Archiv für den Monat: Februar 2026

„Bischofsweihen aus Treue zur Kirche und zu den Seelen“

Pater Davide Pagliarani (Screenshot)

Predigt von Pater Davide Pagliarani, dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., vom 2. Februar 2026
im Seminar St.-Curé-d’Ars

Liebe Mitbrüder, liebe Seminaristen, liebe Schwestern und liebe Gläubige,

was für eine Freude, die Soutanen von zweiundzwanzig neuen Seminaristen segnen zu dürfen – an diesem gesegneten Tag, an dem unser Herr zum ersten Mal zum Tempel, zu seinem Altar geht, um äußerlich die Hingabe seiner selbst, seines Lebens zu bekunden: „Hier bin ich, um deinen Willen zu tun. Das ist der Grund, warum ich Mensch geworden bin und heute offenbare ich mich.“

So weit wie möglich müssen diese vollkommenen Gesinnungen Unseres Herrn auch die Gesinnungen eines jungen Mannes sein, der sein Leben Unserem Herrn weihen möchte, um eines Tages zum Altar emporzusteigen.

Welch schönes Beispiel! Es ist das Vorbild, dem wir unser ganzes Leben lang folgen sollen. Und dies geschieht in Einheit: in Einheit mit Unserer Lieben Frau und in Einheit mit Unserem Herrn. Unsere Liebe Frau, die Unbefleckte, die allzeit reine Jungfrau, unterwirft sich dem Ritus der Reinigung gemäß dem Gesetz des Moses. Niemals war oder wird ein Geschöpf so rein sein wie die allerseligste Jungfrau, doch aus Demut unterwirft sie sich diesem Ritus. Und man bringt zwei Tauben als Opfergabe, eine für das Brandopfer und eine für das Sündopfer; und sie wird gereinigt. Dies war die Opfergabe der Armen.

Unser Herr selbst wird losgekauft, weil er als Erstgeborener Gott gehörte, und er wird durch die Zahlung einer kleinen Summe von fünf Schekel, fünf Münzen, losgekauft. Er, der selbst der Erlöser und der Preis für unsere Erlösung war, akzeptiert es, durch einige Münzen losgekauft zu werden. Welche Demut! Er war streng genommen nicht verpflichtet, für diesen Ritus nach Jerusalem zu gehen. Juden, die weit entfernt wohnten, konnten dies durch einen Bevollmächtigten tun lassen. Aber die Heilige Familie will das Gesetz aus Gehorsam erfüllen.

Was für ein großartiges Beispiel! Schon jetzt zeigt sich Unser Herr als gehorsam; gehorsam bis zum Tode. Wir kennen die Vollkommenheit seiner inneren Haltung. Er ist schon bereit, alles für unsere Erlösung hinzugeben um den Gehorsam gegenüber seinem Vater zu erfüllen, um dessen Willen zu erfüllen. In diesem Kontext der bereits vollkommenen Aufopferung haben wir ein Vorspiel des Kreuzes, des Leidens.

Unser Herr kann uns nicht gleichgültig lassen

In dieser Szene, die so einfach und scheinbar so gewöhnlich ist, aber in den Augen Gottes so einzigartig, weil dort die Erlösung bereits begonnen hat – in dieser Szene erscheint Simeon. Der alte Mann ergreift das Wort und seine Rede besteht aus zwei gegensätzlichen Teilen. Zunächst die Freude – die Freude, Unseren Herrn zu sehen, ihn in die Arme zu schließen. Eine Freude, die dem Verlangen entspricht, das er bis zu diesem Tag gehabt hat. „Ich habe ihn gesehen, endlich habe ich den Retter gesehen, die Erlösung Israels, ich habe ihn gesehen!“

In der Ewigkeit werden wir nichts anderes tun, als das zu betrachten, was Simeon während diesen Augenblicken in seinen Armen betrachtete: das Heil, den Erlöser, der seit jeher von der göttlichen Vorsehung bereitet war. Die Menschwerdung war, wenn man so sagen darf, im Geiste Gottes für alle Völker bestimmt – ante faciem omnium populorum, lumen ad revelationem gentium

Er ist der einzige Retter

Er ist der einzige Retter, der allen Völkern und allen Rassen ohne Unterschied geschenkt und angeboten wird. Welche Freude! Welche Freude in den Augen und Worten dieses Greises: dieses Licht, um die Wahrheit zu lehren, den einzigen Weg des Heils.

Nun, diese Freude Simeons, dieses Licht, wird plötzlich unterbrochen durch eine Ankündigung an die Muttergottes und den Heiligen Josef. Er wendet sich ihnen zu, segnet sie und sagt ihnen in ganz anderem Tonfall etwas, das natürlich mit dem Vorhergehenden zusammenhängt. Was sagt er ihnen konkret? Er sagt ihnen, dass die Erlösung der Menschheit durch dieses Kind geschehen wird – unter Leiden, am Kreuz und durch die Passion. Dieses Kind wird ein Zeichen des Widerspruchs sein. Das ist eine sehr schöne Definition Unseres Herrn. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs.

Was bedeutet das in einer etwas moderneren Sprache? Es bedeutet, dass Unser Herr nichts verbirgt. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs. Unser Herr bekräftigt die Wahrheit. Er offenbart sie durch sein Wort und bestätigt sie durch seine Wunder. Er bietet sie an und sagt klar und deutlich, dass dies der einzige Weg zum Heil ist. Es gibt keinen anderen. Warum sagt er das? Weil er die Seelen nicht täuschen kann. Er ist nicht in diese Welt gekommen, um die Seelen zu täuschen. Er ist gekommen, um sie zu retten. Er offenbart die Wahrheit. Er wird verfolgt werden. Und auch diejenigen, die ihm folgen, werden ein Zeichen des Widerspruchs sein. Man muss sich entscheiden. Man kann Unserem Herrn gegenüber nicht gleichgültig bleiben. Man kann der Erlösung gegenüber nicht gleichgültig bleiben. 

Wer gleichgültig bleibt, hat Unseren Herrn abgelehnt

Wer gleichgültig bleibt, hat sich bereits für eine Seite entschieden. 

Simeon sagt das ganz klar. Was sagt er in seiner Prophezeiung? Er sagt: All dies, diese Offenbarungen Unseres Herrn in seiner Erlösung, all dies wird geschehen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Was bedeutet das? In welchem Sinne werden die Gedanken der Herzen der Menschen offenbar werden? – In dem Sinne, dass niemand gegenüber Unserem Herrn wirklich gleichgültig bleiben kann. Man muss sich entscheiden. Das ist ein Zeichen des Widerspruchs. Und Unser Herr selbst wird eines Tages sagen: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“

Und diese Offenbarung des Geheimnisses der Erlösung, die durch die Leiden Unseres Herrn erfolgen wird, wird von einem weiteren Leiden begleitet sein. Gott wollte, dass die Muttergottes an diesem Werk beteiligt ist. Und dass die Rolle der Muttergottes an der Seite Unseres Herrn gleichzeitig mit der Rolle Unseres Herrn den Menschen offenbart wird. Simon wendet sich Maria mit den Worten zu: „Ein Schwert des Schmerzes wird dein Herz durchbohren. Deine Seele wird von einem Schwert durchdrungen werden.“ Welch ein Geheimnis verbirgt sich hinter diesen Worten! Ein Geheimnis, das wir ergründen können, ein Geheimnis, das der Kirche sehr am Herzen liegt. Es ist das Geheimnis der Miterlösung, der Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk Unseres Herrn.

Die Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk der Erlösung

Hier versteht man gut, warum der Engel die Zustimmung der allerseligsten Jungfrau, ihr „Fiat“, erbeten hat. Maria verstand sehr wohl, dass Mutter Gottes zu werden bedeutet, Mutter eines leidenden Gottes, eines erlösenden Gottes, eines leidenden Messias zu werden, wie er im Alten Testament beschrieben worden war. Und sie sagte: „Ja, ich nehme es an. Wenn es Gottes Wille ist, stimme ich zu.“ Gott wird zu einem ganz bestimmten Zweck Mensch. Und Unsere Liebe Frau wusste das. Vor allem dies akzeptiert sie. Aber warum? Warum wollte Gott in seiner göttlichen Weisheit Unsere Liebe Frau auf diese Weise mit dem Leiden Unseres Herrn verbinden? Warum? 

Weil Unser Herr die Seelen rettet, aber von jeder Seele ihre eigene Mitarbeit verlangt. Er verlangt von jedem seine Zustimmung zum Glauben, seinen Anteil am Leiden. Und Unsere Liebe Frau, die schon vor ihrer Empfängnis vor der Erbsünde bewahrt worden war, war in gewisser Weise die am vollkommensten Erlöste – einzigartig, niemals von der Sünde berührt. Und folgerichtig hat Gott von Unserer Lieben Frau eine Mitwirkung am Werk der Erlösung verlangt, die ihrer Heiligkeit entsprach. Was für ein Geheimnis! Das ist eine zutiefst christliche, zutiefst katholische Sichtweise der allerseligsten Jungfrau Maria. Gott will die Mitwirkung seines Geschöpfes und hat Unsere Liebe Frau zum Prototyp dieser Mitwirkung gemacht.

Davon sieht man nichts im Protestantismus, der jede Mitwirkung verneint: Es ist allein Gott, der die Vorherbestimmten rettet. Das ist die Theologie Luthers. Und was suchen die Protestanten folglich? Da diese Mitwirkung nicht notwendig ist, was suchen die Protestanten logischerweise? Sie lehnen das religiöse Leben, die Kasteiungen, die Messe ab, weil die Heilige Messe nach protestantischer Auffassung eine Anstrengung, eine menschliche Mitarbeit an einem Werk ist, das nur göttlich ist. Sie lehnen die Verehrung der Heiligen ab, weil man keinen Fürsprecher, keinen Vermittler braucht. Und vor allem lehnen sie die Verehrung der Muttergottes ab. Das ist schrecklich. Das bedeutet, in gewisser Weise die Erlösung zu zerstören, wie Gott sie gewollt hat. Aber es ist logisch.

Und man muss sagen: Der Modernismus hat auf einer anderen Ebene, auf eine andere Weise dasselbe getan. Ohne es zu leugnen, entstellt der Modernismus all dies. Hinter dem unangebrachten Schutzschild eines falsch verstandenen Christozentrismus, d. h. der falschen Angst, Unserem Herrn seine zentrale Stellung zu nehmen, schmälert auch der Modernismus all dies, schmälert die menschliche Mitwirkung, die Anstrengungen, die Abtötungen. Das religiöse Leben wird nicht mehr verstanden, die Messe wird ganz anders verstanden, und Unsere Liebe Frau auch. Sie wird gewissermaßen beiseitegeschoben, mitsamt dieser Rolle, die sie beim Erlösungswerk innehat, dieser zentralen Rolle. Das ist erschütternd!

Wenn man ein wunderschönes Gemälde hat: Was tut man, um es zur Geltung zu bringen? – Man versucht, einen Rahmen zu finden, der diesem Gemälde würdig ist. Und genau das hat Gott mit der allerseligsten Jungfrau gemacht. Das wunderschöne Gemälde der Erlösung wird von der Miterlösung, von der Muttergottes selbst eingerahmt. Was für eine Weisheit! Und jetzt sagt man uns, man müsse diesen Rahmen entfernen, um die Schönheit des Gemäldes nicht zu verlieren, sondern besser würdigen zu können.

Die Muttergottes begleitet Unseren Herrn in seinem Leiden

Dreimal begleitet die allerseligste Jungfrau Unseren Herrn nach Jerusalem. Heute, am Fest der Darstellung im Tempel, der Reinigung Mariens, wird die erste Reise der Jungfrau mit Jesus nach Jerusalem begangen. Bei zwei weiteren Gelegenheiten begleitet die Muttergottes ihn, und diese drei Episoden sind miteinander verbunden, sie liegen auf derselben Achse. Sie haben einen gemeinsamen Nenner.

Heute, bei seiner Darstellung im Tempel, bietet Jesus dem Vater seine ganze Existenz an. Mit zwölf Jahren wird er, erneut begleitet von der allerseligsten Jungfrau, dem Vater seine Weisheit anbieten. Das dritte Mal wird auf Golgatha sein: Jesus wird dann von seiner Mutter begleitet, um dem Vater erneut sein eigenes Leben, seinen Leib und sein Blut darzubringen.

Was haben diese drei so unterschiedlichen Episoden gemeinsam und warum ist die allerseligste Jungfrau immer dabei? Sie begleitet Unseren Herrn dreimal in Schmerz und Leid. 

Das erste Mal am heutigen 2. Februar: Die Ankündigung Simeons: „Ein Schwert wird dein Herz durchdringen.“ Mit zwölf Jahren begleitet sie ihn erneut zum Tempel. Und wieder ein tiefer Schmerz: den Herrn verloren zu haben; das ist die unvorstellbarste Prüfung für Maria. Das dritte Mal begleitet sie ihn erneut in seinen Schmerzen; im Leiden auf Golgatha.

Aber warum muss sie es jedes Mal in Schmerzen tun, wenn sie ihn begleitet? – Weil sie Miterlöserin ist, weil sie systematisch an der Passion Unseres Herrn teilnimmt. Sie bereitet diese mit Unserem Herrn vor: Die Passion Unseres Herrn ist auch ihre Passion. Das ist offensichtlich.

Und was ist die Folge dieser Wahrheit, die im Evangelium steht (es ist keine Erfindung)? Was ist die Konsequenz daraus? 

Es ist diese: Genauso wie Maria während des gesamten Lebens Unseres Herrn gegenwärtig ist und ihm in seinem Leiden folgt – in allem, was sein Leiden vorbereitete und sich darauf bezog –, so ist Maria konsequenterweise auch weiterhin die Gefährtin Unseres Herrn. Sie spendet die Gnaden, die die Frucht der Passion sind, die auch die ihre war und an der sie seit heute, seit der Verkündigung Simeons, teilhat.

Welch großes Geheimnis verbirgt sich in diesem Schwert!

Eine letzte Überlegung. Wie konnte Unsere Liebe Frau ihren Sohn – und einen solchen Sohn – opfern? Man kann verstehen, dass sie sich selbst, ihre Existenz, ihre Jungfräulichkeit Gott darbrachte. Aber einen solchen Sohn? Wie konnte sie ihn opfern? Diesen Sohn, jungfräulich empfangen, jungfräulich geboren, dessen einzige Mutter sie war? Die menschliche Natur Unseres Herrn stammt vollständig von Maria. Aus ihrem unbefleckten Fleisch und Blut wurde die Menschheit Unseres Herrn gebildet. Logischerweise ist er der vollkommene Sohn, den sie anbetet. Wie konnte sie ihn opfern? Wie konnte sie „Ja” sagen? Nicht nur „Ich sage Ja und bleibe in Nazareth“, sondern „Ich sage Ja und begleite ihn, ich sage Ja aus Überzeugung.“ Wie konnte sie das tun? Wie lässt sich das erklären? 

Die Antwort ist ganz einfach: Maria tat es aus Liebe zu uns 

Das ist keine Fabelei! Das ist das Evangelium. Werden wir diese Lehre aufgeben? Werden wir dieses Schwert vergessen, welches das Herz Unserer Lieben Frau durchbohrt? Werden wir vergessen, was es bedeutet? Werden wir vergessen, was Unsere Liebe Frau am Fuße des Kreuzes getan hat? Werden wir die Miterlösung vergessen? 

Auf keinen Fall – das ist unser Glaube. Das ist der Kern unseres Glaubens. Das ist das Kostbarste, was wir haben. 

Am Tag des Gerichts wird Unser Herr uns seine Wunden zeigen und jeden Menschen fragen: 

„Was hast du mit meinen Wunden gemacht, was hast du mit meinem Leiden gemacht? Hast du Zuflucht in meiner Seite gesucht oder hast du die Welt vorgezogen? Was hast du mit meinem am Kreuz vergossenen Blut gemacht? Was hast du mit der heiligen Eucharistie gemacht? Was hast du mit meiner Gnade gemacht?“

Und Er wird uns auch eine letzte Frage stellen: 

„Was hast du mit meiner Mutter gemacht? 

Ich hatte nichts mehr, ich war aller Dinge beraubt, von allen verlassen, ich hatte keinen Tropfen Blut mehr in meinem Leib. Ich hatte nur noch meine Mutter bei mir – und nicht irgendeine Mutter, sondern eine Mutter, die ich vorbereitet hatte, eine unbefleckte Mutter, eine Mutter voller Gnade, die Mutter Gottes. Ich hatte sie für mich vorbereitet, um Mensch zu werden, um in diese Welt zu kommen. Eine Mutter, die mich von der Darstellung im Tempel bis zum Kreuz begleitet hat. In meinem Handeln hat sie mich nie verlassen. Ich hatte nur noch sie. Und ich habe sie dir geschenkt, damit sie in deiner Seele weiterhin etwas von meinen Zügen formen kann, etwas, was mir auf die eine oder andere Weise ähnlich ist. Ich habe dir meine Mutter geschenkt. Was hast du mit meiner Mutter gemacht? Sie hat dich in mir in der Krippe ohne Schmerzen geboren, umgeben von himmlischen Gesängen, in Armut, aber ohne Schmerzen; sie hat dich am Fuße des Kreuzes geboren. Was hast du mit ihr gemacht? Wann hast du sie gefeiert und geehrt? Hast du sie wirklich wie eine Mutter behandelt?“ 

Wir können uns dem nicht entziehen. Das ist die Frage, die unser Herr uns stellen wird. Können wir auf diese so schöne und tiefgründige Lehre verzichten, die uns die Liebe Unseres Herrn in überreichem Maße offenbart? 

Haben wir etwa Angst, dass die Muttergottes, wenn wir sie als Miterlöserin behandeln, wie sie es verdient, uns vom Geheimnis der Erlösung entfernt, in das sie selbst ganz und gar eingetaucht ist? 

Kann ein Christ diese Angst haben? Nein, das ist unzulässig! 
Kann man die Seelen auf diese Weise täuschen? Das ist unzulässig!

Kann man die Seelen von der Muttergottes entfernen, obwohl ihre Rolle nicht nur darin besteht, uns zu Unserem Herrn zu führen, sondern darüber hinaus Unseren Herrn in unseren Seelen zu formen? Das ist unzulässig!

Bischofsweihen aus Treue zur Kirche und zu den Seelen

Wir glauben, dass es an der Zeit ist, über die Zukunft der Priesterbruderschaft St. Pius X. nachzudenken, über die Zukunft aller Seelen, die wir nicht vergessen dürfen, die wir nicht verlassen dürfen, und vor allem über das Gute, das wir für die Kirche tun können. Und das wirft eine Frage auf, die wir uns schon seit langem stellen und auf die wir heute vielleicht eine Antwort geben müssen. 

Sollen wir noch warten, bevor wir daran denken, Bischöfe zu weihen? Wir haben gewartet, gebetet, die Entwicklung der Dinge in der Kirche beobachtet, wir haben um Rat gefragt. Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben, um ihm in aller Einfachheit die Situation der Bruderschaft darzulegen, ihre Bedürfnisse zu erklären und gleichzeitig dem Heiligen Vater unseren einzigen Daseinsgrund zu bestätigen: das Wohl der Seelen.

Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben: Heiliger Vater, wir haben nur eine einzige Absicht, nämlich alle Seelen, die sich an uns wenden, zu wahren Söhnen der römisch-katholischen Kirche zu machen. Wir werden niemals eine andere Absicht haben und wir werden immer an dieser Absicht festhalten. Und das Wohl der Seelen entspricht dem Wohl der Kirche. 

Die Kirche existiert nicht in den Wolken – Die Kirche existiert in den Seelen

Es sind die Seelen, welche die Kirche bilden. Und wenn man die Kirche liebt, dann liebt man die Seelen; man will ihr Heil und man will alles tun, um ihnen die Mittel zu ihrem Heil anzubieten. Deshalb haben wir den Heiligen Vater gebeten, diese ganz besondere Situation der Priesterbruderschaft zu verstehen und ihr die Mittel zu geben, dieses Werk in einer Situation fortzusetzen, die außergewöhnlich ist – das erkennen wir an. 

Aber dieses Werk hat – noch einmal – kein anderes Ziel, als die Tradition zum Wohl der Seelen zu bewahren.

Nun, diese Gründe scheinen leider nicht zu interessieren, nicht überzeugend zu sein. Sagen wir es so: Diese Gründe haben beim Heiligen Stuhl momentan keine offene Tür gefunden. Wir bedauern das sehr. Aber was sollen wir nun tun? Sollen wir die Seelen im Stich lassen? Sollen wir ihnen sagen, es sei letztlich nicht notwendig, dass die Bruderschaft ihr Werk fortsetzt? Es sei letztendlich alles mehr oder weniger in Ordnung – mit anderen Worten: es gebe in der Kirche keinen Notstand mehr, der unser Apostolat, unsere Existenz rechtfertigen würde, um der Kirche zu helfen (nicht um sie herauszufordern, niemals!)? 

Wir sind hier, um der Kirche zu dienen. Und wir dienen der Kirche, indem wir den Glauben verkünden und den Seelen die Wahrheit sagen – und nicht, indem wir den Seelen Fabeleien erzählen.

Können wir den Seelen sagen, dass trotz allem alles gut ist? Nein! Das würde bedeuten, die Seelen zu verraten. Und die Seelen zu verraten, hieße, die Kirche zu verraten. Das können wir nicht tun. 

Der 1. Juli,  das Fest des Kostbaren Blutes Unseres Herrn

Wir denken, dass der 1. Juli ein gutes, ja ideales Datum sein könnte, denn es ist das Fest der Erlösung. Nichts anderes interessiert uns. Das Kostbarste, was wir haben, ist das Blut Unseres Herrn, das am Kreuz, am Kreuzesholz aus seinen Füßen fließt. Es wurde zuerst von der Muttergottes zu Füßen des Kreuzes angebetet, und wir beten es weiterhin zu Füßen des Altars an. Das ist das Einzige, was uns interessiert, das Einzige, was wir den Seelen geben wollen. 

Die Seelen haben ein Recht darauf, es ist kein Privileg, die Seelen haben ein Recht darauf. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.

In den nächsten Tagen werden wir Ihnen natürlich weitere Informationen und Erklärungen zukommen lassen. Man muss gut verstehen, warum. Man muss die Tragweite gut verstehen, das ist von entscheidender Bedeutung. Aber gleichzeitig muss man dies im Gebet verstehen. Es reicht nicht aus, den Verstand vorzubereiten. Ich würde sagen, ein bloß apologetischer Ansatz reicht dafür nicht aus. Wir müssen unsere Herzen vorbereiten, das ist eine Gnade. Es ist eine Gnade, und wir müssen an dieser Gnade festhalten. Wir müssen dem Lieben Gott danken, wir müssen uns vorbereiten. Bischofsweihen, ja! Bischofskonsekrationen – noch einmal! Nicht um der Kirche zu trotzen, es ist kein Trotz. 

Ich füge noch eine letzte Überlegung hinzu: 

Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Entscheidung. Ich übernehme sie zunächst vor Gott, ich übernehme sie vor der allerseligsten Jungfrau, vor dem Heiligen Pius X., ich übernehme sie vor dem Papst. Ich würde gerne vor dem 1. Juli den Papst treffen. Ich würde ihm gerne unsere wahren, tiefen Absichten erklären, unsere Verbundenheit mit der Kirche, damit er es weiß, damit er es versteht. Und ich übernehme diese Verantwortung natürlich vor der Kirche. Und vor der Bruderschaft, allen Mitgliedern der Bruderschaft und – ich wiederhole es noch einmal – vor allen Seelen, die sich auf die eine oder andere Weise an uns wenden, uns jetzt oder in Zukunft um Hilfe bitten – all diesen Seelen, all diesen Berufungen, die uns die Vorsehung gesandt hat und weiterhin sendet. Ich übernehme diese Verantwortung auch vor diesen Seelen – vor jeder einzelnen, denn eine Seele hat einen unendlichen Wert.

In der Kirche ist das Heil der Seelen

Und in der Kirche ist – vergessen Sie das niemals – das Heil der Seelen, das Gesetz der Gesetze, das Gesetz, das über allen anderen steht.

Nicht das Geschwätz ist das Gesetz, nicht die Synode, nicht die Ökumene, nicht die liturgischen Experimente, nicht die neuen Ideen, nicht die neuen Evangelisierungen, sondern das Heil der Seelen. Das ist das Gesetz aller Gesetze. Und wir haben – jeder an seinem Platz – die Pflicht, dieses Gesetz zu befolgen und uns ganz dafür einzusetzen. 

Warum?  Und damit komme ich zum Schluss: Heute lehren uns nämlich Unsere Liebe Frau und Unser Herr, dass sie während ihres Erdendaseins keine andere Idee, kein anderes Ziel hatten, als die Seelen zu retten. 

Und wie gesagt, auf die eine oder andere Weise muss jeder von uns entsprechend seinen Talenten und seiner Stellung alles tun, was er kann, muss seinen Beitrag leisten, um seine eigene Seele und die der anderen zu retten. Amen.

Quelle: FSSPX Distrikt Deutschland