Giuseppe Beotti, ein von deutschen Soldaten im Jahr 1944 hingerichteter italienischer Priester, soll demnächst seliggesprochen werden. Papst Franziskus stimmte einem wichtigen Schritt für dieses Verfahren an diesem Samstag zu.
Das teilte das vatikanische Presseamt mit. Nach der Entscheidung des Papstes wird der Tod des Priesters als Martyrium gewertet, einer Seligsprechung steht damit nichts mehr im Wege.
Der damals 32 Jahre alte Geistliche wurde am 20. Juli 1944 in Sidolo (Provinz Parma) von den deutschen Besatzern verhaftet und erschossen. Zuvor hatte er dafür gesorgt, dass rund 100 Juden in Häusern und Schuppen in seiner Gemeinde Unterschlupf finden konnten.
Bei einer Seligsprechung stellt die katholische Kirche durch Urteil des Papstes fest, dass ein gestorbener Mensch vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist. Daraus ergibt sich die offizielle Empfehlung, diese Person als Vorbild und Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Selige werden im Gegensatz zu Heiligen nur regional verehrt. Der Seligsprechung kann aber eine Heiligsprechung und damit die weltweite Verehrung der betreffenden Person folgen.
Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus. Dazu muss das jeweilige Heimatbistum Informationen über Leben und Sterben der Person sammeln und ein Wunder oder den Märtyrertod sowie Tugendhaftigkeit und den „Ruf der Heiligkeit“ nachweisen.
Nach Abschluss des Verfahrens werden die Akten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zugeleitet. Sie prüft die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen und holt gegebenenfalls Gutachten über Wunder ein.
Während einer Rede am 13. April in Rom kritisierte Kardinal Burke eine Vorstellung von „Gewissen“, die [von Franziskus] benutzt wird, „um sündige Handlungen zu rechtfertigen“ (LaNuovaBq.it). Er entlarvte ein Konzept von „Gewissen“ als „subjektive Dimension“, die die letzte Instanz der Entscheidung darstellt, während das Gewissen in Wahrheit die Fähigkeit des Menschen ist, die objektive Wahrheit in Religion und Moral zu erkennen. „Der Mensch erschafft sich nicht selbst“, sondern „besitzt eine Natur, die er respektieren muss und nicht nach Belieben manipulieren kann“, sagte Burke.
Im Missbrauchsskandal um einen inzwischen gestorbenen spanischen Jesuitenpater, der Direktor einer Schule in Bolivien war, kommen Zug um Zug neue Details ans Licht. Das ganze Ausmaß der Vorfälle ist noch nicht abzusehen.
Kaum ein Tag in Bolivien vergeht, an dem im Missbrauchsskandal um einige Jesuitenpatres nicht neue Nachrichten ans Tageslicht kommen. Den Stein ins Rollen brachten Recherchen über einen inzwischen gestorbenen spanischen Priester, der in den 80er Jahren Dutzende Minderjährige missbraucht haben soll.
Die Tageszeitung „El Pais“ hatte Zugang zum Tagebuch des Jesuiten. Daraus soll hervorgehen, dass er während seiner Tätigkeit als Lehrer an katholischen Schulen in Bolivien bis zu seinem Tod 2009 Dutzende von Kindern missbraucht habe. Nun zieht der Fall immer weitere Kreise. An diesem Wochenende legte „El Pais“ nach und berichtete, zwei weitere Jesuiten hätten an der Schule Johannes XXIII. in Cochabama Schülerinnen missbraucht.
Neffe des Priesters gab Zugang zum Tagebuch frei
Der Neffe des Priesters fand das Tagebuch 2021 und wandte sich daraufhin an die Ordensgemeinschaft in Bolivien und an die Leitung der betroffenen Schule. Er suchte auch den Kontakt zu Schülerverbindungen, deren Mitglieder einst an der Schule unterrichtet wurden.
Er wandte sich auch an die spanische Staatsanwaltschaft, die den Fall allerdings als verjährt ansah. Schließlich nahm der Neffe Kontakt zur Zeitung „El Pais“ auf und stellte die Informationen zur Verfügung. Die Redaktion machte die Recherchen dann öffentlich.
Netzwerk von Vertuschungen
Laut den vorliegenden Informationen ist davon auszugehen, dass der Pater 89 Vergewaltigungen von Minderjährigen in seinem Tagebuch gestand. Der letzte Eintrag stammt vom 11. Oktober 2008. Die Schlüsselfigur des Falles, genannt „Padre Pica“, wurde am 10. Juni 1943 im spanischen Valencia geboren.
Er kam 1971 nach Bolivien, nachdem er ein Jahrzehnt in Peru und Ecuador gearbeitet hatte. Unter anderem war er Ausbilder von Novizen in einem Priesterseminar und Direktor der betroffenen Schule in Cochabamba. Zudem wurde der Ordensmann in zwei weiteren Schulen sowie in der Strafvollzugsanstalt für Minderjährige in La Paz eingesetzt. Er starb im September 2009 in Cochabamba.
Das Tagebuch des Jesuiten soll zudem Hinweise auf ein Netzwerk von Vertuschungen geben. Es sei davon auszugehen, dass mindestens sieben Vorgesetzte sowie ein Dutzend Kirchenvertreter von den Vorgängen wussten.
Schüler berichten
Ehemalige Schüler wie auch ein ehemaliges Mitglied der Ordensgemeinschaft berichteten laut weiteren Medienberichten, dass vorherige Hinweise auf die Vergehen in den Schulen in der Vergangenheit zu Repression oder Ausschluss der Hinweisgeber geführt hätten. Inzwischen haben sich weitere Schüler gemeldet und verweisen darauf, dass die Vorwürfe bekannt gewesen seien, aber ungeahndet blieben.
In einer ersten Reaktion bedauerten die bolivianischen Jesuiten „das den Opfern zugefügte Leid“ und erklärten: „Wir schämen uns für diese Situation.“ Die Ordensgemeinschaft habe ihrerseits 2022 eine Untersuchung gegen den Beschuldigten in einem Fall eingeleitet und sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass in diesem Fall die Vorwürfe zutreffend seien. Die Gemeinschaft wolle nun den Betroffenen zuhören und ihren Teil zur Aufklärung beitragen.
Strafrechtliche Sanktionen für Vertuscher
Generalstaatsanwalt Wilfredo Chavez kündigte eine umfangreiche Untersuchung an. Wenn der verstorbene Jesuit nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden könne, dann doch diejenigen, die vertuscht hätten: „Wir werden nicht aufhören, bis das Urteil vollstreckbar ist und die Verantwortlichen ihre Strafe verbüßen und das Geschehene vollständig wiedergutmachen. Es muss eine exemplarische strafrechtliche Sanktion geben, die die systematische Vertuschungsstruktur, die es im Land seitens der katholischen Kirche gab, ein für alle Mal durchbricht“, sagte Chavez in einem Interview mit „El Pais“.
Auch die Spitze der bolivianischen Politik hat den Missbrauchsskandal inzwischen kommentiert. Boliviens linksgerichteter Präsident Luis Arce forderte, dass die ganze Härte des Gesetzes angewendet werden müsse, um die Betroffenen zur Rechenschaft zu ziehen.
Ex-Präsident Evo Morales, parteiinterner Gegenspieler von Arce und immer noch enorm einflussreich, forderte die Bischofskonferenz auf, den Opfern des Missbrauchs eine ehrliche und keine politische Antwort zu geben.
(Mexiko-Stadt) Auf der Facebook-Seite der Erzdiözese Puebla in Mexiko, wurde am 13. Mai 2023, eine Erklärung veröffentlicht, für die niemand die Verantwortung übernimmt, da sie nicht unterschrieben ist. Da sie im Namen der Erzdiözese publiziert wurde, ist Erzbischof Victor Sánchez Espinosa dafür verantwortlich. In dieser Erklärung wird vor der Weihe einer Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) gewarnt, die am gestrigen Sonntag stattfand.
Die Veröffentlichung erfolgte in extremis am selben Tag, als die Weihe faktisch schon im Gange war. Innerhalb kürzester Zeit fanden sich unter der Veröffentlichung bereits mehr als 700 Kommentare. Grund dafür war nicht nur die Veröffentlichung an sich, sondern der Umstand, daß sie gleich mehrere Fehler enthält. Das Ergebnis, ob gewollt oder nicht, ist eine noch größere Verwirrung der Gläubigen über die kanonische Situation der Piusbruderschaft.
Es wird der Eindruck erweckt, daß die von Priestern der Piusbruderschaft gespendeten Sakramente unrechtmäßig und ungültig seien. So steht es zwar nicht geschrieben, doch das soll die Botschaft sein. Dabei geht es um Fragen, die seit den 70er Jahren den Streit zwischen Rom und der Priesterbruderschaft prägen.
Die vom Erzbistum Puebla veröffentlichte Erklärung „zur Anwesenheit der Piusbruderschaft in Puebla“
Bemerkenswerter, da ein neues Element, ist der Verweis auf das Motu proprio Traditionis custodes, das Papst Franziskus im Juli 2021 gegen den überlieferten Ritus erließ. Darin habe Franziskus, so die erzbischöfliche Erklärung, die Notwendigkeit geäußert, die Überwindung des „von der Bewegung von Msgr. Lefebvre angeführten Schismas“ zu fördern. Anders ausgedrückt: Die Erzdiözese Puebla erklärt den gesamten traditionsverbundenen Teil der Kirche zu „Schismatikern“, der „Lefebvre-Bewegung“. Es fällt schwer anzunehmen, daß ein Erzbischof eine solche Position vertritt.
Wörtlich heißt es im Zusammenhang mit Traditionis custodes weiter:
„Deshalb hat der Heilige Vater vor verschiedenen liturgischen Mißbräuchen gewarnt, die dazu geführt haben, daß die Distanzen vergrößert, die Unterschiede verhärtet und Gegensätze aufgebaut wurden, die der Kirche schaden und ihren Fortschritt behindern und sie der Gefahr der Spaltung aussetzen.“
Die Erzdiözese Puebla macht im Klartext die „liturgischen Mißbräuche“ der Piusbruderschaft und im Kontext auch den Ecclesia-Dei– und Summorum-Pontificum-Teilen der Kirche zum Vorwurf.
Die gestern geweihte Kirche Iglesia Nuestra Señora de los Ángeles in Puebla wurde von der Piusbruderschaft neu erbaut.
Die neuerrichtete Kirche der Piusbruderschaft im mexikanischen Puebla
Keine Satire, bitterer Ernst: Florian Scheuba über die geheime Waffen-Einkaufsliste von Heinz-Christian Strache
Guten Morgen,
das ist eine Geschichte, die ich mit zwei Worten einleiten muss: Keine Satire! Das liegt ein bisschen daran, dass es Florian Scheuba ist, der sie geschrieben hat – aber noch viel mehr am Inhalt, der auf eine bange Frage hinausläuft: Wofür um Himmels Willen glaubt ein österreichischer Spitzenpolitiker, ein Waffenarsenal zu brauchen, mit dem man in einen Kleinstaat einmarschieren könnte, und zwar über Wehrsportübungszwecke hinaus?
Paintball war gestern
Keine Satire: Florian Scheuba hat bei Recherchen zur Ibiza-Affäre eine Waffen-Einkaufsliste von Heinz-Christian Strache entdeckt – und beschreibt hier, was der ehemalige FPÖ-Chef zur Selbstverteidigung beschaffen wollte.
Man muss sich Heinz-Christian Strache als einen äußerst furchtsamen Menschen vorstellen, der sich mit unterschiedlichen Mitteln gegen Gefahren zu schützen versucht.
Wir wissen, dass Strache einer Wahrsagerin 6.000 Euro für „Kraft, Energie, Schutzmantel bei Auftritten und Schutz für In- und Ausland“ bezahlt hat. Er hat zu diesem Zweck nicht nur ein Eigenurinamulett getragen, sondern auch eine geweihte eiförmige Messingschale in seiner Unterhose. Wir wissen, dass die FPÖ auf seine Initiative hin eine Pension in St. Jakob im Defereggental gekauft hat, als Geheim-Versteck für Goldbarren und Rückzugsort im Falle eines von Strache befürchteten Bürgerkriegs.
Und wir kennen Bilder, auf denen er mitWaffen bei Wehrsportübungen posiert. Er hat das später als „Jugendsünde“ und „Paintball-Spiele“ bezeichnet. Wie weit er dabei den Begriff „Jugend“ interpretiert, kann man diskutieren. Fest steht: Paintball war gestern.
Im Zuge der Recherchen für ein Drehbuch über die Ibiza-Affäre, das ich derzeit gemeinsam mit David Schalko, Sebastian Huber, Hanna Herbst und Jan Böhmermann schreibe, sind wir auf eine bislang noch unveröffentlichte Nachricht gestoßen, die Strache 2015 in seiner Zeit als FPÖ-Chef an einen seiner engen Mitarbeiter geschickt hat. Sie lässt darauf schließen, dass der Ex-Vizekanzler und Ex-Wehrsportler die Paintball-Phase weit hinter sich gelassen hat, und mittlerweile zu diesem Thema einen deutlich anspruchsvolleren Zugang verfolgt. So liest sich zumindest seine ziemlich detaillierte Wunschliste:
„Brauche versperrbaren Waffenschrank für Büro oben in Weidling für Langwaffen. Folgende Langwaffen hätte ich gerne: 1) Zweiläufige Schrotflinte mit Hahn und Sicherung 2) Pinelli (Schrott, Halbautomat, 10 Schuss) 3) Steyr Sturmgewehr mit Zielfernrohr…. Laserpointer für meine Babyglock…. Nur die entsprechend starke Munition für alle Waffen… Ausreichend Munition. Bitte auch bei unserem Bezirksrat Martin Kruschitz nachfragen.“
Dazu drei Anmerkungen. FPÖ-Bezirksrat Martin Kruschitz ist Waffenhändler, mit „Pinelli“ meint Strache vermutlich den italienischen Waffenhersteller Benelli, dessen halbautomatische Flinten mit Schrot schießen, und nicht, wie von Strache geschrieben, mit Schrott. Und bei „Babyglock“ handelt es sich nicht um einen Spitznamen von Johann Gudenus, sondern um eine Selbstladepistole im Kaliber 9 mal 19 Millimeter, die sich durch ihre kompakte Bauweise besonders gut zum verdeckten Tragen eignet.
Was Heinz-Christian Strache mit dieser Bestellung vorhatte, wissen wir nicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls davon auszugehen, dass er in den vergangenen Jahren nicht nur sein Eigenurinamulett und die geweihte eiförmige Messingschale bei sich getragen hat.
Zwei Fragen drängen sich auf: Warum braucht ein Vizekanzler ein Sturmgewehr? Und warum macht man einen Mann, der ein Sturmgewehr braucht, zum Vizekanzler unseres Landes?
Eines wissen wir jetzt aber mit Sicherheit: Man wurde und wird Strache nicht gerecht, wenn man ihn als paranoiden Spinner abtut, der einfach einen Schuss hat.
Schwarzen mit Würgegriff erdrosselt: Rechtskonservative spenden Millionenbetrag
Rechtskonservative „Free Christian Fundraising Site“ setzt sich für weißen Täter ein.
Nach dem gewaltsamen Tod von Jordan Neely, einem Straßenkünstler in New York, hat ein Online-Fundraiser für den mutmaßlichen Täter schon mehr als 1,1 Millionen US-Dollar (1,01 Mio. Euro) eingebracht. Die von seinem Anwaltsteam organisierte Spendensammlung solle dabei helfen, die Kosten für das anstehende Verfahren und mögliche Zivilklagen zu decken, hieß es auf der Website. Bis Samstagnachmittag (Ortszeit) waren dort nahezu 25.000 Einzelspenden gelistet.
Dem 24-jährigen weißen Daniel Penny wird vorgeworfen, den 30-jährigen schwarzen Jordan Neely Anfang Mai in einer U-Bahn so lange in einem Würgegriff gehalten zu haben, bis dieser bewusstlos wurde und später in einem Krankenhaus starb. Am Freitag folgte dann eine Anklage gegen Daniel Penny wegen Totschlags. Er wurde übereinstimmenden Berichten zufolge auf Kaution entlassen.
Jordan Neely hatte sich Zeugenaussagen zufolge vor dem Vorfall in der U-Bahn lautstark darüber beklagt, hungrig und durstig zu sein, aber niemanden tätlich angegriffen.
Der Tod Neelys hat in den USA erneut eine Debatte über systemischen Rassismus ausgelöst. Beobachter ziehen Parallelen zum gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd, der 2020 von einem weißen Polizisten getötet wurde.