Archiv des Autors: admin

Hochfest Christkönig – letzter Sonntag im Jahreskreis

Origenes – Priester und Theologe

„Dein Reich komme“ (Mt 6,10)

Das Reich Gottes kann nicht zugleich mit einem Reich der Sünde bestehen. Wenn wir demnach von Gott regiert werden wollen, so „regiere in keiner Weise die Sünde in unserm sterblichen Leib“ (vgl. Röm 6,12). […] Vielmehr „wollen wir in uns das abtöten, was noch irdisch ist“ (vgl. Kol 3,5) und die Früchte des Geistes ernten, damit der Herr in uns wie in einem geistigen „Paradies“ wandle und uns allein mit seinem Gesalbten regiere, der in uns „zur Rechten“ der geistigen „Kraft“ (vgl. Mt 26,64) sitzt, um die wir im Gebet flehen, und (daselbst) sitzt, „bis“ alle seine Feinde in uns „zum Schemel seiner Füße“ geworden sind (vgl. Ps 109(110),1), und von uns aus „alle Herrschaft, Gewalt und Macht vernichtet ist“ (vgl. 1 Kor 15,24). Denn es ist möglich, dass dies bei einem jeden von uns geschieht, und dass „der letzte Feind vernichtet wird, der Tod“ (vgl. 1 Kor 15,26), damit Christus auch in uns spreche: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55). Schon jetzt soll demnach „das Vergängliche“ von uns die in Keuschheit und aller Reinheit bestehende Heiligkeit und „Unvergänglichkeit“ anziehen, und „das Sterbliche“ soll sich, wenn der Tod vernichtet ist, mit „der Unsterblichkeit“ des Vaters umkleiden (vgl. 1 Kor 15,53f.); sodass wir, von Gott regiert, uns schon jetzt inmitten der Güter der neuen Geburt (vgl. Mt 19,28 (Vulg.)) und der Auferstehung befinden.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Tagesevangelium – 25.11.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes – Joh 18,33b-37

In jener Zeit fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?
Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Gefeiert am 24. November

Hl. Andreas Dung-Lac – Priester und Märtyrer

* 1785 bei Bac Ninh in Vietnam
† 21. Dezember 1839 in Hanoi in Vietnam

Andreas, mit bürgerlichen Namen Dung An Trân, war Sohn armer nichtchristlicher Eltern aus Tonkin. Diese zogen nach Hanoi, als Andreas zwölf Jahre alt war; hier wurde er von einem katholischen Katecheten versorgt, katholisch erzogen und getauft. Er wirkte drei Jahre als Katechet, studierte Theologie, wurde 1823 zum Priester geweiht und wirkte als Pfarrer in Ke-Dâm. In den Christenverfolgung unter Kaiser Minh-Mang’s wurde er 1835 ins Gefängnis geworfen, woraus er aber durch Lösegeldzahlungen seiner Gemeindeglieder frei kam.

Um den Verfolgungen zu entgehen, Änderte er seinen Namen in Andreas Lac und wirkte fortan in einer neuen Gemeinde, aber am 10. November 1839 wurde er zusammen mit Peter Truong Van Thi wieder verhaftet; nach erneuter Freilassung aufgrund von Lösegeldzahlungen wurden beide bald erneut gefangen genommen, nach Hanoi gebracht, gefoltert und schließlich enthauptet.

Tagesevangelium – 24.11.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 20,27-40

In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig. Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet. Und man wagte nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Angriff auf das Motuproprio Summorum Pontificum?

von Clemens Victor Oldendorf

Wie berichtet, hört man aus Italien, dass Erzbischof Carlo Roberto Maria Redaelli von Gorizia und Gradisca das Motuproprio Summorum Pontificum angegriffen habe.

Die genauen Formulierungen, die der Erzbischof gewählt hat, liegen mir nicht vor. Der Sache nach sind seine kanonistischen Einschätzungen meines Erachtens grundsätzlich jedoch zutreffend. Weshalb? Entgegen aller historischen Fakten ging Benedikt XVI. von der Annahme aus, von allem Anfang an habe Paul VI. nur beabsichtigt, neben den überlieferten Usus des Römischen Ritus einen neueren treten zu lassen. Dieser habe zwar praktisch (und auch rechtlich) Vorrang vor dem älteren Gebrauch haben, aber nicht völlig an dessen Stelle treten sollen.

Dagegen spricht, dass Paul VI. das Buch, das er veröffentlichen ließ, Missale Romanum genannt hat. Er ließ es 1970 als Editio typica herausgeben. Indem eine Ausgabe als typisch bezeichnet wird, tritt sie an die Stelle der vorangegangenen Editio typica, in diesem Falle jener von 1962.

Zwar wurden dadurch keine eigenen Editiones typicae geschaffen, aber schon mit der Instruktion Inter Oecumenici (1964) wurde die Geltung der im MR1962 vorgeschriebenen Rubriken erkennbar, mit der Instruktion Tres Abhinc Annos (1967) deutlich modifiziert. Genaugenommen war also das MR1962 völlig uneingeschränkt in der ganzen Kirche des Lateinischen Ritus gerade einmal vielleicht zwei Jahre in Geltung, wenn man etwas großzügiger ist, höchstens fünf Jahre für den Römischen Ritus gesamtkirchlich in Kraft.

Beide Instruktionen wurden für den Geltungsbereich von Summorum Pontificum außer Kraft gesetzt, ebenso naturgemäß die gesamte nachkonziliare, liturgische Gesetzgebung, insofern sie mit den 1962ger Rubriken unvereinbar sein würde. Einzige Ausnahme ist, dass in der mit dem Volk gefeierten, gelesenen Messe Epistel und Evangelium sogleich und anstelle des Lateins in der Volkssprache vorgetragen werden können.

Von dieser extrem kurzen, gesamtkirchlichen Geltung der liturgischen Bücher von 1962 her gesehen fragt sich ohnehin, wie sie geeignet sein sollen, jetzt fundiert „die liturgische Tradition der Römischen Kirche“ zu repräsentieren, das gilt umso mehr, als die Editio typica von 1962 die erste war, in die die rituellen Änderungen der Liturgie der Karwoche, wie sie Pius XII. verfügt hatte, Eingang fanden, welche ihrerseits ebenfalls gerade einmal von 1955 bis maximal 1967 allgemein verwendet wurden. Formal betrachtet ist der Bezugspunkt auf die Editio typica von 1962 auch seitens der Piusbruderschaft verständlich und auch kanonistisch stringent: Sie war nun einmal faktisch die letzte vorkonziliare Editio typica, sachlich und inhaltlich wirft sie durchaus bereits Fragen auf, vor allem, weil sie nur beanspruchen kann, ein extrem kurzes Stadium der vorkonziliaren, liturgischen Praxis zu verkörpern.

Zwar gab es von Anfang an Indulte, am älteren Messritus festzuhalten, doch waren sie entweder weltweit auf alte und kranke oder gebrechliche Priester beschränkt, also von vorherein offenkundig als Übergangslösung, um nicht zu sagen als Auslaufmodell gedacht oder aber (das Indult für England) setzten die Anwendung von Inter Oecumenici und Tres Abhinc Annosvoraus.

Was Erzbischof Raedelli übersieht, ist meines Erachtens, dass Benedikt XVI. die These von der Zweigestaltigkeit des einen Römischen Ritus nicht bloß als privater Theologe oder Kirchenrechtler vertreten hat, sondern in seiner Eigenschaft als damals amtierender, höchster Gesetzgeber der Kirche. Als solcher war er kompetent, seine These juridisch als fictio mit Rechtskraft auszustatten.

Quelle: katholisches.info Foto: Jens Falk

Tagesevangelium – 23.11.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 19,45-48

In jener Zeit ging Jesus in den Tempel und begann, die Händler hinauszutreiben.
Er sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. Er lehrte täglich im Tempel. Die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die übrigen Führer des Volkes aber suchten ihn umzubringen.
Sie wussten jedoch nicht, wie sie es machen sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihn gern.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

22.11.2018 – Donnerstag der 33. Woche im Jahreskreis

Hl. Rafael Arnáiz Barón (1911-1938) – spanischer Trappisten-Mönch

„Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Frieden bringt“

Ich schaute aus einem Fenster … Die Sonne ging gerade auf. Ein großer Friede herrschte in der Natur. Alles begann zu erwachen: die Erde, der Himmel, die Vögel. Alles – ganz allmählich – wachte auf, sanft dem Auftrag Gottes entsprechend. Alles gehorchte seinen göttlichen Gesetzen, ohne Klagen und ohne Überstürzung, sanft und friedlich, sowohl das Licht als auch die Finsternis, sowohl der blaue Himmel als auch die harte Erde, bedeckt mit dem Tau der Morgenfrühe. Wie gut ist Gott! – dachte ich. Überall ist Friede, außer im Herzen des Menschen! Behutsam und sanft lehrte mich Gott durch diesen wunderschönen und friedvollen Tagesanbruch den Gehorsam … Ein großer Friede erfüllte meine Seele. Ich dachte daran, dass nur Gott gut ist, dass alles von ihm geordnet ist und dass mir das, was die Menschen tun und sagen, gleichgültig sein soll. Für mich darf es auf der Welt nur eines geben: Gott! Gott, der alles zu meinem Wohl ordnet. Gott, der jeden Morgen die Sonne aufgehen, den Reif vergehen, die Vögel singen und die Wolken des Himmels in tausend sanften Farben erscheinen lässt; Gott, der mir ein Eckchen zum Gebet auf der Erde anbietet, der mir ein stilles Plätzchen schenkt, wo ich das erwarte, worauf ich hoffe. Gott, der so gut zu mir ist, dass er im Schweigen zu meinem Herzen spricht und mich allmählich lehrt – vielleicht unter Tränen, aber immer mit dem Kreuz -, mich von den Geschöpfen zu lösen, die Vollendung nirgendwo anders zu suchen als in ihm. Er zeigt mir Maria und sagt mir: „Sieh hier, das einzig vollkommene Geschöpf. In ihr findest du die Zuneigung und Liebe, die du bei den Menschen nicht antriffst. Worüber beklagst du dich, Bruder Rafael? Liebe mich, leide mit mir, ich bin Jesus!“

Worte des heiligen Trappisten-Bruders Rafael Arnáiz Barón

Lass mich unter Deinem Kreuz leben, ohne an mich selbst zu denken, ohne etwas anderes zu wollen oder zu wünschen als – wie von Sinnen – das göttliche Blut zu betrachten, das die Erde tränkt!

Lass mich weinen, Herr, aber weinen, weil ich sehe, wie wenig ich für Dich tun kann! Weinen, weil ich Dich so sehr beleidigt habe, als ich fern war von Deinem Kreuz! Lass mich darüber weinen, dass Dich die Menschen vergessen, sogar die guten!

Lass mich, Herr, unter Deinem Kreuz leben… tagsüber, nachts, bei der Arbeit, in der Ruhe, im Gebet, beim Studium, beim Essen, während des Schlafes, immer, immer!

Wie weit entfernt ist die Welt, wenn ich an das Kreuz denke! Wie kurz wird mir der Tag, wenn ich ihm mit Jesus auf Golgatha verbringe! Wie sanft und ruhig ist das Leiden, das gemeinsam mit dem gekreuzigten Jesus erlitten wird!

Vor nicht langer Zeit erkannte ich, wie kostbar die Wege Christi sind. Aber es ist im Kreuz, wo ich immer Trost gefunden habe. Es ist im Kreuz, wo ich das Wenige, das ich weiß, gelernt habe. Es ist im Kreuz, wo ich stets mein Gebet und meine Meditationen verrichtet habe… In Wirklichkeit kenne ich keinen besseren Ort und bin unfähig, ihn zu finden – also lebe ich im Frieden.

Herr, weil ich die göttliche Schule Deines Kreuzes sehe, weil ich erkenne, dass es auf Golgatha ist, wo ich Maria Gesellschaft leiste, wo ich einzig und allein lernen kann, mich zu bessern, Dich zu lieben, mich zu vergessen und zu verachten, darum: „Lass nicht zu, dass ich mich von Dir trenne!“

Wie gut ist Gott zu mir! Ja, ich bin nicht fähig, es in Worte zu fassen. Er holt mich mit Gewalt aus der Welt. Er schickt mir ein Kreuz und bringt mich in die Nähe des Seinen… Und so: Nur warten! Warten im Glauben, mit Liebe! Warten und das Kreuz umfangen!

Ach, die Torheit des Kreuzes, wer sie doch besäße! Ach, wenn die Welt doch um den Schatz des Kreuzes wüsste, wie würden sich die Menschen verändern!

Ach, würde Gott doch nicht zulassen, dass ich Ihn beleidige! Und ich tue es immer, wenn ich mich vom Kreuz entferne. Wie glücklich wäre ich!

Darum, Herr, klammere ich mich mit meiner ganzen Kraft daran, darum vereinige ich meine Tränen mit Deinem Blut, darum schreie ich mit Seufzen und Klagen… Darum habe ich auch den Wunsch, wahnsinnig zu werden, wahnsinnig aus lauter Liebe zu Deinem heiligsten Kreuz!… Höre mich, o Herr, achte auf mich und verachte nicht mein Flehen! Wasche mit dem Wasser Deiner Seite meine großen Sünden, meine Fehler, meine Undankbarkeit! Fülle mein Herz mit Deinem göttlichen Blut und stille meine Seele, die nicht aufhört zu flehen: „Lass mich, Herr, bei Deinem Kreuz leben, und lass nicht zu, dass ich mich von ihm abwende!“

Jungfrau Maria, Mutter der Schmerzen, wenn Du Deinen blutüberströmten Sohn auf dem Kalvarienberg anschaust, lass mich demütig Deinen ungeheuren Schmerz aufnehmen, und lass mich – obwohl ich dazu nicht würdig bin – Deine Tränen trocknen!

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé Bild: CFM.SCJ Archiv Cairo

Tagesevangelium – 22.11.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 19,41-44

In jener Zeit, als Jesus näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem anderen lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Erzbischof Burger greift Vorgänger Zollitsch an

Der Freiburger Erzbischof Stefan Burger kritisiert seinen Vorgänger Robert Zollitsch. Foto: dpa

Missbrauch vertuscht und Akten manipuliert?

Von Heinz Siebold 

Der Freiburger Erzbischof Stefan Burger greift seinen Vorgänger Robert Zollitsch an. Der Vorwurf: In einem Missbrauchsfall im Kinzigtal im Ortenaukreis habe Zollitsch Empathie mit den Opfern vermissen lassen.

Freiburg – Der Freiburger Erzbischof Stefan Burger (56) hat seinen Amtsvorgänger direkt angegriffen. Bislang hatte er eher allgemein gehaltene Vorwürfe artikuliert, wonach Fehler im Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Pfarrer gemacht­ worden seien: Gemeint ist Robert Zollitsch (80), Freiburger Erzbischof von 2003 bis 2013, davor zehn Jahre lang Personal­referent der Erzdiözese Freiburg und damit für die Seelsorger in den Pfarrgemeinden zuständig.

In dieser Eigenschaft hatte Zollitsch mit einem Missbrauchsfall in Oberharmersbach im Kinzigtal (Ortenaukreis) zu tun. Dort hatte ein Pfarrer zwischen 1968 und dem Beginn der 90er Jahre – nach heutigen Erkenntnissen – mindestens 60 Kinder missbraucht, vor allem Messdiener.

Misshandlungen im Jesuitenkolleg in St. Blasien

Die Vorgänge im Kinzigtal wurden im Jahr 2010 öffentlich, nachdem Misshandlungsfälle im Jesuitenkolleg in St. Blasien (Landkreis Waldshut) publik geworden waren. Der beschuldigte Oberharmersbacher Pfarrer habe 1991 mit Selbstmord gedroht, falls seine Taten der Staatsanwaltschaft angezeigt würden, deshalb habe Zollitsch den 60-Jährigen lediglich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, heißt es in Kirchenkreisen. Nachdem sich ein Missbrauchs­opfer der Kirche offenbart hatte, drohten dann doch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, denen sich der Pfarrer im Jahr 1995 durch Selbstmord entzog.

Zollitsch, der von 2008 bis 2014 auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, hatte in einer Erklärung in Freiburg im März 2010 sein Bedauern über „diese Vorgänge“ geäußert und Vertuschungsvorwürfe zurückgewiesen. Obwohl er sich bei der Gemeinde entschuldigt und den Opfern finanzielle Unterstützung für therapeutische Hilfe in Aussicht gestellt hatte, ist sein 2014 geweihter Nachfolger mit der mangelnden Empathie gegenüber den Opfern offenbar unzufrieden.

In Oberharmersbach wird beklagt, dass sich Zollitsch nicht vor Ort für die Kirche entschuldigt hat. „Ich habe vor Kurzem das Gespräch mit der Gemeinde gesucht“, sagte Erzbischof Burger der Katholischen Nachrichtenagentur jetzt in einem Interview. Burger hatte die Kirche im Kinzigtal zum Pfarrfest im Oktober besucht. „Dabei ist mir klar geworden, dass es vielen Betroffenen wichtig wäre, von Alterzbischof Zollitsch noch einmal ein Wort zu hören. Dass er signalisieren würde, dass auch er Fehler gemacht hat.“ Der jetzige Pfarrer der Seelsorgeeinheit, Bonaventura Gerner, hatte den amtierenden Erzbischof aufgefordert, seinen Vorgänger nicht mehr im Kirchendienst einzusetzen.

Zollitsch äußert sich bisher nicht

Zollitsch tritt auf Einladung von Kirchengemeinden zum Beispiel bei Firmungen in Erscheinung. Zu den Vorwürfen äußert sich Zollitsch derzeit nicht, die Pressestelle des Bistums erklärte, es gäbe derzeit nur sporadischen Kontakt zu ihm. Es sei davon auszugehen, „dass der Erzbischof und sein Amtsvorgänger in diesem Zusammenhang Gespräche führen werden“.

Seinen Amtsvorgänger zu einer Entschuldigung zwingen kann Erzbischof Burger nicht. „Aber detailliert aufgearbeitet“ worden sei der Fall Oberharmersbach eben nie, und man habe zudem Hinweise, „dass in der Vergangenheit Personalakten von mutmaßlichen Tätern manipuliert“ wurden. Strukturen, die „die jahrelangen Missbrauchstaten begünstigten“, sollen laut Burger nach der Gesamtbilanz der Missbrauchsfälle, die bundesweit unlängst gezogen wurde, nun verschärft angegangen werden. „Wir müssen Vertrauen neu aufbauen, das über Jahre zerstört wurde“, erklärte der Freiburger Erzbischof. Er habe eine Fachgruppe beauftragt, „Vorschläge zu erarbeiten, um Machtmissbrauch und Klerikalismus zu verhindern“.

Erzbistum zahlt Kosten für Therapie

Auch wenn es kein Trost für die Opfer ist, hat die Erzdiözese Freiburg laut ihrer Pressestelle „bisher rund eine Million Euro als Leistungen in Anerkennung des Leids, das Betroffenen sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde, gezahlt. Ergänzend wurden etwa 380 000 Euro für Therapieleistungen vom Erzbistum getragen“. Zwischen 1946 und 2015 hatte ein bundesweites Forschungsprojekt im Freiburger Bistum 190 Beschuldigte (von 4100 Klerikern) und 442 Opfer ausgemacht.

Quelle: stuttgarter-nachrichten.de