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„Der Drache des Traditionalismus“

Erzbischof Brandes bei seiner Predigt in Aparecida

(Brasilia) Aparecida ist der bedeutendste Marienwallfahrtsort in Brasilien. Er spielt aber auch für Papst Franziskus eine besondere Rolle. 2016 ernannte er den derzeit amtierenden Erzbischof, der die brasilianische Regierung angreift und im „Drachen des Traditionalismus“ die größte Bedrohung für die Kirche sieht.

1534 kamen die ersten Missionare, Jesuiten, in die küstennahe Gegend des heutigen Brasilien. 1717 erschien hier die Gottesmutter Maria. Daraus entstand der mit acht Millionen Pilgern jährlich, größte Wallfahrtsort des Landes.

Aparecida hat auch für Papst Franziskus eine besondere Bedeutung. Dort fand 2007 die V. und bisher letzte Generalkonferenz des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM statt. Der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Kardinal Bergoglio, leitete die Redaktion des Schlußdokuments. Die Bedeutung für ihn hat aber auch mit einer in manchen Kirchenkreisen geradezu mystischen Verklärung der II. Generalkonferenz zu tun, die 1968 in Medellin stattfand. Die Medellin-Konferenz war stark marxistisch geprägt und wurde zur Initialzündung für die marxistische Befreiungstheologie als eigenständiger, kirchlicher Strömung. 2013 besuchte Papst Franziskus Aparecida im Rahmen seiner ersten Auslandsreise zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

Beobachter sehen in der derzeit im Vatikan tagenden Amazonassynode das Bestreben, an Medellin anzuknüpfen und auf die Weltkirche zu übertragen.

Am vergangenen Samstag, den 12. Oktober, fand das Nationalfest Unserer Lieben Frau von Aparecida in Brasilien statt. Papst Franziskus übermittelte eine Grußbotschaft. Die riesige, zwischen 1955 und 1980 erbaute Wallfahrtskirche wurde 1981 zur Basilica minor erhoben und ist seit 1984 Nationalheiligtum von Brasilien. 2016 machte sie Papst Franziskus zur Kathedrale des Erzbistums Aparecida, das 1958 von Pius XII. errichtet worden war. Die erste Bischofsernennung erfolgte aber erst unter Paul VI. 1964.

Von 1995–2004 war der Befreiungstheologe Aloisio Kardinal Lorscheider OFM Erzbischof von Aparecida.

2016 ernannte Papst Franziskus Msgr. Orlando Brandes zum neuen Erzbischof und übergab ihm zugleich die größte Kirche Brasiliens als Bischofskirche. Das Marienheiligtum, von Redemptoristen betreut, die – von Erzbischof Brandes geduldet – aus der Sympathie für die Sozialistische Partei und Ex-Staatspräsident Luiz Ignacio Lula da Silva kein Hehl machen.

Erzbischof Brandes, der selbst nicht Synodale der Amazonassynode ist, hielt zum brasilianischen Nationalfest Unserer Lieben Frau von Aparecida die Predigt. Was der Erzbischof dabei sagte, sorgt seither für empörte Reaktionen in Brasilien und in der ganzen katholischen Welt.

Eine „der Absurditäten“ des Oberhirten, wie brasilianische Medien berichten, lautete, daß „die Rechte gewalttätig und ungerecht“ ist. Da der neue, von linken Kirchenkreisen in Brasilien angefeindete, katholische Staatspräsident Jair Bolsonaro zum Hochfest persönlich in der Kathedrale anwesend war, bestand für Beobachter kein Zweifel, daß er der Hauptadressat der erzbischöflichen Angriffe war.

Im Anschluß bemühte sich das Erzbistum die Wogen zu glätten mit dem Hinweis, der Erzbischof habe „die Ideologien“ und nicht die Regierungen gemeint.

Seither kleben seine Worte auf der Weltkirche, in der er ein bedrohliches Monster ausgemacht haben will. Seine Worte klingen unter diesem Blickwinkel nun so:

„Wir haben den Drachen des Traditionalismus. Die Rechte ist gewalttätig und ungerecht, sie richtet den Papst, die Synode, das Zweite Vatikanische Konzil hin.“

Der „Drache“ ist der Geheimen Offenbarung des Johannes entlehnt und meint den Feind, der gegen die Frau, Sinnbild der Gottesmutter, kämpft. Er wird am Ende vom Erzengel Michael und den Engeln besiegt und um jeden Zweifel auszuschließen, fragte der Fernsehsender Globo 1 den Erzbischof direkt. Seine Antwort:

„Die ganze Welt weiß, daß wir auf der Rechten viele Personen haben, die wegen ihrer traditionalistischen Sicht das Vaticanum und den Papst nicht akzeptieren – manchmal unter verschiedenen Namen, manchmal unter alten Namen.“

Für die brasilianische Internet-Tageszeitung Journal da Cidade kommentierte der Rechtsanwalt Guillermo Federico Piacesi Ramos in seiner Kolumne entsetzt:

„Wenn die Kirche heute mit einer Synode die Schaffung eines heidnischen Ökosozialismus predigt, den christlichen Glauben verhöhnt und entweiht, dann ist dies ausschließlich der Befreiungstheologie zu verdanken.“

Und weiter:

„Der pompöse Name ‚Befreiungstheologie‘ ist in der Tat ein bösartiger Plan der kommunistischen Desinformation, um die Kirche von innen zu untergraben und zu schwächen, denn eine Koexistenz von Sozialismus und christlichem Glauben kann es nicht geben.“

Die Amazonassynode und die Predigt von Erzbischof Brandes seien bezeichnende Belege dafür

Andere Kommentatoren sehen die Predigt unter dem Aspekt „Angriff als bestes Mittel der Verteidigung“. Der Erzbischof habe sehr wohl die Regierung Bolsonaro gemeint und zugleich innerkirchliche Kritiker attackiert. Beide werfen führenden Kreisen der brasilianischen Kirche und Papst Franziskus vor, mit der Amazonassynode die marxistische Befreiungstheologie unter dem neuen Schlagwort einer Ökobefreiungstheologie nicht nur rehabilitieren, sondern zum Maßstab für die Weltkirche machen zu wollen.

Quelle: katholisches Bild: Journal da Cidade/Youtube (Screenshots)

Amazonassynode – Berichte der Arbeitsgruppen

Circuli minores wollen verheiratete Priester und Frauendiakonat

Die Synodenarbeitsgruppen haben ihre Vorschläge vorgelegt: Etappe 2 auf dem „synodalen Weg“ zur Zölibatsabschaffung und zur Zulassung von Frauen zum Weihesakrament ist damit vollzogen.

(Rom) Die zweite Synodenwoche war geprägt von der Arbeit in den nach Sprachen getrennten Circuli minores. Deren Berichte sind ausgefallen, wie sie ausfallen mußten. Die Überraschungen, die sie enthalten, sind in Wirklichkeit keine … .

Zu den in den Arbeitsgruppen am häufigsten genannten Anliegen gehören die Forderung nach einer neuen Stellung der Frau in der Kirche und der Zulassung verheirateter Männer zum Priestertum. Anders ausgedrückt: Zölibatsabschaffung und erster Schritt zum Frauenpriestertum.

Das Ende des Zölibats war bereits beim Zweiten Vatikanischen Konzil angestrebt worden, aber am Widerstand nicht zuletzt von Papst Paul VI. gescheitert. Als Trostpflaster wurde der verheiratete Diakon zugelassen. Damit hatte man den Fuß in der Tür.

Es wurde zwar versichert, daß das ständige Diakonat in keiner Weise als Vorstufe zum Priestertum anzusehen sei, doch diese Aussage stand schon damals auf tönernen Füßen, wie alle Beteiligten, die einen bangend, die anderen freudig, wissen mußten. Ab jenem Augenblick war es nämlich nur mehr eine Frage der Zeit, bis sich die geeignete Gelegenheit ergeben würde.

Als Papst Benedikt XVI. gewählt wurde, schienen die Promotoren der 68er-Agenda, da bereits in die Jahre gekommen, zu resignieren. Sein überraschender Amtsverzicht 2013, an dem sie nicht unbeteiligt waren, öffnete ihnen, die meisten schon jenseits der 70, viele bereits hochbetagt, mit einem Schlag Perspektiven, die sie selbst schon nicht mehr für möglich hielten.

2019 soll auf das ständige Diakonat sehr wohl das verheiratete Priestertum folgen. Um mögliche Widerstände der Gesamtkirche auszuschalten, wurde eine Region ausgewählt mit geistig affinem Episkopat. Nicht einmal eine Ortskirche, sondern ein eigens zusammengeschusterter Raum, das Amazonasbecken, der so in der kirchlichen Jurisdiktion nicht existiert.

Parallel dazu wird dasselbe Schema bei den Frauen angegangen. Ihnen soll das Diakonat geöffnet werden, natürlich auch gleich das verheiratete. Wahrscheinlich wird man erneut versichern, daß es sich aber nicht um eine Vorstufe zum Frauenpriestertum handeln werde. Die wirklichen Absichten sind durchschaubar.

Nicht nur eine, sondern gleich viele der Circuli schlagen vor, daß Frauen Anteil am Weihesakrament erhalten sollen. In den Arbeitsgruppenberichten schlägt die handverlesene Selektion der Synodalen mit ganzer Wucht durch.

Ein kleiner, fein säuberlich ausgewählter Kreis soll den Kurs der Kirche bestimmen. Dieser von Franziskus bestimmte Zirkel richtet seine Wünsche an den Papst, der sie aufgreifen kann mit dem Hinweis, nicht eigene Vorschläge anzugehen, sondern „lediglich“ den Wünschen eines geographisch spezifischen Teils der Kirche zu entsprechen. Im Anschluß können dann aber alle Ortskirchen diese Ergebnisse übernehmen, ohne daß Franziskus eine Erlaubnis erteilen muß. Das sind die „Prozesse“, die er „anstoßen“ will. Ein Versteckspiel zur Verschleierung der Verantwortung, vor allem seiner päpstlichen Verantwortung.

Die Synodalen berufen sich bei ihren Vorschlägen auf das Instrumentum laboris (IL), was den Vorwurf einer gelenkten Synode der vorgefertigten Ergebnisse sicher nicht entkräftet.

Was wünschen die Synodalen?

Einige einschlägige Auszüge aus den Berichten der Arbeitsgruppen:

Beispiel 1

„Neben den Diensten des Lektors, der Ministranten, der ständigen Diakone, des Wortdienstes und des Taufdienstes ersuchen wir den Heiligen Vater unter anderem, daß er im Amazonasgebiet  verheiratete Männer zum Priesteramt und Frauen zum Diakonat zuläßt, bevorzugt Indigene, die in ihrer Gemeinde respektiert und anerkannt sind, auch wenn sie bereits eine stabile und etablierte Familie haben, um die Sakramente zu garantieren, die das christliche Leben der Gemeinde begleiten und unterstützen (IL 102,2). Auf diese Weise geben wir der Kirche ein weibliches und ein mütterliches Gesicht.“

Bespiel 2

„Angesichts der entscheidenden Präsenz von Frauen in der Heilsgeschichte wie Maria und die Mission der Kirche, die Heiligen, Kirchenlehrerinnen und Ratgeberinnen der Päpste;
angesichts der Tatsache, daß die Präsenz von Frauen für das Leben und die Sendung der Kirche im Amazonasgebiet von entscheidender Bedeutung ist und das Zweite Vatikanische Konzil das ständige Diakonat für Männer wiederhergestellt hat, weil es für die Kirche gut und nützlich ist, halten wir dasselbe Argument für gültig, um das Diakonat für Frauen in der Kirche im Amazonas zu errichten.“

Beispiel 3

„Das Zuhören vor der Synode brachte den Wunsch zum Ausdruck, viri probati [verheirateten Männern] die Priesterweihe sowie Frauen das Diakonat zu übertragen. Diese beiden Punkte erfordern eine stärkere Reifung und Vertiefung.“

Beispiel 4

„Es ist notwendig, daß in einer synodalen Kirche Frauen pastorale Verantwortung und Führungsverantwortung übernehmen, daß Frauen in der Kirche durch Ämter anerkannt werden; daher wird vorgeschlagen, eine Synode abzuhalten, die sich der Identität und dem Dienst der Frauen in der Kirche widmet und bei der Frauen Stimme und Stimmrecht haben.“

Beispiel 5

„Zur Möglichkeit, die Frage des Diakonats für Frauen in der Kirche zu erörtern: Diese Arbeitsgruppe ermutigt dazu, sich weiter mit dieser Angelegenheit zu befassen, indem man sich mehr mit ihren künftigen Möglichkeiten als mit der Frage ihrer vergangenen Geschichte befaßt.“

Beispiel 6

„Angesichts der Tradition der Kirche ist es möglich, den Zugang von Frauen zu den eingesetzten Diensten des Lektorats und der Ministranten sowie zum ständigen Diakonat anzuerkennen.“

Beispiel 7

„Wir brauchen in dieser Perspektive, daß die Dienste auf gerechte Weise auf Männer und Frauen übertragen werden, wenn sie die Möglichkeit, die Reife, die Tugend und die angemessene Ausbildung haben und das für angemessen erachtet wird, und ebenso bereits geleistete Dienste oder solche die bereits geleistet werden könnten, ob vorübergehend oder ständig, offiziell anerkannt werden: z. B . ständige Diakone, Versöhner, Lektoren, Delegierte des Wortes, Übersetzer, Katecheten, Animateure der Gemeinschaft, Beauftragte für die Caritas, Kommunionspender, Exorzisten-Heiler, Erzähler, Hüter des gemeinsamen Hauses und viele andere mehr, die je nach Kontext oder Bedarf je nach Aufgabe erforderlich sind.“

Beispiel 8

„In Bezug auf die Sendung der Frau in der Kirche wird vorgeschlagen, ein offizielles Amt für Frauen in der Kirche einzurichten (vgl. IL 129 a3), um die Teilnahme an der Kirchenleitung, die kein Weihesakrament erfordert, zu verstärken und zu fördern; immer weitere und relevantere Räume im Bildungsbereich zu gewährleisten: Theologie, Katechese, Liturgie und Schule des Glaubens und der Politik, stärkere Beteiligung an der Ausbildung von Seminaristen (IL 129 c2). Aufgreifen der theologischen Reflexion über das Diakonat der Frau gemäß der Sicht des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. LG 29, AG 16 IL 129 c2). Überdenken der Ämterstruktur der ganzen Kirche dank der besonderen Art der Frauen, mit den Menschen und für sie zu gehen. Ökonomische Aufwertung der kirchlichen Arbeit von Frauen, indem ihre Rechte garantiert werden und alle Stereotype überwunden werden (IL 146 e).“

Quelle: katholisches Bild: Vatican.va (Screenshot)

Gefeiert am 20. Oktober

Hl. Wendelin – Einsiedler, Abt in Tholey und Nothelfer

* um 554 in Schottland
† 617 in Tholey im Saarland

Wendelin war der Überlieferung nach ein schottischer Königssohn. Aus Ärger über seine religiöse Neigungen verlangte sein Vater von ihm, Schafe zu hüten. Mit sechs Genossen wollte er im Alter von 20 Jahren nach Rom wallfahren, gelangte aber nur bis Trier, entweder auf der Hinreise oder nach erlangter Segnung durch den Papst auf der Rückreise.

Dort übernahm Wendelin Hirtendienste bei einem Edelmann und trieb das Vieh bis zu einem sieben Meilen entfernten Berg, wo er gerne betete. Der als räuberisch geschilderte Herr der Herde kam unerwartet vorbei und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte und ihm das zum Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde bringen können. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken bat der Herr Wendelin um Vergebung und baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey, dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden war.

Als Wendelin starb, bestatteten ihn seine Mönche, von vielen Kerzen umgeben, fanden aber am nächsten Morgen den Leichnam neben dem Grab. Sie nahmen dies als Zeichen, dass er woanders begraben sein wollte und spannten Ochsen vor einen Wagen; diese fuhren ihn, von selbst den Weg findend, auf den Berg, auf dem er betend so oft geweilt hatte.

Wendelin wurde erstmals in der von Eberwin, Abt in Trier und Tholey, um 1000 verfassten Lebensgeschichte des Trierer Bischofs Magnerich erwähnt: während Magnerichs Amtszeit habe ein frommer Einsiedler mit Namen Wendelin im Waldgebirge des Vosagus gelebt; zusammen mit Ingobert und Disibod zähle er ihn zu den Deo militantes, Gottesstreitern, die im 6./7. Jahrhundert im Gebiet des Pfälzer Waldes und des Hunsrück gewirkt haben. Das Kalendarium von Stablo kannte im 10. Jahrhundert die Verehrung Wendelins in Basonis Villare, das aufgrund der immer stärker einsetzende Verehrung des Ortsheiligen um 1050 nach ihm in St. Wendel umbenannt wurde; 1360 wurden die Reliquien in den Chor der neu erbauten und nach ihm benannten Wallfahrtskirche in St. Wendel überführt. Im Spätmittelalter förderten die Bischöfe von Trier die Wallfahrten, aber durch die Reformation nahmen die Pilgerströme ab. Im 18. / 19. Jahrhundert kam es zu einer erneuten Blüte. Es gibt kaum einen Volksheiligen, dessen Verehrung so weit verbreitet ist, sagte 2010 der St. Wendeler Pastor Anton Franziskus mit Blick auf die zahlreichen Wendelinuspfarreien in vielen Ländern der Welt.

Drei lateinische Wendelins-Legenden entstanden im 14. und 15. Jahrhundert. Im Rhein-Moselgebiet, aber auch in Bayern, ist Wendelins Verehrung bis heute weit verbreitet. Durch Auswanderer kam sie auch nach Nord- und Südamerika. Bei der heute bedeutendsten Wendelinus-Wallfahrt führt alljährlich die Prozession von der Pfarrkirche in Nussbach, Ortsteil von Oberkirch, durch die Weinberge hoch zur Wendelinuskapelle Bottenau mit circa 100 Pferden und 500 Gläubigen. In jüngster Zeit wird er zunehmend auch als Patron für Natur- und Umweltschutz verehrt.

 

Hl. Cornelius – erster Heidenchrist, Bischof von Cäsarea, Märtyrer

† um 60

Cornelius war Hauptmann der römischen Armee in Cäsarea und durch seine Wohltätigkeit bekannt. Aufgrund einer Vision rief er den Apostel Petrus zu sich, der folgte der Einladung nach einer Offenbarung, die seine Bedenken gegen die Begegnung mit einem römischen Heiden zerstreute. Petrus taufte Cornelius als den ersten Nichtjuden, mit ihm Verwandte und Freunde (Apostelgeschichte 10). Noch vor der in der Urchristenheit umstrittenen Entscheidung zur Heidenmission auf dem Apostelkonzil von 48 wurde so der Grundstein zur Verbreitung des christlichen Glaubens über das Judentum hinaus getroffen und von Petrus begründet (Apostelgeschichte 11, 1 – 18).

Cornelius wurde der Überlieferung nach später Bischof in Cäsarea, er gilt demnach auch als Märtyrer.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

20.10.2019

Hl. Johannes Klimakos (575-650) Mönch auf dem Sinai

Gebet ist seiner Beschaffenheit nach Umgang und Vereinigung des Menschen mit Gott, der Wirkung nach dagegen Erhaltung der Welt, Aussöhnung mit Gott, Mutter und zugleich Tochter der Tränen, Vergebung der Sünden, Brücke über die Versuchungen, Schutzwall vor Betrübnissen, Aufhören der Kriege […] künftiger Frohsinn, ewige Beschäftigung, Quelle der Tugenden, Ursache für die Gnadengaben, unsichtbarer Fortschritt, Nahrung der Seele, Erleuchtung des Geistes, Axt gegen die Verzweiflung, Beweis der Hoffnung, Lösung der Traurigkeit […] Verminderung des Zorns, Spiegel des Fortschritts, das Sichtbarwerden des geistlichen Zustands, die Offenbarung des Zukünftigen, ein Kennzeichen des Ruhmes […] Erwirb dir jede Tapferkeit, und du wirst Gott zum Lehrer deines Gebetes haben. Sehen kann man nicht durch Worte erlernen, weil es von der Natur abhängt, noch kann man die Schönheit des Gebetes von einer fremden Lehre erfahren, denn dies hat Gott zum Lehrer, welcher „den Menschen Wissen lehrt und dem Betenden das Gebet gibt“ (vgl. Ps 94(93),10) und die Jahre der Gerechten segnet (1 Kön 2,9). Amen.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Tagesevangelium – 20.10.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 18,1-8

Hier zum Nachhören

In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern?
Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Gefeiert am 19. Oktober

Hl. Johannes de Brébeuf und Isaak Jogues und Gefährten

Hl. Jean de Brébeuf – Ordensmann, Priester, Missionar, Märtyrer

* 25. März 1593 in Condé-sur-Vire in der Normandie in Frankreich
† 16. März 1649 in St-Ignace in Kanada

Isaak Jogues – Ordensmann, Priester, Missionar, Märtyrer

* 10. Januar 1607 in Orléans in Frankreich
† 18. Oktober 1646 in Ossernenon – nahe dem heutigen Auriesville – im Bundesstaat New York

Die Mission bei den Indianerstämmen der Irokesen und Huronen (im Grenzgebiet zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten) wurde nach erfolglosen Versuchen der Franziskaner (1615 und 1622) von 1625 an von den französischen Jesuiten aufgenommen. Auch sie stießen auf harte Widerstände. In den Jahren 1642-49 fanden sieben Jesuitenmissionare in diesem Gebiet den Märtyrertod, darunter die Priester Johannes de Brébeuf und Isaak Jogues, beide nach unglaublichen Anstrengungen und Leiden. Mit ihnen wurden 1931 fünf weitere Märtyrer dieses Missionsgebietes heilig gesprochen.

 

Hl. Paul vom Kreuz – Priester und Ordensgründer

* 3. Januar 1694 in Ovada bei Genua in Italien
† 18. Oktober 1775 in Rom

Der Gründer des Passionistenordens wurde 1694 in Ovada in der Republik Genua geboren. Sein Vater Lukas Danei war ein Geschäftsmann. Von seiner frommen Mutter lernte er früh die Verehrung des Leidens Christi. Seine Absicht, mit den Venezianern gegen die Türken in den Krieg zu ziehen, musste er aufgeben. 1720 erhielt er vom Bischof von Alessandria, der die Berufung des jungen Mannes prüfte und als echt anerkannte, das schwarze Bußgewand. 1722 wurde er zusammen mit seinem Bruder Johann Baptist zum Priester geweiht und erhielt die Erlaubnis, Novizen aufzunehmen. 1737 konnten sie in Orbetello eine erste Niederlassung gründen. Paul wurde in dieser Zeit ein erfolgreicher Missionsprediger in den Städten Italiens. Seine Gründung, der „Orden vom Leiden Jesu“, wurde 1769 von Papst Klemens XIV. endgültig bestätigt, und Paul musste, trotz seiner angegriffenen Gesundheit, das Amt des Generaloberen übernehmen. Er starb 1775 in Rom.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

19.10.2019

Brief der Kirche von Smyrna über das Martyrium des hl. Polykarp (69–155)

„Der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst“

Als Polykarp in die Rennbahn eintrat, erscholl eine Stimme vom Himmel: „Mut, Polykarp, halte dich männlich!“ Den Redenden sah niemand, die Stimme aber hörten alle, die von den Unsrigen anwesend waren. Wie schon gesagt wurde, war bei seinem Eintreten der Lärm groß, da man gehört hatte, dass Polykarp ergriffen worden war. Als er nun vorgeführt wurde, fragte ihn der Prokonsul, ob er Polykarp sei. Er bejahte das, worauf jener ihn bereden wollte [Christus] zu verleugnen und sagte: „Bedenke dein hohes Alter […] schwöre beim Glück des Kaisers! Gehe in dich […] fluche Christus!“ Da entgegnete Polykarp: „Sechsundachtzig Jahre diene ich ihm, und er hat mir nie ein Leid getan; wie könnte ich meinen König und Erlöser lästern?“ Als der Prokonsul aber aufs neue in ihn drang […] antwortete Polykarp: „Wenn du dir mit dem Gedanken schmeichelst, ich würde, wie du es nennst, beim Glück des Kaisers schwören, und so tust, als wüsstest du nicht, wer ich bin, so höre mein freimütiges Bekenntnis: Ich bin ein Christ. Willst du aber die Lehre des Christentums kennen lernen, so bestimme mir einen Termin zur Aussprache“. Der Prokonsul sagte: „Rede dem Volk zu!“ Polykarp antwortete: „Dich habe ich einer Erklärung für würdig gehalten; denn man hat uns gelehrt, den von Gott gesetzten Obrigkeiten und Gewalten die gebührende Ehre zu erweisen, wenn sie uns [unserm Gewissen] keinen Schaden bringt; jene aber halte ich nicht für wert, mich vor ihnen zu verteidigen.“ Da erklärte der Prokonsul: „Ich habe wilde Tiere, denen werde ich dich vorwerfen lassen, wenn du nicht anderen Sinnes wirst.“ Polykarp aber entgegnete: „Lass sie kommen; denn unmöglich ist uns die Bekehrung vom Besseren zum Schlimmeren; ehrenvoll aber ist es, sich vom Schlechten zur Gerechtigkeit hinzuwenden.“ Jener aber fuhr fort: „Wenn du dir aus den Tieren nichts machst, lasse ich dich vom Feuer verzehren, sofern du deine Meinung nicht änderst.“ Darauf sagte Polykarp: „Du drohst mir mit einem Feuer, das nur eine Stunde brennt und nach kurzem erlischt; denn du kennst nicht das Feuer des zukünftigen Gerichtes und der ewigen Strafe, das auf die Gottlosen wartet. Doch was zögerst du? Hole herbei, was dir gefällt!“ […] Das wurde schneller ausgeführt, als es erzählt werden kann. Die Volksmassen trugen auf der Stelle aus den Werkstätten und Bädern Holz und Reisig zusammen […] Als der Holzstoß errichtet war, legte er alle seine Oberkleider ab, löste seinen Gürtel und versuchte, auch seine Schuhe auszuziehen. Das hatte er früher nicht getan, weil allezeit die Gläubigen wetteiferten, wer zuerst seinen Leib berühre; denn wegen seines guten Wandels war er schon vor seinem Martyrium mit aller Tugend geschmückt.

Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, München 1913, Kapitel 9–13

Tagesevangelium – 19.10.2019

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 12,8-12

Hier zum Nachhören

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben. Wenn man euch vor die Gerichte der Synagogen und vor die Herrscher und Machthaber schleppt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Gefeiert am 18. Oktober

Hl. Lukas – Apostel und Evangelist

* in Antiochia, dem heutigen Antakya in der Türkei
† 84 in Thiva in Griechenland

Lukas, der als Verfasser des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte gilt, war nach der Überlieferung in Antiochien in Syrien als Heide geboren; nach Kol 4, 14 war er Arzt und hat als solcher gewiss auch den Apostel Paulus behandelt. Für sein Evangelium hat er als Quellen das Markusevangelium und andere Überlieferungen benützt, dem Ganzen aber sein persönliches Gepräge gegeben. Er betont vor allem die Barmherzigkeit Gottes und die Liebe Jesu zu den Armen und Sündern; über das Gebet und über den Heiligen Geist sagt Lukas mehr als Matthäus und Markus. In der Apostelgeschichte berichtet er mit historischem Blick und literarischer Kunst über die Anfänge des Christentums. Auch hier hat er verschiedene Quellen benützt; zum guten Teil konnte er als Augenzeuge berichten, da er Paulus auf der zweiten und der dritten Missionsreise begleitete und auch während der römischen Gefangenschaft in seiner Nähe war (vgl. Kol 4, 10-14; Phlm 24; 2 Tim 4, 11). Die liturgische Verehrung des hl. Lukas ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt.

 

Hl. Gwen – Mutter

lebte in der Bretagne in Frankreich
† vor 500

Gwen war die Frau des bretonischen Königs Fragan und die Mutter von Jacut und Guengalaenus (Guethenoc, Guénolé, Winwalvë), die als Einsiedler oder Mönche in ihrer Heimat lebten.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria