Kirchenkrise: „Dazu braucht es keine Beweise mehr“

Bishop Athanasius Schneider

Bischof Athanasius Schneider

Bischof Athanasius Schneider im Video-Interview

Das kirchliche Leben ist in vielen Ländern von einer tiefen Krise des Glaubens geprägt. Das sagt der kasachstan-deutsche Weihbischof Athanasius Schneider im Video-Interview mit dem österreichischen Philosophie-Professor Thomas Stark.

Weihbischof Schneider stellt fest, dass der Glaube das Fundament der Kirche ist, und fährt weiter: „Wenn das Fundament nicht stimmt oder geschwächt wird, dann wird langsam das Gebäude schief oder mit der Zeit schwerwiegend beschädigt.“

Die Ursache der Kirchenkrise verortet er im Klerus. Der Klerus habe mit seinem schwachen Glauben das Volk Gottes angesteckt. Darum wäre eine solide Priesterausbildung für Schneider die Lösung des Problems. Die unterrichtete Theologie müsse auf dem Fundament des heiligen Thomas von Aquin stehen. Die Feier der Liturgie in den Priesterseminarien müsse würdig sein. Das geistliche Leben der Kandidaten sei zu festigen.

Es ist unverantwortlich, die Krise schönzureden

Professor Stark weist auf das Wort Christi hin, wonach die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden. Zitat: „Manche optimistisch gestimmte Leute bedienen sich des Zitates, um dann zu sagen: ‚Es ist ja alles gar nicht so schlimm‘.“ Weihbischof Schneider findet eine solche optimistische Beurteilung „gar nicht realistisch“:

„Wir können vor der Wirklichkeit nicht die Augen schließen oder den Kopf in den Sand stecken und sagen: ‚Alles ist in Ordnung.‘ Es ist nicht in Ordnung. Das sehen wir. Dazu braucht es keine großen Beweise mehr. Es wäre verantwortungslos, wenn wir sagen würden, es ist alles in Ordnung oder es ist nicht so schlimm. Es ist schlimm. Wenn wir die offensichtlichen Übel im Leben der Kirche heute feststellen, bedeutet das nicht, Pessimisten zu sein. Das ist Realismus. Das ist die Sorge um den Glauben, um die Kirche. Wenn ein Vater über eine große Not in der Familie sagt: ‚Es ist gar nicht so schlimm, man muss nichts machen, es wird sich irgendwie lösen‘, dann ist das verantwortungslos. Ein Vater muss, wenn es eine ernste Krise gibt, Hilfe und Lösungen suchen. So ist es auch in der Kirche.“

Kardinäle verkünden Häresien

Professor Stark spricht Weihbischof Schneider auf dessen Aussage an, wonach zunehmend Leute an den Schaltstellen der Kirche sitzen, die den katholischen Glauben nicht vollständig besitzen. Schneider antwortet mit Verweis auf die letzten beiden Bischofssynoden:

„Das sind alles Leute, die an die Schaltstellen der Macht der Kirche gelangt sind – Kardinäle zum Beispiel. Das ist nach dem Papst das höchste Kirchenamt. Wir haben in den letzten beiden Jahren erlebt, wie sogar aus dem Munde von Kardinälen Worte gesprochen worden sind, die gegen den katholischen Glauben waren. Das ist natürlich sehr traurig.“

Schneider zitiert den früheren Präfekten der Glaubenskongregation Franjo Kardinal Šeper (1905-1981), der sagte: „Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe.“

Die Kommunion an Ehebrecher ist unmöglich

Zu Amoris Laetitia fordert Bischof Schneider Korrekturen, sonst „verbreitet sich die Unsicherheit und die Zweideutigkeit und die falsche Anwendung noch mehr“. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hätte die Kommunion an Wiederverheiratete ausnahmslos verboten: „Sie haben gesagt, dass diese Praxis auf dem Wort Gottes gründet, das heißt auf der Offenbarung. Somit ist es unfehlbar.“ Es handle sich nicht um eine Erfindung von Johannes Paul II., sondern um die beständige Praxis der Kirche.

Von diesem Punkt könne man auch bei schuldmindernden Umständen nicht abweichen: „Das wäre eine Untreue.“ Das wäre nicht, wie Kardinal Kasper meint, eine Weiterentwicklung, sondern würde den Sinn verändern: „Solange man die intellektuelle Redlichkeit hat, muss man sagen, dass es ein Widerspruch ist – sonst werden wir Gnostiker, Sophisten.“

Bischof Schneider stellt fest, dass die Kommunionspendung an Ehebrecher bereits seit Jahren in manchen Ortskirchen stillschweigend geduldet wird: „Durch Amoris Laetitia wird diese Praxis bestärkt.“ Dieser Missstand werde sich – wenn keine Korrektur aus dem Vatikan komme – wie eine Metastase im Körper ausbreiten.

Der Weihbischof ermutigt Priester, die von den eigenen Oberen gezwungen werden, die Kommunion an Ehebrecher zu spenden, sich auf die kirchliche Praxis der letzten 2000 Jahre zu berufen: „Der Priester muss sogar bereit sein, sein Amt als Pfarrer oder ein anderes Amt, zu verlieren, weil er hier Gott verteidigt und nicht sich selbst.“

Ein Priester verteidigt, so Schneider, bei der Kommunion etwas, das ihm nicht gehört, sondern nur anvertraut ist: „Letztlich ist es der Glaube und für den Glauben muss man sogar bereit sein, zu sterben. Was nützt es diesem Priester, diesem Bischof, wenn er hier für diese kurze Lebenszeit etwas gewinnt: ein Amt, ein Ansehen der Menschen? Wie schnell vergeht das, wie nichtig ist das! Plötzlich steht er vor dem Richterstuhl Gottes, vor der ewigen, unerbittlichen Wahrheit. Dort muss er Rechenschaft ablegen. Da wird kein Papst neben ihm stehen. Kein Bischof. Keine Zeitung. Keine öffentliche Meinung. Alleine er mit seinem Gewissen vor Gott.“

Die gegenwärtige, „sehr ernste Situation“ erfordert für Weihbischof Schneider, „dass man manchmal vor den eigenen kirchlichen Oberen ein Bekenner sein muss: „Solche Zeiten gab es in der Kirchengeschichte. Nicht oft, sehr selten, aber es gab sie. Darum muss es uns nicht wundern. Wir haben unser Taufversprechen nicht dem Papst gegeben, nicht dem Bischof, nicht unserem Pfarrer, nicht der Zeitung, nicht der Bischofskonferenz. Wir haben unsere Taufgelübde Jesus gegeben, der ewigen Wahrheit. Daran müssen wir uns halten.“

Christus ist der einzige Erlöser – auch der Juden

Schneider fordert, dass die Kirche in ihren Verlautbarungen auf eindeutige Weise formuliert. In der Straßenverkehrsordnung wäre es verantwortungslos, die Weisung zu erlassen: „Man kann bei der roten Ampel durchfahren oder nicht.“

Ebenso müssten die kirchlichen Dokumente bei Dingen, von denen das ewige Leben abhängt, klare Weisungen geben. Das betreffe Dinge wie die Gebote Gottes oder die Einzigartigkeit der Erlösung durch Jesus Christus: „Es gibt keinen anderen Weg ohne ihn – nicht einmal das heutige Judentum. Er ist der einzige Erlöser aller, auch der heutigen Juden.“

Bischof Schneider betont, dass es nur eine einzige Kirche gibt, die römisch-katholische Kirche: „Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil, das heißt: außerhalb Christi gibt es kein Heil.“

Die Alte Messe kommt sogar bis in die Kreuzzeichen aus dem 8. Jahrhundert

Hinsichtlich der Messe warnt der Bischof, diese zu einer „Show“ verkommen zu lassen. Das würde die Liturgie zu einer Veranstaltung machen, von der man sagen kann: „Wir haben die Herrlichkeit der Menschen gesehen.“

Schneider beurteilt es als Fortschritt, dass der alte Ritus im Jahr 2007 wiederbelebt wurde. Er habe über tausend Jahre lang „so viele Früchte, so viel herrliches kirchliches Leben gebracht“. Dagegen fehlten der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum überwiegend die Früchte der größeren Ehrfurcht und Andacht. Es habe mehr Früchte der gegenseitigen, menschlichen Verehrung bewirkt.

Schneider wendet sich gegen die Bezeichnung „tridentinische Liturgie“. Der Bischof spricht von „der Liturgie der Väter“ und „der Liturgie der Heiligen“.

Die alte Messe sei viel älter als das Konzil von Trient (1545-1563). Der Aufbau der überlieferten Messe, alle Gesten und Kreuzzeichen, können aus Manuskripten nachgewiesen werden, die bis ins 8. Jahrhundert zurückgehen: „8. Jahrhundert. Das ist nicht das tridentinische Konzil.“

Bischof Schneider betrachtet das Motu Proprio Summorum Pontificum von Benedikt XVI., dass die überlieferte Liturgie wieder zur Verfügung gestellt hat, „als eine der größten Handlungen seines Pontifikats.“

VIDEO: Verheerende Kirchenkrise

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