„Dann werden sie fasten“
„Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten“. Da der Bräutigam uns genommen wurde, ist für uns die Zeit der Trauer und des Weinens gekommen. Dieser Bräutigam „ist der schönste unter allen Menschen; Anmut ist ausgegossen über seine Lippen“ (vgl. Ps 44(45),3). Doch hat er unter den Händen seiner Peiniger jeden Glanz, jede Schönheit verloren. Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten (vgl. Jes 53,2.8). Unsere Trauer aber ist berechtigt, wenn wir vor Verlangen brennen, ihn zu sehen. Selig, die vor seinem Leiden sich seiner Gegenwart erfreuen konnten, die ihn fragen konnten, sooft sie es wollten, und die ihm lauschen konnten, wie es sich ziemte […] Wir jedoch, wir sehen jetzt die Erfüllung dessen, was gesagt wurde: „Es werden Tage kommen, in denen ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu sehen; doch ihr werdet ihn nicht sehen“ (Lk 17,22). […] Wer würde nicht mit dem königlichen Propheten sprechen: „Meine Tränen sind mir Brot geworden bei Tag und bei Nacht; man sagt zu mir den ganzen Tag: Wo ist dein Gott?“ (Ps 41(42),4). Wir glauben fest an ihn, der schon zur Rechten des Vaters sitzt, doch solange wir in diesem Leib sind, leben wir in der Fremde, fern vom Herrn (vgl. 2 Kor 5,6), und wir können ihn denen nicht zeigen, die an seiner Existenz zweifeln, die sie womöglich gar leugnen, indem sie sagen: „Wo ist dein Gott?“ […] „Noch eine kurze Zeit“, sprach der Herr zu seinen Jüngern, „dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen“ (Joh 16,19). Jetzt ist die Stunde da, von der er gesagt hat: „Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen […], aber“, fügt er hinzu, „ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude“ (V. 20.22). Die Hoffnung, die uns jener gibt, der treu ist in seinen Verheißungen, lässt uns hier nicht einfach freudlos zurück – bis die überbordende Freude, wenn wir ihm ähnlich sein werden, kommt, weil wir ihn sehen werden, wie er ist (vgl. 1 Joh 3,2) […] „Wenn die Frau gebären soll“, sagt unser Herr, „hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist“ (Joh 16,21). Diese Freude ist es, die kein Mensch uns nehmen kann und die uns überreich zuteil wird, wenn wir aus der gegenwärtigen Situation des Glaubens zum ewigen Licht schreiten. Fasten wir deshalb jetzt und beten wir, denn wir befinden uns noch am Tag der Geburt.
Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé
