlich der Miterlösung und der Mittlerschaft Mariens festhalten und die Rechtmäßigkeit der Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ anerkennen, verlassen sie weder den rechten Weg des Glaubens noch eine gesunde und fundierte Frömmigkeit gegenüber Christus und seiner Mutter.

In der frühen Kirche legte der hl. Irenäus, ein Kirchenlehrer des 2. Jahrhunderts, die wesentlichen Grundlagen für die marianische Lehre von der Miterlösung und der Mittlerschaft, die später von anderen Kirchenlehrern und dem ordentlichen Lehramt der Päpste weiterentwickelt wurde. Er schrieb: „Maria wurde durch ihren Gehorsam zur Ursache des Heils, sowohl für sich selbst als auch für das gesamte Menschengeschlecht.“ (Adv. Haer., III, 22, 4.)

Unter den zahlreichen Aussagen des ordentlichen Lehramtes der Päpste zu den marianischen Lehren der Miterlösung und Mittlerschaft sowie den entsprechenden Titeln „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ ist zunächst die Enzyklika Adjutricem Populi von Papst Leo XIII. zu nennen. Darin bezeichnet er die Gottesmutter als Mitarbeiterin im Werk der Erlösung und als Ausspenderin der daraus hervorgehenden Gnade. Er schreibt: „Sie, die so eng mit dem Geheimnis des menschlichen Heils verbunden war, ist ebenso eng mit der Austeilung der Gnaden verbunden, die für alle Zeit aus der Erlösung fließen werden.“ (5. September 1895)

In ähnlicher Weise spricht Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika Jucunda Semper Expectatione von Marias Mittlerschaft in der Gnaden- und Heilsordnung. Er schreibt: „Unser Gebet zu Maria gründet sich auf ihr Amt, welches sie unablässig an der Seite des Thrones Gottes als Mittlerin der göttlichen Gnade ausübt. Durch ihre Würdigkeit und ihr Verdienst ist sie Gott höchst wohlgefällig und übertrifft daher an Macht alle Engel und Heiligen im Himmel. Der heilige Bernhardin von Siena bekräftigt: „Jede dem Menschen zuteilgewordene Gnade hat drei Stufen: Sie wird von Gott Christus mitgeteilt, von Christus gelangt sie zur Jungfrau und von der Jungfrau zu uns.“ Möge Gott, „der uns in seiner barmherzigen Vorsehung diese Mittlerin geschenkt hat“ und „beschlossen hat, dass alles Gute durch Maria zu uns komme“ (Hl. Bernhardin), unsere gemeinsamen Gebete gnädig annehmen und unsere gemeinsamen Hoffnungen erfüllen. Zu Dir erheben wir unsere Gebete, denn Du bist die mächtige und zugleich erbarmungsvolle Mittlerin unseres Heils. Durch deine Anteilnahme an seinen unaussprechlichen Leiden sei uns gnädig, erhöre uns, so unwürdig wir auch sein mögen!“ (8. September 1894).

Der hl. Papst Pius X. gab in seiner Enzyklika Ad Diem Illum eine prägnante theologische Auslegung der Lehre der Miterlösung. Er lehrte, dass Maria aufgrund ihrer göttlichen Mutterschaft in der Liebe das verdient, was Christus allein als Gott uns in strenger Gerechtigkeit verdient – nämlich unsere Erlösung – und dass sie die Ausspenderin aller Gnaden ist. Er schreibt: “Als nun das Lebensende ihres Sohnes herankam, „stand Maria, Seine Mutter, neben dem Kreuz Jesu“; nicht bloß damit beschäftigt, das grausame Schauspiel zu betrachten, sondern sie empfand sogar noch Freude, „dass ihr Eingeborener für das Heil des Menschengeschlechtes zum Opfer dargebracht wurde; allerdings litt sie so sehr mit, dass sie, wenn dies möglich gewesen wäre, alle Marter ihres Sohnes von Herzen gern mitgelitten hätte“. Durch diese Gemeinschaft des Willens und Leidens zwischen Christus und Maria verdiente sie, dass auch sie mit Recht „die Wiederherstellerin der verlorenen Menschheit“ wurde und deshalb auch zur Ausspenderin aller Gnadenschätze, die Christus durch seinen Tod und sein Blut erkaufte. … Weil aber Maria alle an Heiligkeit und inniger Vereinigung mit Christus übertrifft und von ihm selbst zur Vollführung des Erlösungswerkes herangezogen wurde, in der Absicht, dass sie, in der Sprache der Theologen, de congruo (schicklicherweise) für uns verdiene, was er de condigno (von Rechts wegen) verdient hat, so ist und bleibt sie die vornehmste Mitwirkerin bei der Gnadenverteilung. … Der erhabenen Jungfrau wurde es zuteil, mit ihrem göttlichen Sohn die mächtigste Mittlerin und Fürsprecherin der ganzen Welt zu sein. Die Quelle ist also Jesus Christus. Maria aber, wie der heilige Bernhard treffend bemerkt, ist der Kanal (Serm. de temp in Nativ. B. V. De Aquaeductu, n. 4); oder, wenn man so will, das verbindende Glied – wir meinen den Hals –, dessen Funktion darin besteht, den Leib mit dem Haupt zu verbinden und dem Leib die Einflüsse und Willen des Hauptes zu vermitteln. In der Tat, sagt der heilige Bernhardin von Siena, „sie ist der Hals Unseres Hauptes, durch den Er Seinem mystischen Leib alle geistlichen Gaben mitteilt“ (Quadrag. de Evangel. aetern. Serm. 10., a. 3, c. 3)“ (2. Februar 1904).

Ebenso lehrt Papst Benedikt XV.: „Indem sie sich mit dem Leiden und Sterben ihres Sohnes vereinigte, erlitt sie gleichsam den Tod. … Um der göttlichen Gerechtigkeit Genüge zu tun, opferte sie, soweit es in ihrer Macht stand, ihren Sohn – damit man mit Recht sagen kann, dass sie zusammen mit Christus das Menschengeschlecht erlöst hat“ (Apostolisches Schreiben Inter Sodalicia, 22. März 1918.) Dies entspricht dem Titel Miterlöserin.

Papst Pius XI. bekräftigt, dass Maria aufgrund ihrer innigen Verbindung mit dem Erlösungswerk zu Recht den Titel „Miterlöserin“ verdient. Er schreibt: „Notwendigerweise konnte der Erlöser nicht anders, als seine Mutter in sein Werk einzubeziehen. Deshalb rufen wir sie als Miterlöserin an. Sie schenkte uns den Heiland, sie begleitete ihn im Erlösungswerk bis zum Kreuz und teilte mit ihm die Schmerzen der Todesangst und des Todes, in denen Jesus die Erlösung der Menschheit vollendete.“ (Ansprache an die Pilger in Vicenza, Italien, 30. November 1933.)

In seiner Enzyklika Mediator Dei betont Papst Pius XII. die Universalität der Rolle Mariens als Ausspenderin der Gnade und sagt: „Sie schenkt uns ihren Sohn und mit ihm all die Hilfe, die wir brauchen, denn Gott wollte, dass wir alles durch Maria haben“ (Hl. Bernhard).“ (20. November 1947.)

Papst Johannes Paul II. bekräftigte wiederholt die katholische Lehre von Mariens Rolle in der Erlösung und ihrer Mittlerschaft aller Gnaden und verwendete dabei die Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“. Um nur einige Beispiele zu nennen: „Maria, obwohl ohne Makel der Sünde empfangen und geboren, nahm auf wunderbare Weise an den Leiden ihres göttlichen Sohnes teil, um Miterlöserin der Menschheit zu sein.“ (Generalaudienz vom 8. September 1982.)

„Tatsächlich endete Mariens Rolle als Miterlöserin nicht mit der Verherrlichung ihres Sohnes.“ Predigt während der Messe im Marienheiligtum in Guayaquil, Ecuador, 31. Januar 1985.

„Wir erinnern uns daran, dass Mariens Mittlerschaft wesentlich durch ihre göttliche Mutterschaft definiert ist. Die Anerkennung ihrer Rolle als Mittlerin ist zudem im Ausdruck ‚unsere Mutter‘ implizit enthalten, der die Lehre von der marianischen Mittlerschaft durch die Hervorhebung ihrer Mutterschaft darlegt. Schließlich erklärt der Titel ‚Mutter in der Gnadenordnung‘, dass die selige Jungfrau mit Christus bei der geistlichen Wiedergeburt der Menschheit zusammenwirkt.“ (Generalaudienz vom 1. Oktober 1997.)

Papst Benedikt XVI. lehrte über die Wahrheit, die der marianische Titel „Mittlerin aller Gnaden“ vermittelt folgendes: „Die Tota Pulchra, die reinste Jungfrau, die den Erlöser der Menschheit in ihrem Schoß empfing und von jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde, möchte das endgültige Siegel unserer Begegnung mit Gott, unserem Erlöser, sein. Es gibt keine Gnadenfrucht in der Heilsgeschichte, die nicht die Mittlerschaft Unserer Lieben Frau als notwendiges Werkzeug hat.“ (Predigt bei der Hl. Messe und der Heiligsprechung von Fr. Antônio de Sant’Ana Galvão, OFM, 11. Mai 2007.)

Der heilige John Henry Newman, der kürzlich von Papst Leo XIV. zum Kirchenlehrer ernannt wurde, verteidigte den Titel „Miterlöserin“ vor einem anglikanischen Prälaten, der ihn nicht anerkennen wollte. Er erklärte: „Wenn Sie die Väter lesen, wie sie Maria Mutter Gottes, zweite Eva und Mutter aller Lebenden, Mutter des Lebens, Morgenstern, mystischer neuer Himmel, Zepter der Orthodoxie, allunbefleckte Mutter der Heiligkeit und dergleichen nannten, hätten sie Ihren Protest gegen die Bezeichnung Mariens als Miterlöserin als armselige Entschädigung für solche Ausdrücke angesehen.“ (A Letter Addressed to the Rev. E. B. Pusey, D.D., on Occasion of His Eirenicon. Certain Difficulties Felt by Anglicans in Catholic Teaching, Volume 2, Longmans, Green, and Co., New York, 1900, p. 78.)

Der Begriff „Miterlöserin“, der an sich eine einfache Mitwirkung an der Erlösung durch Jesus Christus bezeichnet, hat seit mehreren Jahrhunderten in der theologischen Sprache und in der Lehre des ordentlichen Lehramtes die spezifische Bedeutung einer sekundären und abhängigen Mitwirkung.

Folglich stellt seine Verwendung keine ernsthafte Schwierigkeit dar, vorausgesetzt, dass er von klärenden Ausdrücken begleitet wird, die die Rolle Marias als sekundär und abhängig in dieser Mitwirkung betonen. (Vgl. Dictionnaire de la Théologie catholique, IX, art. Marie, col. 2396.)

Unter Berücksichtigung der Lehre über die Bedeutung und den richtigen Gebrauch der Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“, wie sie vom ordentlichen Lehramt konsequent vertreten und von zahlreichen Heiligen und Kirchenlehrern über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg bekräftigt wurde, besteht keine ernsthafte Gefahr, diese Titel in angemessener Weise zu verwenden.

Tatsächlich betonen sie die Rolle der Mutter des Erlösers, die aufgrund der Verdienste ihres Sohnes „durch ein enges und unauflösliches Band mit ihm verbunden ist“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, 53), und ist somit auch die Mutter aller Erlösten (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, 63).

In bestimmten Versionen des Gebets Sub Tuum Praesidium haben die Gläubigen seit Jahrhunderten voller Vertrauen die Muttergottes angerufen und sie „Domina nostra, Mediatrix nostra, Advocata nostra” genannt.

Und der heilige Ephrem der Syrer, ein Kirchenlehrer des vierten Jahrhunderts, der von der Kirche als „Harfe des Heiligen Geistes” verehrt wird, betete wie folgt:

„Meine Herrin, heiligste Mutter Gottes und voller Gnade. Du bist die Braut Gottes, durch die wir versöhnt worden sind. Nach der Dreifaltigkeit bist du die Herrin aller Dinge, nach dem Tröster Geist bist du eine weitere Trösterin, und nach dem Mittler bist du die Mittlerin der ganzen Welt, die Erlösung des Universums. Nach Gott bist du unsere ganze Hoffnung. Ich grüße dich, o große Mittlerin des Friedens zwischen den Menschen und Gott, Mutter Jesu, unseres Herrn, der die Liebe aller Menschen und Gottes ist, dem Ehre und Lobpreis sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Amen.“

(Oratio ad Deiparam, cf. S.P.N. Ephraem Syri Opera Omnia quae exstant… opera bet studio Josephi Assemani, Romae 1746, tomus tertius, p. 528ff. )

„Mit der Ablehnung des Titels ‚Miterlöserin‘ beraubt man die Heilige Jungfrau ihrer Krone.“

Don Davide Pagliarani, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X ©FSSPX (Screenshot)

Interview mit dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Aus Anlass der Veröffentlichung von Mater Populi fidelis.


„Mit der Ablehnung des Titels ‚Miterlöserin‘ beraubt man die Heilige Jungfrau ihrer Krone. Das trifft die katholische Seele in ihrem Innersten.“


FSSPX.Aktuell: Herr Pater Generaloberer, am 4. November wurde unter dem Titel Mater Populi fidelis ein Dokument des Dikasteriums für die Glaubenslehre veröffentlicht, das die Verwendung bestimmter Titel, die traditionell der Heiligen Jungfrau zugeschrieben werden, einschränkt. Was war Ihre erste Reaktion darauf?

Don Davide Pagliarani: Ich war schockiert! Zwar hat Papst Leo XIV. bereits seinen Willen zur Kontinuität mit seinem Vorgänger kundgetan, aber ich hätte nicht mit einem Dokument eines römischen Dikasteriums gerechnet, das darauf abzielt, die Verwendung der so bedeutungsreichen Titel einzuschränken, welche die Kirche traditionellerweise der heiligen Jungfrau zuschreibt. Meine erste Reaktion war eine Sühnemesse zur Wiedergutmachung dieses erneuten Angriffs gegen die Tradition und, was schwerer wiegt, gegen die Allerseligste Jungfrau Maria.

Denn faktisch wird ja nicht nur der Gebrauch der Titel der „Miterlöserin“ und der „Mittlerin aller Gnaden“ in Frage gestellt – vielmehr wird die traditionelle Bedeutung dieser Titel verfälscht. Das ist viel schlimmer, denn mit der Ablehnung dieser Wahrheiten beraubt man die Allerseligste Jungfrau ihrer Krone, und das trifft die katholische Seele im Innersten. Tatsächlich ist doch die Allerseligste Jungfrau mit der heiligen Eucharistie die kostbarste Gabe, die unser Herr uns hinterlassen hat.

Was hat Sie am meisten schockiert?

Don Davide Pagliarani: Vor allem die Tatsache, dass die Verwendung des Begriffs „Miterlösung“ als „immer unangebracht“ bezeichnet wird, was praktisch darauf hinausläuft, dass er verboten ist. Folgende Begründung wird dafür gegeben: „Wenn eine Begrifflichkeit viele und ständige Erklärungen erfordert, um einem abweichenden und irrigen Verständnis entgegen­zuwirken, leistet sie dem Glauben des Volkes Gottes keinen Dienst und wird unpassend.“

Und wir haben es ja durchaus nicht mit einer Formulierung zu tun, die von irgendeiner Seherin nach einer dubiosen Erscheinung geäußert wurde, sondern mit einem Ausdruck, den die Kirche seit Jahrhunderten verwendet und dessen genaue Bedeutung von Theologen eindeutig festgelegt wurde. Darüber hinaus haben auch mehrere Päpste diesen Ausdruck verwendet. Paradoxerweise hat sogar Johannes Paul II. diesen Titel mehrfach benutzt. In seiner Lehre definiert der heilige Pius X. sehr klar die Grundlage und die Tragweite der Miterlösung durch die Gottesmutter, auch wenn er diesen Begriff nicht direkt nennt, sondern stattdessen die Formulierung „Wiederherstellerin der gefallenen Menschheit“.

Was genau sagt er?

Don Davide Pagliarani: In seiner marianischen Enzyklika Ad diem illum (vom 2. Februar 1904) behandelt der heilige Pius X. ganz direkt und sehr klar die Miterlöserschaft, ja sogar die universale Mittlerfunktion Marias. Lassen wir ihm das Wort:

„Als nun das Lebensende ihres Sohnes herankam, ‚stand unter dem Kreuze Jesu sie, seine Mutter, zweifellos ergriffen von dem entsetzlichen Anblick, aber dennoch auch glücklich darüber, dass sich ihr Eingeborener für das Heil des Menschengeschlechtes opferte; und so sehr litt sie mit, dass sie, wenn dies möglich gewesen wäre, alle Marter ihres Sohnes von Herzen gern auf sich genommen hätte‘.

Die Folge dieser Gemeinschaft der Gefühle und Leiden zwischen Maria und Jesus ist, dass Maria ‚völlig zu Recht verdient hat, die Wiederherstellerin der gefallenen Menschheit zu werden‘,3 und deshalb auch zur Ausspenderin aller Gnadenschätze, die Christus durch seinen Tod und sein Blut erkaufte. Damit wollen Wir nicht gesagt haben, dass die Verleihung dieser Gnaden nicht eigentlich und rechtmäßig Christus zustehe; ausschließlich er hat durch seinen Tod die Gnaden uns erworben, und er ist aufgrund seiner Natur der Mittler zwischen Gott und den Menschen. Aber infolge dieser Teilnahme der Mutter an den Leiden und Bedrängnissen des Sohnes ist der hehren Jungfrau das Vorrecht geworden, ‚bei ihrem Sohn nun die mächtige Mittlerin und Versöhnerin der ganzen Welt‘ zu sein.

Christus ist die Quelle, ‚aus deren Fülle wir alle empfangen haben: ‚Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf.‘ Maria ist jedoch nur, nach der zutreffenden Bemerkung des hl. Bernhard, der ‚Aquädukt‘; oder auch der Hals, der den Leib mit dem Haupte verbindet und seinerseits Leben und Kraft vom Haupte weitergibt. Ja, sagt der heilige Bernardin von Siena, ‚sie ist der Hals unseres Hauptes, durch den alle geistlichen Gaben seinem mystischen Leib mitgeteilt werden.´´

Es braucht nicht mehr eigens betont zu werden, dass wir nie und nimmer der Gottesmutter die Kraft der übernatürlichen Gnadenbewirkung zuschreiben; diese gehört Gott allein an. Weil aber Maria alle an Heiligkeit und inniger Vereinigung mit Christus übertrifft und von ihm selbst zur Vollführung des Erlösungswerkes herangezogen wurde, in der Absicht, dass sie schicklicherweise (de congruo) für uns verdiene, was er von Rechts wegen (de condigno) verdient hat, so ist und bleibt sie die vornehmste Mitwirkerin bei der Gnadenverteilung. ‚Er sitzt zur Rechten der Majestät im Himmel,´´ Maria aber steht als Königin zu seiner Rechten, als ‚die bewährte Schützerin und zuverlässigste Helferin aller Gefährdeten. Keine Furcht und kein Zweifel muss den schrecken, den sie leitet, über dem sie schwebt, dem sie gnädig ist und den sie beschützt‘.“

Das ist ein langes Zitat, es enthält jedoch die Antworten auf die Schlussfolgerungen, welche in der lehrmäßigen Note des Glaubensdikasteriums formuliert wurden. Nur am Rande sei vermerkt, dass diese Enzyklika von Pius X. lediglich in einer Anmerkung am Ende des Textes erwähnt, aber nie zitiert wird. Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar: Sie ist unvereinbar mit der neuen theologischen Ausrichtung.

Aber was ist Ihrer Meinung nach der wahre Grund dafür, dass das Glaubensdikasterium das Konzept der Miterlösung nun als „immer unangebracht“ betrachtet?

Don Davide Pagliarani: Der Grund dafür ist in erster Linie ökumenischer Natur. Man muss sich klar machen, dass der Begriff der Miterlösung ebenso wie der der universellen Mittlerschaft mit der protestantischen Theologie und dem protestantischen Geist absolut unvereinbar sind. Diese Begriffe waren bereits zum Zeitpunkt des Konzils nach heftigen Debatten verworfen worden, obwohl ein Teil der Konzilsväter die Definition der universellen Mittlerschaft als Glaubensdogma gefordert hatte.

Diese vom Ökumenismus inspirierte Ausgrenzung hatte den verheerenden Effekt, dass der Glaube abnahm. Denn wenn man nicht regelmäßig an die traditionelle Lehre über die Heilige Jungfrau erinnert, geht sie irgendwann verloren. Mit anderen Worten: Die Verfasser dieses Dokuments sind tatsächlich davon überzeugt, dass es sich um Begriffe handelt, die für den Glauben gefährlich sind. Das ist katastrophal.

Der gesamte Text wiederholt andauernd, dass die Heilige Jungfrau in keiner Weise die Einzigartigkeit und Zentralität der Mittlerschaft unseres Herrn und seine einzigartige Rolle als Erlöser beeinträchtigen darf. Diese Sorge erscheint fast pathologisch, eine Art spirituelle Paranoia, die für einen Katholiken nicht erklärbar ist. Es kann doch kein Gläubiger, der in den Wahrheiten des Glaubens wohl unterrichtet ist, sich an die Heilige Jungfrau wendet und sich von ihr leiten lässt, Gefahr laufen, sie zum Nachteil unseres Herrn zu sehr zu verehren. Die vom Glauben erleuchtete Marienverehrung hat nur ein Ziel: uns zu ermöglichen, tiefer in das Geheimnis unseres Herrn und der Erlösung einzudringen. Vor dem Konzil hatte man das gut verstanden – und umgesetzt. Wir stehen hier vor einem Teufelskreis, der an Absurdität grenzt: Man warnt uns vor einem vermeintlich missbräuchlichen Mittel, um ein Ziel zu erreichen, obwohl uns genau dieses Mittel für genau dieses Ziel gegeben wurde.

Glauben Sie, dass das ökumenische Anliegen der einzige Grund für diesen Schritt des Vatikans ist?

Don Davide Pagliarani: Ich glaube, dass noch ein weiterer Grund berücksichtigt werden muss. Die im römischen Dokument beanstandeten Ausdrücke stehen in direktem Zusammenhang mit dem Geheimnis der Erlösung und der daraus fließenden Gnade. Tragischerweise ist aber der Begriff der Erlösung heute nicht mehr derselbe. Tatsächlich geht man zu den Begriffen „Sühneopfer für unsere Sünden“ und „genugtuendes Opfer für die göttliche Gerechtigkeit“ immer weiter auf Abstand. Man lehnt die Vorstellung eines Opfers ab, das Gott dargebracht wird, um seine Gerechtigkeit zu besänftigen. In der modernen Sichtweise braucht Unser Herr weder Verdienste zu erwerben noch für unsere Sünden Genugtuung zu leisten oder ein sühnendes Opfer darzubringen, denn die Barmherzigkeit Gottes ändert sich nicht angesichts der Wirklichkeit der menschlichen Sünde: sie ist unbedingt. Gott vergibt immer, aus reiner Freigebigkeit.

Daher ist Unser Herr der Erlöser in einem völlig neuen Sinn: Sein Tod ist nichts anderes als die letzte und höchste Offenbarung dieser barmherzigen Liebe des Vaters. Es ist also nicht verwunderlich, dass aus dieser Verzerrung der Erlösung unweigerlich eine grundlegende Unfähigkeit resultiert, zu verstehen, wie und warum die Allerseligste Jungfrau aufgrund ihrer Leiden damit in Verbindung gebracht werden könnte.

In diesem Zusammenhang enthält der Text des Glaubensdikasteriums eine aufschlussreiche Warnung: „Deshalb sind Titel und Bezeichnungen zu vermeiden, die sich auf Maria beziehen und sie als eine Art ‚Blitzableiter‘ für die Gerechtigkeit des Herrn darstellen, so als ob Maria eine notwendige Alternative zur unzureichenden Barmherzigkeit Gottes wäre.“

Kommen wir zurück zum Begriff der „Miterlösung“. Warum erscheint er Ihnen so wichtig?

Don Davide Pagliarani: Er ist in erster Linie Ausdruck einer einheitlichen Entwicklung des katholischen Dogmas und wurde als gemeinsame theologische Schlussfolgerung angesehen, von manchen sogar als eine Wahrheit, die als Glaubensdogma definiert werden kann. Der Begriff hat seinen Ursprung im Evangelium selbst und verdeutlicht die genaue Bedeutung der Verbindung mit dem Erlösungswerk, die unser Herr für seine Mutter gewollt hat.

Es handelt sich weder um eine parallele Erlösung noch um etwas, das dem Werk unseres Herrn hinzugefügt würde, wie uns eine gewisse Karikatur fälschlicherweise glauben machen möchte. Es handelt sich ganz einfach um eine absolut einzigartige Einbindung in das Werk Christi, die ohnegleichen ist, und die der Muttergottes ihren rechtmäßigen Platz zuerkennt und daraus die notwendigen Konsequenzen zieht.

Welche Argumente von Autoritäten verwendet der Text des Dikasteriums für die Glaubenslehre?

Don Davide Pagliarani: Diese theologische Note zitiert die ablehnende Meinung von Kardinal Josef Ratzinger, der der Ansicht war, dass der Begriff der Miterlösung nicht ausreichend in der Heiligen Schrift verankert sei. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Kardinal Ratzinger selbst zum Thema Erlösung Theorien vertrat, die nicht traditionell waren. Die Note stützt sich jedoch vor allem auf die Autorität von Papst Franziskus. Stellen wir seine Worte zusammen, wie sie im Text zitiert werden: Papst Franziskus „führte an, dass Maria ‚nie etwas von ihrem Sohn für sich selbst [hat] beanspruchen wollen. Sie hat sich nie als Mit-Erlöserin präsentiert. Nein, Jüngerin.‘ Das Erlösungswerk ist vollkommen und bedarf keinerlei Ergänzung. Deshalb, ‚die Gottesmutter wollte Jesus keinen Titel wegnehmen […]. Sie hat nicht für sich darum gebeten, eine Quasi-Erlöserin oder Mit-Erlöserin zu sein: nein. Der Erlöser ist einer allein, und dieser Titel verdoppelt sich nicht.‘ Christus ‚ist der einzige Erlöser: Es gibt keine Mit-Erlöser neben Christus.“

Diese Worte sind erschütternd. Sie sind eine Karikatur der wahren Gründe, auf denen die Miterlösung beruht. Sagen wir einfach, dass es nicht um das geht, was die Muttergottes sich gewünscht hätte – das wäre lächerlich. Es geht darum, anzuerkennen, was die göttliche Weisheit ihr gegeben und von ihr verlangt hat: Im einzigartigen Werk der Erlösung wurde ihr die Aufgabe übertragen, für uns eine angemessene Genugtuung zu leisten, während Jesus Christus für uns in strikter Gerechtigkeit Genugtuung leistete; aufgrund ihrer vollkommenen Liebe und ihrer einzigartigen Vereinigung mit Gott wurde ihr gegeben, für uns das zu verdienen, was unser Herr in strikter Gerechtigkeit verdient hat.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Miterlösung und der Vermittlung aller Gnaden?

Don Davide Pagliarani: Es ist offensichtlich, dass zwischen diesen beiden Begriffen ein Zusammenhang besteht: Aus diesem Grund wird auch der Titel „Mittlerin aller Gnaden” in Frage gestellt, da seine Verwendung mittlerweile als gefährlich gilt und daher dringend von ihm abgeraten wird, wie wir noch genauer sehen werden.

Aufgrund der Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Erlösungswerk und weil sie uns, wenn auch in anderer Weise, alles verdient hat, was unser Herr uns verdient hat, wurde sie von unserem Herrn selbst zur Spenderin aller so verdienten Gnaden eingesetzt. Dies geht aus den Untersuchungen der traditionellen Theologie sowie aus dem Lehramt des heiligen Pius X. hervor, das wir oben angesprochen haben.

Natürlich leugnet die lehrmäßige Note nicht die Möglichkeit, dass die Heiligen und die Allerseligste Jungfrau Verdienste erwerben können. Aber implizit stellt sie die universelle und notwendige Vermittlung Mariens bei der Verteilung der Gnaden in Frage: „In die vollkommene Unmittelbarkeit zwischen dem Menschen und Gott in der Mitteilung der Gnade kann nicht einmal Maria eingreifen. Weder die Freundschaft mit Jesus Christus noch das Innewohnen der Heiligsten Dreifaltigkeit können als etwas verstanden werden, das uns durch Maria oder die Heiligen zukommt. Was wir auf jeden Fall sagen können, ist, dass Maria dieses Gut für uns wünscht und gemeinsam mit uns darum bittet. […] Gott allein ist Quelle der Rechtfertigung, nur der dreifaltige Gott. Er allein erhebt uns, um den unendlichen Abstand, der uns vom göttlichen Leben trennt, zu überwinden; er allein wirkt in uns seine trinitarische Einwohnung, er allein hat Zugang zu unserem Inneren; er verwandelt uns und gewährt uns Teilhabe an seinem göttlichen Leben. Maria wird nicht dadurch geehrt, dass man ihr irgendeine Vermittlung bei der Verwirklichung dieses ausschließlich göttlichen Werkes zuschreibt.“

In Wirklichkeit hat uns die Allerseligste Jungfrau aus den bereits genannten Gründen nicht nur einige Gnaden, sondern alle und jede einzelne Gnade verdient; und sie hat uns nicht nur deren Anwendung, sondern auch deren Erlangung am Fuße des Kreuzes verdient: denn sie war mit Christus, dem Erlöser, im Akt der Erlösung hier auf Erden vereint, bevor sie im Himmel für uns Fürsprache einlegte.

Warum wird also vor der Verwendung des Begriffs „Mittlerin aller Gnaden“ gewarnt, und warum wird dieser Begriff als ungeeignet angesehen, um ein richtiges Verständnis der Rolle der Jungfrau zu gewährleisten?

Don Davide Pagliarani: Zu diesem Punkt können wir antworten, dass die Verfasser des Textes voreingenommen sind: Sie akzeptieren nicht, dass Gott anders entschieden – und die Tradition anders erklärt – hat, als es ihrer vorgefassten Meinung entspricht.

Es ist richtig zu sagen, dass unser Herr der einzige Mittler ist und dass es nur eine einzige Erlösung gibt, nämlich seine überreiche Erlösung. Aber so wie unser Herr frei die Mittel wählt, um die Erlösung zu verwirklichen – insbesondere indem er am Kreuz stirbt, obwohl er auch ein anderes Mittel hätte wählen können –, so wählt er auch frei, seine Mutter nach seinem Willen in sein Werk einzubeziehen. Niemand, nicht einmal der Präfekt des Glaubensdikasteriums, kann unserem Herrn die Macht absprechen, gemäß seiner göttlichen Weisheit zu handeln und seine Mutter zur Miterlöserin und universellen Mittlerin der Gnaden zu machen. Unser Herr ist sich dessen bewusst, dass er dadurch nichts von seiner Würde als Erlöser einbüßt. Aber die Konsequenz dieser Entscheidung unseres Herrn ist klar: So wie es notwendig ist, sich an ihn zu wenden, um gerettet zu werden, so ist es auch notwendig, sich an seine Mutter zu wenden, wenn auch in anderer Weise. Diese Notwendigkeit nicht anzuerkennen bedeutet, die Anordnungen unseres Herrn, die Tradition der Kirche und die Mittel, die den Christen zu ihrer Erlösung gegeben sind, abzulehnen.

Diese vorgefasste Meinung, um nicht zu sagen Halsstarrigkeit, taucht im Text sehr häufig auf. Beschränken wir uns auf einige Passagen: „Wenn wir bedenken, dass die trinitarische Einwohnung (ungeschaffene Gnade) und die Teilhabe am göttlichen Leben (geschaffene Gnade) untrennbar miteinander verbunden sind, können wir nicht annehmen, dass dieses Geheimnis durch einen ‚Durchgang‘ durch die Hände Mariens bedingt sein kann“; „keine menschliche Person, nicht einmal die Apostel oder die Gottesmutter, kann als universaler Spender der Gnade handeln“; „andererseits birgt der oben erwähnte Titel [Mittlerin aller Gnaden] die Gefahr, die göttliche Gnade so zu betrachten, als sei Maria eine Verteilerin geistiger Güter oder Energien, unabhängig von unserer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus.“

Wie beurteilen Sie aus pastoraler Sicht die Auswirkungen dieser Entschei­dungen des Glaubensdikasteriums?

Don Davide Pagliarani: Ich glaube sagen zu können, dass die negativen Auswirkungen vielfältig und katastrophal sein werden.

Zunächst einmal dürfen wir nicht vergessen, dass Maria das vollkommene Vorbild für ein christliches Leben ist. Indem der Text die Verbindung der Muttergottes mit dem Erlösungswerk herunterspielt, spielt er auch den Aufruf an jede Seele herunter, durch das Kreuz am Erlösungswerk, an der Wiedergutmachung und an der persönlichen Heiligung teilzunehmen. Das entspricht haargenau einer protestanti­schen Sichtweise des christlichen Lebens, in der kein Platz mehr für eine Mitwirkung am Werk Christi ist, das uns heiligt und erlöst. Aus diesem Grund hat Luther das religiöse Leben zerstört und jedes gute Werk, einschließlich der Heiligen Messe, als Beleidigung der Größe des Werkes Christi angesehen, das vollkommen ist und daher keiner Ergänzung bedarf. Jede Hinzufügung würde einer Verkürzung seiner Vollkommenheit gleichkommen. Als Katholiken bekennen wir genau das Gegenteil: Weil das Werk Christi vollkommen ist, kann es die Mitwirkung der Geschöpfe einschließen, ohne etwas von seiner ihm eigenen Vollkommenheit zu verlieren.

Zweitens erscheinen mir diese Entscheidungen des Glaubensdikasteriums im gegenwärtigen Umfeld katastrophal, insbesondere für den Glauben und das spirituelle Leben der einfachsten und bedürftigsten Seelen. Ich denke dabei an die sozialen und moralischen Randgebiete, um einen Begriff zu verwenden, der unter dem vorherigen Pontifikat in Mode war. Den am schlimmsten verlassenen Menschen bleibt oft nur noch die Allerseligste Jungfrau als Zuflucht in der aktuellen Wüste. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie eine einfache und aufrichtige Verehrung der Allerseligsten Jungfrau solchen Seelen das Heil sichern kann, die nicht einmal die Möglichkeit haben, regelmäßig einem Priester zu begegnen. Aus diesem Grund scheint mir ein Text des Glaubensdikasteriums, der Seelen vor traditionellen marianischen Begriffen warnen soll, unqualifiziert und pastoral unverantwortlich zu sein.

Schließlich müsste die Kirche selbst heute mehr denn je zuvor die erhabenen Eigenschaften der Allerseligsten Jungfrau wiederentdecken: Konfrontiert mit dem Druck einer Welt, welche die Seelen immer mehr in Apostasie und Unreinheit stürzt, bieten sich diese erhabenen Eigenschaften als das beste Mittel an, um diesem Druck zu widerstehen und nicht vom Glauben abzufallen.


Hätten Sie einen pastoralen Ratschlag für die Verfasser des Textes?

Don Davide Pagliarani: Der Gedanke, daran zu erinnern, dass unser Herr der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist und dass es nur eine einzige wahre Erlösung gibt, nämlich die seine, ist an sich lobenswert, und gerade heute muss man sich daran erinnern.

Das Problem besteht doch darin, dass es nicht die Katholiken sind, die man – mit dem schädlichen Ziel, sie vor Einmischungen oder einer angeblichen Konkurrenz durch die Allerseligste Jungfrau zu warnen – daran erinnern muss. Vielmehr müsste man diese Wahrheit den Juden, Buddhisten, Muslimen und all denen predigen und in Erinnerung rufen, die unseren Herrn nicht kennen, seien es nichtchristliche Gläubige oder Atheisten.

Übrigens wurde ja im Vatikan am 28. Oktober dieses Jahres der 60. Jahrestag der Verkündung von Nostra Aetate gefeiert, also des Konzilsdokuments, das die Grundlage für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen bildet. Das ist gelinde gesagt paradox, da dieser Dialog – der in den letzten sechzig Jahren zu den beklagenswertesten interreligiösen Treffen geführt hat – eine klare und ausdrückliche Leugnung der Tatsache ist, dass unser Herr der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, und dass die katholische Kirche gegründet wurde, um diese Wahrheit der Welt zu verkünden.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen anderen traditionellen marianischen Begriff, der es verdient, bekannter zu werden?

Don Davide Pagliarani: Im Offizium der Heiligen Jungfrau definiert die Liturgie sie als „diejenige, die sämtliche Häresien ausgerottet hat“. Ich denke, dass dieser Begriff durch theologische Forschung weiter vertieft werden sollte. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie die Kirche die Muttergottes als Hüterin der katholischen Wahrheit betrachtet. Das steht in direktem Zusammenhang mit ihrer Rolle als Mutter. Sie könnte nicht in jedem von uns unseren Herrn gebären, ohne uns die Wahrheit und die Liebe zur Wahrheit zu vermitteln, denn unser Herr ist die Wahrheit selbst, Fleisch geworden, den Menschen geoffenbart. Durch den Glauben und in der Reinheit des Glaubens werden die Seelen erneuert und haben die Möglichkeit, nach dem Bild unseres Herrn zu wachsen.

Ich glaube, wir begreifen diesen notwendigen Zusammenhang zwischen der Reinheit des Glaubens und der Authentizität des christlichen Lebens nicht hinreichend. Die Muttergottes, die alle Irrtümer zerstört, ist der Schlüssel zum Verständnis dieser Wahrheit.

Zum Abschluss dieses Gesprächs: Welches Gebet zu Ehren Unserer Lieben Frau würden Sie wählen?

Don Davide Pagliarani: Ganz ohne zu zögern würde ich das folgende Gebet wählen, das ebenfalls in der Liturgie zu finden ist:

„Dignare me laudare te, Virgo sacrata. Da mihi virtutem contra hostes tuos.
Würdige mich, dich zu preisen, heilige Jungfrau. Gib mir Kraft gegen deine Feinde.“

Dieses Gespräch wurde geführt in Menzingen am 9. November 2025, 
am Festtag der Weihe der Basilika des Allerheiligsten Erlösers.

Quelle: FSSPX

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Blasphemie-Verdacht

Pfarrvikar Michael Korell als Dracula verkleidet beim Halloween-Gottesdienst

Am 31. Oktober hielt Pfarrer Michael Korell von der Erzdiözese München einen „Halloween-Gottesdienst“ in der Trauerhalle des Freisinger Stadtfriedhofs ab. Mit einem Dracula-Umhang bekleidet, betete er neben einem halb geöffneten Sarg inmitten von Nebeleffekten. Etwa 50 Menschen nahmen daran teil.

Pfarrvikar Michael Korell als Dracula verkleidet beim Halloween-Gottesdienst

Kein Frieden in Sicht

©IMAGO/ITAR-TASS

Die Zeichen in Europa stehen weiter auf Krieg! In der Europäischen Union macht man sich keine Hoffnungen, dass ein naher Frieden und eine Normalisierung der Beziehungen zu Putin möglich sind.

„Ewiger Krieg“

So befürchtet der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, dass es in der Ukraine einen „permanenten ewigen Krieg“ geben könnte – also Kämpfe auch in den Folgejahren!

Keine Veränderung mit Putin

Tusk glaubt, dass es in Russland keine Veränderungen mehr geben wird, solange Putin an der Macht ist. Er warnt davor, dass die Russen trotz wirtschaftlicher Probleme eine hohe Opferbereitschaft zeigen.

Krieg nicht weit weg

Außerdem mahnte der Pole, dass der Krieg in der Ukraine für die anderen europäischen Staaten nicht weit weg sei. Russland könne mit nuklear bestückten ballistischen Raketen auch London erreichen, so Tusk im Gespräch mit der britischen Zeitung.

©IMAGO/ITAR-TASS

„Einzigartige Waffe“

Genau mit so einer Atomwaffe prahlt Putin jetzt. Wie der russische Präsident bekanntgab, habe man den neuartigen atomgetriebenen Marschflugkörper „Burewestnik“ („Sturmvogel“)  erfolgreich getestet.  „Es ist eine einzigartige Waffe, die niemand sonst auf der Welt hat“, so der Kreml-Herrscher.

„Unbesiegbare“ Waffe

Putin behauptet, dass „Burewestnik“ quasi unbesiegbar sei und jedes Abwehrsystem der Welt umgehen könne. Generalstabschef Waleri Gerassimow habe ihm mitgeteilt, dass die Rakete bei dem Testflug ganze 15 Stunden in der Luft war und dabei 14.000 Kilometer zurückgelegt habe.

Stationierung angeordnet

Jetzt soll mit der Stationierung der neuen Superwaffe begonnen werden, ordnete Putin an.

Quelle: msn

Edward Pentin: „Die Tradition spaltet nicht“

Nicht jene, die an der Tradition festhalten, spalten die Kirche, sondern jene, die mit der Tradition brechen.

Seit dem Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus im Jahr 2013 ist in der katholischen Kirche eine zunehmende Desorientierung, Spaltung und innere Unruhe zu beobachten, schreibt der Journalist Edward Pentin vom National Catholic Register und EWTN in seiner jüngsten Analyse. Während unter den Vorgängerpäpsten die Hauptverantwortung für kirchliche Spaltungen bei modernistischen Theologen und Klerikern lag, die von der kirchlichen Lehre abwichen, sei unter Franziskus ein tiefgreifender Wandel eingetreten: Die Dissidenten standen plötzlich nicht mehr am Rand, sondern übernahmen zentrale Machtpositionen – mit Unterstützung des Papstes selbst.

Als Wendepunkt benennt Pentin die sogenannte „Kasper-Initiative“ vom Februar 2014, die darauf drängte, wiederverheirateten Geschiedenen – wenn laut Kasper auch nur in bestimmten Fällen – zu erlauben, die Kommunion zu empfangen. Diese Initiative löste nicht nur kontroverse innerkirchliche Debatten aus, so Pentin, sondern wurde zum Symbol eines theologischen Umbruchs, der sich im nachfolgenden päpstlichen Schreiben Amoris laetitia von 2016 manifestierte. Dieses Dokument habe einen „Paradigmenwechsel“ eingeleitet, der nach Pentins Ansicht zahlreiche problematische, zum Teil häretische Ideen förderte und zu weiterer Polarisierung führte.

Die Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten: sieben formelle Correctiones filiales durch Kleriker und Laien, die berühmten fünf Dubia von vier Kardinälen, ein weiterer Dubia-Zyklus Jahre später, sowie der ungewöhnliche Appell, der Papst möge öffentlich seine Glaubenstreue bekennen. Das alles waren Reaktionen auf die wahrgenommene Gefahr eines „päpstlichen Schismas“. Das klingt absurd, bewegt und erschüttert aber seither die katholische Kirche.

Pentin beruft sich auf die Kirchenväter – insbesondere Augustinus, Irenäus und Vinzenz von Lérins – sowie auf Papst Leo XIII., um zu zeigen: Spaltungen in der Kirche entstehen nicht durch das Festhalten an der Lehre, sondern durch deren bewußte Veränderung oder Ablehnung. Die Überlieferung der apostolischen Lehre sei das Band kirchlicher Einheit. Neuerungen, die mit dieser Tradition brechen, seien hingegen die wahre Quelle von Spaltung.

Dennoch wurden, so Pentin, während des Pontifikats von Franziskus – und auch unter dessen Nachfolger Leo XIV. – ausgerechnet jene Katholiken, die sich zur überlieferten Lehre bekennen, als „Traditionalisten“ und „Indietristen“ verunglimpft und fälschlich beschuldigt, die Einheit der Kirche zu gefährden. Dabei verteidigen sie lediglich die kirchliche Kontinuität gegen eine „Sturmflut“ von ideologischen Einflüssen und heterodoxen Ideen.

Zwar erkennt Pentin an, daß auch innerhalb traditioneller Kreise radikale Stimmen zur Eskalation beigetragen haben, insbesondere in den sozialen Medien. Die Hauptverantwortung für die Spaltung sieht er jedoch eindeutig im Bruch mit dem kirchlichen Lehramt und nicht in dessen Verteidigung.

Abschließend appelliert Pentin an Papst Leo XIV., sein erklärtes Ziel – Frieden und Einheit in der Kirche – ernst zu nehmen und dazu die wahre Ursache der innerkirchlichen Spaltung zu erkennen: die Abkehr von der Tradition. Der „großen Lüge“, daß die Verteidiger der kirchlichen Lehre die Spalter seien, müsse entschieden widersprochen werden.

Quelle: Katholisches, G. Nardi & edwardpentin – Bild: Stilum curiae

Trotz Fake News – Spanischer Priester freigesprochen

Pfarrer Custodio Ballester

Das Provinzgericht von Málaga hat Pfarrer Custodio Ballester von der Erzdiözese Barcelona und Pfarrer Jesús Calvo von der Diözese León sowie den Journalisten Armando Robles vom Vorwurf der Aufstachelung zum Hass freigesprochen.

Die Richter befanden, dass einige ihrer öffentlichen Äußerungen zwar beleidigend oder unangemessen waren, aber nicht den gesetzlichen Schwellenwert für ein Hassverbrechen erfüllten. Das Strafrecht sollte nicht dazu missbraucht werden, falsche oder unangenehme politische Meinungen zu bestrafen, solange diese nicht ausdrücklich zu Gewalt oder Feindseligkeit aufstacheln, betonten die Richter.

Das Urteil kann noch vor dem Obersten Gerichtshof von Andalusien angefochten werden.

Die Anklagen stammen aus einer 2017 ausgestrahlten Sendung in der von Alerta Digital produzierten Sendung La Ratonera (Die Mausefalle) über den radikalen Islam in Katalonien. Die Priester und der Moderator Robles traten in der Sendung auf.

Pfarrer Ballester bezeichnete den Dschihadismus als einen „räuberischen Schandfleck“ und erklärte, dass „der radikale Dschihadismus und der gewalttätige Islam Europa und die westliche Zivilisation zerstören wollen“.

Pfarrer Calvo sagte, dass die Dschihadisten als „eindringende Flüchtlinge“ nach Spanien kämen und „das Zusammenleben schwierig machen“.

Die Staatsanwaltschaft beantragte die Höchststrafe für die Angeklagten: vier Jahre für den Moderator des Programms und jeweils drei Jahre für die Priester, dazu ein achtjähriges Berufsverbot und 3.000 Euro Geldstrafe.

Anfang dieses Monats verbreiteten mehrere englischsprachige Publikationen die Falschmeldung, dass Pfarrer Ballester schuldig gesprochen wurde.

Leo XIV. ernennt Wiener Erzbischof, der zum Ungehorsam aufrief.

Schulgottesdienst mit Josef Grünwidl 2023

Josef Grünwidl:  „Warum sollten Frauen den Altar nicht küssen?“

Pfarrer Josef Grünwidl, 62, ist der nächste Erzbischof von Wien. Er war Mitglied der berüchtigten ‚Priester-Initiative‘, die 2011 einen ‚Aufruf zum Ungehorsam‘ gegen kirchliche Gesetze lancierte.

Frühes Leben und Wirken

Josef Grünwidl wurde am 31. Januar 1963 in Hollabrunn, Niederösterreich, geboren. Ursprünglich träumte er davon, Musiker zu werden und studierte Orgel, bevor er sich für das Priesteramt entschied. Er wurde am 29. Juni 1988 im Stephansdom in Wien von Kardinal Franz König zum Priester geweiht.

Von 1995 bis 1998 diente er als persönlicher Sekretär von Erzbischof Christoph Schönborn.

Die ‚Invasion der Tauben‘

Für das Pfingstfest 2019 schuf Pfarrer Grünwidl in der Pfarrkirche von Perchtoldsdorf eine Installation, die an ein Kind erinnert.

Er füllte die große gotische Kirche mit über tausend weißen Papiertauben, die von der Decke hingen, und beschrieb dies als „ein Zeichen dafür, dass der Geist nicht domestiziert werden kann“.

Jüngste Ämter

Im Jahr 2023 ernannte ihn Kardinal Schönborn zum Bischofsvikar für das südliche Vikariat der Erzdiözese Wien.

Nach dem Rücktritt Schönborns im Januar 2025 ernannte Papst Franziskus Grünwidl zum Apostolischen Administrator.

Aufruf zum Ungehorsam gegenüber dem Kirchenrecht

Als Pfarrer von Kirchberg am Wechsel schloss sich Josef Grünwidl der antikatholischen ‚Pfarrerinitiative‘ (Priester-Initiative) an. Im Jahr 2011 veröffentlichte die Initiative einen ‚Aufruf zum Ungehorsam‘. Sie erklärten, das Kirchenrecht zu missachten, indem sie Frauen erlaubten, zu predigen und Liturgien zu leiten. Außerdem kündigten sie an, Ehebrechern die Heilige Kommunion zu reichen.

Kardinal Christoph Schönborn rügte Grünwidl für seine Beteiligung an der Initiative.

Wunsch nach verheirateten Priestern

In mehreren Interviews im Jahr 2025 hat Pfarrer Grünwidl den Zölibat kritisiert. „Die zölibatäre Lebensweise wird immer ihren Platz in der Kirche haben, aber sie sollte freiwillig sein, nicht verpflichtend. Das wäre mein Ansatz in dieser Frage.“

In einem Interview am 19. April stimmte er mit dem damals neu ernannten Grazer Weihbischof Johannes Freitag überein. „Ich sehe nicht ein, warum es notwendig sein sollte, zölibatär zu leben, um Priester zu sein“, sagte Grünwidl. Orthodoxe und protestantische Gemeinschaften zeigen, dass es durchaus möglich ist, den pastoralen Dienst mit einer Familie auszuüben.

Am 6. Oktober wiederholte er: „Der Zölibat sollte keine Voraussetzung für das Priesteramt sein, sondern eine frei gewählte geistliche Lebensform.“

Er befürwortet auch die Frauenordination

Bezüglich der Frauenordination sagte Grünwidl, dass „die Diskussion über den weiblichen Diakonat nicht unterdrückt werden darf“.

Er hat auch Sympathie für Vorschläge geäußert, Frauen in das Kardinalskollegium aufzunehmen.

In seiner Predigt im Stephansdom am 26. September las Grünwidl abschließend ein Gedicht von Andreas Knapp, um die Frage nach der Rolle der Frau in der Kirche zu unterstreichen.

Wenn eine Frau das ewige Wort Gottes geboren hat,
warum sollte sie dieses Wort nicht von der Kanzel aus verkünden?
Wenn eine Frau die Füße Jesu geküsst hat,
warum sollten Frauen nicht in der Lage sein, den Altar zu küssen?
Wenn eine Frau den Jüngern als Apostel vorausgegangen ist,
warum sollten sie nicht auch berufen sein, in das apostolische Amt zu folgen?

Musik, Natur und ‚Stunden in einer Kapelle‘

Grünwidl sagte, dass Musik und Naturerlebnisse für ihn „ein Weg zu Gott“ sind. Er fügte hinzu: „Die Anzahl der Wallfahrten, die ich mache, oder die Anzahl der Stunden, die ich in einer Kapelle verbringe, zeigt nicht, ob ich ein spiritueller Mensch bin.“

Unterstützung von der falschen Seite

Die „modernistischen Theologen“ Pfarrer Paul Zulehner (85) und Regina Polak begrüßten die erwartete Ernennung von Grünwidl.

Polak, die Grünwidl lobte, schrieb 2016: „Die Idee, dass Gott Mensch wird, ist ketzerisch – ein Glaube, der von dem abweicht, was in der Bibel bezeugt ist. Weder im Alten noch im Neuen Testament wird die Menschwerdung Gottes erwähnt.“