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Tagesevangelium 23.07.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes – Joh 15,1-8

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In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Kardinal Sean Patrick O’Malley – Rückblick November 2018

Kardinal O’Malley reagierte auf die Ernennung des Organisationskomitees für den Sondergipfel

Kardinal O’Malley läßt Papst Franziskus und die Öffentlichkeit einiges wissen

(Washington) Kardinal Sean Patrick O’Malley nahm zur Ernennung des Organisationskomitees für den Sondergipfel gegen sexuellen Mißbrauch Stellung, der von Papst Franziskus für Februar 2019 einberufen wurde. O’Malley wurde von Papst Franziskus überraschend nicht in das Organisationskomitee berufen, obwohl er Vorsitzender der Päpstlichen Kinderschutzkommission ist.

Der Kardinal reagierte noch Abend desselben Tages, an dem das vatikanische Presseamt die Namen der von Papst Franziskus ernannten Komitee-Mitglieder bekanntgegeben hatte. Mit seiner Stellungnahme unternimmt Kardinal O’Malley aus der Ferne den Versuch, in der Sache doch ein Wort mitzureden.

Verpackt in eine überlegte Sprache lassen sich vier Botschaften an die Öffentlichkeit und an Papst Franziskus herauslesen:

  • Der Erzbischof von Boston und Vertreter Nordamerikas im C9-Kardinalsrat läßt wissen, daß die Idee zum Sondergipfel im kommenden Februar von ihm stammt.
  • Wenn jemand bisher praktische Schritte unternommen und Empfehlungen gegen den Mißbrauch durch Kleriker gegeben hat, dann waren es er und die von ihm geleitete Kinderschutzkommission.
  • Obwohl er dennoch von Papst Franziskus nicht in das Organisationskomitee berufen wurde, gibt er die Hoffnung kund, doch mitarbeiten zu können.
  • Für die Untersuchung von Anschuldigungen gegen Bischöfe braucht es unabhängige Laienkommissionen, die in dieser Sache die ineffizienten Bischöfe ersetzen sollen, die ihren Amtskollegen, die vertuschten oder selbst Täter sind, den Rücken deckten. Damit distanziert sich Kardinal O’Malley vom „alternativen Vorschlag“ der Kardinäle Cupich und Wuerl, der den Metropoliten die Zuständigkeit ürber die Untersuchungen übertragen will.

Quelle: katholisches G. Nardi Bild: Archiocese of Boston (Screenshot)

Erdogan gehen die Trumpfkarten aus

Kathedrale Hagia Sophia in Moschee umgewandelt

Die Wirtschaft kommt nicht aus der Krise, seine eigene Partei schwächelt, die Jugend wendet sich zunehmend von ihm ab: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan steht innenpolitisch derzeit gleich vor mehreren Herausforderungen. Mit der international heftig kritisierten Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee spielt der Staatschef nun eine seiner letzten Trumpfkarten aus. Dass der Schritt das System Erdogan langfristig retten kann, wird von Beobachtern bezweifelt.

Im Moment sitzt Erdogan fest im Sattel. Die Popularitätswerte des Präsidenten sind während der Coronavirus-Krise sogar noch gestiegen. Der Kollaps des türkischen Gesundheitssystems konnte von den Behörden verhindert werden. Knapp 215.000 CoV-Fälle wurden Daten der Johns Hopkins University zufolge bisher bestätigt, rund 5.400 Menschen starben infolge der Infektion.

Aus wirtschaftlicher Sicht traf die Pandemie das Land zur Unzeit. Nach zwei Jahren Rezession zeigte die Wirtschaft Anzeichen einer Erholung. Die Ausbreitung des Virus hat die positive Entwicklung gestoppt. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, zudem tut sich die Regierung schwer damit, die Inflation in den Griff zu bekommen.

Überdies wirkt sich die Pandemie direkt auf den für die Türkei so wichtigen Fremdenverkehr aus. Reisewarnungen und die Angst der Menschen vor einer Ansteckung mit CoV haben die Zahl der Gästeankünfte aus dem Ausland in den ersten fünf Monaten des Jahres um zwei Drittel einbrechen lassen. Der Sommertourismus ist bisher nur schleppend angelaufen.

Protzerei und Korruption

Zur ökonomischen Krise des Landes kommt für Erdogan die Krise seiner Partei. Die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) ist seit fast zwei Jahrzehnten durchgehend an der Macht. Ihre Repräsentanten geben sich zusehends weniger Mühe, ihren angehäuften Reichtum und ihre Privilegien zu verschleiern. Im November des Vorjahres sorgten der ehemalige Gesundheitsstaatssekretär Ahmet Emin Söylemez und seine Ehefrau mit einer prunkvollen Feier anlässlich der Geburt ihres Kindes für Aufregung. Das Neugeborene bekam während des Festes einen Brillantring an den Finger gesteckt.

Bei den Kommunalwahlen im Vorjahr verlor die AKP unter anderem die Bürgermeisterposten in Istanbul und Ankara. Seit die Opposition in den beiden Großstädten am Ruder ist, kommen immer mehr Korruptionsfälle der Vorgängerregierungen ans Licht. In der Metropole Istanbul, wo Erdogan in den 1990ern selbst Stadtchef war, führen die Spuren ins engste familiäre Umfeld des Präsidenten.

Recep Tayyip Erdogan 

In Istanbul führt die Spur der Korruption direkt in Erdogans familiäres Umfeld

Hinzu kommt: Das Versprechen an die Mittelschicht, mit harter Arbeit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg zu schaffen, gilt längst nicht mehr. Ohne AKP-Parteibuch bleibt der Zugang zu Führungspositionen in Unternehmen oder im öffentlichen Dienst verwehrt. Umgekehrt können einem die richtigen Kontakte fast alle Türen öffnen: Ein besonders krasses Beispiel ist Medienberichten zufolge der Führungszirkel des türkischen Vorzeigeunternehmens Turkish Airlines, in dem mehrere Mitglieder frühere Schulkollegen von Erdogans Sohn Bilal (39) sein sollen.

Quelle: orf.at Ph. Pfleger Bild: orf.at (Screenshot)

Tagesevangelium 22.07.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes – Joh 20,1-2.11-18

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Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Aus Psalm 85

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Einst hast du, Herr, dein Land begnadet
und Jakobs Unglück gewendet,
hast deinem Volk die Schuld vergeben,
all seine Sünden zugedeckt.

Gott, unser Retter, richte uns wieder auf,
lass von deinem Unmut gegen uns ab!
Willst du uns ewig zürnen,
soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?

Willst du uns nicht wieder beleben,
so dass dein Volk sich an dir freuen kann?
Erweise uns, Herr, deine Huld,
und gewähre uns dein Heil!

Quelle: CFM.SCJ Archiv Alexandria

Tagesevangelium 21.07.2020

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 12,46-50

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In jener Zeit, als Jesus mit den Leuten redete, standen seine Mutter und seine Brüder vor dem Haus und wollten mit ihm sprechen. Da sagte jemand zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir sprechen. Dem, der ihm das gesagt hatte, erwiderte er: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Quelle: CFM.SCJ Archiv Yaoundé

Kathedrale in Moschee verwandelt

Hagia Sophia in Moschee verwandelt (c) Rabe! / CC BY-SA

 „Es ist, als ob der Petersdom in eine Moschee verwandelt worden wäre“

Letzte Woche erließ der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein beispielloses Dekret, mit dem die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umgewandelt wurde. Erdogans Dekret ist eine Geste von immenser Symbolik und historischer Bedeutung. „Eine Bedrohung gegen die Hagia Sophia“, sagte der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, „ist eine Bedrohung für die gesamte christliche Zivilisation“.

Ein Gastbeitrag von Giulio Meotti

„Die Stadt, die Konstantin mehr als tausend Jahre lang beschützt hatte… wurde nun, in diesem unglücklichen Jahr, von den Türken zerstört. Ich leide bei dem Gedanken, dass der Tempel der heiligen Sophia, der in der ganzen Welt berühmt ist, zerstört oder geschändet wurde. Dies ist ein zweiter Tod für Homer, ein zweiter Tod für Platon“. Diese Worte des großen Humanisten Enea Silvio Piccolomini, der Papst Pius II. wurde, wurden vor fünf Jahrhunderten geschrieben, nachdem die große christliche Stadt Konstantinopel an die Osmanen gefallen war.

Letzte Woche erließ der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein beispielloses Dekret, mit dem die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umgewandelt wurde. Erdogans Dekret ist eine Geste von immenser Symbolik und historischer Bedeutung. „Eine Bedrohung gegen die Hagia Sophia“, sagte der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, „ist eine Bedrohung für die gesamte christliche Zivilisation“.

Der US-Außenminister warnte

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte:

„Wir fordern die türkische Regierung dringend auf, die Hagia Sophia weiterhin als Museum zu erhalten, als ein Beispiel für ihr Engagement, die Glaubenstraditionen und die vielfältige Geschichte, die zur Republik Türkei beigetragen haben, zu respektieren und sicherzustellen, dass sie für alle zugänglich bleibt.“

916 Jahre lang war die Hagia Sophia die „größte Basilika der Welt“ und der Hauptsitz der östlich-orthodoxen Kirche, in der über Jahrhunderte hinweg Kaiser gekrönt wurden.

Am 29. Mai 1453 kam Sultan Mehmet II. auf einem weißen Pferd zur Hagia Sophia, der Kathedrale der „Göttlichen Weisheit“, die eintausend Jahre zuvor vom byzantinischen Kaiser Justinian I. erbaut worden war. Nachdem er das Ende des großen christlich-byzantinischen Reiches herbeigeführt hatte, betete Sultan Mehmet II. in der größten Kirche des östlichen Christentums zu Allah.

„Es ist, als wäre der Petersdom in eine Moschee verwandelt worden“, sagte Michael Talbot, Dozent für Geschichte an der Universität von Greenwich. „Es ist die Tatsache, dass der Sitz dieser Kirche nicht mehr als Kirche funktioniert und sich in den Händen einer rivalisierenden Religion befindet“.

Unter den Osmanen wurde die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt und blieb es bis 1934, als der säkularistische türkische Führer Mustafa Kemal Atatürk sie in ein Museum verwandelte. Sie sollte das Emblem einer neuen Türkei werden, die in der Lage war, die Merkmale des Ostens und des Westens zu mischen.

„Allahu Akbar“-Geschrei in der ehemaligen Kathedrale

In der vergangenen Woche, nach Erdogans neuem Dekret, versammelten sich Islamisten unter dem Ruf „Allahu Akbar“ in der ehemaligen Kathedrale. Der Ort wird am 24. Juli wieder als Moschee für muslimische Gebete geöffnet. Es wird angenommen, dass während der muslimischen Gebete die weltberühmten byzantinischen Mosaiken der Hagia Sophia abgedeckt werden.

Die Türkei brauchte streng genommen keine weitere Moschee: In den letzten Jahren hat Erdogan im Land 17.000 Moscheen gebaut. So Ertugrul Özkök in der türkischen Zeitung Hurriyet:

„Ein Land, in dem jeden Tag von seinen 80.000 Moscheen aus, in denen fünfmal am Tag gebetet wird, zum Gebet aufgerufen wird, wird sich nun aufmachen und eines der größten Symbole der orthodoxen Welt zurückerobern. Ist das so?…. Hätten Sie es so sehr genossen, wenn eine Moschee in der Mitte Europas in eine Kirche umgewandelt worden wäre?“

Mit der Aneignung des Gebäudes scheinen die Verteidiger des politischen Islams zu versuchen, „die christliche Vergangenheit der Türkei auszulöschen„. Vor einem Jahrhundert machten die Christen 20% der türkischen Bevölkerung aus, während es heute nur noch 0,2% sind. So berichten Benny Morris und Dror Ze’evi in ihrem Buch „Der dreißigjährige Völkermord: Die Vernichtung der christlichen Minderheiten in der Türkei, 1894-1924„:

„Die armenischen, griechischen und assyrischen (oder syrischen) Gemeinschaften in der Türkei verschwanden als Ergebnis einer gestaffelten Kampagne des Völkermords, die 1894 begann und gegen sie von ihren muslimischen Nachbarn verübt wurde… Bis 1924 waren die christlichen Gemeinschaften in der Türkei und den angrenzenden Gebieten zerstört worden.“

Die Türkei hat mehr biblische Stätten als jede andere Region im Nahen Osten außer Israel. Die Türken im seit 1974 besetzten Nordzypern haben ihre christliche Vergangenheit bereits ausgelöscht.

Innerhalb der Türkei hat Erdogan seinen Krieg gegen die Syrische Kirche in ähnlicher Weise eskaliert, indem er 50 Kirchen, Klöster und religiöse Güter beschlagnahmte.

Demütigung für den ganzen Westen

Offensichtlich wollte er auch dem Westen Demütigung zufügen. Am Tag vor seiner Ankündigung hat er christliche Missionare ausgewiesen. Indem er die Hagia Sophia in eine Moschee verwandelte, gelang es Erdogan, Washington in Verlegenheit zu bringen, Brüssel zu verspotten und Moskau zu trotzen.

Für Erdogan und die Islamisten ist die Hagia Sophia das wichtigste Symbol für die Unterwerfung des Christentums unter den Islam. „Die Hagia Sophia ist das Symbol der Eroberung“, sagte Yunus Genç, der den Istanbuler Zweig des Anatolischen Jugendverbandes leitet. „Sie gehört uns“.

Vier Päpste haben die ehemalige Kathedrale besucht: Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franz I. Doch 24 Stunden nach ihrer Umwandlung in eine Moschee hat kein größerer christlicher Führer oder Gelehrter den religiösen Angriff der Türkei auf die Hagia Sophia angeprangert.

Der gegenwärtige Identitätswechsel scheint Teil eines langen, bewussten Projekts der Re-Islamisierung zu sein. Im Jahr 2016 erhielt die Hagia Sophia zum ersten Mal seit 81 Jahren einen eigenen Imam. Zuvor, 2012, wurde in Iznik eine weitere Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt. Der Standort war bedeutend: In Iznik, dem alten Nicäa, hatten sich 325 Bischöfe aus dem ganzen Römischen Reich versammelt, um das christliche Glaubensbekenntnis zu erarbeiten. Ein Jahr später wurde in Trabzon eine weitere berühmte Hagia Sophia, ein Museum seit 1961, ebenfalls in eine Moschee umgewandelt und ihre byzantinischen Mosaiken „mit Vorhängen und Teppichen bedeckt“.

Als Erdogan sich 1994 um das Amt des Bürgermeisters von Istanbul warb, sprach er bereits von „der zweiten Eroberung Istanbuls“ und hatte schon damals die Rückeroberung der Hagia Sophia ins Auge gefasst.

„Eine Eroberung zu feiern, die vor mehr als fünf Jahrhunderten stattfand, mag den europäischen Führern anachronistisch, ich würde sogar sagen absurd erscheinen“, schrieb der türkische Schriftsteller Nedim Gürsel. „Für Erdogan ist die Einnahme von Konstantinopel ein weiterer Vorwand, um den Westen herauszufordern.“

Nach Ansicht von Tugba Tanyeri Erdemir, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Pittsburgh, könnte die Umgestaltung der Hagia Sophia auch „Extremisten ermutigen, ihre Kampagne der erzwungenen Konversion und Zerstörung von Stätten des Kulturerbes von Minderheiten zu intensivieren“.

Türkei ist nicht mehr säkular

„Sie wieder in eine Moschee umzuwandeln“, sagte der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk, „bedeutet dem Rest der Welt zu sagen, dass wir leider nicht mehr säkular sind“.

Der politische Islam ist an vielen Fronten in der Offensive. Seine Verfechter haben Europa mit Moscheen überschwemmt. Die „größte Moschee in Europa“ wird eine türkische Moschee in Straßburg sein. In Deutschland kontrolliert die Türkei 900 von insgesamt 2.400 Moscheen. Extremisten haben Europa auch ein neues ideologisches Verbrechen aufgezwungen, die „Islamophobie„, und sie haben die „Auslöschung“ all dessen finanziert und miterlebt, was vom Glanz des östlichen Christentums übrig geblieben ist, das diese Länder sechs Jahrhunderte vor dem Islam zu verherrlichen pflegte. Jetzt verwandeln Islamisten die Hagia Sophia in eine Moschee. Sie tun dies nicht nur in ihren Ländern. In Frankreich haben sie auch darum gebeten, dass Kirchen in Moscheen umgewandelt werden.

In der Türkei weigert sich Erdogan unterdessen immer wieder, die Erlaubnis zum Bau neuer Kirchen zu erteilen. Fairerweise muss man sagen, dass die Türkei 2015 endlich einen Plan zum Bau ihrer ersten neuen Kirche seit 90 Jahren gebilligt hat.

Einem französischen Religionswissenschaftler, Jean-Francois Colosimo, zufolge erwartet Erdogan „ein zivilisatorisches München“ – ein Verweis auf den Pakt von 1938, in dem Frankreich und Großbritannien die Tschechoslowakei an Hitler übergaben. Erdogan hätte keinen besseren Zeitpunkt wählen können. Seit Wochen reißen Politiker und Eliten im Westen Denkmäler nieder – entweder sie tun es selbst oder beobachten schweigend die barbarischen Armeen des westlichen Selbsthasses.

Doppelmoral scheint nun auch die Norm zu sein. Als 2005 in dänischen und französischen Zeitungen Karikaturen Mohammeds erschienen, brach die muslimische Welt in Gewalt aus. Im selben Jahr, als Newsweek über eine angebliche Schändung eines Korans in Guantanamo Bay berichtete, geriet die muslimische Welt, bevor das Magazin den Artikel schnell zurückzog, in Rage.

Papst Benedikt XVI hatte mit seiner Regensburger Rede recht

Als Papst Benedikt XVI. in Regensburg den Islam aufforderte, 2014 dem Fanatismus und der Intoleranz abzuschwören, brach die muslimische Welt erneut in Gewalt aus. Als Israel im Jahr 2017 Metalldetektoren auf einem Gelände installierte, um für Muslime und Juden heilige Stätten zu schützen, beschuldigte Erdogan Israel, den islamischen Charakter Jerusalems zu zerstören. Jetzt jedoch, da die Türkei ihr wichtigstes ehemals christliches Denkmal in eine Moschee verwandelt, gibt es keinen Protest, nur Schweigen und Gemurmel, die nichts anderes als der Soundtrack der Unterwerfung des Westens unter den Islam sind.

„Eine Apathie, die an den Mangel an Solidarität erinnert, als die byzantinische christliche Zivilisation mit dem Fall Konstantinopels im Mai 1453 unterging“, schrieb Ivan Rioufol in Le Figaro. „Weder Venedig, Frankreich noch England sind diesem strahlenden Teil ihrer Kultur zu Hilfe gekommen. Die Geschichte wiederholt sich.“

Quelle: poschenker Bild: poschenker (Screenshot)