Archiv des Autors: admin

Aufsehenerregender Schritt von Bischof Guo Xijin

Bischof Vincent Guo Xijin erklärte zwei Jahre nach Unterzeichnung des Geheimabkommens zwischen dem Vatikan und Peking seinen Rücktritt und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück in ein Leben des Gebets.

Der Bischof, der den Kommunisten trotzte, aber am Papst zerbrochen ist

(Rom/Peking) Der Heilige Stuhl lieferte dem kommunistischen Regime in Peking den Kopf von Bischof Vincent Guo Xijin auf dem Silberteller. Die Formulierung ist nicht wörtlich im Sinne von Johannes dem Täufer zu nehmen, aber doch sehr real. Der romtreue Bischof Guo Xijin warf am vergangenen Sonntag endgültig das Handtuch und ist zurückgetreten. Er gab bekannt, sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und ein Leben des Gebets zu führen. Ein alarmierender Schritt, der in direktem Zusammenhang mit dem umstrittenen Geheimabkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem kommunistischen Regime in Peking steht, dessen Verlängerung gerade verhandelt wird.

Mit der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1949 begann eine Eiszeit für die Kirche in China. Nach einer ersten Phase der Verfolgung gründete das Regime 1957 eine schismatische, von ihr kontrollierte katholische Kirche, die Patriotische Vereinigung, um die Verbindung der chinesischen Katholiken mit dem Papst zu unterbinden. Rom kann seit 71 Jahren offiziell keine Bischöfe mehr ernennen. „Offiziell“ bezieht sich auf den chinesischen Staat, der nur die Bischöfe anerkennt, die von den kommunistischen Machthabern selbst ernannt oder bestätigt werden. Wer nicht diese Bestätigung erhält, gilt als Untergrundbischof.

Msgr. Vincent Guo Xijin ist ein solcher Untergrundbischof. Er wurde 2008 von Papst Benedikt XVI. zum Bischofskoadjutor für das Bistum Funing mit Sitz in Xiapu (heutiges Bistum Mindong) ernannt und folgte nach dem Tod von Bischof Vincent Huang Shoucheng diesem auf dem Bischofsstuhl. Bischof Huang Shoucheng verstarb im Alter von 93 Jahren. Ein solches Alter ist für chinesische Bischöfe kein Einzelfall. Wegen der schwierigen Nachfolgefrage halten die Bischöfe solange im Amt aus, als es ihnen gesundheitlich möglich ist. Viele sterben noch im Amt, wie es bis vor wenigen Jahrzehnten für die gesamte Weltkirche üblich war.

Das kommunistische Regime faßte drei Bistümer unter dem Namen Diözese Mindong zusammen und ernannte aus eigener Willkür mit Zhan Silu einen regimehörigen Priester ohne Zustimmung des Papstes zum Bischof. Damit gab es im Bistum Funing/Mindong zwei Bischöfe, einen romtreuen und einen schismatischen. Dem romtreuen Untergrundbischof folgten mehr als 80 Prozent der Gläubigen, dem regimehörigen keine zwanzig Prozent.

Msgr. Guo Xijin war wegen seiner Kirchentreue bereits vor seiner Bischofsweihe von der Polizei verhaftet worden. Weitere Verhaftungen folgten, so im April 2017 und wieder Anfang 2018. Bischöfe und Priester werden in der Volksrepublik China ohne Nennung von Gründen verhaftet und auf unbestimmte Zeit an einem unbekannten Ort festgehalten. Niemand weiß dann etwas über ihren Verbleib. Solche „Entführungen“ werden vom Regime durchgeführt, um die Festgenommenen einer „Gehirnwäsche“ zu unterziehen und sie zu drängen, sich der vom Regime kontrollierten Patriotischen Vereinigung zu unterwerfen.

Bischof Guo Xijin hielt diesem Druck jedoch tapfer stand. Er beugte sich nicht.

Im Zuge der neuen Ostpolitik, die unter Papst Franziskus vom Vatikan aufgenommen wurde, verlangten die Kommunisten, daß alle schismatischen, aber regimehörigen Bischöfe vom Papst anerkannt und als rechtmäßige Diözesanbischöfe bestätigt werden. Im Gegenzug wurde eine Einigung bei künftigen Bischofsernennungen in Aussicht gestellt.

Zum Druck des Regimes kam der des Vatikans

Damit begann im Herbst 2017 der Druck auf Msgr. Guo Xijin, der als rechtmäßiger Bischof von Funing (Mindong) zugunsten des regimehörigen Bischofs Vincent Zhan Silu zurücktreten sollte. Dieser dachte aber gar nicht daran, einem Schismatiker Platz zu machen, was jeder Logik widersprach und vor allem sein treues Standhalten gegen alle Widrigkeiten und Verfolgung mit Füßen trat. Sein Widerstand hatte noch einen konkreten Grund: Zhan Silu, für den er das Feld räumen sollte, ist nicht irgendein regimehöriger Bischof, sondern Vorsitzender des Bischofsrats, das ist das regimehörige Pendant zur Bischofskonferenz, und stellvertretender Vorsitzender der schismatischen Patriotischen Vereinigung, die als „katholischer Arm“ des kommunistischen Regimes zu betrachten ist. Die Anerkennung Zhan Silus mußte als Anerkennung der genannten Vereinigungen gesehen werden. Papst Benedikt XVI. hatte jedoch 2007 in seinem Schreiben an die Katholiken Chinas bekräftigt, daß die Zugehörigkeit zur Patriotischen Vereinigung mit der katholischen Kirche unvereinbar ist.

Da der Vatikan mit Nachdruck auf das Abkommen mit dem Regime in Peking drängte, gab Bischof Guo Xijin Anfang 2018 bekannt, „im Gehorsam“ zum Rücktritt bereit zu sein, wenn der Papst es fordern sollte. Eine solche Forderung hielt er für ausgeschlossen, und tatsächlich wollte man sich in Santa Marta nicht soweit aus dem Fenster lehnen. Einige Wochen später wurde er kurz vor Ostern von der chinesischen Staatspolizei verhaftet, um seiner „Entscheidung“ nachzuhelfen. Die Festnahme dauerte im Gegensatz zu früheren Verhaftungen nur kurz, dafür wurde ihm untersagt, die Chrisammesse zu feiern, jene Liturgie, bei der sich die Priester des ganzen Bistums um den Bischof versammeln, um die heiligen Öle zu empfangen. Die Staatsbehörden änderten dann noch ihre Meinung und ließen ihn die Chrisammesse zelebrieren, aber ganz zeitig in der Früh, sodaß niemand etwas davon mitbekommen würde, während ihm die Feier des Triduums untersagt wurde. Die große Sichtbarkeit am höchsten Fest der Christenheit sollte dem regimehörigen Bischof vorbehalten bleiben.

Ende September 2018 wurde zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Regime in Peking ein Geheimabkommen über die Bischofsernennungen unterzeichnet. Geheim deshalb, weil der Inhalt des Abkommens bis heute nicht bekanntgegeben wurde. Dem kommunistischen Regime wurde damit offiziell noch mehr Einfluß eingeräumt, als es ohnehin bereits mit Gewalt genommen hatte.

Kurz vor der Unterzeichnung hatte Papst Franziskus alle schismatischen Bischöfe, die das Regime ernannt hatte, und auch die vom Regime vollzogene Neueinteilung der Bistümer anerkannt. Bischof Guo Xijin weigerte sich aber weiterhin seinen Bischofsstuhl für einen Schismatiker zu räumen, der sich auf die Seite der kommunistischen Kirchenverfolger geschlagen und dem Papst in Rom den Rücken gekehrt hatte.

Es bedurfte noch erheblichen Drucks, der auf den rechtmäßigen Bischof ausgeübt wurde. Dem tapferen Bischof wurde angeboten, daß der schismatische Bischof zum Diözesanbischof, er aber dessen Weihbischof werden sollte. Ob es sich dabei um eine einseitige Absicht des Vatikans handelte oder ob sich auch das Regime dazu verpflichtet hatte, ist nicht bekannt.

Als sich noch immer nichts tat, der Vatikan aber offensichtlich bei den Kommunisten im Wort stand und dadurch in eine mißliche Lage kam, griff man zum letzten Mittel. Am 13. Dezember 2018 wurde der Bischof von einer eigens in die Volksrepublik China gereisten vatikanischen Delegation zu sich zitiert und ihm ein Schreiben von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin überreicht. Darin wurde Bischof Guo Xijin im Namen von Papst Franziskus aufgefordert, „zum Wohl der Kirche“ zurückzutreten. Dem ausdrücklichen Befehl des Papstes konnte und wollte sich der treue Untergrundbischof, der dem Regime eisern getrotzt hatte, nicht widersetzen. Kurz vor Weihnachten trat er zurück. Der Vatikan lobte den Schritt als „Geste des Gehorsams“.

Das Bistum Mindong wurde bereits im Frühjahr 2018, also noch vor der Unterzeichnung, als Lackmustest für das Geheimabkommen bezeichnet. Dieser Test wurde nicht bestanden. Die Entwicklung in Mindong belegte schon im Frühjahr 2019 das Scheitern des Abkommens, doch dazu schweigen sich der Heilige Stuhl, aber auch die bergoglianischen Unterstützer der neuen Ostpolitik aus.

Die chinesische Einbahnstraße

Der Heilige Stuhl hatte alle Bedingungen gegenüber den Kommunisten erfüllt und Bischof Guo Xijin alle gegenüber dem Papst. Doch das Regime in Peking erfüllte seinen Teil nicht, sofern es eine entsprechende Vereinbarung dazu gab. Zhan Silu ist seither rechtmäßiger Bischof von Mindong, doch Msgr. Guo Xijin, den Franziskus zum Weihbischof von Mindong ernannte, wurde als solcher vom Regime nicht anerkannt. Die angeblich angestrebte „Versöhnung“ der beiden Teile der Kirche, der römisch-katholischen und der schismatischen, die am Beispiel der beiden Bischöfe von Mindong für alle sichtbar werden sollte, blieb eine Einbahnstraße. Diese „Versöhnung“ zur Wiederherstellung der Kircheneinheit war jedoch das vom Vatikan genannte Hauptziel der ganzen Operation.

„Während der Vatikan einen Schritt zurück machte, bewegte sich Peking um keinen Millimeter“, schrieb der Vatikanist Sandro Magister im April 2019.

Auch nach der Unterzeichnung des Geheimabkommens setzten die chinesischen Behörden den Druck auf Bischof Guo Xijin fort, damit er Mitglied der Patriotischen Vereinigung werde. Er sollte ein Dokument unterschreiben, mit dem er erklärt, in den Dienst von Bischof Zhan Silu zu treten, die Gesetze des Staates zu achten, in offizielle Organisationen des Regimes einzutreten und die „Unabhängigkeit“ der chinesischen Kirche zu unterstützen. Gemeint ist damit die „Unabhängigkeit“ von Rom und die Abhängigkeit von der Kommunistischen Partei Chinas. Damit machte das Regime deutlich, daß die „Einheit“ der katholischen Kirche nicht im Sinne von Kirche und Papst wiederhergestellt, sondern unter die Ägide des Regimes gestellt werden soll. Bischof Guo Xijin verweigerte sich der Forderung der Kommunisten.

Hinzu kam, daß Bischof Zhan Silu sich keineswegs an einer Zusammenarbeit mit Bischof Guo Xijin und Vertretern der Untergrundkirche interessiert zeigte. Die verkündete „Einheit“ hatte als Unterwerfung verstanden zu werden und Punkt.

Trotz dieses offensichtlichen Fehlschlags hörten offizielle Vertreter des Heiligen Stuhls nicht auf, das Geheimabkommen und insgesamt das kommunistische Regime zu loben. Im März 2019 besuchte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping Italien, und im Vatikan wurde auf einen Besuch beim Papst gehofft. Die Wirklichkeit blieb eine andere. Magister kommentierte damals:

„Die vatikanischen Behörden hatten auf unterschiedliche Weise zu verstehen gegeben, daß die Tore des Apostolischen Palastes offenstehen, sogar sperrangelweit offen, für einen Besuch des chinesischen Staatspräsidenten beim Papst.
Der Besuch fand aber nicht statt. Er wurde von Xi Jinping nicht einmal in Erwägung gezogen. Eine weitere Ohrfeige für die Kirche von Rom, die stillschweigend versetzt wurde.“

Das Gleiche wiederholte sich vor kurzem, als Chinas Außenminister Italien besuchte. Erneut kam es nicht zu einem Besuch im Vatikan. Umgekehrt lud der Vatikan eigens US-Außenminister Mike Pompeo von einer bereits vereinbarten Audienz aus. Ein Affront, wie er im Lehrbuch steht. Die Diplomatie des Heiligen Stuhls, die beste, die es gibt, sucht die bewußte Konfrontation mit der derzeitigen US-Regierung und die Annäherung an das kommunistische Regime.

Der Rückzug von Bischof Guo Xijin

Am vergangenen Sonntag, dem 4. Oktober, zog Bischof Guo Xijin, zwei Jahre nach Unterzeichnung des Geheimabkommens, die Konsequenzen. In seiner Predigt verlas er eine Erklärung, in der er seinen völligen Rückzug in das Gebetsleben bekanntgab. Die Erklärung war in einer typisch chinesischen Weise gehalten. Er vollzog seinen Rückzug mit einer Selbstanklage. Es gehe um die Lage der Kirche in China und „in unserer Diözese“. Was zuletzt geschehen sei, „ist vielleicht das Zeichen einer neuen Epoche, einer neuen Seite für die Kirche“, die aufgeschlagen werde. Er sei „inkompetent“, „talentlos“, sein Kopf sei „obsolet“ geworden, er sei nicht imstande, „mit der Epoche Schritt zu halten“. Er wolle nicht zum „Hindernis für den Fortschritt“ werden. Deshalb habe er beschlossen, dem Heiligen Stuhl seinen Rücktritt als Weihbischof einzureichen, was bereits im September geschehen ist.

Bischof Guo Xijin ging nicht darauf ein, doch aus Rom scheint kein Widerspruch gekommen zu sein. So gab er bekannt, ab Montag, gestern, an keinen öffentlichen Ereignissen mehr teilzunehmen und auch keinen öffentlichen Gottesdienst mehr zu zelebrieren. Außer für Beichten bei Gewissensnot ersuche er alle Gläubigen sich an andere Priester zu wenden. Er werde in keiner Weise mehr an der Leitung des Bistums und dieses betreffenden Fragen mitwirken.

Seine Erklärung, die von AsiaNews veröffentlicht und hier auszugsweise wiedergegeben wird, ist ein dramatisches Dokument von einem Mann und Oberhirten, der viele Jahre kompromißlos einem totalitären Regime trotzte, aber an einem Papst zerbrochen ist, der mit geschlossenen Augen auf China schaut, wo die Kirche und die Christen inakzeptabler Einmischung und Repression ausgesetzt sind.

„Meine Gläubigen, denkt daran, daß Euer Glauben Gott gilt, nicht dem Menschen. Der Mensch ist Veränderungen unterworfen, Gott aber nicht.“

„Und noch meine letzte Empfehlung: Unter keinen Umständen oder Veränderungen dürft Ihr Gott vergessen, die Gebote des Herrn nicht ignorieren, die Integrität des Glaubens nicht beeinträchtigen, das Heil der Seele nicht verlangsamen, was das Wichtigste ist.“

Er endete seine Erklärung mit der Bitte, „meine Schwäche und Hilflosigkeit zu verzeihen.“

„Möge der barmherzige Gott immer mit Euch sein, bis zum letzten Tag Eures Lebens!

Euer unfähiger Hirte Guo Xijin
Sonntag, 4. Oktober 2020“

Quelle: katholisches, G. Nardi Bild: AsiaNews

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun: „Meine Knochen sollen nicht in die Kathedrale gelegt werden“

Eure Eminenz Kardinal Joseph Zen Ze-kiun

Kardinal Joseph Zen, 88, von Hongkong wird vielleicht nie wieder nach Rom zurückkehren, sagte er gegenüber NcRegister.com (2. Oktober): „Meine Beine sind für diese langen Reisen nicht so gut geeignet“.

Zen war bis zum 27. September in Rom und versuchte, mit Franziskus über den zu ernennenden Bischof von Hongkong zu sprechen, aber Franziskus empfing ihn nicht. Nun sagt Zen, dass er nichts weiter tun könne als zu beten.

Sollte der Vatikan für Hongkong einen pekinghörigen Bischof ernennen, dann sei seine Arbeit „beendet“. Sein „letzter Akt des Protests“ werde es sein, zu verschwinden, „wobei alle wissen werden, warum.“ Zen will in seinem Testament festhalten, „dass meine Gebeine nicht in der Kathedrale liegen sollen, ich will nicht mit solchen Männern begraben werden“. Er zieht es vor, auf einem Friedhof mit einfachen Gläubigen zu ruhen.

Zen kommentierte auch den Angelus vom 19. Juli, als Franziskus einen Text über Hongkong, der zuvor schriftlich an Journalisten verteilt worden war, nicht vorlas. Er nennt drei mögliche Gründe für Franziskus‘ Verhalten.

Das war vielleicht Franziskus‘ spontane Entscheidung, die Folge einer Druckausübung von Seiten der chinesischen Botschaft, oder aber ein politischer Trick, wobei Franziskus einen Text veröffentlichte und einen anderen las, um beiden Seiten zu gefallen. Für Zen wäre die letzte Variante „schrecklich“.

Quelle: gloria.tv Bild: ccwatershed (Screenshot)

Bischof Schneider erklärt, warum der Vatikan die Zerstörung der Kirche anstrebt

VIDEO-LINK

https://gloria.tv/?post=M72ESuybp9H72Xieqcv9wvhEg&embed=autoplay&language=4M7jonrLBQ9zBsG3JoBMx8Wxd

Weihbischof Athanasius Schneider

Die Kirche wurde seit dem Zweiten Vatikanum dem Protestantismus angepasst, sagt Weihbischof Athanasius Schneider vor Gloria.tv

https://gloria.tv/?post=M72ESuybp9H72Xieqcv9wvhEg&embed=autoplay&language=4M7jonrLBQ9zBsG3JoBMx8Wxd

Er stellt fest, dass sich die meisten protestantischen Gruppierungen der Welt angeglichen haben und sich zu Gender-Ideologie, Abtreibung und Neuheidentum bekennen. Vom Christentum hätten sie wenig übrig gelassen.

Für Schneider ist es klar, dass der Kirche auf diesem Weg das Schicksal des Protestantismus bevorsteht. Erstaunlicherweise erklärt er, dass die vatikanischen Bürokraten sich dessen bewusst sind und genau wissen, was sie tun:

„Das ist eine Planung. Das ist das Vorantreiben einer genau konzipierten Ideologie, den christlichen Glauben dieser Welt anzupassen.“ Schneider stellt die Frage, warum der Vatikan trotzdem so agiert. Er nennt zwei Erklärungsmöglichkeiten.

Die erste: Die vatikanischen Bürokraten haben ihren Glauben verloren und wollen die Anpassung an die Welt und an innerweltliche „Werte,“ weil sie von diesen überzeugt sind. Sie hätten innerlich den Glauben abgelegt und würden sich nur noch äußerlich als Bischöfe und Kardinäle verstehen.

Die zweite: Die kirchlichen Bürokraten handeln nicht aus Überzeugung, sondern aus Karrierismus und um persönliche Vorteile, Ämter und Würden zu ergattern.

Quelle: gloria.tv Bild: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Brief von Erzbischof Carlo Maria Viganò

Am 25. August 2018 veröffentlichte Erzbischof Viganò einen elfseitigen Brief an den Papst in dem er sowohl den Papst als auch mehrere andere kirchliche Würdenträger anklagt Missbrauch zugedeckt zu haben.

Erzbischof Viganò spricht über das Vatikanum II., die FSSPX und den Sedisvakantismus

Catholic Family News (CFN) freut sich, berichten zu können, dass Seine Exzellenz, Carlo Maria Viganò, uns einen Brief geschickt hat, in dem er auf die wichtigen Fragen antwortet, die der CFN-Mitarbeiter Stephen Kokx in seinem kürzlich erschienenen Artikel „Fragen an Erzbischof Viganò: Seine Exzellenz hat bezüglich des Zweiten Vatikanischen Konzils Recht, aber was sollten die Katholiken seiner Meinung nach jetzt tun“ respektvoll gestellt hat.

In seiner ausführlichen Antwort zeigt Erzbischof Viganò, dass er ein wahrer Hirte ist, der sich um die verwirrten und verlassenen Schafe unserer Zeit sorgt. Er gibt klare und praktische Antworten für die wachsende Zahl der Katholiken, die die konziliare Revolution erkennen. In seinen früheren Beiträgen hat Erzbischof Viganò die Ursache der gegenwärtigen Krise genau diagnostiziert und die Beseitigung der konziliaren Texte als ultimatives Heilmittel für diese Krise ausgewiesen. In seinem heutigen Brief gibt Seine Exzellenz Ratschläge und nennt die praktischen Heilmittel, die Glieder der streitenden Kirche anwenden müssen, um sich gegen die tödlichen Irrtümer der konziliaren und nachkonziliaren Zeit zu immunisieren. Ihr Glaube muss überleben können, bis diese endgültige Heilung von einem künftigen heiligen Papst herbeigeführt wird.

Widerlegung der Sedisvakantisten

Der Erzbischof beginnt mit einer klaren Absage an diejenigen, die seine früheren Interventionen falsch dargestellt haben, als ob er Katholiken auffordern würde, mit der Kirche zu brechen oder sich zu weigern, die Inhaber hierarchischer Ämter anzuerkennen. Er unterstreicht, dass es notwendig ist, den Glauben zu bewahren ohne Vermischung mit den modernistischen Irrtümern und dennoch entschlossen zu sein, in der Kirche zu bleiben:

Eines ist ganz klar. Es darf keine Vermischung mit denjenigen geben, die verfälschte Lehren des konziliaren ideologischen Manifests vorschlagen. Die Tatsache, dass man getauft und ein lebendiges Glied der Kirche Christi ist, hat nicht notwendigerweise die Zugehörigkeit zum konziliären Gefüge zur Folge. Dies gilt insbesondere für die einfachen Gläubigen, aber auch für säkulare und reguläre Kleriker, die sich aus verschiedenen Gründen als Katholiken betrachten und die Hierarchie anerkennen. 

Seine Exzellenz dreht die Frage um. Die Modernisten von heute behaupten, dass die Verteidiger der Tradition, wie Seine Exzellenz selbst, die „volle“ Gemeinschaft mit der Kirche verlassen haben. Er hingegen versichert den Gläubigen in Bezug auf die Kirchenmänner, die „die heterodoxen Lehren während der letzten Jahrzehnte angenommen und verbreitet haben, und die sich dabei bewusst sind, dass diese Lehren einen Bruch mit dem vorhergehenden Lehramt darstellen“, dass es „erlaubt ist, an ihrer tatsächlichen Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche zu zweifeln. Und zwar auch dann, wenn sie offizielle Ämter innehaben, die ihnen Autorität verleihen. Wo der Zweck der Autoritätsausübung darin besteht, die Gläubigen zur Annahme der seit dem Konzil auferlegten Revolution zu zwingen, handelt es sich um eine unrechtmäßig ausgeübte Autorität“. In einer klaren Widerlegung der sedevakantistischen Behauptungen drängt Erzbischof Viganò die Gläubigen: „Wir dürfen – trotz unserer berechtigten Entrüstung – der Versuchung nicht nachgeben, die Katholische Kirche aufzugeben unter dem Vorwand, dass sie von Häretikern und Hurenböcken überfallen worden ist: sie sind es, die aus der heiligen Einfriedung vertrieben werden müssen, in einem Werk der Reinigung und Buße …“

Wo der Erzbischof zu erläutern versucht, wie die Vertreter dessen, was er als „konziliare Sekte“ bezeichnet, in hierarchischen Ämtern verbleiben können, erklärt Seine Exzellenz, dass er die Theorie von Bischof Bernard Tissier de Mallerais akzeptiert, nach der es in der Kirche zwei Entitäten gibt, die nebeneinander existieren. Die Kirche Christi koexistiert zusammen mit der „eigenartig extravaganten Kirche, in der römischen Kurie, in den Diözesen, in den Pfarreien… wie der Weizen mit dem Unkraut“. Wir müssen diesen traurigen Zustand anerkennen, aber wir „können unsere Hirten nicht nach ihren Absichten beurteilen. Auch dürfen wir nicht annehmen, dass sie alle im Glauben und in der Moral verdorben sind…“

Er plädiert für den gleichen Weg, den Erzbischof Marcel Lefebvre vor vielen Jahrzehnten aufgezeigt hat, den Weg, der von den Sedevakantisten spöttisch als „Anerkenne und widerspreche“ umschrieben wird. So wie wir den verkehrten „Lakaien-Gehorsam“ vermeiden und nicht blind den Neuheiten folgen, müssen wir auch die von den Sedisvakantisten vertretene Leugnung jeglicher Autorität vermeiden. Erzbischof Vigano erklärt: „Wir dürfen nicht rebellieren, aber wir müssen uns widersetzen; wir dürfen uns nicht über die Fehler unserer Hirten freuen, sondern müssen für sie beten und sie respektvoll ermahnen; wir dürfen nicht ihre Autorität in Frage stellen, sondern die Art und Weise, wie sie diese ausüben“.

Das Recht und die Pflicht Novus-Ordo-Pfarreien zu vermeiden: Es geht um mehr als nur um die lateinische Messe

Haben Katholiken das Recht, sich von ihrer geographischen Pfarrei zu trennen, wenn diese die Sakramente nicht im traditionellen Ritus anbietet und nicht die wahre katholische Lehre verkündet? Er bekräftigt unmissverständlich, dass „treue Laien das Recht und die Pflicht haben, Priester, Gemeinschaften und Institute zu finden, die dem immerwährenden Lehramt treu sind“. Sie müssen die lobenswerte Feier der Liturgie im Alten Ritus verbinden mit der Treue zur gesunden Lehre und Moral, ohne an der Front des Konzils nachzugeben“. Es ist bedeutsam, dass Erzbischof Viganò erklärt, dass das Fernbleiben von Novus-Ordo-Pfarreien nicht nur ein Recht, sondern sogar eine Pflicht ist. Für den, der die lateinische Messe bevorzugt stellt dies ein Recht dar. Für diejenigen aber, die verstehen, was auf dem Spiel steht, ist es eine Verpflichtung und eine Schuldigkeit. Er macht deutlich, dass die Gläubigen nicht nur einen Ort finden müssen, an dem sie der traditionellen Messe beiwohnen können. Ihre Pflicht ist es, einen Ort zu finden, der den Alten Ritus zusammen mit der gesunden Lehre anbietet, die nicht im Konzil versinkt („subsidence“).

Seine Exzellenz unterstreicht die Verbindung, die zwischen der Messe und der Lehre bestehen muss, durch den Begriff, den er mehrmals verwendet, wo er sich auf die Traditionelle Messe bezieht. Er nennt ihn einfach den „katholischen Ritus“. Er vermeidet den mehrdeutigen und ungenauen Begriff „außerordentliche Form des römischen Ritus“. Er stellt klar, dass die Priester den katholischen Ritus nicht nur anbieten sollten, „um die außerordentliche Form des Ritus zu bewahren, sondern um die Einhaltung des depositum fidei zu bezeugen, das nur im Alten Ritus vollkommene Entsprechung findet“. Das Adverb „nur“ ist äußerst bedeutsam. Die Alte Messe ist nicht eine von zwei Möglichkeiten (neu und alt). Sie ist die „einzige“, die vollkommen mit dem Depositum fidei übereinstimmt.

Was sollen Kleriker tun?

Seine Exzellenz gesteht, dass die Situation der Kleriker komplexer ist. Auf der einen Seite haben Kleriker weniger Spielraum als Laien, einen Platz in der Kirche zu finden, um katholisch zu bleiben, weil sie kirchlichen Vorgesetzten unterstellt sein müssen. Dennoch haben sie größere Freiheit, da sie jederzeit rechtmäßig „die Messe feiern und die Sakramente im tridentinischen Ritus spenden und … in Übereinstimmung mit der gesunden Lehre predigen“ können. (Auch hier ist die Verbindung zwischen Liturgie und Lehre zu beachten.) Seine Exzellenz macht deutlich, dass die Kleriker sowohl den Fehler vermeiden müssen, die sichtbare Kirche zu verlassen, um ihre eigene Kirche zu gründen, als auch den entgegengesetzten Fehler, sich einfach der Neuen Messe und der neuartigen Lehre anzupassen, um Verfolgung zu vermeiden. Kleriker müssen in der Kirche bleiben und dem katholischen Ritus und der wahren Lehre treu sein, selbst auf die Gefahr der Verfolgung. Er räumt ein, dass sie Verfolgung ebenso leiden werden wie die wenigen treuen Kleriker in der Zeit der Arianischen Häresie.

Er stellt klar, dass die Priester nur „die tridentinische Messe feiern und eine solide Lehre predigen“ sollen, und er sagt, dass die Wahrheit nicht gepredigt werden kann, wenn ein Priester das Konzil nie erwähnt. Er räumt ein, dass die Erfüllung dieser drei Pflichten (nur den katholischen Ritus anzubieten, die Wahrheit zu predigen und die Irrtümer des Konzils anzuprangern) dazu führen kann, dass der Priester aus seiner Pfarrei hinausgeworfen wird. Aber er erinnert solche verfolgten Priester: „Niemand kann Sie jemals daran hindern, das Heilige Opfer zu erneuern, auch wenn die Heilige Messe auf einem behelfsmäßigen Altar in einem Keller oder auf einem Dachboden gelesen wird…“. Die Priester müssen bereit sein, für die Kirche eine solche Verfolgung auf sich zu nehmen. Er fordert die treuen Priester auf, sich nicht davor zu fürchten, dass sie mit falschen Namen beschimpft werden: „Hören wir auf, zu fürchten, dass die Schuld des Schismas bei denen liegt, die die Irrtümer anprangern, und nicht bei denen, die sie verbreiten: Die Schismatiker und Ketzer sind es, die den Mystischen Leib Christi verwunden und kreuzigen, nicht diejenigen, die ihn verteidigen, indem sie die Henker anprangern!

Was sollen die Laien tun?

Wie bereits erwähnt, macht Seine Exzellenz deutlich, dass die Laien das Recht und die Pflicht haben, die traditionellen Sakramente und die wahre Lehre zu empfangen. Sie müssen nach Priestern suchen, die diese spenden, und sie müssen die meiden, die „durch die gegenwärtigen Irrtümer irregeführt“ sind. Dennoch macht er deutlich, dass die Laien mehr tun müssen, als solche guten Priester zu ihrem eigenen geistlichen Nutzen einzusetzen. Sie haben eine „heilige Aufgabe“. Sie müssen „gute Priester und gute Bischöfe trösten“ und „ihnen Gastfreundschaft gewähren, ihnen helfen, sie in ihren Prüfungen trösten“. So wie er den Finger so treffend auf die konziliaren Irrtümer legte, diagnostiziert Seine Exzellenz auch eine Gefahr in den traditionalistischen Gemeinschaften, die es zu vermeiden gilt, nämlich die Aussaat von Spaltung. Er fordert die Laien auf, Gemeinschaften aufzubauen, „in denen nicht Murren und Spaltung vorherrschen, sondern brüderliche Nächstenliebe in der Einheit im Glauben“.

Was ist mit der Priesterbruderschaft St. Pius X.?

Vielleicht als konkretere Antwort auf die Frage, wohin wir uns wenden sollen, offenbart Erzbischof Viganò zum ersten Mal seine Gedanken über die Priesterbruderschaft St. Pius X. und ihren Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre. Er ist der Meinung, dass die Priesterbruderschaft „Anerkennung dafür verdient, dass sie nicht zugelassen hat, dass die Flamme der Tradition erlischt…“. Er enthüllt, dass er sie für „einen gesunden Dorn im Auge“ der modernistischen Hierarchie hält und lobt sie dafür, dass „sie die Widersprüche und Fehler der konziliaren Sekte“ offenbart. Er scheint die Bischofsweihen ohne schriftliches päpstliches Mandat im Jahr 1988 zu billigen, wenn er feststellt, dass diese Weihen es der Priesterbruderschaft ermöglichten, „sich vor dem wütenden Angriff der Neuerer zu schützen“. Seine Exzellenz sieht die Strafen, die dem Erzbischof und seiner Gemeinschaft auferlegt wurden (z.B. die angebliche Behauptung seiner Exkommunikation), nicht als Akte der Gerechtigkeit, sondern vielmehr als Akte der „Verfolgung“. Er glaubt, dass Erzbischof Lefebvres Kritik am Konzil „aktueller denn je“ sei. Anstatt Lefebvre als „Schismatiker“ oder „Exkommunizierten“ zu betrachten, bezeichnet Erzbischof Viganò ihn als „beispielhaften Bekenner des Glaubens“.

Mit Hoffnung auf die Auferstehung der Kirche nach vorn blicken

Wie Erzbischof Lefebvre vor ihm verbindet Erzbischof Viganò seine scharfsinninge Diagnose der konziliaren Krankheit mit einem wahren katholischen Seelenfrieden, der fest auf Gott vertraut. Nachdem er zur Kenntnis genommen hat, dass Kleriker und Laien gleichermaßen beginnen, den konziliaren Alptraum als das zu sehen, was er ist, freut er sich auf ein notwendiges „Erwachen“, das „fast eine Auferstehung“ ist. So wie „kein Sohn duldet, dass seine Mutter von den Dienern beleidigt oder sein Vater von den Verwaltern seiner Güter tyrannisiert wird“, so bietet der Herr auch uns „in dieser schmerzlichen Situation die Möglichkeit, seine Verbündeten zu sein, wenn wir diese heilige Schlacht unter seinem Banner schlagen“. Seine Exzellenz ermahnt uns, dass wir anstatt durch ungerechte Verfolgung entmutigt zu werden, Trost finden in dem Gedanken, dass „der König, der über Irrtum und Tod siegreich ist“, „uns erlaubt, die Ehre des triumphalen Sieges und den ewigen Lohn, der sich daraus ergibt, zu teilen, nachdem wir mit ihm durchgehalten und gelitten haben“. Er fordert uns auf, die Tugend der Tapferkeit zu praktizieren. Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Sein Text schließt mit großer Zuversicht, dass Gott uns aus dieser Krise retten wird: „Ich bin sicher, mit einer Gewissheit, die mir aus dem Glauben kommt, dass der Herr es nicht versäumen wird, unsere Treue zu belohnen … indem er uns heilige Priester, heilige Bischöfe, heilige Kardinäle und vor allem einen heiligen Papst schenkt“.

Quelle: FSSPX SPIRITUALITY Bild: fsspx.de (Screenshot)

Tagesevangelium 02.10.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 18,1-5.10

Hier zum Nachhören

In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte?
Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche

Infiltriert

Wurde die Kirche in den vergangenen 150 Jahren von feindlichen Mächten infiltriert? Dieser These geht Taylor Marshall in seinem Buch nach.

Von Wolfram Schrems*

Schon die Warnung Jesu von den „Wölfen im Schafspelz“ (Mt 7,15ff), die Rede des Apostels Johannes von Antichristen, „die aus unserer Mitte kamen, aber nicht zu uns gehörten“ (1 Joh 2,19) und die Erlebnisse des Völkerapostels mit „falschen Brüdern“ (Gal 2,4) sprechen von der Infiltration der Kirche durch die feindliche Macht. Es wird – aufgrund einer unergründlichen göttlichen Zulassung – bis zum Ende der Zeit „Unkraut im Weizen“ geben (Mt 13,24ff). Heute sehen wir das Unkraut dermaßen üppig sprießen, daß man sagen muß: In der kirchlichen Führung hat es längst den Weizen überwuchert. Es ist eine apokalyptische Situation.

Die Päpste des 19. Jahrhunderts waren sich der satanisch inspirierten Angriffe auf die Kirche bewußt. Zu den militärischen Angriffen von außen kam etwa im letzten Drittel des Jahrhunderts die planvolle Unterwanderung von innen dazu. Leo XIII. wußte aufgrund einer Vision darum. St. Pius X. konnte die Subversion behindern und verzögern, aber nicht beenden. Im Hinblick auf die Wirkungsgeschichte des II. Vaticanums können wir sagen, daß die Subversion in den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. ans offene Tageslicht gekommen ist. Nach abermaliger, aber nur halbherziger Verzögerung durch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ist die Subversion in der Person Jorge Bergoglios auf apokalyptische Weise an ein Zwischenziel gelangt: ein Papst als Zerstörer des Glaubens und Steigbügelhalter antichristlicher Mächte.

Eine Untersuchung dieser Subversion seit der Zeit Leos XIII. wird in vorliegendem Buch geboten.

Der Autor und sein Buch

Taylor Marshall, PhD, geborener Texaner, ist thomistischer Theologe und Philosoph und Autor mehrerer Bücher. Er gründete das New St. Thomas InstituteEr war „Priester“ der anglikanischen Episkopalkirche in den USA (anglikanische Weihen sind gemäß der Bulle Apostolicae curae von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1896 ungültig). Er konvertierte mit seiner Familie im Mai 2006. Mittlerweile hat das Ehepaar acht Kinder.

Marshall gehört zu einer Pfarre der Priesterbruderschaft St. Petrus. Denn nach seiner Konversion hatte er die katholische Tradition entdeckt.

INFILTRIERT, TAYLOR MARSHALL

In hochinteressanten, weithin gesehenen Podcasts geht er, mit prominenten und hochgebildeten Gästen oder alleine, auf theologische Fragen und aktuelle Ereignisse ein. Neuerdings veröffentlichte er Interviews mit einem Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X., was zu einem (völlig sinnlosen) Zerwürfnis im Freundeskreis führte.

Im vergangenen Jahr brachte er gegenständliches Buch auf den Markt.

In ihm zeigt er die Unterwanderung der kirchlichen Strukturen durch die feindliche Macht auf. Es geht um den Plan der Alta Vendita, die Botschaft von La Salette (ein sehr schwierig zu durchschauendes Thema), den Angriff auf den Kirchenstaat 1870, die Vision Leos XIII., die Rolle der Geheimgesellschaften, die Botschaft von Fatima, die Konklave ab 1903, die kommunistische Infiltration, das Zweite Vaticanum und die Nouvelle Théologie, den rätselhaften Tod Johannes Pauls I., die Aktivitäten gegen Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die Vatikanbank, die St. Gallen-Mafia und das gegenwärtige Pontifikat. Am Ende werden Wege aus der Krise und die geistlichen Waffen des Christen aufgezeigt.

Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist gut und wichtig. Es erreicht sein Ziel, die fraglos vorangetriebene Infiltration der Kirche auf dem Weg der Indizien aufzuzeigen. Das gegenwärtige Schreckenspontifikat ist für jedermann erkennbar ein Resultat dieser langen Wühlarbeit.

Allerdings ist das Buch an manchen Stellen schlampig gearbeitet und inhaltlich oberflächlich.

Damit zum Thema:

Infiltration: ein unbestreitbarer roter Faden

Weihbischof Athanasius Schneider spricht in seinem Vorwort das Offenkundige aus:

„Aufgrund fehlenden Quellenmaterials und des Umstands, dass die relevanten vatikanischen Archive der Forschung immer noch verschlossen sind, müssen mancherlei Aufstellungen dieses Buches (wie etwa die Begleitumstände des Todes Papst Johannes Pauls I.) Hypothesen bleiben. Anderes jedoch lässt das, was angeführt wird, einen ganz bestimmten »roten Faden« innerhalb der letzten eineinhalb Jahrhunderte der Kirchengeschichte erkennen“ (15).

Der Ausgangspunkt: die „Ständige Anweisung“ der Alta Vendita

Marshall berichtet über die „Ständige Anweisung der Alta Vendita“ (25), die bereits vor 1859 der kirchlichen Autorität bekannt geworden war. Alta Vendita, „vornehmes Geschäft“, ist die Hauptloge des italienischen Geheimbundes der Carbonari („Köhler“). Bei der „Ständigen Anweisung“ handelt es sich um Zielvorstellungen der Umwandlung der Katholischen Kirche in eine liberale, weltliche Organisation im Dienst einer weltumspannenden Macht.

Von besonderer Bedeutung ist die in der Anweisung formulierte Zielvorstellung über die Gewinnung eines willfährigen Papstes:

Taylor Marshall

„Der Papst, wer immer es auch sei, wird nie zu den Geheimgesellschaften kommen. Es ist Sache der Geheimgesellschaften, den ersten Schritt auf die Kirche hin zu tun, mit der Absicht, beide in Fesseln zu schlagen. Die Arbeit, an die wir uns machen wollen, ist nicht das Werk eines Tages, noch eines Monats, noch eines Jahres. Sie kann mehrere Jahre dauern, vielleicht ein Jahrhundert; aber in unseren Reihen fällt der Soldat und der Kampf geht weiter“ (31).

Der Autor dieses Manifestes mit dem Decknamen „Kleiner Tiger“ fährt fort:

„Um also einen Papst nach unserem Herzen zu machen, müssen wir diesem Papst eine Generation heranbilden, die der Herrschaft, die wir erträumen, würdig ist. Lasst das Alter und die reifen Jahre beiseite, haltet euch an die Jugend und, wenn es möglich ist, sogar an das Kindesalter“ (ebd.)

Zu diesem Zweck sollen die Seminare, Hochschulen und Ordenshäuser unterwandert werden.

Wie wir sehen, ist das weitgehend gelungen.

Die himmlische Warnung: die Vision Leo XIII. – und die Indizien der Infiltration

Papst Leo XIII. wurde am 13. Oktober 1884 eine Vision zuteil, in der der sah, wie der Teufel Jesus herausfordert (51ff). Er könne die Kirche zerstören, aber er brauche mehr Zeit und mehr Macht über die, die ihm dienen. Dieses wird ihm zugestanden. Marshall verweist auf das Buch Hiob, in dem eine solche Herausforderung durch den Satan bereits dargestellt wird (Hiob 1,6ff). Papst Leo sah auch, wie Dämonen sich über Rom versammeln (36).

Es scheint jedenfalls so zu sein, daß ab diesem Zeitpunkt die Infiltration der Kirche mit satanischer Raffinesse angegangen worden war. Marshall behandelt Vorgänge, die man als Indizien für diese Infiltration betrachten kann. Hier eine Auswahl:

Er thematisiert den militärischen Angriff der carbonari auf den Kirchenstaat im Jahr 1870 (46).

Leo XIII., Papst von 1878 bis 1903

Danach geht es um die Botschaft von Fatima (74), wobei das konspirative Lügengespinst um sie herum (die entgegen offiziöser Aussagen nie ordnungsgemäß durchgeführte Weihe Rußlands, die Unterdrückung des dritten Geheimnisses im Jahr 1960 und das 2000 unvollständig veröffentlichte dritte Geheimnis (132) erfreulich ausführlich thematisiert wird.

Im Zusammenhang mit der Subversion der Kirche durch Stalin zitiert Marshall Bella Dodd (104) und Manning Johnson (107) als ehemalige kommunistische Agenten, die eine planvolle Unterwanderung der Priesterseminare gestanden.

Marshall stellt weiters die Infiltration der Kirche durch Theologen dar, die im frühen 20. Jahrhundert häretische Lehren einführen („Modernismus“). Diese werden vom hl. Pius X. und später in Humani generis von Pius XII. (1950) verurteilt, aber am Zweiten Vaticanum positiv rezipiert und sind heute in der kirchlichen Bürokratie allgegenwärtig. Das wahre kirchliche Leben haben sie erfolgreich abgewürgt.

Wichtig ist Marshalls Hinweis auf die konspirative Kontaktaufnahme Giovanni Battista Montinis hinter dem Rücken von Pius XII. mit der Sowjetunion und dessen gute Beziehung als Papst Paul VI. zu dem einflußreichen jüdisch-amerikanischen Marxisten Saul Alinsky (133) und dem Finanzberater Michele Sindona, genannt der Hai (nach Marshall ein „Scheusal“, 190). Auf diesem Hintergrund ist die Heiligsprechung des Montini-Papstes unverständlich.

Und schließlich sind die Vorgänge um die Vatikanbank und die geleakten Vatikan-Dokumente (240) sowie das Bekanntwerden der konspirativ agierenden St. Gallen-Mafia (220), die die Wahl des Verwirrerpapstes Franziskus erreichte, und die Aufdeckung der Greueltaten von Ex-Kardinal Theodore McCarrick, Indizien der Infiltration in unserer eigenen Zeit.

Diese Analyse ist nachvollziehbar und baut auf bereits bekannten Publikationen auf.

Nichtsdestotrotz hat sie einige Schwächen:

Kritik

Marshall erwähnt erstens die Intervention von Kaiser Franz Joseph beim Konklave 1903 gegen eine Wahl von Kardinal Mariano Rampolla, dem Staatssekretär des eben verstorbenen Papstes Leo XIII. (62), sagt aber nichts zum Grund dieses Vorgehens, verfehlt also gleichsam die Pointe. Mark Fellows schreibt dazu in Fatima in Twilight (eigene Paraphrase): Dem Kardinal wurde vorgeworfen, Mitglied einer Geheimgesellschaft zu sein (Ordo Templi Orientis). Ein französischer Priester namens Msgr. Ernest Jouin läutete die Alarmglocke. Der Kardinal bestritt die Vorwürfe, aber es half nichts. Gewählt wurde Giuseppe Sarto, Pius X., der als Papst das Vetorecht des Kaisers abschaffte. Es ist unverständlich, daß Marshall darauf nicht eingeht. Aus der Natur der Sache geht hervor, daß man nicht mit letzter Sicherheit über die Verbindungen Rampollas wissen kann: Mark Fellows schreibt, daß er diese Geschichte in zwei Büchern fand, die aber ihrerseits keine Belege anführen. Andererseits bietet Fellows noch eine für das Thema interessante Information in diesem Zusammenhang: Kardinal Rampolla, der als extrem „progressiv“ galt, hatte großen Einfluß auf einen Priester namens Giacomo Radini Tedeschi, der 1905 Bischof von Bergamo wurde. Dieser wiederum war der Mentor eines anderen Kirchenmannes, der großen, und zwar verheerenden Einfluß auf die Kirche ausüben sollte, nämlich Angelo Roncalli, später Johannes XXIII. Es ist unverständlich, daß Marshall darauf nicht eingeht.

Zweitens ist zu kritisieren, daß Marshall in der Frage liturgischer Änderungen (ab der Reform der Osternacht unter Pius XII. 1951) ziemlich schlampig arbeitete (128). Einerseits geht es um Erzbischof Annibale Bugnini, den späteren „Architekten“ der fälschlich so genannten „Liturgiereform“. Dieser war nach Auskunft des US-Theologen Peter Kwasniewski (ein Vordenker des New Liturgical Movement) zur Zeit Pius XII. noch bei weitem nicht so einflußreich wie unter Paul VI. Kevin Symonds, ebenfalls amerikanischer Theologe, sagt dazu, daß Marshall die Mitgliedschaft Bugninis bei den Freimaurern viel zu früh ansetzt (110), aber eine wichtige Evidenz zugunsten der späteren Mitgliedschaft Bugninis übersieht.

Andererseits geht es um die Chronologie und Logik liturgischer Reformen oder Änderungen selbst. Die Verlegung der Osternachtsfeier (nicht: „Karsamstagsliturgie“) auf den Abend des Karsamstags durch Pius XII., eine durchaus sinnvolle Re-Form im eigentlichen Wortsinn, als Ausgangspunkt für den ganzen Wahnsinn des Novus Ordo Missae ab 1970 zu sehen, zeugt nicht von Verständnis für die Sache auf Seiten Marshalls.

Drittens unterliegt Marshall einem weitverbreiteten Irrtum, wenn er Pius XII. einfachhin als „Papst von Fatima“ tituliert. Pius XII. führte weder die Weihe Rußlands ordnungsgemäß durch noch promulgierte er die Feier der Sühnesamstage. Ab etwa der zweiten Hälfte des Jahres 1952 thematisierte er Fatima praktisch gar nicht mehr (!). Marshall anerkennt das allerdings selbst: „Es ist schwierig zu verstehen, warum Papst Pius XII. in seinen späten Jahren einen liberaleren Kurs verfolgte“ (131).

Viertens ist Marshall relativ schlampig, was Details oder historische Einschätzungen betrifft:

Die schlesisch-polnische Herkunft von Pius X. gehört ins Reich der Legende(64). Der 13. Mai 1917 war nicht der Fronleichnamstag (78). Marshall untertreibt die Greuel der kommunistischen Kirchenverfolgung in Spanien massiv (104). Die Regierung Francos nach 1939 in einem Atemzug mit Deutschland und Italien als „Faschismus“ zu bezeichnen (105), ist falsch. „1917“ kann im Zusammenhang mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion durch Pius XI. nicht stimmen. Es muß richtig „1927“ heißen (115). Das II. Vatikanische Konzil begann 1962, nicht 1963 (108) u.a.

Der Verlag machte zwar korrigierende oder ergänzende Anmerkungen zum Text (besonders zu Kardinal Frings, 282), übersah aber selbst manche – in der Meinung des Rezensenten – inhaltliche Schwächen.

Resümee

Es ist verdienstvoll, daß der Renovamen-Verlag eine deutsche Ausgabe dieses trotz genannter Schwächen wichtigen Buches besorgte. Wie gesagt: Die Infiltration der Kirche wird plausibel aufgezeigt, somit können zeitgenössische Fehlentwicklungen gewissermaßen „erklärt“ werden (soweit das Mysterium iniquitatis, 2 Thess 2,7, eben erklärbar ist).

Man wird davon ausgehen können, daß die offiziellen Kirchenstrukturen des deutschen Sprachraums das Buch ignorieren werden. Auch manche frommen und „konservativen“ Publikationen und Initiativen werden davon zurückscheuen.

Leider finden sich wieder manche Verschreibungen und Holprigkeiten, die dem Lektorat entgangen sind. Der Rezensent empfiehlt auch, aus Gründen besserer Lesbarkeit die Anmerkungen in Fußnoten auf der jeweiligen Seite statt in Endnoten am Ende des Buches unterzubringen.

Dessenungeachtet ist dem Buch große Verbreitung zu wünschen. In der gegenwärtigen Kirchenkrise sollten es besonders Priester und Bischöfe konsultieren und ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Taylor R. MarshallInfiltriert – die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche, Vorwort von Weihbischof Athanasius Schneider, Renovamen-Verlag, Bad Schmiedeberg 2020, 306 S. (Original: Infiltration – The Plot to Destroy the Church from Within, Sophia Institute Press, Manchester NH, USA, 2019)

*Wolfram Schrems, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro-Lifer; viele Erfahrungen, die die Grundthese des Buches plausibel erscheinen lassen.

Quelle: katholisches Bild: Verlag/taylormarshall.com/MiL (Screenshot)