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02.12.2018 – 1. Adventssonntag

Seliger Jan von Ruusbroec (1293-1381) – Regularkanoniker

„Dann wird man den Menschensohn … kommen sehen“

„Der Bräutigam kommt.“ Christus, unser Bräutigam, sagt dieses Wort auf Lateinisch: „Venit.“ Das Wort umschließt in sich zwei Zeiten: die Zeit, die vorbei ist, und die Zeit, die jetzt gegenwärtig ist; dennoch meint er hier die Zeit, die noch kommen wird. Und somit sollen wir eine dreifache Ankunft unseres Bräutigams Jesus Christus unterscheiden. Bei der ersten Ankunft ist er Mensch geworden, der Menschen halber, aus Liebe. Die zweite Ankunft erfolgt täglich, oft und häufig in jedem liebendem Herzen, mit neuen Gnaden und Gaben, je nachdem der Mensch dafür empfänglich ist. In der dritten erschaut man das Kommen Christi zum Gerichte oder in der Todesstunde. Die Ursache, warum Gott die Engel und Menschen schuf, war seine grundlose Güte; er wollte, dass die Seligkeit und der Reichtum, die er selber ist, den vernünftigen Kreaturen geoffenbart würden, damit sie seiner kosteten in der Zeit und über die Zeit ihn genössen in der Ewigkeit. Der Grund, weshalb Gott Mensch wurde, das war seine unbegreifliche Liebe und aller Menschen Not; denn sie waren verdorben seit dem Sündenfall und konnten es nicht wiedergutmachen. Die Ursache aber, weshalb Christus, sowohl seiner Gottheit als seiner Menschheit nach, all seine Werke auf Erden vollbrachte, ist vierfach: seine göttliche, unermessliche Liebe; die geschaffene Liebe, Caritas genannt, die seine Seele erfüllte kraft der Vereinigung mit dem ewigen Worte und als vollkommene Gabe seines Vaters; die große Not der menschlichen Natur und schließlich die Ehre seines Vaters. Das sind die Ursachen der Ankunft Christi, unseres Bräutigams, und all seiner Werke, der äußeren und der inneren.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

 

Tagesevangelium – 02.12.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 21,25-28.34-36

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Gefeiert am 1. Dezember

Seliger Charles de Foucauld – Priester, Mönch, Missionar,

* 15. September 1858 in Straßburg in Frankreich
† 1. Dezember 1916 in Tamanrasset in Algerien

Charles Eugène Vicomte de Foucauld wurde am 15. September 1858 in Straßburg als Sohn einer reichen französischen Adelsfamilie geboren. Seine fromme Mutter führte ihn früh mit einfachen Mitteln in den christlichen Glauben ein. Doch schon bevor er sechs Jahre alt wurde, verlor er in einem Jahr beide Eltern. Der Verlust verwundete ihn tief. Der gütige, aber schwache Großvater übernahm die Erziehung des Jungen und seiner Schwester Marie. Zeitweise lebte er auch im Haus seiner Tante Inès Moitessier, wo sich seine acht Jahre ältere Kusine Marie seiner annahm. Die intelligente und tiefgläubige junge Frau, die täglich die Messe besuchte, übte einen nachhaltigen Einfluss auf das Kind aus. Die Erstkommunion 1872 beging Charles „sehr fromm“. Doch bald darauf holte ihn das Trauma seiner Kindheit ein, die Pubertät tat ein Übriges: Durch ausgedehnte Lektüre, u.a. Voltaires, wurde sein Glaube erschüttert, er entfernte sich schrittweise von Gott; die Heirat seiner geliebten Kusine 1874 traf ihn zusätzlich, er fühlte sich von ihr verlassen und kehrte sich völlig von „ihrem“ Glauben ab.

Charles schlägt die Militärlaufbahn ein, aber auf der Militärakademie verbringt er sein Leben in Trägheit und Gleichgültigkeit. 1878 stirbt sein Großvater, sein letzter Halt. Im selben Jahr kann er frei über sein Erbe verfügen und stürzt sich in ein ausschweifendes Luxusleben. Doch innerlich quälen ihn Unruhe und Traurigkeit. 1880 wird sein Regiment nach Nordafrika entsandt; Charles nimmt sich seine Geliebte mit und wird deswegen 1881 aus dem aktiven Dienst entlassen. Im selben Jahr noch bittet er aber um seine Wiederaufnahme, um seinen Kameraden beizustehen, die in schwere Kämpfe verwickelt sind; nun zeigt er sich als heldenhaften Kämpfer, der Entbehrungen tragen kann. Danach bleibt er in Algerien, lernt Arabisch und bereitet sich auf Forschungsreisen in Nordafrika vor. Die Weite der Wüste beeindruckt ihn, die Araber und ihre unbedingte Gläubigkeit, ihre Hingabe an Gott faszinieren ihn. Zwischen 1883 und 1884 bereist er Marokko, ein damals für Christen verbotenes Land. Sein Reisebericht „Reconnaissance au Maroc“ („Erkundung Marokkos“) wird 1885 fertig (erscheint aber erst 1888). Inzwischen hat er seine Kusine wiedergetroffen, schließt sich der Familie wieder an, sein Leben gewinnt Festigkeit. 1886 bezieht er eine Wohnung in Paris, nicht weit von der Familie Moitessier und seiner Kusine. Noch ohne Glauben, sehnt er sich nach strenger Moral, nach Keuschheit. Das Beispiel seiner ebenso intelligenten wie gütigen Kusine vor Augen, beginnt er zu erkennen, „dass diese Religion vielleicht doch kein Unsinn sei“. Er beginnt zu beten: „Mein Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen.“ Ein heiligmäßiger Priester, Abbé Huvelin, von dem er im christlichen Glauben unterrichtet werden möchte, fordert ihn stattdessen zum Beichten und zur anschließenden Kommunion auf. Charles de Foucauld folgt – und ist von diesem Augenblick an – es war Ende Oktober 1886 –  bekehrt. Fortan will er nichts als Jesus nachfolgen, „der stets den letzten Platz einnahm.“

Vier Jahre später trat er in den Trappistenorden ein, der ihn nach Syrien und dann nach Algerien entsandte, schließlich nach Rom zum Theologiestudium, doch Foucauld strebte nach einem noch demütigeren und ärmeren Leben und wurde in Nazareth Hausdiener bei den Klarissen, wo er einfache Arbeiten verrichtete, aber auch viel Zeit zu Gebet und Betrachtung hatte.

Anfänglich entschlossen, einfacher Bruder zu bleiben, will er aus Liebe zur hl. Eucharistie doch Priester werden, wird 1901 in Frankreich geweiht und geht danach nach Beni Abbès in Algerien. Er wirkt segensreich unter den dort stationierten Soldaten und den Moslems und versucht, allen, besonders den Armen, ein Bruder zu sein. Armut, Arbeit und Anbetung des Herrn im Altarssakrament sind auch hier die bleibenden Elemente seines Lebens und werden es bis zum Ende sein.

1903 fasst er einen „Plan für die Missionierung Marokkos“, des Landes ohne Priester „um Marokko mit der Frohen Botschaft zu durchdringen“, lernt die Sprache der Tuareg und beginnt ein Wörterbuch zu verfassen. 1905 bricht er zum ersten Mal zu den Tuareg im Hoggar-Gebirge auf. Mit Unterbrechungen wird er bis zu seinem gewaltsamen Tod unter ihnen leben: „Mit allen Kräften versuche ich, diesen armen verirrten Brüdern zu beweisen, dass unsere Religion ganz Liebe, ganz Brüderlichkeit, dass ihr Sinnbild ein HERZ ist“. Mit seinem Leben unter den Tuareg will er Zeugnis ablegen, „um die Tuareg und die übrigen Einheimischen dem Christetum zuzuführen, Gott weiß wann, vielleicht in Jahrhunderten.“  Er weiß, dass alles, was er tut, nur vorbereitend sein kann.

Am 1. Dezember 1916, einem Herz-Jesu-Freitag, wird Charles de Foucauld von plündernden Tuareg, wohl versehentlich, erschossen. Arm und unspektakulär, wie er immer sein wollte, war auch sein Tod; fast voraussschauend hatte er oft in seinen Briefen zitiert: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24).

Foucauld konnte seine Ideen zu einer neuen Ordensgemeinschaft, die er Laufe der Zeit entwickelt hatte, selbst nicht mehr verwirklichen; sie wurden 1933 von René Voillaume (1905-2003) umgesetzt durch die Gründung der Gemeinschaft der „Kleinen Brüder Jesu“.  Er war auf Charles de Foucauld durch die 1920 erschienene, von René Bazin verfasste Biografie aufmerksam geworden. 1939 folgte durch Magdeleine Hutin (1898-1989) die Gründung der Gemeinschaft der „Kleinen Schwestern Jesu“. Beide Gemeinschaften teilen jeweils das soziale Milieu ihrer Umgebung, ihre Mitglieder gehen einer weltlichen Berufstätigkeit nach. Auf der Spiritualität von Charles beruhen auch einige Laiengemeinschaften und eine Priestergemeinschaft.

Bei Charles de Foucaulds Seligsprechung am 13. November 2005 durch Papst Benedik XVI. nahmen auch Vertreter der Tuareg teil.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

01.12.2018 – Samstag der 34. Woche im Jahreskreis

Hl. Bernhard (1091-1153) – Zisterziensermönch und Kirchenlehrer

„Wacht und betet allezeit“

Wer im Frieden beten möchte, der wird nicht nur auf den Ort achten, sondern auch auf den Zeitpunkt. Die Zeit der Ruhe ist die beste, und wenn der Schlaf der Nacht über alles ein tiefes Schweigen legt, kann man freier und reiner beten. „Steh auf, klage bei Nacht, zu jeder Nachtwache Anfang! Schütte aus wie Wasser dein Herz vor dem Angesicht des Herrn!“ (Klgl 2,19). Wie sicher steigt doch in der Nacht das Gebet auf, wenn Gott dein einziger Zeuge ist, zusammen mit dem Engel, der es empfängt, um es auf dem himmlischen Altar darzubringen! Es ist Gott angenehm, lichterfüllt und schamhaft. Es ist ruhig, friedvoll, wenn kein Lärm, kein Geschrei es unterbricht. Es ist rein und aufrichtig, wenn der Staub der irdischen Sorgen es nicht beschmutzen kann. Kein Zuschauer ist zugegen, der es der Versuchung aussetzen könnte durch seinen Applaus oder seine Schmeicheleien. Deshalb handelt die Braut (des Hohenliedes) mit soviel Umsicht und Scham, wenn sie die nächtliche Einsamkeit ihres Zimmers wählt, um zu beten, das heißt: um das [fleischgewordene] Wort zu suchen, denn das alles ist eins. Du betest schlecht, wenn du anderes suchst, als das Wort, das Wort Gottes, oder wenn deine Gebetsbitte keinen Bezug zu jenem Wort hat. Denn in Ihm ist alles enthalten: die Arznei deiner Verletzungen, die Hilfe, die dir notwendig ist, der Nachlass deiner Schuld, die Quelle deines Fortschritts, kurz gesagt: alles, was ein Mensch sich wünschen kann und soll. Es gibt keinen Grund, das Wort um etwas anderes zu bitten, als um Es selbst, denn alles ist in Ihm enthalten. Wenn wir, wie es ja nötig ist, gewisse konkrete Dinge erbitten wollen und wenn wir, wie es uns aufgetragen ist, sie ersehnen in Bezug auf das Göttliche Wort, so sind es weniger die Dinge selbst, die wir erbitten, sondern wir erbitten vielmehr Ihn selbst, der die Ursache unseres Gebets ist.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Tagesevangelium – 01.12.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas – Lk 21,34-36

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, so wie man in eine Falle gerät; denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

30.11.2018 – Fest des Hl. Andreas, Apostel

Benedikt XVI. – Papst von 2005-2013

Generalaudienz vom 14.06.2006 © Libreria Editrice Vaticana

Hl. Andreas, Apostel der griechischen Welt

Die erste Eigenschaft, die bei Andreas [dem Bruder des Simon Petrus] auffällt, ist der Name: Es ist kein hebräischer Name, wie man es sich eigentlich erwarten würde, sondern ein griechischer Name; das ist ein nicht unbedeutendes Zeichen einer gewissen kulturellen Aufgeschlossenheit seiner Familie […] Zum Paschafest [kurz vor der Passion] waren – so berichtet Johannes – auch einige Griechen, wahrscheinlich Proselyten oder Gottesfürchtige, in die Heilige Stadt gekommen, um am Paschafest den Gott Israels anzubeten. Andreas und Philippus, die beiden Apostel mit griechischen Namen, fungieren als Dolmetscher und Vermittler dieser kleinen Gruppe von Griechen bei Jesus. Die Antwort des Herrn auf ihre Frage erscheint – wie so oft im Johannesevangelium – rätselhaft, aber gerade so erweist sich ihr Bedeutungsreichtum. Jesus sagt den beiden Jüngern und durch sie der griechischen Welt: »Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht« (Joh 12,23–24). Was bedeuten diese Worte in diesem Zusammenhang? Jesus will sagen: Ja, die Begegnung zwischen mir und den Griechen wird stattfinden, aber nicht als einfaches kurzes Gespräch zwischen mir und einigen Menschen, die vor allem von der Neugier getrieben sind. Mit meinem Tod, der mit dem Fallen eines Weizenkorns in die Erde vergleichbar ist, wird die Stunde meiner Verherrlichung kommen. Von meinem Tod am Kreuz wird große Fruchtbarkeit ausgehen: Das »tote Weizenkorn« – Symbol für mich als den Gekreuzigten – wird in der Auferstehung zum Brot des Lebens für die Welt werden; es wird Licht für die Völker und Kulturen sein […] Mit anderen Worten, Jesus prophezeit die Kirche der Griechen, die Kirche der Heiden, die Kirche der Welt als Frucht seines Pascha. Sehr alte Überlieferungen sehen in Andreas, der den Griechen dieses Wort übermittelt hat, nicht nur den Dolmetscher einiger Griechen bei der eben erwähnten Begegnung mit Jesus, sondern sie betrachten ihn als Apostel der Griechen in den Jahren, die auf die Pfingstereignisse folgten; sie lassen uns wissen, daß er für den Rest seines Lebens Verkünder und Sprachrohr Jesu für die griechische Welt war. Petrus, sein Bruder, gelangte von Jerusalem über Antiochia nach Rom, um hier seine universale Sendung auszuüben; Andreas hingegen war der Apostel der griechischen Welt: So erscheinen sie im Leben und im Tod als wirkliche Brüder – und das kommt symbolisch zum Ausdruck in der besonderen Beziehung der Bischofssitze von Rom und Konstantinopel, die wirklich Schwesterkirchen sind.

Bild: Sreens. wikipedia

Tagesevangelium – 30.11.2018

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 4,18-22

In jener Zeit als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Der Kronprinz lässt Aktivistinnen quälen

In Riad: Frauen in Saudi-Arabien leben ein unterdrücktes und von Männern weitgehend separiertes Leben. © Sean Gallup/Getty Images

Saudi-Arabien

Schwere Vorwürfe von Menschenrechtlern: Saudische Aktivistinnen und ihre Angehörigen werden in der Haft misshandelt. Für Saudi-Arabien die nächste internationale Krise

Von Martin Gehlen

Das Gewaltregime von Kronprinz Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien macht auch vor Frauenrechtlerinnen nicht halt. Nach dem staatlich angeordneten Mord an Jamal Khashoggi werfen Amnesty International und Human Rights Watch dem saudischen Kronprinzen jetzt vor, prominente Aktivistinnen und ihre männlichen Mitstreiter im Gefängnis foltern und seelisch misshandeln zu lassen.

Die vor sechs Monaten festgenommenen Aktivistinnen, die in der Haftanstalt Dhahban nahe der Hafenstadt Dschidda eingesperrt sind, seien mit Stromstößen traktiert und mit Kabeln geprügelt worden. Ihre maskierten Peiniger hätten sie zwangsweise umarmt oder geküsst sowie wochenlang in Isolierhaft gehalten – auch für Saudi-Arabien eine bisher beispiellose Quälerei von regimekritischen Frauen. Eine weibliche Gefangene habe mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen. Andere könnten sich nicht mehr richtig auf den Beinen halten oder litten unter heftigem Zittern ihrer Hände, erklärte Amnesty.

Obendrein seien bei den Opfern Kratzer und gerötete Stellen im Gesicht sowie an den Handgelenken zu sehen. Mindestens ein Aktivist soll während des Verhörs an der Decke des Raums aufgehängt worden sein. „Ich war auch im Gefängnis, aber niemand hat mir so etwas angetan“, erklärte Manal al-Sharif, die heute in Australien lebt und im letzten Jahr ein Buch über ihren Kampf für Frauenrechte in Saudi-Arabien veröffentlichte. „Das ist eine enorme Verschiebung und wirklich schockierend.“

Verhaftete sollen vor Terrorgerichtshöfe

Die Menschenrechtsorganisationen berufen sich bei ihren brisanten Vorwürfen auf mehrere Zeugenaussagen, die nach Angaben derWashington Post aus dem Dhahban-Gefängnis selbst sowie aus dem persönlichen Umfeld der gefolterten Frauen und Männer stammen. „Nur wenige Wochen nach dem kaltblütigen Mord an Jamal Khashoggi zeigen diese schockierenden Berichte über Folter, sexuelle Übergriffe und andere Formen von Misshandlungen, falls sie sich bewahrheiten sollten, weitere empörende Menschenrechtsverletzungen der saudischen Regierung“, erklärte Lynn Maalouf, Amnesty-Direktorin für den Nahen Osten.

Mindestens vier Frauen und fünf Männer, die jahrelang gegen die systematische Diskriminierung von Frauen in Saudi-Arabien gekämpft hatten, wurden im Mai verhaftet, vier Wochen vor dem Ende des königlichen Fahrverbots für Frauen. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem die 29-jährige Loujain al-Hathloul, die zuvor von saudischen Agenten mit Gewalt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgeholt worden war, sowie die emeritierte Professorin der König-Saud-Universität und Mutter von fünf erwachsenen Kindern, Aziza al-Yousef.

Vier weitere Aktivistinnen, eine von ihnen Samar Badawi, die Schwester des seit sechs Jahren inhaftierten Bloggers Raif Badawi, kamen im Juni und August hinter Gitter. Ein Protest-Tweet gegen die Inhaftierungen von Chrystia Freeland, der Außenministerin Kanadas, wo Raif Badawis Frau und die drei Kinder im Exil leben, löste auf Betreiben von Mohammed bin Salman ein diplomatisches Zerwürfnis zwischen Riad und Ottawa aus. Der kanadische Botschafter wurde ausgewiesen, der saudische Missionschef aus Kanada abgezogen.

Alle verhafteten Frauenrechtlerinnen und ihre männlichen Unterstützer sollen vor einen der berüchtigten Terrorgerichtshöfe gestellt werden, wo ihnen Haftstrafen bis zu 20 Jahren drohen. Bisher jedoch gibt es keine einzige offizielle Anklageschrift. Dafür druckten regierungstreue Zeitungen in einer staatlich organisierten Schmutzkampagne ihre Fotos mit roten Stempeln „Verräter“ quer über dem Gesicht.

Editorials bezichtigten die Verfemten, unentschuldbare Verbrechen begangen zu haben und Agenten ausländischer Botschaften zu sein. „Wer immer das Heimatland für eine Handvoll Geld verscherbelt, hat keinen Platz unter uns“, hieß es in den landauf, landab gedruckten Hetzartikeln. Andere forderten kurzerhand, alle mit dem Schwert hinzurichten.

Die Botschaft des international stark unter Druck geratenen Kronprinzen an seine eigenen Landsleute daheim ist damit klar: Bürgerrechte in Saudi-Arabien werden von oben gewährt und nicht von unten erkämpft. Politischer Aktivismus und offene Reformdebatten sind tabu in der absolutistischen Monarchie auf der Arabischen Halbinsel. Denn das Thema Autofahren ist ja nicht das einzige Diskriminierungsproblem.

Praktisch in allen Lebensbereichen haben Väter, Ehemänner, Onkel oder Söhne das Sagen. Zwar wurden einige wenige Bestimmungen des drakonischen Vormundschaftsrechts in letzter Zeit etwas gelockert. Doch nach wie vor dürfen Frauen ohne Einwilligung ihres männlichen Vormunds weder heiraten noch ein Studium beginnen, weder reisen noch einen Pass beantragen oder sich einem medizinischen Eingriff unterziehen.

Quelle: zeit.de

 

29.11.2018 – Worte von Bruder Johannes Paul CFM.SCJ

Von Bruder Johannes Paul CFM.SCJ , Herz Jesu Franziskaner

„Wir sollten nicht vergessen uns an das Heiligste Herz Jesu zu wenden, wenn die Last der Welt uns zu Boden drückt. Das Heiligste Herz Jesu ist die Liebe selbst und kann sich nur als Liebe schenken.“

Ⓒ corjesu.info CFM.SCJ – Kongregation der Herz Jesu Franziskaner  2015-2018