Archiv für den Monat: Juli 2017

Tagesevangelium – 05.07.2017

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 8,28-34

Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet von Gadara, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeiführte.
Sofort begannen sie zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen?
In einiger Entfernung weidete gerade eine große Schweineherde.
Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde!
Er sagte zu ihnen: Geht! Da verließen sie die beiden und fuhren in die Schweine. Und die ganze Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um.
Die Hirten flohen, liefen in die Stadt und erzählten dort alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war.
Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner

„Ein autoritärer Akt“

Papst Franziskus und Kardinal Müller: „Strategie der Konservativen nicht aufgegangen“.

Von Roberto de Mattei*

Die Entfernung von Kardinal Gerhard Müller stellt einen entscheidenden Moment in der Geschichte des Pontifikats von Papst Franziskus dar. Müller, der von Benedikt XVI. ernannt, am 2. Juli 2012 als Präfekt die Leitung der Kongregation für die Glaubenslehre übernahm, ist erst 69 Jahre alt. Es ist noch nie vorgekommen, dass ein Kardinal, der mehr als fünf Jahre vom kanonischen Pensionsalter (75 Jahre) entfernt ist, nicht für eine zweite fünfjähriges Amtszeit verlängert wurde.

Es genügt daran zu denken, dass es Prälaten gibt, die zehn Jahre älter als Kardinal Müller sind und noch wichtige Ämter innehaben. Dazu gehört Kardinal Francesco Coccopalmerio, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, dessen Sekretär vor kurzem in flagranti von der päpstlichen Gendarmerie bei einer Homo-Orgie und mit Drogen in einem zum Vatikan gehörenden Gebäude erwischt wurde. Coccopalmerio hatte jedoch seine Wertschätzung für Amoris laetitia kundgetan und erklärt, dass „die Kirche immer die Zuflucht der Sünder war“, während Müller seine Irritationen wegen der Öffnungen des päpstlichen Schreibens nicht verborgen hielt, wenn auch mit Kritik zurückhielt.

Unter diesem Blickwinkel ist die Entlassung von Kardinal Müller ein autoritärer Akt, mit dem Papst Bergoglio offen jenen Teil von konservativen Kardinälen herausfordert, dem der Präfekt der Glaubenskongregation bekanntlich nahesteht. Franziskus ist mit Macht, aber auch Geschicklichkeit vorgegangen. Zunächst schuf er rund um Müller verbrannte Erde, indem er ihm drei seiner treuesten Mitarbeiter entließ. Dann wiegte er ihn bis zum Schluss im Glauben, ohne je sichere Zusagen zu machen, ihn im Amt zu verlängern. Am Ende ersetzte er ihn nicht mit einem Vertreter des radikalen Progressismus wie den Rektor der Katholischen Universität von Argentinien, Msgr. Victor Manuel Fernández, oder dem Sondersekretär der Synode, Msgr. Bruno Forte. Der Auserwählte ist Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, ein Jesuit, der bisher Sekretär der Glaubenskongregation war. Diese Entscheidung soll die Konservativen in Sicherheit wiegen und zugleich auf dem falschen Fuß erwischen. Was einige von ihnen nämlich nicht verstehen: Worauf es Papst Franziskus ankommt, ist nicht die Ideologie seiner Mitarbeiter, sondern die Treue gegenüber seinem Plan einer „unumkehrbaren Reform“ der Kirche.

Daher ist weniger von einem Sieg von Papst Franziskus zu sprechen, sondern vor allem von einer Niederlage der Konservativen. Kardinal Müller teilte die Linie von Papst Franziskus nicht und war geneigt, öffentlich und direkt eine Gegenposition einzunehmen. Die ihn umgebende konservative Gruppe war jedoch der Meinung, es sei wichtiger, zu schweigen und den Posten zu behalten, als zu reden und ihn zu verlieren. Der Präfekt folgte dieser verbreiteten Meinung und hielt sich weitgehend bedeckt. In einem Interview mit dem Monatsmagazin Il Timone sagte er: „Amoris laetitia ist natürlich im Licht der ganzen Lehre der Kirche zu interpretieren. […] Es gefällt mir nicht, es ist nicht korrekt, wenn viele Bischöfe Amoris laetitia auf ihre eigene Weise, so wie sie die Lehre des Papstes verstehen, interpretieren“. Zugleich sprach er sich in einer anderen Erklärung gegen die „Veröffentlichung“ der Dubia (Zweifel) der vier Kardinäle aus. Seine Entlassung konnte er damit dennoch nicht verhindern.

Die Zurückhaltung stellt in der Strategie mancher Konservativer das kleinere Übel dar gegenüber dem größeren Übel, den Posten zu verlieren, der dann von den Gegnern eingenommen werden könnte. Diese Strategie, zumindest die eigenen Stellungen zu halten, funktioniert mit Papst Franziskus aber nicht. Was ist nämlich das Ergebnis der ganzen Sache? Kardinal Müller hat eine kostbare Gelegenheit verspielt, Amoris laetitia öffentlich und eindeutig zu kritisieren, denn am Ende wurde er dennoch entlassen, und das ganz ohne die sonst übliche Vorankündigung.

Es stimmt, wie Marco Tosatti anmerkt, daß Müller nun freier ist, seine Meinung zu sagen. Selbst wenn er das tun sollte, ist er jetzt nur mehr ein frühpensionierter Kardinal und nicht mehr der Präfekt des wichtigsten Dikasteriums der Römischen Kurie. Die Unterstützung der Glaubenskongregation für die vier Kardinäle der Dubia, die ihren Weg fortsetzen, wäre für jene vernichtend gewesen, die heute die Revolution in der Kirche anführen. Papst Franziskus ist es gelungen, dies zu vermeiden. Die Lehre aus der Geschichte ist: Wer nicht kämpft, um nicht zu verlieren, erleidet trotz Nachgeben dennoch eine Niederlage.

*Roberto de Mattei, Historiker, Vater von fünf Kindern, Professor für Neuere Geschichte und Geschichte des Christentums an der Europäischen Universität Rom, Vorsitzender der Stiftung Lepanto, Autor zahlreicher Bücher, zuletzt in deutscher Übersetzung: Verteidigung der Tradition: Die unüberwindbare Wahrheit Christi, mit einem Vorwort von Martin Mosebach, Altötting 2017.

Quelle: katholisches.info Bild: Screens.

Tagesevangelium – 04.07.2017

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus – Mt 8,23-27

In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, und seine Jünger folgten ihm.
Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, so dass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief.
Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn; sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille ein.
Die Leute aber staunten und sagten: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner

Tagesevangelium – 03.07.2017

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes – Joh 20,24-29

Thomas, genannt Didymus – Zwilling-, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Quelle: Archiv der Herz Jesu Franziskaner

Turbulenzen im Vatikan

Im Vatikan ist der Papst mit turbulenten Tagen konfrontiert. Nach der Beurlaubung seines Finanzchefs Kardinal George Pell trennt sich Franziskus nun auch vom deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, wie italienische Medien unter Berufung auf der römisch-katholischen Kirche nahestehende Nachrichtenseiten berichten. Müller ist Chef der Glaubenskongregation.

Seine nach fünf Jahren am Sonntag endende Amtszeit werde nicht verlängert, hieß es. Gründe für diesen Schritt wurden nicht genannt. Allerdings war bekannt, dass Franziskus und Müller nicht immer auf gleicher Linie lagen. Der Präfekt der Glaubenskongregation gilt als Vertreter des konservativen Flügels im Vatikan und hatte oft auch den Reformkurs von Franziskus kritisiert.

„Das ist eine Entlassung ins Nichts“

Der deutsche Theologe Wolfgang Beinert sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von einer „Strafe“. „Das ist eine Entlassung ins Nichts“, sagte der ehemalige Hochschulprofessor am Samstag in München. „Wo wollen Sie so einen Mann hintun?“ Es gebe keine adäquate Lösung. Zumal Müller mit 69 Jahren für einen Kardinal recht jung und arbeitsfähig sei. Beinert sagte, das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und Müller sei von Anfang an nie sehr innig gewesen. „Das sind von der Chemie her zwei verschiedene Leute, die von Natur aus nicht zusammenpassen.“

Für die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ bedeutet ein Wechsel in der Glaubenskongregation im Vatikan „die wertvolle Möglichkeit einer Neuorientierung“. Nach den Berichten über eine Trennung Papst Franziskus‘ von dem bisherigen Leiter der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sprach „Wir sind Kirche“ von einer folgerichtigen Entscheidung. „Kardinal Müller hat sich immer wieder durch seine Belehrungen und Interpretationen des Papstamtes, zuletzt in seinem Buch „Der Papst“, zum Lehrmeister über den Papst erhoben“, hieß es in einer am Samstag in München verbreiteten Mitteilung.

Unterschiedliche Auffassungen

Doch auch die theologischen Auffassungen seien zu unterschiedlich gewesen. Besonders während der Familiensynode und nach Erscheinen des nachsynodalen Schreibens „Amoris Laetitia“ mit neuen Zugängen zu Sexualität und zum Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten seien die Differenzen klar zutage getreten. Als wichtigen Aufgabenbereich, für den der Glaubenspräfekt zuständig ist, nannte die Bewegung die Verfolgung sexueller Gewalt durch Priester.

Erst am Donnerstag hatte der Finanzchef des Vatikan, George Pell, wegen Missbrauchsvorwürfen angekündigt, sein Amt vorübergehend niederzulegen. Der australische Kardinal will in seine Heimat Australien zurückkehren, um sich den Missbrauchsvorwürfen zu stellen. Zuvor hatten die australischen Behörden ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen den 76-Jährigen eingeleitet. Pell, seit 2014 „Finanzminister“ des Vatikan, wies die Vorwürfe entschieden zurück. Diese seien „völlig falsch“.

Weitere Probleme

Der Papst ist mit weiteren Problemen konfrontiert. Vor zwei Wochen war der oberste Wirtschaftsprüfer des Vatikan nach zwei Jahren im Amt überraschend zurückgetreten. Der 68-jährige italienische Finanzexperte Libero Milone habe darum gebeten, vom Posten des Generalkontrollors entbunden zu werden. Laut der römischen Tageszeitung „Il Messaggero“ (Samstag) habe Milone auf das Amt verzichtet, weil der Papst ihn um eine Gehaltskürzung gebeten hatte. Milone kassierte laut dem Blatt 20.000 Euro brutto pro Monat, ein Betrag, der für den Vatikan als zu hoch galt.

Mit dem vor zwei Jahren geschaffenen Posten des Generalkontrollors wollte der Papst die Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen einer schärferen Prüfung unterziehen. Der Generalkontrollor sollte zudem gemeinsam mit Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx das Wirtschaftssystem modernisieren. Der Laie Milone, der den Großteil seiner Karriere bei der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte & Touche verbracht hatte, sei wegen seines direkten Charakters mit mehreren Kardinälen in Konflikt geraten, berichtete das Blatt.

Franziskus wird sich jetzt Zeit nehmen müssen, um zu entscheiden, wie es mit der Finanzverwaltung der Kurie weitergehen soll. Gemeinsam mit Milone hätte Pell die Modernisierung des Finanz- und Wirtschaftssystems des Vatikan vorantreiben sollen. Die Finanzen des Vatikan wurde lange nicht nach modernen Verfahrensweisen geführt, was bisweilen zur Unterschlagung von Mitteln führte. Die Einführung moderner Methoden durch Papst Franziskus stößt in Teilen der Kurie auf Vorbehalte, da dies alte Gewohnheiten durcheinanderbringt. Mit der Amtsniederlage von Milone und Pell drohen die Wirtschaftsreformen des Papstes zu versanden.

Quelle: oe24 Bild: CFM.SCJ Archiv Kairo