Wohnt Gott hier nicht mehr?

Von A. Ambrogetti

Wenn die entweihte Kirche zur Buchhandlung oder Tanzbar wird

Eines der bekanntesten Beispiele ist die Boekhandel Dominicanen in Maastricht, eine wunderschöne gotische Kirche aus dem Jahre 1294, die gleichzeitig mit dem Kloster erbaut wurde.

Sie wurde schon im Jahre 1796 entweiht und für alles Mögliche genutzt. Die Architekten Merkx & Girod verwandelten sie in eine Buchhandlung. Dabei behielten sie die tragenden Strukturen bei und nutzten des Presbyterium als Bar, mit einem provozierenden Tisch in Kreuzform in der Mitte.

Die Restaurierung fand 2006 statt und jährlich suchen rund 700.000 Menschen die Buchhandlung auf. Mehr für den Besuch der Kirche als für den Kauf von Büchern. Die Dominikanerkirche ist eine gotische Klosterkirche im Zentrum der Stadt Maastricht.

Sie ist nur eines – vielleicht das bekannteste – Beispiel für das ernsthafte Problem der Auflassung von Kultstätten und die alternative Nutzung von kirchlichen Kulturgüter, insbesondere in Europa. Über dieses Thema wird man, dank des Päpstlichen Rates für die Kultur, der italienischen Bischofskonferenz und der Päpstlichen Universität Gregoriana mit ihrem Fachbereich für kirchliche Kulturgüter, am 29. und 30. November 2018 in Rom auf der Konferenz anlässlich des Europäischen Jahr des Kulturerbes sprechen.

Um sich auf dieses Ereignis vorzubereiten, hat man auch den Fotowettbewerb nongerchurches gestartet. Die Idee ist, auf Instagramm Originalfotos, Fotos von katholischen Gebäuden oder Kultstätten zu teilen, die aufgelassen oder wieder genutzt werden oder wurden.

Das Problem der Auflassung und Wiederverwendung von Kultstätten ist nicht neu in der Geschichte; aber heute scheint es dringlicher zu sein.

Ebenfalls in Holland ist eines der größten Probleme, mit dem sich die Diözese Utrecht beschäftigen muss, die Verwaltung der Kathedrale der heiligen Katharine.

Auch in diesem Fall handelt es sich um eine gotische Kirche mit großer kunstgeschichtlicher Bedeutung, die sehr hohe Instandhaltungskosten mit sich bringt. In Holland sind Kirchen, auch denkmalgeschützte Kirchen, im Besitz der Diözese oder der Pfarreien und der Staat greift dort nicht unterstützend ein, wie etwa in Italien.

In Maastricht zum Beispiel werden die beiden historischen Kirchen des heiligen Servatius, des Missionars Hollands, und die Liebfrauenbasilika durch die Bezahlung von Eintrittskarten und durch die volkstümliche Verehrung des Gnadenbildes der Muttergottes „Stella Maris“ (Stern des Meeres) erhalten. Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch in Italien gibt es viele Beispiele von verlassenen und neu genutzten Kultstätten. Man denke nur an die ehemalige Kirche in der Straße Piero della Francescoin Mailand, die zu einer Disco umgewandelt wurde. Es gibt unendlich viele Beispiele.

Aber es gibt auch einige schöne Geschichten von wieder geöffneten Kirchen, wie jener des heiligen Andreas in Melzo. Dank der Arbeit eines Vereines wird sie heute wieder für Gottesdienste genutzt.

Dieses Thema drängt sich der Kirche aufgrund der fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft noch mehr auf. Dabei geht es auch darum, ein größeres Bewusstsein für den historisch-künstlerischen und symbolischen Wert zu schaffen, den ein Kirchengebäude und die darin aufbewahrten Kunstwerke besitzen.

Es stellt sich also die Frage: Wohnt Gott nicht mehr hier?

Das ist auch das Thema des Wettbewerbs, der in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich für architektonische Kulturgüter und Landschaft der Universität Sapienza in Rom und den Zeitschriften Arte Christiana, Casabella und Chiesa Oggi durchgeführt wird. Eine Expertenjury wird die Bilder auswählen, die dann in der Fotoausstellung beim internationalen Kongress im Quadriportikus der Päpstlichen Universität Gregoriana zu sehen sein werden.

Bis zum 15. Oktober kann man Fotos oder Bilder posten.

In den beiden Konferenztagen im November wird man zuerst das schwerwiegende und dringliche Problem der Auflassung von Kirchen und deren neuer Nutzung behandeln. Im Anschluss wird es um die Verwaltung und Wertschätzung des kirchlichen kulturellen Erbes als Aspekt bei den pastoralen Aktivitäten der Diözesen gehen.

An den Veranstaltungen am Vormittag können alle am Thema Interessierten teilnehmen. Die Nachmittage sind den Delegaten der Bischofskonferenzen aus Europa, Nordamerika und Ozeanien vorbehalten.

Die Lage in diesen Ländern ist nämlich sehr ähnlich und es verbinden sie dieselben Probleme in der Verwaltung des kulturellen Erbes.

Quelle: catholicnewsagency.com Bild: Pixabay

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